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 PfWB luft-trocken (Bd. 4, Sp. 1052)   PfWB trocken (Bd. 2, Sp. 530) 
  luft-trocken Adj.: 'an der Luft getrocknet', bes. von Heu, Grummet, wenn keine Sonne geschienen hat, lufttrocke, -trucke, s. K. 100, trokken [verbr.]; vgl. PfWB luftdürr, PfWB windtrocken. Un 's Hai is nor l. worr [ KU-Obw/T]. Südhess. IV 418.

 

   trocken, truckenAdj.:
1. gegenst. 'dürr, ohne Feuchtigkeit', im Gegensatz zu naß, feucht; trucke (drugə), trocke (drǫgə), zur Verbr. s. K. 100 und unten F. Dafür selten und nur mancherorts trocket, trockig. Verstärkt in der Zs. PfWB pfennigtrocken und in Vergleichen: trucke (trocke) wie Peffer (s. PfWB Pfeffer), wie Pulwer (s. PfWB Pulver), wie e Forz (s. PfWB Furz), wie Zunner (s. PfWB Zunder); vgl. PfWB dürr. —
a. vom Erdreich, vgl. PfWB schroh. Die Erd isch trocke [NW-Elmst, verbr.]. Die Erd isch arg trucke, 's därft e paar Daa reene [ ZW-Battw]. De Bodde (Boden) isch sou trucke [LA-Gommh, verbr.]. Das is e trucke Wies [Kus], e trockeni Wiss [KU-Dietschw, verbr.]; vgl. PfWB trockenlegen 2. Uf aam (einem) truckene Buckel wachst kan Gras mehn [ RO-Rehborn]. WR.: Wann die Schwalwe nirer (niedrig) flien un die Hinkel ens Truckene (in den Staub) springen, gibt's Rääe (Regen) [ KB-Albish]. a. 1327: daz der weg alle-

[Bd. 2, Sp. 531]

zit drocken blibe [OttbgUrkb. 360]. a. 1563/64: diß sindt die Bäche in disem Bezirk, die andern gründe sind trucken [ZweibrKirkBeschr. 207]. a. 1606: ein Truckhene kleine Steinecht Glam 'Rinne' [HanLicht., Bl. 7]. a. 1628: Der Newwog ... Ligt gantz Truckhen [Zweibr. I, A. 438, Bl. 29]. —
b. von Heu, Getreide, Holz u. ä., vgl. PfWB brock, PfWB sprock. Zs. PfWB luft-, PfWB wald-, PfWB windtrocken. 's Haai as (ist) schien trucke [RO-Rehborn, verbr.], trucke wie Zunner [verbr.]. Im Winder kriet 's Vieh trucke Fuder [ ZW-Gr'bundb]. a. 1615: daß sie die frucht 'Getreide' trucken drinnen kennen empfangen oder geliefert werden [Kurpf. n. 1261/3 (Huberweist. von KU-Kreimb)]. a. 1810: Ein-

[Bd. 2, Sp. 532]
nahmen aus dem trockenen Weinkauf [Dimel 77]. —
c. von Speisen; trucke Brot esse, d. h. Brot ohne Aufstrich oder Zukost [ KB-Biedh, allg.]; vgl. PfWB schroh. Zs. PfWB reistrocken. SprW.: Trucke Brot macht Backe rot [PennsDeitschEck 25. 5. 1935]. WR.: Oomendrot (Abendrot) — trucknes Brot [NW-Ungst, verbr.]. De Weck is schun ganz trucke 'altbacken' [ NW-Hardbg, allg.]. 's Mehl is trucke wie Pulwer [ Gal-Dornf]. 's Flääsch esch sou trocke, im Gegensatz zum saftigen Fleisch [ LA-Nd'hochstdt]. —
d. vom menschlichen Körper, vgl. PfWB dürr, PfWB lech, PfWB schroh, PfWB sprock. Er hot e trocke Haut, von der leicht rauh und rissig werdenden Haut [ KU-Bedb, allg.]. Die Hänn

[Bd. 2, Sp. 533]
werre em so trocke, wenn gutes Wetter zu erwarten ist [ KL-Reichb]. RA.: Er is noch net trocke hinner de Ohre, von einem jungen, unreifen Menschen [KU-Trahw, allg., auch Penns Don Gal Buch Rußl]. Er will schun heirade, un es noch net trucke hinner de Ohre [ FR-Bockh]. Mei Zung isch ganz trocke, bei großem Durstgefühl [ SP-Harths, allg.]. Daagserdarch (tagsüber) werd'm sei Garjel (Gurgel) trocke wie Bettelmannsbrot [Kühn Schnitze II 57]. Er hot immer e truckeni Zung (auch: e truckeni Kehl, e truckeni Lewwer), vom Trinker [FR-Bockh, verbr.]. Er hat trockne Flechte 'Hautflechte' [KU-Brück, verbr.], hot de truckene Huschde [ Gal-Dornf]; e truckene Forz losse [ebd.]. a. 1359: ob sich personen mit truckenen händen schlugen (ohne daß Blut fließt), sollen dem gericht 20 Pf. verfallen sein [Grimm Weist. V 657 (RO-Schiersf)]. —
e. von der Kleidung; e truckenes Hemd aanziehe [ KL-Kindsb, allg.]. Ich hun käin trockene Foorem (Faden) oomer (an mir) [KU-Schmittw/O, verbr.]. Vgl. auch PfWB trokkenlegen 1. —
f. vom Wetter und von der Luft, vgl. PfWB hal, PfWB schroh. 's Werrer is schun lang trocke [ LU-Alsh, allg.]. Bei dem truckene Wedder kännen d' Mais (Mäuse) iwwerhand nemme [ LA-Gommh]. Heit weht e trocke Liftche [KU-Hinzw, verbr.]. De Schnee is heit ganz trucke [ ZW-Gr'bundb]. SprW.: 's nasse Johr jaat de Bauer zum Dorf naus, 's truckene net [ Gal-Dornf]. WR.: Heit morche war's trucke draus, 's gibt ball Rächewedder [ LA-Gommh]. Was der Räche naß g'macht hot, macht de Wind wirrer trocke [ BZ-Dierb]. Truckener März, nasser April isch des Baure Will [ GH-Vollmw]. Soll gedeihe Korn un Wein, muß de Juni trucke sein [ KU-Nerzw, GH-Vollmw]. Weitere WR s. bei PfWB April, PfWB Juni, PfWB Maria (Heimsuchung), März, Quatember. a. 1596: dürr drucken Jahr [WerschwSchR, Bl. 7 r]. —
2. übertr.
a. adj.
α. e trockeni Kuh 'Kuh, die nicht milcht' [LU-Rh'gönh, KL-Gimsb RO-Sippf KB-Dreis NW-Speybn]; vgl. PfWB trockenstehen, PfWB -stellen. —
β. de truckene Vorb'halt 'das aus Naturalien bestehende Ausgedinge' [ LU-Böhl]. —
γ. trockene Witz, trockene Sprich 'treffende, kurze Bemerkungen und Witze, bes. von solchen Menschen, die sonst eine stille Art haben' [ KU-Kaulb]. —
δ. s. die mit trocken beginnenden Kompos. —
b. adv. Der Wein schmeckt trocke, wenn er in ein Faß kam, das lange leer gestanden hatte [ KB-Zell, NW-Kallstdt]. —
c. subst.
α. Das es d'r e Trockener, wer mit ernster Miene gelungene Witze erzählt (vgl. oben 2 a) [KU-Kaulb, verbr., Schandein Sprachsch. 94 Gal-Dornf]. —
β. Er hockt im Trockene 'im Gefängnis' [ LA-Nd'hochstdt, BZ-Sarnst]. Er sitzt uf'm Truckene 'Das Geld ist ihm ausgegangen' [GH-Scheibhdt, verbr.]. —
γ. RA.: Er hot sein Schäfche im Trockene 'hat seinen Vorteil zu wahren gewußt' [ KU-Einöll, allg.]; nach Otter-

[Bd. 2, Sp. 534]
stetter 299 in Pirmas. vorn. von Angehörigen mittlerer und gehobener Berufe gebraucht. Er hat sich ins Trockne geschafft 'sich verheiratet' [ KL-Bruchmühlb]. — F.: Wie K. 100 zeigt, hat sich von 1887 bis 1960 die trocke/trucke-Grenze in der NWPf und im Landauer Gebiet nur wenig verschoben. Das geringfügige Vorrücken von trock- an mehreren Stellen wird durch ein leichtes Übergewicht von truck- an anderen Stellen ausgeglichen. Nur im Donnersberg-Gebiet (NPf) und in der Südostecke (hier wohl unter dem von Karlsruhe ausgehenden schriftspr. Einfluß) hat trock- einen stärkeren Einbruch erzielt. Auffallend ist jedoch, daß Kirchhbol an truck- festgehalten hat. Die Ausnahmen — ihre Zahl für 1887 ist größer als die für 1960 — beruhen wohl zum größten Teil auf der Schwierigkeit, zwischen offenem -u- und geschlossenem -o- zu unterscheiden. Geht man von der für die ganze Pfalz geltenden Form drigələ 'trocknen' (vgl. PfWB trückeln) aus, so liegt der Schluß nahe, daß truck- ehedem in der Pfalz allg. verbreitet war. Für diese Annahme spricht auch, daß in den historischen Belegen mit einer Ausnahme (OttbgUrkb. 360, a. 1327) nur Formen mit -u- erscheinen, und dies auch für Orte, die heute -o- haben. — Südhess. I 1742 ff.; RhWB Rhein. VIII 1379/80; Saarbr. 212; LothWB Lothr. 107; ElsWB Els. II 752; Bad. I 564.