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 PfWB Kirbe-spruch (Bd. 4, Sp. 228)   PfWB Spruch (Bd. 6, Sp. 364) 
  -spruch m.: = PfWB Kirberede (in Versform). Noom Umzug kummt de Kerwespruch [ IB-Herbh KL-Krickb KB-Rodb]. Südhess. III 1325. —

 

   Spruch m.:
1.
a. 'eine Aussage mit klarem Inhalt in Satzform', Spruch (brux) [LA-Gommh, vereinzelt, Castleman Zwbr. 27 Christmann Kaulb 19 Mang 108 Schneckenburger 27 Lambert Penns 140]; Dim. Sprichel [ GH-Kand], Sprichelche [ LU-Opp, mancherorts]; vgl. PfWB Sprichwort; Zs.: PfWB Ein-, PfWB Ver-, PfWB Hexen-, PfWB Hochzeitsbitter-, PfWB Kinder-, PfWB Stadt-, PfWB Zauber-, PfWB Zuspruch. RA.: 's Sprichelche erunnerbeere (Herunterbeten) [ KB-Kriegsf NW-Frankeck], sei Sprichelche (Sprichel) hersaan 'sein Anliegen vorbringen' [WD-Niedkch, vereinzelt übrige Pf], 'immer dasselbe sagen, nichts Neues vorbringen, etwas herunterleiern' [ KU-Schmittw/O ZW-Battw]. Ich hab moine Sp. (moin Sprichelche) herg'saat 'Ich habe mein Anliegen vorgebracht' [ LU-Opp, BZ-Dierb]. Hoscht jetzt dei Sprichelche g'saat? [ LA-Nd'hochstdt]. Allo, lossen emool sei Sprichelche hersage! 'Nun laßt ihn doch auch einmal reden!' [LA-Gommh Land]. Der kann om beschte jeerem sein Sp. gewwe 'Er weiß an jedem etwas auszusetzen' [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'Gerichtsurteil, Schiedsspruch' [ LU-Opp, vereinzelt]; Zs.: PfWB Richterspruch. Wie de Sp. g'falle is, hot 'r g'woint [ LU-Opp]. RA.: Der Sp. is gefällt worr 'Das Urteil steht fest' [ ZW-Battw]. —
c. 'etwas Auswendiggelerntes, Kinderaufsagevers, kurzes Gedicht', Spruch [ LU-Opp]; meist im Dim. Sprichel [ LA-Wollmh GH-Nd'lustdt], Sprichelche [ KU-Schmittw/O LU-Oggh Opp LA-Gommh]; Zs.: PfWB Bettel-, PfWB Kinder-, PfWB Kirbespruch. 's Kind soll sei Sprichelche saache [ LU-Oggh]. Scheneer (Geniere) dich net, sa emol dei Sprichelche her! [ KL-Reichb, LA-Wollmh]. 's Kaarlche hot farr 'm Großvadder soine Geburtsdaag e schäne Sp. lerne misse [ LU-Opp]. Er leiert soin Sprichelche her 'Er sagt sein Gedicht ohne Anteilnahme auf' [ LU-Opp]. De Maurer sagt en Sp., beim Richtfest [ LA-Nd'hochstdt]. Er hat sei Sprichelche erunnergebet, von einem Handlungsreisenden, der mit immer den gleichen Worten seine Ware anpreist [ ZW-Battw]. Volksbr.: Wenn der Nikolaus ins Haus kommt, sagt er zum Kind: Sag emool e Sprichel! [ GH-Nd'lustdt]. Beim Neujahrsumzug der schulentlassenen Knaben werden für wohlhabende Leute der große Spruch, für die übrigen der kleine Spruch vorgetragen. Der Umfang des Spruches richtet sich nach dem vermuteten Umfang der erwarteten Gabe [Stoll 36 und 197]. —
d. 'kurzer lehrhafter Abschnitt der Bibel, christlicher Vers'; Zs.: PfWB Bibel-, PfWB Denkspruch; de Sp. lerne [Krämer Gal 204]. Bet aach dein Sprichelche!, Aufforderung an ein Kind [ KU-Kaulb Kreimb]. Friejer hadd ma aa mḁnnschmoo Schbrischelscher ḁn die Hausdeer gemachd, fa sisch vor alle meeschlische beese Geischder se schiddze [Hussong Kirkel 72]. BR.: Räänt's im Parre uf de Sp., so räänt's die ganz Wuch [ PS-Lu'wink]. Wann's sunndachsmorjens reent vor'm Sp., reent's die ganz Wuch [ZW-Stamb]. —
2. 'leeres Gerede, unsinniges dummes Geschwätz',

[Bd. 6, Sp. 365]
meist im Pl., Sprich (briχ) [allgemein, Kieffer 66], Sprisch (bri) [ FR-N'lein]; Zs.: PfWB Sauspruch; Syn. s. PfWB Geschwätz 1 a, PfWB Schnakes2 1; läppsche Sprich [ KU-Hachb LU-Ruchh]. Heer mer uff mid däjne Schbrich, daß indressierd mich so winnich, wie wann in Timbuktu e Kuh scheißt! [Braun Lääsebuuch 145]. Dein Mackebacher Schprich badden 'nützen' dich kään Knobb [Kühn Kumödi 54]. Fasenacht iss ääfach schää! / Feez (Fez) un dumme Schprichelcher [Damm Schoggelgaul 61]. 's hot nimmand drin - das sinn keen Sprich - / e Finkche (Fünkchen) Recht aß nore ich [Christmann Grummet 55]. M'richtische Moment un Platz / e Sprichelche, e spitzer Satz, / isch meh wert wie e Predisch [Kraus Pädcher 37]. Na jo, 's is noch e Troscht for mich: / Die glawe doch nit an mei Sprich [Münch Werke I 201]. Un so e Kerl, der mecht uns foppe / Un unnersteht sich Sprich zu kloppe [Münch Werke I 160]. Die han halt dort so Sprich am Hals. Eich sein vun Kusel in der Palz [Münch Werke I 316]. Ja, wammer so e Krieg am End / Mit lauter Sprich gewinne kennt, / Mit Maulufreiße bis ans Ohr, / Do hätte mer schun längscht verlor [Münch Werke I 163]. So sin die Männer! - Große Sprich [Münch Werke I 150]. Die wo im Wertshaus hinnerm Schoppe / Ganz ferchterliche Sprich als kloppe [Münch Werke I 175]. Un klobb mer kee so spitze Sprich [Münch Werke II 323]. Lieder erschalle un Witz wern gemacht, / Schprüch wern gekloppt wie noch nie [Wilms 76]. RA.: Sprich kloppe 'schwätzen, dummes Zeug reden, große Worte, Späße machen, prahlen' [mancherorts ges. Pf, Bernhard 152 Glass 111 Krieger 9 und 56]; (dumme, große) Sprich mache, dass. [mancherorts ges. Pf, Otterstetter 222], Sprich reiße, dass. [ KU-Bedb LU-Friesh LA-Mörzh BZ-Dierb], Sprich verzappe, dass. [ BZ-Dierb]. Der kloppt Sprich [ ZW-Battw, Pirmas]. Wann der alles kennt wie Sprich kloppe, do wer er de erscht in de Umgeend 'Seinen Worten und Versprechungen folgen keine Taten' [ KU-Schmittw/O]. Mach mer kää Sprich!, Warnung vor Lügerei und Aufschneiderei [ GH-Kand, RO-Obd]. Jo, mach kää Schbrich! 'Nein, was du nicht sagst!' [Bernhard 152]. Geh, mach kää Sprich, pack dei Werkzeich un loss dich nimmi sehne! 'Schweig und geh fort!' [ NW-Gimmdg]. Der kann bloß Sprich mache [ LA-Gommh, LU-Opp]. Der hot Sprich am Bauch! 'Er hat eine originelle Art zu reden, ist wortgewaltig, gebraucht starke Worte' [ KU-Diedk]. Was der fer Sprich an sich hat!, dass. [ KU-Diedk]. Der hat e Mass Sprich hergebet!, dass. [ ZW-Battw]. Er macht Sprich wie e alter Backoowe, wann er am Umfalle is, dass. [ KU-Diedk]. 's Sprich kloppe bringt nix inn 'Unnützes Geschwätz ist wertlos' [ KU-Schmittw/O]. Demm sein Sprich hänn kään Wäärt 'Auf seine Worte kann man nichts geben' [ PS-Erfw]. Sprich mache kann jeerer! 'Es ist leicht, Taten anzukündigen' [ BZ-Dierb]. Oh sei ruhich mit deine Sprich! 'Verschone mich mit deinem Gerede, deinen Ver-

[Bd. 6, Sp. 366]
sprechungen' [ ZW-Battw]. Die macht Sprich, wie wann se 's Geld elään hät, von einer eingebildeten Frau [ LU-Opp]. Do mecht mer doch grad e Hersch (Hirsch) werre, wammer so Sprich mit ahere muß! [Heeger Kerwe 18]. — RhWB Rhein. VIII 445; LothWB Lothr. 490; ElsWB Els. II 558.