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 PfWB letz (Bd. 4, Sp. 945)   PfWB Agen (Bd. 1, Sp. 143) 
   letz Adj. (Adv.):
1.
a. 'verkehrt, umgewendet', von Stoffen, Kleidungsstücken, letz (leds, -ä-) [verbr. mittl. u. südl. VPf WPf (außer westl. WPf) lothr. SWPf mancherorts nördl. VPf übrige WPf vereinzelt NPf (zur Verbr. s. K. 4,

[Bd. 4, Sp. 946]
äbsch), PfId. 87 Journ. 1787 214 Mang 92 Müller Dietschw 47 Otterstetter 47, 190, 248, 260 Lambert Penns 99 Beam Penns 179 Krämer Gal 141 verbr. Don Buch Rußl], latz (lads) [ PS-Bobth Bruchw Hirschth Schönau GH-Wörth BZ-Dörrb], laz (lāds) [ GH-Neubg], letsch [PfId. 87] vgl. PfWB äbsch 2, PfWB links 1 b, 2c, PfWB letzherum; PfWB verkehren 3 aα; die letz Seit [GH-Zeisk, verbr., Rußl-Spey]; 's Kleed (die Hosse, de Rock, de Schorz, de Wams, die Strimp) l. mache 'die Innenseite nach außen kehren' [verbr.], l. anziehe [verbr.]. RA.: Er kriegt e Letzi 'eine Ohrfeige mit dem Handrücken' [GH-Mindlach, SOPf (Heeger Nachl.)]; vgl. 1 b. Volksgl.: Wann en Weibsmensch der Schärz axidentally (engl. accidentally 'zufällig') l. adut, kriggt sie eppes geschenkt [Fogel Beliefs Penns Nr. 410]. Du eem, as die fallet Kranket hot, 's Hemm l. aus un leg's 'me Dode unnich der Kopp in die Lad (gegen Epilepsie) [ebd. Nr. 1534]. Wammer unwissend der Schärz l. adut, soll mer'n so losse, oder mer tschendscht (engl. change 'ändern') sein Glick [ebd. Nr. 2048]. a. 1755: Ihm Heymachen hat sichs Zugetragen Dasz man Zwey Jungen Mayder (Mäher) Zu dauffen gehabt so haben sie die 4 Jung Mayder lätz und mit den füssen Vorauss an den Taufstein Getragen [MHVPf. IV 11 ff., Mähderbuch v. NW-Mußb]. —
b. 'link(s)'; vgl. PfWB äbsch 3, PfWB links 1 a, 2 a b; die letz Hand, de letz Fuß [verbr.]; en Letze 'ein Linkshänder' [RO-Schweisw, mancherorts SPf (meist neben Linksdatsch, vgl. K. 280)]; vgl. letzhändig. Jetz hot er widder die Letz, von einem Schulanfänger, der schreiben lernt [ KB-Kerzh, PS-Erfw]. Do kannscht e Letzi verwische! 'einen unerwarteten Schlag mit der linken Hand bekommen' [ LA-Gommh, Maik]; vgl. 1 a. Er hot zwää letze Fieß (linke, ungelenke Füße) [ BZ-Dernb]; vgl. 1 d. —
c. 'unrichtig, falsch, irr'; vgl. PfWB verkehren 3 b; Zs.: PfWB bodemletz. —
α. sachl. ganz l. 'vollkommen falsch' [Danner Penns 163]; en letze Weg 'ein Irrweg' [ PS-Erfw]; vgl. PfWB letzgehen. Ich gäih e letze Weg [ PS-Hintwdth GH-Wörth]. Ich häb letz Mehl 'statt Schwarzmehl Weißmehl genommen' [ GH-Zeisk]. Der hebbt 'hält' sich am letze Griff (im Zug) [ LA-Edk]. Der Lehrling saat's un nimmt die Zang / Faßt, - reißt un hott - de Letze (Zahn) [Claus 52]. Er hat l. gelese [ PS-Erfw], gerore (geraten) [ BZ-Dernb]. Der hot's ganz l. verzäihlt [ GH-Zeisk]. Versteh mich recht, wann ich l. plauder! [Feierowend 9/1956 2]; vgl. PfWB letzverstehen. Dei Mann, do, will mich ausbutze, as wann ich eppes Letzes gedu hät [Reichard Penns 413]. RA.: 's is mer was in die letz Gorchel (Kehl, Hals) 'Luftröhre' kumme [LU-Friesh, verbr.]. Er hat's am letze Deel 'Er hat es verkehrt angefangen' [ HB-Einöd]. Er hot die Lewwer uf der letze Seit, von einem Trinker [KL-Gimsb u. Umg.]. Er hot

[Bd. 4, Sp. 947]
en letze Kuß kriegt 'hat einen Ausschlag am Mund' [ GH-Westh]. VR. s. PfWB Agen 2. um a. 1800: Heut ist ein tag, soll mier so wenig läts geschen an meinem leib oder blut und fleisch oder an meines armen sellen vatter [aus: NPfGV 1907 14]. —
β. persönl. Do sein ich l. 'am falschen Ort' [Kühn Hamet 122]. Do bischt l. am Platz, dass. [Krieger 34]. Du bischt l. 'Du irrst, täuschst dich' [Kaislt], 'hast dich verlaufen' [ KU-A'glan]. Do sin ich an de Letze 'an den Unrechten' kumm (gerot) [KL-Katzw, verbr., Kühn Hamet 122 Bayer Hackm. 39], 'an einen, der mir körperlich überlegen ist' [ KL-Hoheck]; oft auch in charakterlichem Sinne: 'Ich habe mich in ihm getäuscht'. Wissener, bei meer kinner die Färz nit anbringe, do kummener an de Letze! [ NW-Gimmdg]. Do hoschde awwer de Letze verwischt! [ KU-Reichsth]. —
d. 'fehlerhaft, unvollkommen, krankhaft'; en letze Kopp 'ein unebenmäßiger Kopf'; e letzi Stern 'eine sonderbare Stirn'; e letz G'sicht 'ein häßliches Gesicht'; auch: e Letzer, e Letzi 'ein Mensch mit häßlichem Gesicht'; letze Ääche 'Augen, die Trunkenheit oder innere Erregung verraten' [ LA-Herxh]. —
e. 'ungeschickt, unbeholfen', auch Schimpfw.; vgl. PfWB äbsch 5, PfWB verkehren 3 cβ; 'n letzer Stoffel [ LA-Siebdg], meist subst.: 'n Letzer [ SP-Mechth, mancherorts]. Du letzer Hund!, zu einem Pferd, das sich ungeschickt und störrisch anstellt [ ZW-Gr'bundb]. Vor der Verlobung wird das Haus des Partners besichtigt; an der Ordnung erkennt man, daß die Leit nit l. sin 'tüchtig, ordentlich sind' [ LU-Böhl]. —
2. in geistigem Sinne; vgl. PfWB äbsch 7.
a. 'dumm, durcheinander'. Der isch net l. 'hat einen klaren Kopf' [Land Bayer Hackm. 39], isch net l. im Kopf, dass. [SOPf (Heeger Nachl.)]. Das Kind is l., mit dem kammer heit nix anfange [ ZW-Gr'bundb]. Wääß gar nit, was häit met ma los isch, ich sin gonz l. [IB-Ensh (Glass 57)]. —
b. 'verrückt'. Er isch l. [LA-Gommh, verbr. mittl. u. südl. VPf], 'verrückt, jedoch ungefährlich' [ LA-Herxh] l. im Hern [ LU-Opp]. Is die Welt aa noch so letz, / Sei mer jo ken aldi Gretz! [Birmelin Penns Gezw. 142]. — Vgl. die Abl. unletz. Mhd. letze, letz ( Lexer Lexer I 1890/91). — Südhess. IV 307; RhWB Rhein. V 407; LothWB Lothr. 337; ElsWB Els. I 634.

 

   Agen, Achelf.:
1. 'Ährenstachel, Granne', bes. 'Gersten- und Roggengranne', zur Verbr. s. K. 8. Ahn (ān, n) [östl. NPf nördl. VPf Pirmas verbr. Gal], Ann (an) [ FR-Mörsch], Ohn(ōn) [verbr. westl. NPf Gal Don], Ähn (n) [südl. VPf KU-Albess ZW-Ixh Nd'aub], Ahnele u. Ähnele [ BZ-Hofstätt], Achel (axl, ḁxl) [verbr. mittl. VPf Frankth GH-Erlb Mindlach Jockgr Wörth], Ächel(ęχl) [ LA-Venn], Aggel (agl, aγl) [ LA-Altd], Aigl (aigl?) [ NW-Esth Ellstdt], Ähl (l) [ BZ-Steinf Schweigh], ajjel u. achel [Lambert Penns 11]; in FR-Albsh galt 1931 für 'Gerstengrannen' zur Unterscheidung von Roggen- und Weizengrannen Achelahne, vgl. PfWB Achelagen. RhWB Rhein. I 78 (Agen); ElsWB Els. I 20 (Agele); Bad. I 26 (Agen). —
2. (nur Pl.) 'Spreu', bes. Gersten- u. Roggenspreu,

[Bd. 1, Sp. 144]
Ahne (ānə, nə) [verbr. NPf nördl. VPf], Ohne (ōnə) [ KU-Nußb], Ähne (nə) [südl. VPf (südl. Linie NW-Lach—GH-Schwegh) Rußl-Spey Rastatt PfId. 11], Ähnle (nlə) [ BZ-Hofstätt], Aggele (agələ) [verbr. LU NW-Wachh Haßl], Achele (axələ ḁxələ) [verbr. mittl. u. südl. VPf], Ähle (lə) [verbr. südl. BZ]; vgl. auch PfWB Spreu. VR.: Mahl, Mühl, mahl die Kerne vun de Schal, die Ähne vun de Kern; die Gure vun de Schlechte, die Letze vun de Rechte, not gitt sich erscht e Er'n [JKurpf. 1928]. An manchen Orten gelten mehrere Benennungen für Spreu, je nach Fruchtart; vgl. Bertram 166/67. —
3. (nur Pl.) 'die beim Brechen abfallenden Stengelteile des Hanfes und Flachses' [KU-Kaulb ZW-O'hs RO-Lettw KL-Hirschhn PfId.]. »Achlen, das Grobe, Strohartige, was bey dem Hanf-, Flachs- oder Werkspinnen abfällt« [Journ. 4. Jg. (1787), 7.-12. Stück S. 211]. »Am Abend nach dem Brechen der Hanfstengel sammeln die Buben und Mädchen die fußhoch neben der Brechkaut liegenden 'Ahnen' und 'Spreisel', türmen sie in vielen Häufchen zu Pyramiden auf und zünden sie an« [Wilde 90 für NPf]. —
4. (nur Pl.) 'stachelige Hülse von Waldfrüchten, bes. von Bucheckern und Kastanien', Achele [verbr. mittl. u. südl. VPf]. —
5. 'Fischgräte', Achel [ NW-Elmst]. —
6. 'Bienenstachel', Achel [ BZ-Sarnst]. —
7. 'bösartige Frau'. Es is e aldi Achel [ NW-Lambr]. — Zs.: PfWB Achel-, PfWB Brech-, PfWB Gerstenagen, Kastanienachel (Kästenachel). — F.: Die Formen ān, n und umgelautet n sind durch Schwund von g aus *agen (vgl. mhd. agen) und Dehnung des Stammselbstlautes hervorgegangen, agl, axl, aigl, l sind wohl das Ergebnis der Kreuzung von *agen bzw. *axen, *ajen, ān mit aŋəl 'Stachel' (s. PfWB Angel), indem sich die Stammsilbe von *axən usw. mit der Endsilbe von aŋəl verband. Das Zusammenrücken der zwei Wörter war schon deshalb leicht möglich, weil sie sich in der Bedeutung nahestehen (beide meinen etwas Spitzes, Stacheliges). Gefördert wurde diese Kontamination möglicherweise durch den Umstand, daß in ihrem Geltungsbereich (mittl. VPf) die Verkleinerungssilbe -el (wie in Mädel 'Mädchen' Biwel 'Bübchen' u. a.) herrschend ist. Dabei trat in mehreren Orten das eine Wort gänzlich an die Stelle des andern, übernahm also Achel auch die Bedeutung von Angel 'Stachel' (s. oben 6.) und Angel (im Pl. Angele) gleicherweise die Bedeutung von Achele 'Spreu' (s. PfWB Angel). — RhWB Rhein. I 78; Bad. I 26.