Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Lumpen (Bd. 4, Sp. 1061)   ElsWB Lumpeⁿ (Bd. 1, Sp. 589b) 
   Lumpen m.:
1.
a. 'Stoffetzen, Lappen', Lumbe (lumbə) [verbr., Christmann Kaulb 19, 50, 60 Höh 58 Mang 108 Müller Dietschw 49 PfId. 89 Lambert Penns 101 Krämer Gal 144 Don Buch Rußl], Lombe (lombə) [ WD-Ostbr HB-Kirrbg IB-Aßw Habkch Ingb], Pl. wie Sg.; vgl. PfWB Lappen 1 a; Zs.: PfWB Hudellumpen; Lumbe sammele [ KU-Schmittw/O]. Ausruf des Lumpensammlers: Lumbe, ald Eise, Knoche, Babier, alde Matratze, die kaufen wir [Land], auch von Kindern spielerisch gerufen. Wammer sich in de Finger schneidt, bindt mer'n merem (mit einem) L. zu [ KU-Schmittw/O]. RA.: Er es dohingesackt wie e L. [ KL-Stelzbg]. Die Klaarer (Kleider) hängen wie'n L. am Leib [ FR-Albsh]. Er danzt wie e L. am Stecke, d. h. ausgelassen, unermüdlich [ KU-Trahw, mancherorts, auch Don Gal Buch]. Drohung: Ich verschlaa (schlaa, staab) dich, daß de Lumbe kotzscht! [ KL-Wörsb, mancherorts Gal-Dornf]. Du bischt e Kerl wie e Pund Lumbe [Kühn Palz 141]. SprW.: Mei Hemm un dei Hemm is e' L., mei Herz un dei Herz is e' Klumbe 'Ärmliche Verhältnisse verbinden einander' [Schandein Sprachsch. 81]. a. 1571: Item 1 beschlossen Arck (s. PfWB Arke), darin etlich allt Lumpen [WerschwSchR]. —
b. Lappen zu verschiedenen Zwecken; Zs.: Bläu-, PfWB Tür-, PfWB Hand-, PfWB Fuß-, PfWB Rotz-, PfWB Schuh-, Waschlumpen. Im Besonderen:
α. 'Aufwasch-, Putztuch' [ WD-Hoof PS-Bruchw LA-Herxh]; Zs.: PfWB Abwäsch-, PfWB Aufwäsch-, PfWB Aufzieh-, PfWB Putz-, PfWB Scheuer-, PfWB Spül-, PfWB Schüssel-, PfWB Wischlumpen; Syn. s. PfWB Aufwäschlumpen. —
β. 'Staublappen' [ KU-A'glan NW-Erph]; Zs.: PfWB Abreib-, PfWB Abputz-, PfWB Abstaub-, PfWB Abwisch-, PfWB Staublumpen; Syn. s. PfWB Staubtuch. —
γ. 'Waschlappen'

[Bd. 4, Sp. 1062]
[ WD-Ostbr]. —
c. 'Geldbeutel' [ HB-Nd'gailb RO-Steinb LA-Venn]. Er hot nix im L. [ LA-Venn]. Hänn ach Geld im Lumbe. / Sunndags fahrschd do in de Schees, / Do kinnschd du uffdrumbe! [Kunnrädel 12]. —
2. Pl. '(alte, verschlissene) Kleidung', oft scherzh., verächtl. [verbr.], Er hot en paar schääne Lumbe aan [ LU-Alsh]. Der hot nor e paar Lumbe uf'm Leib [ KU-Diedk]. De Hund horrem (hat ihm) die Lumbe vum Leib gereß [ RO-Rehborn]. Do harrer (hat er) sei paar Lumbe sammegepackt [ WD-Niedkch]. Er hat ke Lumbe fer an de Arsch se dun [ KU-Erdb, vereinzelt]. RA.: ken Knobb mehn an de Lumbe hawwe, von einem Bettelarmen [ LA-Nußd]. SprW.: Klääder machen Leit un Lumbe machen Lais [ GH-Schwegh, mancherorts]. — Südhess. IV 431 ff.; RhWB Rhein. V 605/06; LothWB Lothr. 345; ElsWB Els. I 589/90.

 

 Lumpeⁿ [Lùmpə fast allg.; Lpə M.; Lǿmpə K. Dunzenh.; Lympə Gimbrett; Pl. meist = Sing.; Lìmpə Pfetterhsn. Katzent.] m. 1. Lappen; Lumpen, in dieser Bedeutung häufig nur im Pl.: Gib die L. im Lumpeⁿjud, meⁿ kaⁿⁿ si doch nimmʳ brucheⁿ! Hlkr. Rda. E Mann wie n-e Buscheⁿ L. ohne Charakter Geberschw. Do is alles mit Lumpeⁿ gfüetert da sieht's inwendig faul aus Z. Er het sini L. (verächtlich für Kleider) zˢammeⁿpackt un ist gegangeⁿ Dü. Er tanzt wie-n-e L. am Stëckeⁿ behend Su. ‘wenn du jedermann das maul wöltest stopffen, würdest du fürwar nirgendt lumpen vnd scherwollen gnug bekommen mögen’ Geiler 41. Narr (Kl.). Rda. ‘Du wilt yederman sein lumpen ausswaschen’ dich in alles mischen, bes. beim Tadeln anderer ders. Als. 1862/67, 150. Obsc. Rda. In deⁿ L. git s grossi Zumpeⁿ Z. ‘durch Mittel, dass sie Ihme den Lumpen auf den fuess gelegt’ Zab. Hexenprozess 1620. ‘nichts als pflaster vnd lumpen an jhr’ Mosch. I 108. Zss. Lumpeⁿjud K. Z., –sammler Rapp., -seckl U. 2. Halstuch: Leg e L. aⁿ, s is chalt dʳuseⁿ! Pfetterhsn. 3. Taschentuch, namentlich in der Rda. aus jüdischen Handelskreisen: Eps in deⁿ L.

[Bd. 1, Sp. 590a]
ein Trinkgeld; daher Geklubeⁿs im L. Geld Barr. Der Bauer bedingt z. B. als Kaufpreis: 60 Liwer un eps in deⁿ L. Z. Hes eps bekummeⁿ (für deine Mühe od. die Besorgung des Geschäfts)? Antw. ärgerl.: Jo, Drëck im L.! rein gar nichts! Ingenh. Übtr. Dis (Mädchen) hat in deⁿ Lumpeⁿ (ist schwanger), das brucht's nimmeʰʳ läugⁿeⁿ Wh. Dem. Lümple, Lümpl [Lempla Strüth; Lempl Bebelnh. Str. Z. Han. Betschd. W.; Lémpl K. Dunzenh.; Limpl Gimbrett] n. 1. Läppchen. Mr nimmt keⁱn nejes L. fur dⁱe Finger zu ze bingeⁿ, eⁱn altes is besser Lützelstn. ‘Do laye Si nurr Limble mit Kelnisch Wasser gfycht uf d’ Schläf un iwwer d’ Nas’ Pfm. II 5. ‘Linteolum tchle, lümple’ Gol. 224. 2. ein leichtes Tuch zur Kopfbedeckung im Sommer Strüth; 3. geringwertiges Taschentuch, das nach der zweiten od. dritten Wäsche nicht mehr zu brauchen ist Ingenh. 4. Kuheuter: Di (Kuh) het nix im L. jüd. Avolsh. Schweiz. 3, 1278.