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 PfWB Klopp (Bd. 4, Sp. 316)   DWB klippe (Bd. 11, Sp. 1200) 
   Klopp m.: FlN, Uf Klopp [ KU-Elschb]. a 1750: auff Klopp [ KU-Einöll]. Zu mhd. klupf, klapf 'Felsstück' (Dittmaier Rhein. FlN 149); vgl. auch DWB DWb. V 1203 Klippe IIb.

 

 klippe, f. scopulus, rupes, erst nhd.; nd. klippe scopulus Chytr. 36, nrh. clippe, steinclippe Teuthon., mnl. clippe, clip, bei Kil. klippe und kleppe, jetzt klip (pl. klippen), dän. klippe, schwed. klippa.
I. Bedeutung und gebrauch.
klippen heiszen scharf geschnittene, hervortretende oder zerrissene, steile, unwegsame und nackte felsen, schon bei Stieler 966 rupes praeruptae, saxa confragosa et prominentia, bei Chytraeus crepido, averhengende fels edder klippe.
1) im gebirge, zu lande.
a) gern im pl., wie das die sache mit sich bringt:

und aller hohen klippen spitzen,
die vol alter steinwacken sitzen. froschm. Nn 5a;

die klippen (unfruchtbare felsen) hiesz er in der wüsten springen
und klaren trank aus ihrer tiefe dringen.
Opitz ps. 78, 8 s. 149

die winde musten fleisch, die klippen wasser geben.
Fleming 13 (25 L.);

[Bd. 11, Sp. 1201]
wir musten (auf einem kriegszug in der Schweiz) die klippen hinauf klettern, als wenn wir dem monden wolten die augen ausgraben. Chr. Weise erzn. 69; es gibt dar viel unwegsame und gefärliche klippen, vom regen ausgewaschene, hole klippen. Stieler; breite massen (von felsen) sind aufeinander gelegt, und gleich daneben stehen scharfe klippen abgesetzt. Göthe 16, 222; die aussicht wird in der nähe und ferne von kahlen und auch meistens mit schnee bedeckten rippen und klippen eingeschränkt. 16, 300;

durch den risz geborstner klippen
trägt sie (die gemse) der gewagte sprung.
Schiller 50b;

das bächlein schlägt sich tapfer hier durch klippen.
A. Grün ged. 111.


b) im sing.:

schaut er dann über sich, so sieht er seine geiszen
das laub von dem gestäud an einer klippen reiszen.
Opitz 1, 155;

jener fusz, der an der klippe
sich mit gemsenfreche masz.
Göthe 1, 133;

auf einmal sahen wir (beim alpenglühen) den gipfel einer sehr hohen klippe .. glühen. 16, 259; sprangen wir den von klippe zu klippe, von platte zu platte in die tiefe sich stürzenden fuszpfad hinab. 48, 119;

ich sehe dich, im wilden eisgebirg
verirrt, von einer klippe zu der andern
den fehlsprung thun.
Schiller 532a.


c) der pl. erscheint aber im 16. jh. auch in besonderm sinne: Jojakim schriebe zu allen ... da die feinde mochten durchkommen, das sie die klippen am gebirge gegen Jerusalem solten verwaren. Judith 4, 5, ἀναβάσεις, felsenpässe; und es ward dem Holoferni .. an gesagt .. wie sie die klippen am gebirge eingenomen heten. 5, 1, κορυφάς; namen die klippen ein am berge und bewarten sie tag und nacht. 7, 5. für felsgebirge: silber in schwedischen klippen. Fischart groszm. 656 Scheible.
d) bei ältern dichtern auch für fels oder wol gar berg überhaupt, als kräftigeres wort, wie unser gefühl schon bei Opitz, Fleming unter a felsen vorzieht:

der sturm (die stürmische see) flog klippen hoch.
Fleming 80 (168 L.), 'berge hoch';

geht, ihr meine thränen, geht,
und erweichet der ihr herze,
die wie eine klippe steht
unbewegt von meinem schmerze. 495 (415), doch mehr zu 2;

räumt klippen aus der bahn.
Haller 1777 s. 22,

früher stand da berge aus dem weg.
e) dazu bergklippe, felsenklippe, steinklippe (s. II, 1, a), auch eisklippe Göthe 16, 286; coll. geklipp.
2) seeklippe, meerklippe, der begriff der dem denken jetzt am nächsten liegt, vielleicht von je her; Frisch 1, 524a erklärt es nur als 'wasserfelse', auch Gottsched u. a. kennen es nur so.
a) klippe am strande: acroceramen (aus Acroceraunia), ein santclippe. Mones anz. 5, 239, nrh. 15. jh. (sand strand, küste);

clam sy (Ariadne) boven op een clip
ende sach na dat wrede schip.
Potter der minnen loep 1, 1559;

men sach Pechlyn (spähend) up einer klippen stan.
Soltau 2, 136, lied vom seeräuber Pechlin;

so weht den schmetterling, der kaum enthüllt
am halm der klippe festgeklammert bebte,
der sturm ins meer.
Matthisson (1797) 62.


b) besonders aber scharfe oder verborgene, hauptsächlich den schiffen gefährliche felsen; so erklärt schon die Cölner gemma v. 1507 scylla durch ein clip in der zee (Dief. 518b), auch bei Kilian 'syrtes, scylla': segelde he up eine blinde (unsichtbare) klippe. Berckmann Strals. chron. 187; up ein klippe lopen, navem impingere scopulo. Chytraeus c. 36; aber was bemüh ich mein gut schiflin länger zwischen disen klippen, wärjagen und würwellen umbzutreiben. Fischart Garg. 124a (224 Sch.); zwischen wilden gebürgen, wälden und mörklippen erzogen. podagr. trostb. 665 Scheible; pfeilschnell risz sie da der rasche strom mitten durch eine öfnung zwischen zwo furchtbaren brandungsklippen hindurch. Bronner fischerged. (1787) 143;

könig Philipp. ich habe gegen menschen,
nicht gegen sturm und klippen sie gesendet.
Schiller 276a.


3) auch bildlich nach der letzten bedeutung.
a) bei den dichtern der zweiten schlesischen schule als reimwort auf lippen viel gebraucht und misbraucht, man nannte eigner weise die lippen selbst so:

[Bd. 11, Sp. 1202]

so soll der purpur deiner lippen
itzt meiner freiheit bahre sein?
soll an den corallinen klippen (vgl. unter koralle)
mein mast nur darum laufen ein,
dasz er an statt dem süszen lande
auf deinem schönen munde strande?
Hoffmannswaldau in Neumarks samml. 1, 376;

küsse sind schweigende reden der lippen ...
welche von ihren corallenen klippen
sämen ins herze die qvelle der brunst. 1, 289;

der marmelbrust milcherne klippen. 293;

als wann sie mit beredsamkeit gleich wie die syrenen einen liebhaber zwischen fels und klippen ihrer lippen und arme locken können. Riemer pol. stockf. vorr.;

gönnt mir doch, ihr holden lippen,
eine kurze gute nacht,
eh der raum (?) an solchen klippen
mein gemüthe scheiternd macht.
Günther bei
Steinbach 1, 874;

schöne rothe klippen,
rosenrothe lippen
liebt mein gesicht. liebesrosen o. o. 1747.
L. Erks liederhort s. 265;

schöne rothe lippen,
schöne marmorklippen (brüste)
liebt mein gesicht.
Hoffmanns schles. volksl. s. 128.


b) sonst von schwierigkeiten die zu 'umgehen' sind, gefahren die ungesehen drohen, wie klippen dem schiffe, gleich lat. scopulus, frz. écueil; eingeführt von dichtern, jetzt längst auch in prosa:

gib licht ins herz, dasz ich die ungeheuren klippen
behutsam meid, und ob ich etwa segel streich,
jedoch, obwol durch sturm, gewündschtes land erreich.
Gryphius C. Stuardus 1, 26;

ists denn so schwer, sich um die klippen
des hofs mit list herumzudrehn?
Gökingk 2, 111;

wer schifft im lustspiel jede klippe
der übertreibung glücklicher vorbei?
Gotter 1, 340;

meine schulden waren bezahlt .. doch meine weitläuftigte bekanntschaft und die lebensart .. lieszen mich an eben dieser klippe nochmals scheitern. Lessing 12, 6 (brieflich an seine mutter v. j. 1749); die klippe der vollkommenen charaktere scheinet mir Diderot überhaupt nicht genug erkundiget zu haben. in seinen stücken 'steuert' er ziemlich gerade darauf los, und in seinen kritischen seekarten findet sich durchaus keine warnung davor. 7, 387; alter und cultur führen uns dieser klippe (der erkältung des herzens) entgegen. Schiller 1138a; kein genie aus der naiven classe, von Homer bis auf Bodmer herab, hat diese klippe ganz vermieden. 1209b. nachher selbst klippe allein, ohne jede weitere andeutung des segelns oder scheiterns: der deutsche periode ist gemeiniglich die klippe derer, die ihre denkart nach dem latein gebildet. Herder fragm. 3, 33 (1767), statt klippe (wie gefahr) für die .. wie man sonst sagt;

jener name, meines friedens klippe.
Bürger 96a.


c) auch von zwei klippen, die ein 'dilemma' von gefahren bilden (vgl. DWB klemme 3): er (der stil des Banks) ist zugleich so gemein und so kostbar (geziert), so kriechend und so hochtrabend ... ich habe mich (bei der übersetzung) zwischen beide klippen so gut als möglich durchzuschleichen gesucht, dabei aber doch an der einen lieber als an der andern scheitern wollen. Lessing 7, 263; mich zwischen beide klippen durchzustehlen. 7, 92; die kunst ist aber, diesen mittelweg zu finden und zwischen beiden klippen ohne 'anstosz' durchzukommen. Möser phant. (1778) 1, 137.
II. Ursprung und verwandtschaft.
1) wenn klippe in der bed. 2 sicher erst von den nordd. seeküsten aus ins mitteld. binnenland kam, so ist das doch für die bed. 1 nicht sicher; es könnte doch auch md. bestanden haben, wie es nach folg. auch hd. war, freilich in etwas andrer ausprägung.
a) zwar auf klipfe in spätern bibelausg. Hiob 39, 28 (s. unter kipfe) ist nichts zu geben. aber folg. sind reste eines selbständigen hd. wortes. bei Oberdeutschen erscheint im 16. 17. jh. neben klippe auch klüppe: in der steinklüppen Gallovay (sind von der span. armada untergegangen) 1 schiff, 70 personen. Fischart kloster 10, 1109, die klippige bucht von Galway in Irland, eigen ist der sing.; ob sein sehnliches verlangen auf die abscheuliche steinklüppen der unerkanntnus .. stoszen oder aber das erfreuliche gestad ihrer gnaden erlangen werde. Drummer winternächte (Nürnb. 1666) 9, vgl. nrh. steinclippe im Teuthon. oben, nl. steenklippe rupes, saxum Kil., ags. stânclif (vergl. felsenklippe). aber auch kluppe: dasz das schiff wol färet

[Bd. 11, Sp. 1203]
und an keinem steinkluppen zu trümmern gehet. Fischart bien. 1588 111a (tegen een klippe Marnix 104b), schon das andre geschlecht verbürgt die form als selbständig.
b) kluppe aber wird gestützt durch klupf, das in folg. enthalten sein wird: sie wachsen auf hohen bergen und klüpfen. Tabernaem. kräuterb. 1230, dieses wieder durch oberbair. klopf fels Schm. 2, 361 und 'cimbrisch' in den venet. Alpen kluppa f. steile, rauhe berggegend Schmeller 137a (eine art coll. wie vorhin bei Fischart); vgl. ahd. bergnamen Clophenberk, Cloppenberc Förstemann 2, 373. mag also jenes klüppe beeinfluszt sein vom nd. klippe, daraus erst gemacht und entstellt ist es nicht; selbst das pp neben pf wird echt hd. sein nach der 'cimbr.' form, s. 2, a.
c) oberd. klapf fels (sp. 955) zeigt alles im rechten lichte, eine mit i a u abgelautete wurzel, und der ablaut kehrt im hohen norden wieder: schwed. dial. klabb, klabbe m. klippe in der see u. ä., s. Rietz 322b, norw. klubb m. berggipfel, rundlicher vorberg Aasen 223a.
2) der stamm zeigt aber manigfaltigkeit im auslaut.
a) verschiedne auslautstufe erschien schon vorhin hd. und nord.; engl. fehlt klippe, es heiszt mit andrer stufe cliff (auch jäher abhang), ags. clif n., das auch vorgebirg bedeutet, altn. klif, alts. klif (gen. klibes) fels, auch ahd. clep (eig. cleb?) promontorium, klippe am strande Graff 4, 546. 5, 148 (vgl. nl. kleppe Kil.); auch nd. noch klif, klef n. abhang Schamb. 103b, ebenso westf. klief Kuhns zeitschr. 2, 96, helgol. klew felsenufer, nl. klif.
b) mit stützung des auslauts durch die liquida in nd. klimp felsige anhöhe, und wahrscheinlich mit auslautwandel klint und klit u. s. w., s. darüber klint 3, a; auch die drittmögliche form läszt sich finden in schwed. dial. klakk m. klippe, bergspitze u. ä., altn. isl. klakkr dass., s. Rietz 324a, vgl. schott. cleuch klippe u. ä. und nl. klinke spalte unter klinse 3, d. e.
c) der unter klint 3, b angenommene grundbegriff des spaltens läszt sich auch hier erkennen. dän. dial. klippe, auf Bornholm ein groszer stein (Adler pröve paa et Bornh. dial. lex. 48) weist auch hier auf 'losgerissenes felsstück' als grundbed., schwed. klabb aber bed. auch klotz, klakk auch klump, norw. klubb auch klosz, also urspr. ein roh losgespaltnes stück, von holz oder stein o. a., jenes von menschenhand, dieses von riesen oder wem.
d) dasz der begriff abhang sich auch nur daraus entwickelt habe, will freilich nicht recht einleuchten, möglich wäre eine einwirkung des stamms für klettern, der in altn. klîfa, mnl. clîven vorliegt (sp. 1052), aber derselbe hatte auch die bed. spalten (s. klieben a. e.), beide freilich mit anderm ablaut.
e) für klippe, klapf, klupf aber bietet sich ein nord. wort, altn. schwed. norw. klippa schneiden, dän. klippe, engl. clip beschneiden, fries. klip Ehrentraut 1, 61, in der bed. zwar etwas entfernter und alle schwàchformig, aber schwed. dial. auch noch stark, klippa, klapp, kluppit, und altschwed. auch für hauen, s. Rietz 329a; altn. klippa abschnitt, engl. clippings bruchstücke, brocken bei Halliwell treffen zu der angenommenen urbedeutung.