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 PfWB Licht-meß (Bd. 4, Sp. 972)   PfWB wollen1 (Bd. 6, Sp. 1448)   PfWB dus (Bd. 2, Sp. 690) 
   Licht-meß f.: 'das Fest Mariä Reinigung (2. Febr.)', Lichtmeß [verbr., Lambert Penns 99 Don Gal Buch Rußl], seltener Maria Lichtmeß, vgl. PfWB Maria 1. RA.: in de Scheier is L., 'die Scheune ist leer', weil um diese Zeit die Vorräte aufgebraucht sind [Frankth FR-Studh LA-Altd SP-Heiligst]. Es is L. 'Ich habe kein Geld mehr' [KB-Niefh, mancherorts NPf VPf]. Bei mer is Maria L., dass. [ GH-Schaidt, NW-Weish/S]. Mein Gellbeurel hat L., dass. [ LU-Böhl]. VR.: Weihnachde, Sau schlachde, L., alles ufgeß [ FR-N'lein]. BR.: Wann's an L. stermt un schneit, is de Frihling net meh weit [ NW-Frankeck, KU-Nerzw WD-Niedkch SP-Mechth LA-Gommh GH-Zeisk]. Irres (Ist es) uf L. stermich un kalt, dann kumme die Blume bald [ KU-Nerzw]. Scheint an L. die Sonn heiß, kommt noch viel Schnee un Eis [ KU-Brück]. Ist es an L. klar un hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell [ GH-Zeisk]. L. hell un klor, gibt e gut Johr [ FR-Bockh, mancherorts], e gut un fruchtbar Johr [ RO-Odh, KU-Bedb], e gures Roggejohr [ KB-Bubh], e gudes Flachsjohr [ GH-Schwegh]. An L. werden die Tage länger und man hört mit dem Spinnen auf: L., Spinne vergeß, bei Dag se Nacht eß [GH-Hatzbühl, mancherorts, Krieger 40 Wilde 91, auch Don Gal Buch], mit vielen Varianten und Erweiterungen: bei Dag ufgestann, bei Dag schlofe gang [PS-Geisbg, mancherorts, Kamm 37, auch Don Krämer Gal 142 Buch], mit de Hinkel schlofe gang, mit de Hinkel ufgestann [Vogelsgesang 7], halb Stroh un halb Hei meß 'die Stroh- und Heuvorräte sollen zur Hälfte aufgebraucht sein' [ Rußl-Worms], Fud'r halwer g'freß [Horne Penns 103], Herre bei Dag geß, die Arme wann se's hän [Kaislt]. Wann an L. de Dachs sein Schadde sieht, geht er wirrer vier Woche ins Loch [ NW-Frankeck, LA-Gommh, in Var. Don Gal Rußl]. a. 1327: der selbe nemeliche vride sal vorbaz weren biez unser vrauwen tag der do heizet liehtmeisse [SpeyUrk. 300]. a. 1350: an dem nehsten sunnentag

[Bd. 4, Sp. 973]
nach der liehtmesse [StArch. Darmstadt, Hanau-Lichtenberg Nr. 391 (Brief d. Brüder v. Lichtenb. f. Walram v. Zweibr.)]. a. 1364: an unser frauwen abent, den man spricht zu latin purificatio und in dutsche lychtmesse oder kyrzdage [HornbReg. 287]. a. 1585: 14 schilling 4 θ ist zu liechtmeß vffgangen hatt man liechter gemacht [SSp Kirchenrechnungen Nr. 63, Bl. 122 (BZ-Wernbg)]. Südhess. IV 328/29; RhWB Rhein. V 434/ 40; ElsWB Els. I 718.

 

   wollen1 unregelm.: 'die Absicht, den Wunsch haben, etwas bestimmtes zu tun oder zu bekommen', wolle (wolə, wǫle) [verbr. NPf MPf nördl. VPf vereinzelt SWPf VPf, Otterstetter 59 PfId. 153 Lambert Penns 180 PSA 43 Krämer Gal 244], wulle (wulə) [ WD-Hoof Niedkch], welle (welə) [verbr. mittl. und südl. VPf mittl. SPf vereinzelt SWPf westl. WPf, Heeger Südostpf. 30 Lambert Penns 177 PSA 43], wille (wilə) [mancherorts SWPf westl. WPf, Mang 112]; Part. Perf.: g(e)wollt [NPf MPf nördl. VPf, Bertram § 109 Castleman Zwbr. 32], gewott [ IB-Bliesmg/Bolch], gewellt [SPf mittl. VPf westl. WPf, Bertram § 109]; Flexion und Präteritum s. F.; Zs.: fort-, heim-, heraus-, herein-, hinaus-, hinein-, hinunter-, hin-, PfWB mitwollen. Was witt? 'Was willst du?' [ BZ-Sarnst]. Witt 'n Appel? [ LA-Essing]. Sie will en (zum Ehemann) [ BZ-Dernb]. Der wääß (macht), was er will [Kaislt]. Du willscht mer's net gille (gelten) losse [ Gal-Dornf]. Mer wenn net [ LA-Venn]. Mer wenn heirade [ LA-Offb]. Mer wenn noch ufs Feld fahre [ NW-Haßl]. Mer han, was mer wann 'Wir haben, was wir wollen' [ PS-Rumb]. Was is, wenn m'r noch e Schoppe trinke? [ NW-Haßl]. Wenner (Wollt ihr) Grumbeere haifele? [ PS-Busbg]. Mer määnt, es wott nimmeh noochlosse, vom Regen [ ZW-Battw]. Wänner äch e Briss? 'Wollen Sie auch eine Prise?' [Braun Lääsebuuch 33]. Ich wullt, ich wißt von dere ganze Geschicht neicht (nichts) [ WD-Niedkch]. Un wann se noch mihner wisse winn, dien (tun) se sich norre unscheniert an mich wenne [ GH-Erlb]. Wannersch met hann wulle, hocket Auch her 'Wenn ihr es haben wollt, hockt euch her' [PfId. 174]. Do sag halt, was d' witt [Münch Werke I 427]. RA.: Was ich (noch) sage wollt ..., Einleitung einer Rede [ BZ-Billh]. Oh, das wollt ich net! Entschuldigungsformel beim versehentlichen Anstoßen [ RO-Ebbg]. 's will un will net werre [ KU-Kaulb, mancherorts]. Ich wellt, ich kennt in e Mausloch schluppe 'Ich möchte mich am liebsten verkriechen' [ LA-Nd'hochstdt]. Er geht rum, wie wann er e Ei leche wett, wer unschlüssig, ratlos auf und ab geht [ GH-Leimh]. Mer määnt, er wett ääm fresse, wer beim Gähnen ungeniert den Mund aufsperrt [ BZ-Nd'horb]. De äänd will hot un de anner will har, von zweien, die unterschiedlicher Meinung sind, gegeneinander arbeiten [Bergz]. 's Ei will g'scheider

[Bd. 6, Sp. 1449]

[Bd. 6, Sp. 1451]
sei wie's Hinkel, gesagt bei Kindern, die alles besser wissen wollen [Bergz, mancherorts]. Wann der schloft, will er nix esse, von einem Vielfraß [mancherorts Don Gal Buch]. Er will mit de große Hund brunze gehe, bringt awwer 's Bään nit hoch, von Menschen, die es Reicheren, Angeseheneren gleichtun wollen, aber die nötigen Voraussetzungen nicht haben [Bergz (Kamm 94)]. Am erschde April schickt mer die Narre hin wo mer will [ RO-Als, Var. mancherorts]. Scherzh.: Mer wern ins Bett geh, die Leit wern hääm welle [Bergz (Kamm 77)]. Känner hadse gewelld, ich häbse gleich g'hat, scherzh. von einer Ehefrau [Braun Lääsebuuch 141, Kamm 79]. Hitz hot se, saacht se, hätt se, Kihlung braicht se, saacht se, wett se [ LA-Roschb, mancherorts]. Dialog: E gure Appeditt — scherzh. Antwort: Kannscht's mithan, wann de nix witt! [ RO-Obd]. SprW.: Wer net heere will, muß fihle [Kaislt, verbr.]. Wer hoch naus will, fallt dief [Bergz (Kamm 88)]. Wann e aremer Mann ebbes hat, will's net Daa werre [ HB-Kirrbg]. Wer nit will, der hot gehat 'Wer etwas ablehnt, hat seine Chance vertan' [Kus, mancherorts]; Var.: ... un wer nix eßt, der isch satt [PS-Rodalb (Bernhard 211)]. Wammer will, geht veel (alles) [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. Wer kegele will, muß aa ufsetze 'Wer etwas erreichen will (seinen Spaß haben will), muß was dafür tun' [NPfGV 8/1934]. Sagsprichwort: Jugend will getobt hawwe, sagt die Bettelfraa - do is er 's Kind aus der Keetz g'falle [Trifels 20/1928]. BR.: De April macht's Werrer wie er will [ RO-Odh]. Dunnert's im April, macht de Mai, was er will [ GH-Kand]. Am fuffzehtde April, do muß de Kukkuck rufe, er mahn stecke wu er will [ RO-Odh]. Stecksch mich im April, kumm ich, wann ich will, stecksch mich im Mai, kumm ich glei, die Kartoffel [ GH-Vollmw]. Lichtmeß, spinne vergeß, bei Daach se Naacht geß; die Reiche wann se wenn, die Arme wann se henn [ NW-Ellstdt], Var. s. PfWB Lichtmeß. Volksgl.: Wannd zum Meedel witt un sie will dich net, nemm Zucker, du den unnich der Arm bis er warm is, un ihre noo 'danach' ins Drinke, noo loßt se dich [Fogel Beliefs Penns Nr. 199]. Wannd e Bu hawwe witt, b'halt der Hut uf (die Stiwwel an), wannd bei der Fraa schloofscht [Fogel Beliefs Penns Nr. 1895, 1897]. AR.: Enne denne duss, / wer net will, der muß [ LA-Walsh], Var. s. PfWB dus2. VR. (Ruf des Viehhirten): Mädel, wann de witt, / gebb nur dei Kuh mit! / Gebb mer se mit, gebb mer se mit! [ BZ-Dernb]. Weitere VR. s. PfWB David, Kölln, PfWB Soldat. a. 1343: vnd sal ime in allen virtagen (Feiertagen) vnd hochgeziten, so der parrer singen wilt, sine zit helfen singen [OttbgUrkb. 423]. Ende 14. Jh.: Item wane eins meister son wilt meister weden [StArch. Kaislt Zunftordnung]. a. 1572: dieses mans Erben wöllen sich nicht finden [Zweibr I 1394 (BZ-Wilgws)]. a. 1578: weil Ich nit gewißt was mann dises Jars ... hat geben wellen [WerschwSchR 80]. a. 1582: eß werre im jahr, wan eß wolt [PfWeist. (FR-Flomh)]. — F.: Die in der Pf bezeugten Formen sind Reflexe von mhd. wëllen

[Bd. 6, Sp. 1452]
einerseits und seiner fränk. Nebenform wollen andererseits. Konjug.: Ind. Präs. Sg. 1. Pers. will [verbr.], 2. Pers. witt [verbr. VPf vereinzelt übrige Pf, Lambert Penns 179], willt [mancherorts NPf MPf], willsch(t) [mancherorts WPf vereinzelt VPf, Müller Dietschw 72], 3. Pers.: will [verbr., Lambert Penns 179]; Pl. 1. - 3. Pers. woll(e)n, wolle, well(e)n, welle, will(e)n, wille, wenn, winn, wann, Verbr. s. K. 404 (ein Vergleich der Aufnahmen von 1887 mit Aufnahmen von 1960 zeigt, daß die Formen wenn, winn, welle(n), wille(n), von wolle(n) zurückgedrängt werden), 2. Pl. auch wollt [Ostteil der nördl. VPf, vereinzelt nach dem Schd.], willt [ HB-Höch IB-Rubh]; Prät. Sg. 1. und 3. Pers. wollt [verbr. nördl. Hälfte der Pf], wullt [ KU-Erdb Etschbg O'alb Selchb WD-Niedkch], wott [IB-Aßw ZW-Battw PS-Windsbg LU-Altr, Lambert Penns 180 Birmelin Penns Gezw. 130], wutt [ GH-Hagb Neubg], well(t) [vereinzelt NWPf VPf], willt [ WD-Niedkch], wett [vereinzelt mittl. und südl. VPf, Lambert Penns 177], 2. Pers. wolltsch(t) [mancherorts], wottscht [ IB-Bliesmg/Bolch]; Pl. 1. - 3. Pers. wollde(n) [verbr. nördl. Hälfte der Pf, vereinzelt übrige Pf], durch Assimilation ld > ll (vgl. halde > halle) auch mancherorts wolle (Zusammenfall mit Inf.), wullde [ RO-Rehborn], wulle [ WD-Hoof], wodde [ IB-Bliesmg/Bolch], wellde(n) [ KU-Nußb RO-Gundw BZ-O'schlettb], wedden [ NW-Deidh], wallde [ RO-Lettw], der Gebrauch des Präteritums nimmt nach Südosten zu deutlich ab: bei der Übersetzung von Wenker-Satz 37 ... die wollten sie verkaufen werden in der SOPf fast ausschließlich perfektische Konstruktionen verwendet, z. B.: ... die henn se welle verkääfe, ... die henn se verkaafe gewellt u. a. Unbetonte nachgestellte Pronomina werden häufig zum Wort gezogen, z. B. widde 'willst du', wennse 'wollen sie', bisweilen mit Assimilation: wemmer < wenn mer 'wollen wir'. — RhWB Rhein. IX 523 ff. willen; LothWB Lothr. 542 willen; ElsWB Els. II 812/13 wellen, willen.

 

   dus2: im AR.: Eene, deene, dus; der dicke Moppel muß [ HB-Bexb, LA-Kl'fischl]; Var. s. bei PfWB dusmanee.