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| PfWB Klopp (Bd. 4, Sp. 316) | DWB klippe (Bd. 11, Sp. 1200) | |||
| I. Bedeutung und gebrauch. klippen heiszen scharf geschnittene, hervortretende oder zerrissene, steile, unwegsame und nackte felsen, schon bei 966 rupes praeruptae, saxa confragosa et prominentia, bei Chytraeus crepido, averhengende fels edder klippe. 1) im gebirge, zu lande. a) gern im pl., wie das die sache mit sich bringt: und aller hohen klippen spitzen, die klippen (unfruchtbare felsen) hiesz er in der wüsten springen die winde musten fleisch, die klippen wasser geben. [Bd. 11, Sp. 1201] wir musten (auf einem kriegszug in der Schweiz) die klippen hinauf klettern, als wenn wir dem monden wolten die augen ausgraben. erzn. 69; es gibt dar viel unwegsame und gefärliche klippen, vom regen ausgewaschene, hole klippen. Stieler; breite massen (von felsen) sind aufeinander gelegt, und gleich daneben stehen scharfe klippen abgesetzt. 16, 222; die aussicht wird in der nähe und ferne von kahlen und auch meistens mit schnee bedeckten rippen und klippen eingeschränkt. 16, 300; durch den risz geborstner klippen das bächlein schlägt sich tapfer hier durch klippen. b) im sing.: schaut er dann über sich, so sieht er seine geiszen jener fusz, der an der klippe ich sehe dich, im wilden eisgebirg c) der pl. erscheint aber im 16. jh. auch in besonderm sinne: Jojakim schriebe zu allen ... da die feinde mochten durchkommen, das sie die klippen am gebirge gegen Jerusalem solten verwaren. Judith 4, 5, ἀναβάσεις, felsenpässe; und es ward dem Holoferni .. an gesagt .. wie sie die klippen am gebirge eingenomen heten. 5, 1, κορυφάς; namen die klippen ein am berge und bewarten sie tag und nacht. 7, 5. für felsgebirge: silber in schwedischen klippen. groszm. 656 Scheible. d) bei ältern dichtern auch für fels oder wol gar berg überhaupt, als kräftigeres wort, wie unser gefühl schon bei Opitz, Fleming unter a felsen vorzieht: der sturm (die stürmische see) flog klippen hoch. geht, ihr meine thränen, geht, räumt klippen aus der bahn. e) dazu bergklippe, felsenklippe, steinklippe (s. II, 1, a), auch eisklippe 16, 286; coll. geklipp. 2) seeklippe, meerklippe, der begriff der dem denken jetzt am nächsten liegt, vielleicht von je her; 1, 524a erklärt es nur als 'wasserfelse', auch Gottsched u. a. kennen es nur so. a) klippe am strande: acroceramen (aus Acroceraunia), ein santclippe. anz. 5, 239, nrh. 15. jh. (sand strand, küste); clam sy (Ariadne) boven op een clip men sach Pechlyn (spähend) up einer klippen stan. so weht den schmetterling, der kaum enthüllt b) besonders aber scharfe oder verborgene, hauptsächlich den schiffen gefährliche felsen; so erklärt schon die Cölner gemma v. 1507 scylla durch ein clip in der zee ( 518b), auch bei Kilian 'syrtes, scylla': segelde he up eine blinde (unsichtbare) klippe. Strals. chron. 187; up ein klippe lopen, navem impingere scopulo. c. 36; aber was bemüh ich mein gut schiflin länger zwischen disen klippen, wärjagen und würwellen umbzutreiben. Garg. 124a (224 Sch.); zwischen wilden gebürgen, wälden und mörklippen erzogen. podagr. trostb. 665 Scheible; pfeilschnell risz sie da der rasche strom mitten durch eine öfnung zwischen zwo furchtbaren brandungsklippen hindurch. fischerged. (1787) 143; könig Philipp. ich habe gegen menschen, 3) auch bildlich nach der letzten bedeutung. a) bei den dichtern der zweiten schlesischen schule als reimwort auf lippen viel gebraucht und misbraucht, man nannte eigner weise die lippen selbst so: [Bd. 11, Sp. 1202] so soll der purpur deiner lippen küsse sind schweigende reden der lippen ... der marmelbrust milcherne klippen. 293; als wann sie mit beredsamkeit gleich wie die syrenen einen liebhaber zwischen fels und klippen ihrer lippen und arme locken können. Riemer pol. stockf. vorr.; gönnt mir doch, ihr holden lippen, schöne rothe klippen, schöne rothe lippen, b) sonst von schwierigkeiten die zu 'umgehen' sind, gefahren die ungesehen drohen, wie klippen dem schiffe, gleich lat. scopulus, frz. écueil; eingeführt von dichtern, jetzt längst auch in prosa: gib licht ins herz, dasz ich die ungeheuren klippen ists denn so schwer, sich um die klippen wer schifft im lustspiel jede klippe jener name, meines friedens klippe. c) auch von zwei klippen, die ein 'dilemma' von gefahren bilden (vgl. DWB klemme 3): er (der stil des Banks) ist zugleich so gemein und so kostbar (geziert), so kriechend und so hochtrabend ... ich habe mich (bei der übersetzung) zwischen beide klippen so gut als möglich durchzuschleichen gesucht, dabei aber doch an der einen lieber als an der andern scheitern wollen. 7, 263; mich zwischen beide klippen durchzustehlen. 7, 92; die kunst ist aber, diesen mittelweg zu finden und zwischen beiden klippen ohne 'anstosz' durchzukommen. phant. (1778) 1, 137. II. Ursprung und verwandtschaft. 1) wenn klippe in der bed. 2 sicher erst von den nordd. seeküsten aus ins mitteld. binnenland kam, so ist das doch für die bed. 1 nicht sicher; es könnte doch auch md. bestanden haben, wie es nach folg. auch hd. war, freilich in etwas andrer ausprägung. a) zwar auf klipfe in spätern bibelausg. Hiob 39, 28 (s. unter kipfe) ist nichts zu geben. aber folg. sind reste eines selbständigen hd. wortes. bei Oberdeutschen erscheint im 16. 17. jh. neben klippe auch klüppe: in der steinklüppen Gallovay (sind von der span. armada untergegangen) 1 schiff, 70 personen. kloster 10, 1109, die klippige bucht von Galway in Irland, eigen ist der sing.; ob sein sehnliches verlangen auf die abscheuliche steinklüppen der unerkanntnus .. stoszen oder aber das erfreuliche gestad ihrer gnaden erlangen werde. Drummer winternächte (Nürnb. 1666) 9, vgl. nrh. steinclippe im Teuthon. oben, nl. steenklippe rupes, saxum Kil., ags. stânclif (vergl. felsenklippe). aber auch kluppe: dasz das schiff wol färet [Bd. 11, Sp. 1203] und an keinem steinkluppen zu trümmern gehet. bien. 1588 111a (tegen een klippe 104b), schon das andre geschlecht verbürgt die form als selbständig. b) kluppe aber wird gestützt durch klupf, das in folg. enthalten sein wird: sie wachsen auf hohen bergen und klüpfen. kräuterb. 1230, dieses wieder durch oberbair. klopf fels 2, 361 und 'cimbrisch' in den venet. Alpen kluppa f. steile, rauhe berggegend 137a (eine art coll. wie vorhin bei Fischart); vgl. ahd. bergnamen Clophenberk, Cloppenberc 2, 373. mag also jenes klüppe beeinfluszt sein vom nd. klippe, daraus erst gemacht und entstellt ist es nicht; selbst das pp neben pf wird echt hd. sein nach der 'cimbr.' form, s. 2, a. c) oberd. klapf fels (sp. 955) zeigt alles im rechten lichte, eine mit i a u abgelautete wurzel, und der ablaut kehrt im hohen norden wieder: schwed. dial. klabb, klabbe m. klippe in der see u. ä., s. 322b, norw. klubb m. berggipfel, rundlicher vorberg 223a. 2) der stamm zeigt aber manigfaltigkeit im auslaut. a) verschiedne auslautstufe erschien schon vorhin hd. und nord.; engl. fehlt klippe, es heiszt mit andrer stufe cliff (auch jäher abhang), ags. clif n., das auch vorgebirg bedeutet, altn. klif, alts. klif (gen. klibes) fels, auch ahd. clep (eig. cleb?) promontorium, klippe am strande 4, 546. 5, 148 (vgl. nl. kleppe Kil.); auch nd. noch klif, klef n. abhang 103b, ebenso westf. klief zeitschr. 2, 96, helgol. klew felsenufer, nl. klif. b) mit stützung des auslauts durch die liquida in nd. klimp felsige anhöhe, und wahrscheinlich mit auslautwandel klint und klit u. s. w., s. darüber klint 3, a; auch die drittmögliche form läszt sich finden in schwed. dial. klakk m. klippe, bergspitze u. ä., altn. isl. klakkr dass., s. 324a, vgl. schott. cleuch klippe u. ä. und nl. klinke spalte unter klinse 3, d. e. c) der unter klint 3, b angenommene grundbegriff des spaltens läszt sich auch hier erkennen. dän. dial. klippe, auf Bornholm ein groszer stein ( pröve paa et Bornh. dial. lex. 48) weist auch hier auf 'losgerissenes felsstück' als grundbed., schwed. klabb aber bed. auch klotz, klakk auch klump, norw. klubb auch klosz, also urspr. ein roh losgespaltnes stück, von holz oder stein o. a., jenes von menschenhand, dieses von riesen oder wem. d) dasz der begriff abhang sich auch nur daraus entwickelt habe, will freilich nicht recht einleuchten, möglich wäre eine einwirkung des stamms für klettern, der in altn. klîfa, mnl. clîven vorliegt (sp. 1052), aber derselbe hatte auch die bed. spalten (s. klieben a. e.), beide freilich mit anderm ablaut. e) für klippe, klapf, klupf aber bietet sich ein nord. wort, altn. schwed. norw. klippa schneiden, dän. klippe, engl. clip beschneiden, fries. klip 1, 61, in der bed. zwar etwas entfernter und alle schwàchformig, aber schwed. dial. auch noch stark, klippa, klapp, kluppit, und altschwed. auch für hauen, s. 329a; altn. klippa abschnitt, engl. clippings bruchstücke, brocken bei Halliwell treffen zu der angenommenen urbedeutung.
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