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 PfWB Lauf (Bd. 4, Sp. 814)   PfWB Fluß (Bd. 2, Sp. 1482)   PfWB Gichter(n) (Bd. 3, Sp. 310) 
   Lauf m.:
1.
a. '(beschleunigtes) Gehen, Laufen', Laaf [verbr. außer SOPf NWPf, Mang 133 Glass II 37 Lambert Penns 96], Lääf [mancherorts NWPf SOPf], Pl. ungebräuchl.; Zs.: PfWB An-, PfWB Aus- 3, PfWB Bar-, PfWB Braut-, PfWB Dauer-, PfWB Eier-, PfWB Eis-, PfWB Hasen- 2, PfWB Rund-, PfWB Schlittschuh-, PfWB Schnell-, PfWB Stafetten-, PfWB Wett-, PfWB Zulauf.
b. 'gewohnheitsmäßiger Weg, freier Auslauf', auch Pl.: Laaf, Lääf [mancherorts]; Zs.: PfWB Auslauf 1. De Trinker hot sein L. zum Schwanewert [ BZ-Dernb]. Do hot er de L. hie [Bergz (Kamm 34)]. Die Hinkel misse Lääf hawwe [ KU-Schmittw/O]. Do hawwe die Hinkel ehr L. hin [ ZW-L'wied, vereinzelt]. De Fuchs, die Katz hän ehren L. [ BZ-Dernb]. —
c. 'der Lauf des Wassers oder der Lauf von Flüssigkeiten' [verbr.]; Zs.: PfWB Ab- 1, 2 a, PfWB Aus- 2, 4, Bach-, Fluß-, PfWB Vor-, PfWB Wasserlauf; RA.: em Wasser sein L. losse 'etwas seinem natürlichen Lauf überlassen' [ FR-Bockh, mancherorts]. —
d. 'festgelegter Ablauf, Verlauf' [verbr.]; Zs.: PfWB Lebens-, PfWB Leer-, PfWB Zeitlauf. RA.: Loß de Sach ehr L.! [RO-Obd, verbr.]. Mer muß de Kranket ehre L. losse [ BZ-Dernb]. Dos muß sein L. gäih [ GH-Nd'lustdt]. —
e. in der Reimpaarwend. Kauf und Lauf. a. 1596: jedes mälterlin wie Jetzt Kauff vnd lauff für 19 alb. [WerschwSchR 210]. —
2.
a. 'Bein', meist von Wild und Hund, aber auch von Menschen, aus der Jägerspr. [mancherorts, auch Gal (Krämer Sprachsch. 139)]; Zs.: PfWB Hasen- 1, PfWB Hinter-, PfWB Rehlauf. De Jäer hot'm Reh die vier Lääf sesamme gebunn [ KU-Schmittw/O]. RA.: Ich schlach der d' L. ab! Drohung [ LA-Nußd, LU-Alsh/Gr Gal-Dornf]. —
b. 'Kufe des Schlittens' [KU-Mühlb ZW-Bechhf LA-Nußd Kieffer 50]; Zs.: PfWB Schlittenlauf. —
c. 'Schaukelkufen der Kinderwiege' [ KU-Adb Schmittw/O NW-Frankeck BZ-Dernb Gal-Dornf]; Zs.: PfWB Wagenlauf. —
d. 'Rohr einer Schußwaffe' [mancherorts, auch Penns Gal]; Zs.: PfWB Doppel-, PfWB Kugellauf. De L. isch immer blank [ LA-Gommh]. SprW.: E schlechter Schitz, as net immer e L. gelade hot [Pennsylv. Dutch Cook Book 37]. —
e. 'enge Felsspalte' [ NW-Dackh]. —
f. 'Durchfall, Diarrhöe' [ Don-Tscherwk]; Zs.: PfWB Tapfer-, PfWB Durchlauf. —
3. in den Zs.: Ab- 2bc, Drumherum-, PfWB Ein-, PfWB Vor- 3, PfWB Katzen-, PfWB Rad-, PfWB Rot-, PfWB Umlauf. Südhess. IV 176/78; RhWB Rhein. V 200 ff.; Lotr. 326; ElsWB Els. I 564.

 

   Fluß m., +n.
1.
a. wie schd., Fluß (flus), Pl. Fliß [verbr.]. Mer hän ken F. in de Näh [ LA-Gommh]. In sellem 'jenem' Winder waren aa die Fliß zugefror [ KL-Enkb]. Für das Wort F. setzt man gew. den Namen des betr. Flusses. —
b. 'Wasserrinne'.
α. 'Rinne neben der Straße, dem Weg' [ FR-N'lein]; vgl. PfWB Floß 2 b α. —
β. in PfWB Ab-, PfWB Aus-, PfWB Zufluß. a. 1300: Dasz flusz dasz ausz der batstuben gehet [Grimm Weist. V 624 (FR-Bockh)]. —
2. Krankheitsbezeichnungen.
a. 'rheumatische Schmerzen, Hexenschuß, Gicht' [(1925) verbr.]. Zs. PfWB Gicht-, PfWB Zahnfluß. Er hot en F. en de Arm krieht [FR-Bockh, verbr.], de Floß in de Glierer [ WD-Niedkch]. Ich hab im Kreuz e Fluß [ PS-Fehrb], de F. em Buckel [RO-Sippf], de F. in de Zähn [ KL-Matzb]. Volksmed.: Pferde mit vorfallenden Flüssen wurden an der Stirn zur Ader gelassen [FR-Flomh (Roß- und Arzneibuch 1765)]. Volksgl.: Gegen den F. trug man Fingerringe aus Flußgold; Kinder mit F. im Kopf erhielten kleine Ohrringe; gegen den Kopffluß wurde auch gebraucht [ LA-Herxh]; vgl. PfWB Flußring. —
b. 'Durchfall' in PfWB Bauchfluß. —
c. de weiß F. 'Scheidenfluß bei Frauen' [ KU-A'glan]; dass. bei Kühen [ HB-Lu'thal]. Zs. PfWB Ausfluß 2. —
d.
α. hanniche Fliß 'jahrelang bestehende Geschwüre' [SOPf (Nachlaß Heeger)]. Zs. PfWB Salzfluß. —
β. 'Milchschorf', Flüssel [Pauli Heilm. 114]; vgl. PfWB Fesem2. —
e. 'Schlaganfall'. a. 1777: Als Todesursache wird oft genannt: an einem Fluß [Ref. Kirchenbuch von KU-Wolfst]. Zs. PfWB Schlagfluß. —
3. Pl. 'schlechte Eigenschaften, Teufeleien'. Er hot sein Fliß [ KU-Diedk A'glan]; vgl. Naupe. —
4. Zs. PfWB Überfluß. — Südhess. II 828; RhWB Rhein. II 687/88; LothWB Lothr. 168 Floß; ElsWB Els. I 172; Bad. II 187.

 

   Gichter(n) Pl.:
1. 'heftige, von Angstzuständen begleitete Krämpfe, bes. bei Kindern', Gichder (giχdər, gidər) [mancherorts WPf verbr. südl. VPf Rußl-Worms Katharinental], Gichdere (giχdərə) [verbr. WPf NPf nördl. u. mittl. VPf verbr. Don Gal Buch], (gīχdərə) [ KU-Bechb Trahw], Gichtre [Lambert Penns 65]; vgl. PfWB Ding 1 b ζ, PfWB Fluß 2 a, Freise, PfWB Gegicht. Zs.: Bocks-, PfWB Darm-, PfWB Geißen-, Hirn-, PfWB Kopfgichtern. Krieh die G.! [ ZW-Battw]. Mach doch das Kind nit grussele, 's kinnt jo die G. krieje [lothr. SWPf]. 's Kind esch an de G. g'storwe [ BZ-Dernb]. Mer moont, die Welt hätt die G., Ausspruch eines Originals in Gal-Josbg. Volksgl.: Binn 'm Kind Zwiwwle uf die Fieß. Sell vertreibt die G. [Fogel Beliefs Penns Nr. 1780, 1775]. Gegen die G. legt man dem kranken Kind einen Garnstrang unter das Kopfkissen, der von einem jungen Mädchen bei jungem Mondlicht gesponnen wurde [Schandein Bav. IV/2, 346]. Gegen die G. hängt man den Kindern die Körner von Päonien an den Hals [Exzerpt Kleeberger aus »Der Meierhof« (um 1700), S. 1028]. Die G. der Kinder heilt man durch Auflegen einer Priesterstola [ BZ-Dernb]. —
2. eine Pferdekrankheit, Gischder [ KL-Siegb]. — Südhess. II 1350/51; RhWB Rhein. II 1216/17; LothWB Lothr. 204; ElsWB Els. I 197; Bad. II 412.