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| PfWB Kläpper-schnur (Bd. 4, Sp. 275) | DWB schnur (Bd. 15, Sp. 1396) | |||||||||||||||||||||||||||
| bedeutung und gebrauch. schnur bezeichnet in der regel ein aus mehreren fäden zusammengedrehtes rundes band von mittlerer stärke, das die mitte hält zwischen dem schwächeren faden und der stärkeren leine, dem seil. Adelung. 1) in allgemeiner anwendung, zum festhalten: eʒ spricht Albertus, daʒ er selber mit seiner hant ain snuor in ain geweltigeʒ feur würf, diu was gemacht auʒ des tiers (des salamanders) wollen, und lieʒ si sô lang in dem feur, unz daʒ si glüend wart als ain haiʒ eisen. 278, 10; er (Simson) aber zureis die seile wie eine flechsen schnur zureist, wenn sie ans fewr reucht. richter 16, 9; deine lippen sind wie eine rosinfarbe schnur, und deine rede lieblich. hohes lied 4, 3; an einer schnure hangen, a funiculo pendere [Bd. 15, Sp. 1397] 2, 483; mit schnuren binden, resticulis constringere. ebenda; ein tîr gât in Libano, dô bunden si ir die hende .. daʒ zôch er ûʒem buosem sîn an sînen vuoʒ bant er (der frosch) die mûs ich bint an myn zehen lange schnur hat auch ein end. Minne, dîne snüere dâ diu sælde span wie die clâre Blanziflûr, wollte, wollte gott, dasz nur das leben und der tod sind fest an einer schnur. 2) schnüre an rüstung und kleidung, so am helm: die finteiln er für sich pant, einen helm er in der hende der huot was niwe, diu snuor niht alt. man truoc im einen mantel dar: diu magt si brâhte und begunde klagen, mit borten was alle ire wât ich han gut schnur in das unterhemd. fastn. sp. 477, 24 Keller; ach lüftet mir die schnüre (des mieders), [Bd. 15, Sp. 1398] an der uniform des soldaten als auszeichnender schmuck: schieszschnüre, schnüre der einjährigen, fangschnüre des generals. zum zusammenhalten und als schmuck der haare: man sach ir goldes eine snuor 'Grette flicht die zöpffe lanck!' heimat, höre meinen schwur! 3) an mannigfachen werkzeugen und geräten. a) am zelte: uber dise selbe heilcheit disse zeltes snüere ein gezelt: daʒ zeigte rîcheit. dha wart dhe plan mit richer wat diu küngîn an die snüere reit. Segramors im durch die snüere lief. 285, 14; zwuo zuncfrouwen sprungenher ûʒ für die snüere. Tit. 156, 1; der rœmesch keiser heltet noch b) das netz, wildfallen bestehen aus schnüren. daher im bilde: wenn ich ihn gefangen mit mir führe, c) zur handhabung der puppen im puppenspiel: rihtet zuo den snüeren d) schnur an der angel Campe. im bilde: geistesfreiheit, frivolität! da zappelt der fisch wieder an der langen schnur und hält sich für einen luftspringer! (1894) 3, 206. vgl. DWB angelschnur oben theil 1, 347. e) an der peitsche Campe. vgl. peitschenschnur oben th. 7, 1532. f) am klingelzug: es blieb uns nichts übrig, um ihnen den einfall aus dem kopfe zu bringen, als dasz ich auszen am bette in die höhe stieg und die schnur vom drahtzuge abschnitt. reise 7 (1800), 54. g) an der uhr, schnure, woran das gewicht hanget, libramentum pendulum horologii 1907: (sie) trippelte dann auf knirrendem sande zur wanduhr h) am spinnrade, die spule und das rad verbindend, nach 7, 266a eine darmsaite, aber auch aus fäden gedreht, nd. snor korrespondenzbl. des vereins f. nd. sprachforsch. 1, 77. 2, 29: nein, der faden musz wenigstens abbrechen und die schnur vom rade fallen. werke 9, 123. i) sicherer als diese anwendung (h) weist der mhd. gebrauch von der sehne des bogens, die zwar manchmal aus fäden, meist aber aus thierhaut oder därmen gedreht ist, darauf hin, dasz das wort ursprünglich ein weiteres bedeutungsgebiet umfaszte als später: ê daʒ der snelle phîl her dan [Bd. 15, Sp. 1399] die snüere müeʒen brechen wol, k) auch der gebrauch von den tauen eines schiffs, wie ihn die folgende stelle zeigt, veranschaulicht die ältere allgemeinere anwendung: uns bricht mastboum, sägel, schnr. ich kan wunder an der snüere. minnes. 1, 209a Hagen. 4) schnur zum foltern (vgl. DWB schnüren 3): die schnur, da der hencker einen mit fiedelt, folterseil, fidicula. fons lat. (1660) 261b. 2, 217b. 5) zum aufreihen, schnur, etwas daran in eine reihe, durch gebohrte löcher anzufassen, linea. 2, 217b; perlen, korallen, tobaksblätter auf eine schnur ziehen. Adelung, 'auch eine menge solcher aufgereiheter körper' ebenda, mit gen.: eine schnure perlen, margaritarum linea 2, 483, eine schnur korallen Adelung: sie nahm ihre schnure perlen vom halse. Armin. 2, 410b; die erbschaft, worin auszer dem baaren gelde, viele kostbare diamanten, und insbesondere eine schnur orientalischer perlen von solcher schönheit wären, dasz eine kayserin sich nicht schämen dürfte sie zu tragen. patr. phant. 4, 78; damit die reichen vettern eine gute meinung von ihrem wohlstande bekämen und sich ihrer nicht schämen dürften, band sie eine schnur gekrümmter dukaten um den hals. volksm. 1, 39 Hempel; du kannst dich mit einer schnur perlen erwürgen. kab. 5, 1; wenn sie was zaubern wollen, so möchten sie die schnur perlen von einander reiszen. 1 (1891), 302, neben einem unflectirten collectiv: eine schnur tobak, auf eine schnur gereihte tabaksblätter Adelung; ich möchte mir selbst einmal eine schöne schnur bernstein zusammenfischen. ges. schriften 4, 425; oder als compositum, so korallenschnur, perlenschnur, fruchtschnur, blumenschnur, laubschnur bei den malern und bildhauern 4, 31b. Adelung. die bêtschnuer (Pusterthal), der rosenkranz, paternoster 642, vgl. oben 2 am ende. bildliche wendungen: am ende hört sich eine geschichte, die uns gerade in den wurf kommt, wohl noch zum zweitenmal wieder, sonderlich wenn sie auf die schnur gezogen ist. 7, 11 (wol 'mit andern in verbindung, in einen gröszeren zusammenhang gebracht ist'); ich theilte nun den reichthum meiner von den myriadenfältigen schönheiten überschwängerten blicke, und warf, so viele ich deren von den gegenständen meiner bewunderung loszureiszen vermochte, auf das freundschaftliche wesen in mir, das jeden thautropfen der äuszeren sinne mit dürstendem verlangen auffing, und zu einer schnur für die ewigkeit an einander reihte. reise 7 (1800), 225. auf der schnur haben, von einer reihe von vorstellungen, die man fest im gedächtnis hat: der gemeine mann hat das mannigfaltige, was ihm aufgetragen wird, gemeiniglich besser auf der schnur, es nach einer reihe zu verrichten und sich darauf zu besinnen. 10, 193, vgl. DWB am schnürchen haben unter schnürchen. auch die wendung von, aus der schnur leben, zehren, mhd. verzern wird auf diesen gebrauch zurückgeführt, von der schnur zehren 1112a, vivere dalla cordicella, cioè dalla borsetta senza guadagnar nulla deutsch-ital. dict. 2 (1702), 634c, von der schnur leben, heiszt bey einigen, die nicht zu zehren haben, von dem zurück gelegten immer etwas zusetzen, als von den zusammen gerollten ducaten, immer einen nach dem andern von dem hals - gehäng herab ziehen, sensim consumere parta 2, 217b, von der schnur leben, zehren, vom capital, vom grundstock des vermögens (fränkisch) Schm.2 2, 581, vunn der schnûre lwen 98b, vgl. von dem bändlein ò bändel zehren, vivere dalla cordelletta cioè dalla propria borsa senza guadagnare nulla; tirare la cordelletta (della borsa) deutsch-ital. dict. 1 (1700), 113c, auch bendlein oben theil 1, 1466 und sprichw. redensarten (1894) 423, 1057: die von der schnur zehren, die müssen das gelag (geloch) bezahlen. 2 (1605), R sa. 634, 20; wo will aber ein faullentzer diese 3 pfennig (zehr-, ehr-, notpfennig) nehmen, der nichts begehrt zu erwerben, sondern immer auff der bärnhaut liegt und aus der schnur zehret? nupt. 2, 277; weiln (ich) aber auszer dem geld-beutel meiner lieben mutter, die doch nebst denen noch übrigen 5. kindern, selbst von der schnure zehren muszte, wenige beyhülffe zu suchen wuszte. Felsenburg 2, 10; [Bd. 15, Sp. 1400] swie er hete vil genûc, 6) zum messen, zur bestimmung gerader richtung: lundisch, ennglisch, perpinionisch, oder einich annder dergleichen tuch, die man ungehefft, auch ein teil on verzeichnüss der pley herbringt, und die mit der schnur gestrichen oder gemessen [werden]. Nürnb. polizeiordn. 133; da war ein man, des gestalt war wie ertz, der hatte eine leinen schnur (variante messchnur) und ein mesruten in seiner hand. Hesek. 40, 3; dein acker sol durch die schnur ausgeteilet werden. Amos 7, 17; nun pflügt er als ein feuermann der wirt der kan des hûses reht er (der kämpfer) zimberte wol âne snuor. ân winkelmâʒ, ân snre [Bd. 15, Sp. 1401] gehörige masz der menge, der billigkeit, der wahrscheinlichkeit und so fort überschreiten Adelung. Schm.2 2, 581. 364. 261b, ôwer den snôr hauen 200b. in ausgeführtem, die entlehnung veranschaulichendem bilde: was das bleyscheid und rechte kirchenschnur unnd masz belanget, sollet jr wissen, das der propheten und apostel lere, unser richtschnur unnd bleywoge und rötelstein ist, darnach wir alle andere abrisz oder muster in der kirchen abmessen sollen, auff das wir bawleut nicht uber dise schnur hawen, oder den kirchenbaw nicht ungerad auffüren, ... denn der propheten und aposteln schnur und rötelstein, rötet und weiset uns auffs blut unnd wunden Jesu Christi, disz ist das einige löszgelt und bezalung für unsere sünde. Sar. (1571) 98b. der zusatz der folgenden stelle kennzeichnet die absichtlichkeit, verwischt aber die alte bedeutung: er (Voltaire) machte sich manchmal sprung- und stoszweise luft, liesz seiner laune den zügel schieszen und hieb mit ein paar fechterstreichen über die schnur. 26, 60. in älterer sprache wird unbildlich das vergehen in einem syntactisch gleichen zusatze genannt: der official ist kumen her wer iemant hett an eren geletzt, wir haben zu ser über di schnur gehauen do sprach einer, der mir (Alheit) args gunt, hort, freunt, so must ir euch auch sparn, auch clagens über closter frauwen grob hab ich ubert schnur gehawt, [Bd. 15, Sp. 1402] milder, von übertriebenen behauptungen, betrachtungen Reiske bei 13, 443 (die stelle s. oben unter dem formalen); gott weisz, wie lange ich noch unter meiner reisemütze so über die schnur gehauen hätte, wäre mir nicht, sobald ich auf meinem gestrigen plätzchen wieder fest sasz, der beschwichtiger aller heillosen grillen (der schlaf) .. zu hülfe gekommen. 10 (1805), 149. vom übermäszigen geldausgeben: für das verflossene jahr habe ich ohnedem schon über die schnur gehauen, und mehr gekauft als ich sollte. 12, 391. von unmäszigkeit im essen und trinken: allein wie die masz zu allen dingen gut ist, so soll man auch sehen, dasz man hie (beim hochzeitsmahl) nicht über die schnur haue, und etwa das hertz beschwere mit fressen und saufen. nupt. 2, 214, besonders im trinken zeitschr. 5, 73, 111 (nd.): do beflisse sich menigclich, das dem doctor der durst würde gelescht, und wiewol er ungern sich im trunk einliesze, dann es war nur eitel weisheit und vernunft umb in, iedoch liesze er [durch] die guete wörtlin sich dohin bringen, das er weiter, dann sein brauch, über die schnur heube und nit ausserm haus kommen kont, sondern sich uf den nechsten banck schlaffen legte. Zimmer. chr.2 3, 113, 28. daher auch über die schnur trinken: auszerdem brachten sie mir alten ächten Rheinwein zu. selbst der pastor hätte sich da nicht gehalten. ich trank etwas über die schnur. 2, 410. statt über die schnur hauen sagt man auch appenzellisch weder d' schnuer ana haua, nebet d' schnuer usa choh (kommen). 396, in älterer sprache über die schnur fahren: wie mag ich mich gewis versehen, das alle meine werck gott gefellig sind, so ich doch zu weilen falle, zu viel rede, esse, trincke, schlaffe, oder je sonst uber die schnur fare, das mir nicht müglich ist zu meiden? 1, 230a; wenn man ein wenig zu viel lachet, und uber die schnur feret, so schnurren und purren sie (die gleiszner). 4, 128b, mit veränderung des bildes (etwa vom angespannten pferde her oder allgemein die abgrenzung eines raumes durch eine schnur meinend) über die schnur treten: Vespasianus, der zechent kaiser, da das ganze reich ersaigert was bei vier kaisern nach einander vor im (wan die amptleut reich waren worden, die kaiser und kamer arm), schauet er gar eben auf die selben procurirer: so sie nur ain wenig über die schnur traten, straft er sie. werke 1 (1881), 224, 27; sie (die christliche kirche unter dem bilde der Sara) darff alles thun was sie wil, allein das sie nicht uber die schnur trette, und einem andern anhange. 4, 100b; wie solt doch unser liebe mutter (die kirche) also uber die schnur getretten haben? solten sich dann alle catholische mit jren viln centnern gute werck und verdiensten ohn begeltung verrechnen? bienenk. 96a. in ausgeführterem bilde Pathm. 817 (die stelle s. oben unter dem formalen). ähnlich über die schnure schreiten, modum excedere 2, 483, vgl. auch schnurschlag unten. Wolfram gebraucht von allzu hitzigen kämpfern eʒ überhouwen: in dûhte, er hete wol erbiten Poydwîʒ al anders fuor: der engil der ir solde pflegen die richte alsam an einer snuor der die werlt umbe füere der deu lant durchfüere [Bd. 15, Sp. 1403] freier die rechte schnur, die gerade linie: also haben sich Antiphon, Cusa, Cardus, Borillus und andere jämmerlich geplagt und bemühet, wie sie das, so rund ist, in das gevierte könnten bringen, auch die rechte schnur oder gleiche linien mit der krummen vergleichen. tischreden 1, 67. auch schnur allein erscheint im sinne von 'gerade linie, gerade richtung': einen neubau in ein schnure pringen. 263, 2 (die stelle s. unter dem formalen); sprichwörtlich: nicht alles kan zur schnur gebracht werden. 1119a. in der besonderen bedeutung 'gerade geschlechtsreihe, directe descendenzlinie': aber vor Christus geburt, nam gott nur eine schnur für sich von Adam auf Abraham, und furthin auff David, bis auff Mariam, Christus mutter, die gottes wort gehabt haben. 2, 421b; Jacob sey Josephs natürlicher vater, nach S. Mattheus schnur, aber Eli ... sey sein vater nach Lucas schnur. 8, 126a; weil der verheissene weibes samen ausz Sems schnure und nachkommen solte geboren werden. Sarepta (1571) 81b. nach rechter schnur, nach der schnur heiszt weiter bildlich 'nach der ordnung': liesz einem jeden nach der schnur der gesetze widerfahren. altes Pommern 4, 120; nach der schnur leben, vivere alla fila cioè regolatamente, assestatamente deutsch-ital. dict. 2 (1702), 634c; alles nach der schnure haben wollen, ad perpendiculum omnia dirigere 2, 483, exactum esse 2, 217b; ihr letztes schreiben, liebster Lessing, hat sich unter meinen papieren verloren, also kann ich's nach der schnur nicht beantworten. bei Lessing 13, 100; einmal stand er mir in der fehde gegenüber; er focht nicht nach der schnur, aber überflusz an kraft und unerschrockenheit machte den mangel dreyfältig gut. 4, 265; es ging mir jetzt alles nach der schnur. 4 (1894), 33; herr ... aus dem gebrauch der schnur als maszwerkzeug entwickelt sich die verwendung des worts als maszbezeichnung: und er machet ein meer gegossen, zehen ellen weit von einem rand zum andern, rund umbher, und fünff ellen hoch, und eine schnur dreissig ellen lang war das mas rings umb. 1 kön. 7, 23; es fielen aber auff Manasse zehen schnüre ausser dem lande Gilead und Basan, das jenseid dem Jordan liegt. Jos. 17, 5; eine schnur, so wol die land- als wald- und holtzes-schnur hält 52. Prager ellen. das maasz oder mesz aber der schnur hat den anfang von einer gewissen reise. dann die Egypter und andere völcker pflegen ihre schiffe an dem gestad oder ufer mit seilen gegen dem strom zu ziehen, in gewisser weite, so sie schnüre nennen, da dann, wann ein theil müde, und von der arbeit verlegen ist, die andere sie ablösen müssen. 3, 56. bergmännisch ein lehen von 7. lachten, portio septem orgyiarum 2, 217b. 426: der perkrihter sol die grûben verleihen und schnûr geben. quelle bei mhd. handwb. 2, 1045. freier wie 'antheil': ich wil dich, fieng er an, bedencken, was volcks wone under yeder schnr. 7) schnurähnliches, a) in nabelschnur, samenschnur. b) als bezeichnung der in einem ziegelofen rückwärts parallel liegenden ziegel, die zum brand eingelegt sind 4, 32a. c) eine pferdekrankheit, wobei sich beim atemholen an jeder seite nach den rippen zu eine schnurartige rinne bildet Adelung. d) bergmännisch ein trumm von geringer ausdehnung 425.
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