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| PfWB kösen (Bd. 4, Sp. 494) | DWB kosen (Bd. 11, Sp. 1842) | DWB kosen (Bd. 11, Sp. 1846) | |||||||||||||||||
1. sich k. a. 'sich selbst loben, prahlen, eingebildet sein', keese (kēsə) [ HB-Nd'gailb IB-Heckdh Herbh Ingb RO-Messbhf KL-Erlb Stelzbg Kaislt Pirmas]. Er keest sich 'Er rühmt sich' [Pirmas]. ... die Määd awer han sich geziert un schä'geduh, un sich u'bännich gekeest, [Bd. 4, Sp. 495] daß Buwe aus de Schdadt sich die Mieh ... machen, nore um drei Bauremääd se begrinsele [Sunndag 34/1965 2]. — b. 'schadenfroh lachen' [ KL-Baalbn]. — 2. a. 'dummes Zeug schwätzen' [ IB-Hass HB-O'bexb RO-Semb KL-Ottbg]. Syn. s. PfWB schwätzen. — b. = PfWB sprechen [ NW-Wachh FR-Watth]. — 3. a. 'dem Lehrer eifrig zu Gefallen handeln, um seine Gunst zu erwerben', Schülerspr. [Kaislt]. — b. '(fleißig) lernen' [ KU-Erdb Kaislt]. — Zu mhd. kōsen, koesen 'sprechen, plaudern' ( Lexer Lexer I 1686) < lat. causari. — Südhess. III 1146 käsen, 1692 kosen; RhWB Rhein. IV 239 käsen; DWB DWb. V 1842 ff..
| I. Geschichte, herkunft, formen. a) mhd. kôsen, ahd. chôsôn, aber eig. eben nur hd., allen andern germ. sprachen ist es eigner weise fremd geblieben, sodasz selbst nd. und nl. nur späte spuren oder ansätze dazu erscheinen (s. f). mhd., noch mehr ahd. war es dagegen reich entwickelt, nicht nur in der bed. des einfachen wortes (s. b), auch in den formen, denn es sind verzeichnet subst. chôsi n. eloquium (s. vorhin kose), gichôsi n. sermo, loquacitas, tractatus, assertio, adj. chôsîg und chleinchôsîg beredt, dazu chôsîgî beredtsamkeit, chleinchôsôn disserere, ferner tief ins leben eingreifend vilichôsîg geschwätzig, argchôsôn übelreden, verlästern, lindchôsôn schmeicheln, willechôsôn einem nach dem willen reden, schmeicheln, widarchôsôn widersprechen, pichôsôn bereden, tadeln und noch weit mehr; schon mhd. erscheint das als stark beschränkt, unser nhd. kosen nur als ein letztes restchen des ganzen. b) als quelle dieses reichen wortes wird gleichwol ein fremdwort angenommen mit groszem scheine, das lat. causari in seinem späteren gebrauche für das schleppendere alte causam dicere u. ä., vom reden vor gericht (s. in der lex langob. 2, 52, 1 z. b. causam alterius agere aut 'causare'), das auch romanische wörter nachliesz, wie altfranz. choser zanken, tadeln, prov [Bd. 11, Sp. 1843] chausar, it. cusare sein recht geltend machen, behaupten. altein die bed. des lat. und des deutschen wortes stimmen keineswegs zusammen. jenes ist bei Ducange nur causam agere, litigare, calumniari, das deutsche wort steht aber in den glossen und sonst nie für causari, es glossiert (s. 4, 501 ff.) disputare, dissertare, conferre (sich besprechen), tractare (causam cum aliquo), allegare, conficere, loqui, gichôsôn deliberare; gichôsi ist oratio, das reden nach der kunst chôsôn (s. besonders leseb. 122, 35 ff., 1859 138, 34 ff.), dann auch die rede der dichter (der suoʒo chôsônto Homerus Boeth.), desgl. das heutige kosende reden (s. II, 2), gerichtliches reden aber musz mit zugesetztem ding gericht besonders bezeichnet werden: 'mit langemo dingchôse, rhetorico syrmate'. c) was für causari spricht, ist der merkwürdige umstand dasz lat. causa früh volksmäszige aufnahme gefunden haben musz nach kôsa im muspilli 40, von dem kampfe zwischen Elias und dem Antichrist: khenfun sint sô kreftîc, d) nebenformen vereinzelt. spät mhd. kœsen Meyer u. s. 50a, 426, wol durch köse (sp. 1841) veranlaszt; s. auch kœselen II, 1, c. im 16. jh. ein falsches part. gekosen (s. dazu sp. 1724): ich het oft under roten rosen e) in den wbb. ist es übrigens eigner weise eine zeit lang verschwunden gewesen, es fehlt bei Dasypodius, Maaler, Schönsleder, Denzler, Aler, Ludwig u. a.; erst Stieler, Rädlein, Steinbach, Wachter, Frisch bringen es wieder, aber nur als alt und ausgestorben oder zur erklärung von liebkosen oder als landschaftlich, wie Adelung als schwäbisch. ohne diesz liebkosen wäre es der gebildeten und schriftsprache wahrscheinlich verloren geblieben, erst die dichter des 18. jh. haben es wieder in gang gebracht, wie es denn heute nur noch dichterwort oder niederes volkswort ist (s. u. II, 1, c): 'indessen haben unsre modeschriftsteller das wort in gunst genommen und gebrauchen es, besonders von verliebten unterredungen, bis zum ekel häufig'. antib. 2, 196. ob auch franz. causer plaudern darauf wirkte? es soll nach Diez, Scheler u. a. umgekehrt unter deutschem einflusz stehn, während es Littré doch schon altfrz. nachweist (vgl. altfrz. kose neben chose). f) spuren von nd. bestande (s. unter a) sind ostfries. köseln, kösken plaudern, salbadern 118a, auch kaseln närrisch reden brem. wb. 2, 749? nl. keuzelen plaudern, kosen, bei Kil. auch koosen gleich liefkoosen adulari, nach dem nd.? aber auch engl. dial. coze to converse with earnestly and familiarly 276b, vgl.cosey, schott. cozy, cosie snug? s. auch das halbklare, doch anklingende cose bei 1, 256a. II. Gebrauch und bedeutung. 1) die allgemeinere bed. noch nhd. anfangs. a) kosen, reden, sprechen, sagen, teidingen, sermocinari, loqui, narrare. voc. th. 1482 r ija; wan (denn) wir horten die weisen kosen (sagen), dein (des weines) kraft kan niemand ausgekosen. weingrusz altd. bl. 1, 412, völlig herzählen; also saugen sie das latein (in der schule) in sich mit groszer arbeit, wan sie aber uf die canzel kommen, so koszen sie es herausz einesmals (auf éinmal) wie ein stork die schlangen den jungen. narrensch. 12b, reden sie flieszend lat.?; di hárt wider'n gerechten kôsen. dærn mnd z'n nechsten von frid kôset. L 4a; [Bd. 11, Sp. 1844] ich kan euchs nicht versagen (völlig sagen), wie behende er von dem kauterwelschen geschere des gefirmaments ein stück weg kosen kan. studentenleb. D 2, klug von den sternen reden, ein schäfer. b) selbst mit dativ: denn sich über sie, wie man mir kost (erzählt), c) mundarten haben es noch heute als kraftwort für reden überhaupt, so oberpf. kousen 2, 337, östr. kauschen viel reden 181, schles., deutschungr. kosen 72b, kausen nachtrag 35a, siebenb. kuisen, obers. und thür. bäurisch kûsen, henneb. auch erweitert kusern, küsern 2, 458. 462; ebenso mit l erweitert mhd. kœselen nach liebekœseler, einer der süsze minnereden führt neun felsen 59, daher schweiz. küseln lispeln 2, 146 ? vgl. ostfr. köseln, nl. keuzelen vorhin (I, f). 2) plaudern, schwätzen, besonders von traulichem zwiegespräch. auch diesz schon ahd. nach minnichlîcho chôsôn 27, 3. es ist intrans. (doch s. auch d). a) von vertraulichem zwiegespräch: gebete alein mit gote kôset. Renner 20597; swer die heiligen schrift gerne list, lieber müszig sitzt an der thür (ein alter), mit dir nun musz ich kosen, wir koseten traulich von diesem und dem. so koszten sie die nacht entlang. b) besonders von verliebten: ir versprechet (verredet zu heiraten) rîche künege, den sît ir gehaʒ, si sprach 'zwâr, wir müeʒen altissimus (gott) wart cosen c) auch mit zurücktreten des zwiegesprächs, plaudern, schwatzen überhaupt, vom einzelnen wie von einer menge. so mhd. (s. das wb.) z. b. von 'geschwätzigen' bächen: ouch hôrte man da kôsen ir peinlein sie (die bienen) mit plümlein hoseten, [Bd. 11, Sp. 1845] wir künnen zaubern und auch kosen, die weiber beim wein und bier d) auch transitive fügung kömmt vor: Käthe der narre (meine frau) hat mirs so eingekost (dasz der sohn studieren sollte). a. a. o. H 6b, eingeschwätzt; was wir hie kosen, das bleib under den rosen. sprichw. 2, 84a; ich wolt gern ein weil mit euch kosen. 'wol an, liebs beuerlein, kos her! was wiltu mit mir kosen?' sat. u. pasqu. 2, 73; was wir hier vertraulich kosen, ich hab ein gut wörtchen zu kosen mit dir. mit jedem aus klagen, traulich mit freunden gekost, e) das neu emporgebrachte wort ist dann auch neu weitergebildet worden z. b. in entkosen ( 1, 97), ankosen (6, 28), vorkosen, aufkosen, umkosen u. a., älter schon einkosen (s. u. d), mhd. sich erkôsen u. a., vergl. 1, b; alt ist auch liebkosen, ebenso minnekôsen 8. 9, und wie liebkosen gebildet nordd. klugkosen (s. klugkoserei), auch witzkosen, fragkosen ( jug. 3, 30. 100). 3) das kosen als liebkosen aber gieng vom plaudern über in thätliches schmeicheln und streicheln, 'lieb haben' (adulari kosen schon im 15. jahrh. 14c), das liebende kosen in verliebtes tändeln, schäkern, buhlen. tirol. um Bozen gosen 200. a) intr., wie älter lieb kosen (z. b. mit einer lieb kosen Ambr. lb. 169, 43): die buhler sind bienen, die jungfern sind rosen, unter blüten des mais spielt ich mit ihrer hand, schäferin und schäfer kosen das toset und koset so lange. b) bei dichtern oft bildlich: die zephyre kosen so geht es, will um rosen das ist im thal éin glänzen, kosen Faust hört vergnügt im sanften meerestosen c) mit dativ, wie früher liebkosen, und wie schmeicheln: wol koset dir verlockend dir mit wolgeruch zu kosen .. ihr erschrecket, wenn sie dasteht, dann kost der fürst als seinem trautel dir. d) dann auch, und öfter, mit acc., den zuletzt auch liebkosen erhielt, an das in folg. stellen gedacht sein wird: koset nur den knaben und schlieszt ihn in die zärtlichen arme. 1, 14; koset ihn und drängt euch nur an ihn! 1, 35; dém bieten graue eltern noch auf bräunlichem aste kosten sich da seh ich wundernd das erschrockne thier ists möglich dasz ich, liebchen, dich kose! [Bd. 11, Sp. 1846]
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