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| PfWB Kreuz (Bd. 4, Sp. 582) | PfWB Kreuz-gewitterdonnerkeil (Bd. 4, Sp. 588) | |||||||
1. a. α. 'das Kreuz Christi', Kreiz (graids) [verbr. (außer SWPf), auch Penns Don Gal Buch Rußl], Kräiz (gręids) [SWPf (außer lothr. SWPf)], Kritz (grids) [lothr. SWPf]; Pl. Kreize, Kreizer, Kräizer, Kritzer; Dim. Sg. Kreizche, Kreizje, Kräizche, Kritzche, Kreiz(e)l, Kreiz(e)lche, Pl. Kreizcher, Kräizcher, Kritzcher, Kreizelcher, Kreizle, Kreizlich, zur Verbr. der Diminutiv-Endungen vgl. K. 27. — β. in Fluchworten; Heilig K. Krischdi! [ LU-Opp]; Heilig K. noch emol! [ RO-Dielkch]; Zs.: PfWB Himmel-, Himmelfeuerkreuz. — b. 'das K. als christliches Symbol'. α. 'Kruzifix' [allg.]; Zs.: PfWB Holz-, PfWB Steinkreuz. RA.: Er es zu K. gekroch, wie schd. [ KU-Schmittw/O, FR-Bockh]. Er is verschwunne wie de Deiwel vor'm K. [Krieger 22]. Er fercht [Bd. 4, Sp. 583] sich, wie de Deiwel vor'me K. [Hebel 17]. SprW.: Wer's K. hat, segnt sich s'erscht 'Wer an einflußreicher Stelle sitzt, sorgt zuerst für sich' [ PS-Erfw, KU-Blaub]. — β. 'K. auf Kirchtürmen' [verbr.]; Zs.: PfWB Turm-, PfWB Kirchenkreuz. Am Dorm isch das K. mit'm Hahn [ PS-Erfw]. — γ. 'K. auf Gräbern' [mancherorts]; vgl. Becker Vk. 240. »In der Pfalz waren einfache hölzerne Grabkreuze auf den Friedhöfen der Katholiken gebräuchlich, bei den Protestanten sog. Totenschilde« (Erich, A./Beitl, R., Wb. d. dt. Volkskunde 256). Zs.: PfWB Grab-, PfWB Holzkreuz 1. On de menschde Gräwer sin Grabstee'e, on manche norre Kreize [ KL-Reichb]. — δ. 'Vortragekreuz bei Bittprozessionen' [vereinzelt in kath. Gegenden]; Zs.: PfWB Schützenkreuz. RA.: mit de Kreize(r) gehe 'an einer Bittprozession teilnehmen' [PS-Erfw Stoll 224]. a. 1501: mit iren cruzen und fanen in der procession [Grimm Weist. V 587 (SP-Schiffstdt)]. — ε. 'Unfall-, Mord-, Sühne-, Votiv-, Pest-, Pilgerkreuz unter freiem Himmel' [mancherorts]; vgl. Becker Vk. 115 f. Zs.: PfWB Feld-, PfWB Hagel-, PfWB Wegkreuz. Brauchtum: Als Erinnerungszeichen für Verunglückte oder Ermordete wurden an der Unglücksstelle Kreuze in Bäume eingeschnitten, in Steine gehauen oder Holzbzw. Steinkreuze aufgestellt [verbr.]. Viele FlN mit Kreuz(-), -kreuz leiten sich von solchen Kreuzen ab, z. B. 's Schwarze K. [ LU-Friesh]; Am K. [ PS-Lembg LA-Rhodt Gal-Obl]. a. 1342: an dem Crueze morgen [Lam 1 30r (LU-Schauh)]. a. 1342: da uff stet ein kruce stein [Lam 1 100r (ebd.)]. a. 1534: Das Kruz vur der Pffurten [NPfGV 1912 65 (Zinsbuch der Kirche von RO-Als)]. a. 1538: obewendig den Zweien creutzen [LeinSb. (FR-Kl'karlb)]. — ζ. 'Umhängekreuz (als Schmuckstück)' [mancherorts]. Am Hochzeitstag tragen die Frauen e goldenes Kreizel mit enere goldene Kett [ BZ-Böllbn]. Bei der Firmung trugen Mädchen e Kreizje um den Hals [ KB-Kriegsf]. — η. 'das Kreuzzeichen bei Katholiken'; 's K. mache 'sich bekreuzigen' [ BZ-Dierb, mancherorts]; 's große un klääne K. mache [ PS-Erfw]. Das große K. wird bei der Formel »Im Namen des Vaters usw.« gemacht, indem man mit der rechten Hand Stirn, Brust, rechte und linke Schulter berührt, während beim kleinen K. zu der Formel »Ehre sei dem Vater usw.« mit der rechten Hand jeweils ein K. auf Stirn, Mund und Brust gezeichnet wird. RA.: Der macht 's K. net 'ist nicht katholisch' [ LU-Böhl]. Wahrheitsbeteuerung: Ich mach 's K. [Pirmas]. Vor dem sull mer 's K. mache 'Vor dem soll man sich in acht nehmen' [ WD-Niedkch, KU-Bedb LA-Nußd]. Vor so ere Arwet soll mer 's K. mache, von einer unangenehmen, schwierigen Arbeit [ ZW-Battw]. Vor'm Dokder un Abedeger soll mer 's K. mache 'Arzt und Apotheker soll man wie den Teufel meiden' [ ZW-Battw]. Iwwer dem kennt mer 's K. [Bd. 4, Sp. 584] mache, wenn sich jemand dumm anstellt [ LU-Oggh]. — θ. 'Kreuz, Kreuzzeichen im Volksglauben'. Im Palmwisch (vgl. PfWB Palmen 1) werden in der SOPf Kreuze aus Holunder-, Buchs- oder Haselnußzweigen eingebunden. In LA-Herxh gehören zum Palmwisch Äächelääb, Efei, Sächebääm, drei Kreizlich vun Hollr un Buchs [Wilde 38]. In BZ-Annw wird statt des Palmwisches e geweiht K. aus Haselnußstecken zum Schutz vor Gewittern im Hause aufgehängt. Am 1. Mai macht man an Häuser und Ställe Kreuze, um Menschen und Tiere vor den Hexen zu schützen [ HB-Beed]. Beim Brauchen gegen Gelbsucht wurden in PS-Fehrb drei Kreuze über den Kranken geschlagen, darüber geblasen und die kranken Körperteile mit der Hand bestrichen. Nach dem Einmeren werden in den Brotteig drei Kreuze eingedrückt [LU-Rh'gönh Schandein Bav. IV,2 414]. Ebenso werden auf den Brotlaib vor dem Anschnitt ein oder drei Kreuze gemacht [ebd.]. — 2. kreuzförmige oder kreuzähnliche Gebilde im profanen Bereich. a. 'Namenskreuz'. Schreibunkundige setzten anstelle des Namens drei Kreuze als Unterschrift unter einen Vertrag. RA.: Er macht sei K. 'Er unterschreibt' [vereinzelt]; vgl. PfWB Dreikreuzemacher. — b. 'Merkzeichen in Kreuzform'. a. 1601: wie es dann mit lochbäumen 'als Grenzzeichen markierte Bäume' abgemarkt und mit creuzen verzeichnet ist [Grimm Weist. V 661 (KL-Weilb Ramst Steinwd)]. — c. 'Wegekreuzung'. Volksgl.: Uf'm K. danze in de Mainacht die Hexe [ KU-Bedb]. — d. 'eine der 4 Farben im Kartenspiel' [verbr.]; vgl. PfWB Kreuzachter. — e. 'Ehrenkreuz'; 's eisern K. [mancherorts]. — f. = PfWB Fensterkreuz [vereinzelt]. — g. 'kreuzförmige Gebilde'. α. 'in Kreuzform errichteter Garbenhaufen' [ Don-St. Andreas Schowe Torscha Tscherwk]. — β. 'Figur beim Fingerspiel mit der Schnur' [ Don-Kernei]. — γ. 'Aufsatz in Kreuzform auf dem Türchen des Kastenwagens' [ LU-Friesh]. — δ. vgl. die Zs. PfWB Haken-, PfWB Holzkreuz 2. — h. 'gegensätzliche Verhältnisse, sich kreuzende Bewegungen' in der Wendung: iwwer's K. [mancherorts]. Se sein merenanner iwwer's K. 'Sie leben in Feindschaft miteinander' [ KU-Schmittw/O, LU-Opp]. Er esch mit seim Nochber (Nachbar) iwwer's K. [ LA-Venn]. Volksgl.: Mer soll keen Knopp iwwer's K. annähe, mer hot K. gnunk so [Fogel Beliefs Penns Nr. 1979]; vgl. PfWB Kreuz 3. Wammer iwwer's K. Hands scheekt 'Hände schüttelt', gebt's Hochzich [ebd. Nr. 383]. Sich bei der Trauung den Ring iwwer's K. gewwe, bedeutet nichts Gutes [ GH-Steinw]; vgl. PfWB kreuz, PfWB kreuzweise. — i. 'Hüftkreuz, Wirbelsäule bei Mensch und Tier' [verbr.]; vgl. PfWB Rücken; Zs.: PfWB Hohl-, PfWB Hosen-, Rückkreuz; e ingebo'e K. [ PS-Schmalbg], e ingeschlaa K. [ KU-Schmittw/O], e ingesesse K., von Pferden mit tief eingesunkenem Rücken [Bd. 4, Sp. 585] [ KL-Weilb]. Mei Hosse sin verrisse vom K. bis an die Knie [PfL 15. 9. 1934]. Der Gaul is stärk (stark) im K. [ KU-Schmittw/O]. RA.: Er hot e lang K. 'Er ist groß' [ KB-Kriegsf, Pirmas]. 's is mer ins K. (nein) gefahre (geschosse), von plötzlich auftretenden Rückenschmerzen [ LU-Altr, KB-Kriegsf NW-Haßl]. Er hot's im K. 'hat Rükkenschmerzen' [LU-Opp, verbr.]. Mer määnt, er hätt en Stecke im K., von einem steifen, ungelenken Menschen [ LA-Gommh, mancherorts]. Der hat so e langes K. 'arbeitet (bückt sich) nicht gern' [ LA-Mörzh]. Wer schwere Gegenstände hebt, muß darauf achten, daß er aus'm K. traache dut, d. h., mit geradem Körper, nicht vorgebeugt trägt [ LU-Altr, LA-Mörzh]. Er hot's aus'm K., von einem, der aus weniger guten in bessere Verhältnisse gelangt ist [KB-Kriegsf, verbr. VPf vereinzelt WPf]. Er reit 'm Gaul ('m Fillche) 's K. in 'Er übertreibt' [ ZW-Bechhf, mancherorts]. Verwünschung: Dätschde (tätest du) nor 's K. breche! [ KU-Diedk]. Drohung: Ich henk der 's K. aus! [ KB-Kriegsf, mancherorts]. Weitere Androhungen tätlicher Gewalt: Ich schlaa der 's K. en! [ KB-Kriegsf, KU-Kaulb BZ-Dernb], schlagg der ins K.! [ NW-Kallstdt, mancherorts, Gal-Dornf], schlaa der e Ochs ins K.! [ RO-Dielkch], schmeiß der e Knippel (e Stick Holz, en Prichel) ins K.! [ NW-Frankeck, mancherorts]. Ich schlagg der ins K. nein, daß de nimmi ufstei'scht! [ NW-Weish/S]. SprW.: Wann de Bärrlmann (Bettelman) of's Pärd (Gaul) kemmt, reit er'm 's K. en [WD-Niedkch, verbr., Don-Altkeer]. — 3. übertr. 'Mühe, Sorge, Leid'; Zs.: PfWB Hauskreuz. Die Hinnerpalz hot halt ehr K. unn ehr Ploh [Christmann Grummet 40]. RA.: Mer hot sein K. mit de Kinner [ KU-Brück, vereinzelt]. Mer hot halt sein K.! [ KB-Kriegsf, mancherorts]. 's esch e K.! [ LA-Venn]. SprW.: Jeder muß sein K. traache [BZ-Dierb, so u. ähnl. verbr.]. Jedes Haisl hut (hat) sein Kreizl [PS-Erfw, vereinzelt, verbr. Gal Buch Rußl-Katht Sulz]. Wer 's K. hat, hat's [Hebel 47]. Dorch K. zu de Kron! 'Durch Leiden zur Vollendung!' [ KU-Schmittw/O]. Kleene Kinner, kleenes K., große Kinner, großes K. [ Don-Gottlob]. — Südhess. III 1811; RhWB Rhein. IV 1468; LothWB Lothr. 311 Kreiz, 314 Kritz; ElsWB Els. I 536 Krütz.
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