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 PfWB Kirbe (Bd. 4, Sp. 220)   RhWB Kirbe (Bd. 4, Sp. 514)   PfWB Kirbe (Bd. 4, Sp. 220) 
   Kirbe f.:
1.
a. ursprünglich das Erinnerungsfest der Einweihung der örtlichen Kirche, seit langem aber ein rein weltliches Fest, dem im dörflichen Leben besondere Bedeutung zukommt; in der WPf u. NPf fast allg. die Kerb (kärb), in der VPf sowie im Raum um Kaislt u. O-PS die Kerwe (kärwə), in der lothr. SWPf sowie um Hombg die Kirb (kirb) genannt (vgl. K. 235); seltenere F.: Keerb (kērb) [ PS-Windsbg HB-Einöd], Kerw (kärw) (!) [ KU-Altkch Dennw], Ka(r)b (karb, kab) [ KU-Adb RO-Rehbn], Karw (karw) (!) [ ZW-Battw RO-Rehbn], Karwe (karwə) [RO-Duchr (nach Bertram § 89) mittl. VPf von Norden her bis LU-Oggh Schauh Rh'gönh Böhl Hochd NW-Rödh Niedkch SP-Schiffstdt Dudhf Hanhf], Käärwe (krwə) [nach Bertram § 89 LU-Altr SP-Ottstdt Berghs NW-Iggb LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh Nd'lustdt], Kirwe (kirwə) [ GH-Neubg]. Auslandspfälzer, bei denen das Fest seine ursprünglich einfachere Form und Anklänge kirchlicher Art bewahrt hat (vgl. Enders 10/11), erscheint zumeist Kerb (kärb), selten (Schwarzmeerpfälzer durchweg) Kerwe (kärwə); als erstes Glied des Kompositums allg. Kerwe-. Man geht, fahrt, kummt uf die K. [ NW-Frankeck, allg.]. Ruf der Kirbebuben (-burschen): Wem is die K.? Unser! [Zweibr, verbr.]. Die Kirbedevise: Heit gilt's, heit isch K.! [ LU-Böhl]. Ein Rausch zur K. wird nicht übelgenommen: Dofor is K.! [ LU-Opp]. Antwort des Schuljungen auf die Frage nach den drei höchsten Feiertagen im Kirchenjahr: Fassenacht, K. un Metzelsupp [Feierowend 1954, Nr. 33]. RA.: Eine scherzhaft in Aussicht gestellte Belohnung: An de K. danze mer aa metnanner [Kaislt]. Auch: Bis K. kriegscht e Silwernixel un e goldich Wadeweilche (Wart-ein-weilchen) [ LA-Gommh]. Wenn man gerade kein Geld hat, tröstet man sich: Besser wie an de K. nix! [ GH-Kand]. Er hot'n uf d' K. gelare 'hat ihm den Götzgruß entboten' [LA-Nd'hochstdt, verbr., auch Gal]. Umschreibung für 'Streit haben': Es halle zwää K. metnanner [ KL-Wörsb]. Androhung von Schlägen: Dein Ärschje hat gleich K.! [ IB-Herbh]. Scherzhafte Bez. weitläufiger Verwandtschaft: Sie warn emol mitenanner uf de Dusebricker K. [ ZW-Battw]. SprW.: 's is ke Derfel so kleen, so is doch 's Johrs eemol K. drin [ LU-Muttstdt]. Mer blaurert sou lang vun de K., bis se do esch [ LA-Nd'hochstdt]. 's isch nor eemol K. im Johr, also darf man sich zur K. was gönnen [ LA-Mörzh, mancherorts, auch Gal Buch]. Wann bei de Jure wär käin Oschtere un bei de Krischte wär käin K., mischte

[Bd. 4, Sp. 221]

mer im Dreck vederwe [ KU-Schmittw/O]. BR.: An de Gerschemer K. (3. Sonntag nach Michaelstag) reent's gern [ IB-Gersh]. Volksgl.: Die Raupen vertreibt man durch Abkehren mit einem neuen Besen und mit den Worten: Gehn fort uf die K.! [Schandein Bav. IV/2, 380]. VR.: Heit isch K., morje isch K., bis de Dienschtag Owend; wann ich zu meim Schätzel kumm, sag ich gude Owend [LU-Böhl, verbr., auch Gal]. Vielerorts mit Ergänzungen wie: Hibsch gen Owend, Rummelgreet, zeig mer, wo dein Bettche steht! Hinnerm Owe uf de Bank, hinnerm grine Vorhangk [ KU-Bedb]. Oder: Gure Owend, Schätzl, back mer a en Bretzl! Geschtert sin die Russe kumme un hän mei Schätzl mitgenumme [ BZ-Hofstätt]. Das Fest

[Bd. 4, Sp. 222]
wird in der festlosen Hälfte des Kirchenjahres abgehalten. Örtliche Benennungen der K. nach der Zeit ihrer Abhaltung: Apfelschmier-, Backenbirnen-, Pfefferminz-, Bremers-, Brombeeren-, Butzel-, Erbsen-, Gänse-, Heidstorren-, Johannis-, Kästen-, Kirschen-, Kuckucks-, Mai-, Quetschenkuchen-, Rehbocks-, Rüben-, Spelzen-, Strauben-, Waffelnkirbe. Brauchtum: Die Straußbuben (Kirbeburschen) holen mehrere Tage vor dem Fest einen jungen Baum aus dem Wald und fahren ihn unter Musikgeleit durch das Dorf. In einer Scheune wird der Strauß von Burschen und Mädchen mit Bändern geschmückt. Wenige

[Bd. 4, Sp. 223]
Tage vor dem Fest vergraben die Burschen insgeheim außerhalb des Dorfes eine Flasche Wein, das Sinnbild der K. Am Kirbesamstag ziehen sie mit Musik unter Vorantragung des Kirbestraußes an diesen Ort, graben die Flasche aus, binden sie an den Kirbestrauß und bringen sie ins Dorf zurück. Man nennt diesen Vorgang: die Kerb (Kerwe) abhole bzw. hole. Mancherorts wird dem Ortsbürgermeister unterwegs ein Ständchen gebracht und ein kleiner Umtrunk mit ihm gehalten. Der Zug bewegt sich dann zum Tanzlokal, wo der Kirbestrauß (-baum) aufgesteckt und — mancherorts — mit Wein gedaaft (begossen) wird. Der führende Kirbebursche hält nun die Kirberede, mancherorts auch PfWB Kirbepredigt genannt, in der er in launiger Weise alle Verkehrtheiten, die sich im Laufe des Jahres im Dorf ereignet haben, verulkt. Damit ist das bunte Treiben eröffnet. Die Musikanten spielen im Tanzsaal zunächst einen Tanz für »die Abwesenden oder den Saal« (Becker Vk. 335). Die darauf folgenden erschte Drei sind für die Straußbuben bestimmt. Von nun an darf jeder sich am Tanz beteiligen. Mancherorts, bes. in der VPf, wird ein bebänderter Kranz mit einer Weinflasche an die Decke des Tanzsaales gehängt. Es heißt dann: Do hängt die K. Der Tanz dauert mit Unterbrechungen bis Dienstagmorgen. Es wird dann die K. ausgedanzt, d. h. die in der Mitte des Saales hängende Weinflasche gehört dem Paar, das zum Zeitpunkt des Weckerrasselns gerade an der Flasche vorbeitanzt. Das Paar muß dafür für alle ein Faß Bier bezahlen. So werd die K. versoff. Am Kirbedienstag, mancherorts am Kirbemittwoch wird die K. begrab. Klagende Rufe ausstoßend, ziehen die Straußbuben vor das Dorf und vergraben da eine (meist leere) Weinflasche und mancherlei Überreste der K. (Kuchenreste, Knochen u. dgl.). Dabei spielt die Musik auf und einer der Burschen hält eine launige Abschiedsrede auf die vergangene K. Mancherorts wird die K. in Gestalt einer Strohpuppe oder eines Strohbündels verbrennt. Auch in Gal-Walddorf wurde die K. »begraben«. »Die Musigande sin voraus un hun e trauriche Marsch gespielt, un 's junge Volk is hinnenoh. In em Körbche hun se e Flasch Schnaps getraa. Vor de Kerch unnich de Linnebäm (Lindenbäumen) hot mer e Loch gegrabt, dort is 's Körbche mit de Flasch ninnkomm. Alle hun gejomert un sich verschnipst 'verweint', un am ärichschte war's, wie zugeschaufelt is wor« [Rech, Pfälzer im Osten S. 50]. — Manche der beschriebenen Bräuche sind in mehreren Orten schon in den dreißiger Jahren nicht mehr geübt worden. Weitere Angaben enthalten die nachfolgenden Stichwörter. Vgl. auch Becker Vk. 331 ff. u. Stoll 66 ff. — a. 1444: in dem ampt zu Zweinbrucken sal man off

[Bd. 4, Sp. 224]
diesen ... kirwihen win schencken [ZweibrLuRb. Nr. 541]. a. 1451: of unser Capellen Kirchwihe Dag, das ist nemelich of des helgen Cruczes Dag in dem Maie [NUrkKG 342 (KL-Erlb)]. a. 1529: wehr in diesem gericht wein zu schencken habe zu der kirben [PfWeist. I 113 (IB-Bierb)]. a. 1565: Zu Belheim hats jerlich ein kirben vff sontag nach Bartholomej (24. Aug.) [PfWeist. I 95 (GH-Bellh)]. a. 1596: Von 3½ Ohm Wein ... zur Kirben verzöpfft [WerschwSchR 34]. —
b.
α. Zs. PfWB Nachkirbe. —
β. Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Dorf-, PfWB Freß-, PfWB Sau-, PfWB Scheißkirbe. —
2.
a. 'Menstruation'; die Kerb [ KU-Rothsbg LU-Limbghf Muttstdt]. —
b. 'das Ausbleiben der Menstruation, Schwangerschaft'. Se muß Kerb halle 'ist schwanger' [ WD-Niedkch]. — Südhess. III 1317 ff.; RhWB Rhein. IV 514 ff.; LothWB Lothr. 287; ElsWB Els. I 433 Kilb(i), II 805/06 Kirchweihe.

 

 Kirbe das Wort ist nach Wk. IV 16 rhfrk. [doch über die uMos vereinzelt hinausreichend; n. der L. Kirmes]; uNahe südl. u. ö. Soonw kęăp, –ē-, Pl. kęrwə, –ē-; w. an der Nahe kīərp, Pl. kīərwə [Birkf daneben kęrp, Pl. -wə]; Simm, Goar, Bernk, Zell bis zur obigen Grenze kērəp, –ī- Pl. -rwə; an der Saar ungefähr bis zur rb/rf-Grenze kęrp, Pl. -rwə [kirp, Pl. -rwə Ottw-Griesborn, Saarbr-Völkl Dudw Guichenb Heusw]; n. dieser L. kęrwkerf, –i-, Pl. -rwə(n) f.: Kirchweihe, Patronats, fest (im kathol. Geb., in evang. Geb. trat an die Stelle ein Jahrmarkt) mit Jahrmarkt u. Tanz, Kirmes; auch jede Festlichkeit, bei der viel gegessen u. getrunken wird (z. B. Bauk. Richtfest, Kindchesk. Taufschmaus); uf de K. gehn, — lade; de Sonndag hommer K. Allg.; de Leire sin uf der K. maie zu Besuch Simm; K.ə schlahn tüchtig Kirchweih, jede Festlichkeit feiern Birkf-Idar; Allerweltsk. die letzte K. im Jahre, wo alles K. hat Saarbr; je nach der Zeit, in der die K. fallen, führen sie besondere Zunamen, z. B. Kirschek. zur Zeit der Kirschenernte in Kreuzn-Weiler, Birkf-Damb, die Stampesk. (Kartoffelbreik.) Birkf-Ellw, die Kabbesk. Wend-Baumholder, die Brämerek. Birkf-OWörresb, die Mordek. (Möhren-) Birkf-Bosen; das Jungvolk macht im ganzen Geb. vor der K. den Kerwestrauss zurecht, einen grad gewachsenen Wacholderstrauch (an Nahe u. Saar ein Tannen- oder Birkenbäumchen; man holt die K. aus dem Walde heim, wie man sie nachher

[Bd. 4, Sp. 515]

begräbt), der in einer Scheune mit allerlei buntem Papier, Eierschalen (bunten Taschentüchern Birkf) geschmückt wird; der so hergerichtete Strauss wird zum Wirt gebracht, bei dem oder in dessen Zelt die K. abgehalten wird; am K.sonntag eröffnet der Zug des Jungvolkes die K., an der Spitze des Zuges trägt einer der Burschen den Kerwestrauss, neben ihm zwei Begleiter, wie der Straussträger mit bunten Schärpen in den Landesfarben; sie halten in der rechten Hand eine gefüllte Weinflasche, in der linken ein Glas; unter dem Takt der hinter ihnen folgenden Musikkapelle bewegt der Straussträger den Strauss auf u. ab, er drimmelt ihn; die Burschen, die im Zuge schreiten, sind nach Altersklassen geordnet, die Mädchen ziehen ohne Ordnung mit; nach dem Zug durchs Dorf geht es in den Saal (Kirmeszelt); der Strauss wird wieder am Saale angebracht (an der Nahe, Saar hält der Straussträger, ehe man ins Zelt geht, eine Ansprache, die Kerwered, an die versammelten Zuschauer u. K.gäste, bei der er eifrig Kritik walten lässt; sie zerfällt gewöhnlich in sechs Teile: Begrüssung der fremden Gäste, Ansprache an die jungen Mädchen, an die alten Weiber, an die Männer, Ermahnung der jungen Burschen, Ansprache an den Wirt; am Schluss der Rede sichert sich der Redner, der Parre, die ehrenvollen drei ersten Tänze für die Straussbuben: die Buben, die gemacht han diesen Strauss, die halten sich die drei Erschten

[Bd. 4, Sp. 516]
aus; dann begiesst er den Strauss mit Wein u. lässt die K. hochleben; an der Prims gab es vor 1900 noch den Peiferstrauss u. die Versteigerung der drei Erschten, die am Sonntag nachmittag nach der Andacht vor der Kirche getanzt wurden); noch um 1840/60 wurde von den Burschen beim Kerwestrauss ein mit roten Bändern verzierter Kerwehammel geführt, der am zweiten K.tage bei dem K.strauss ausgelost wurde; noch heute wird der K.hammel ausgetanzt: in die Mitte des Tanzbodens wird ein Tisch gestellt, neben den der Hammel gebracht wird; auf den Tisch wird eine brennende Kerze gestellt u. in den untern Teil der Kerze ein Geldstück gesteckt; die Paare beginnen dann einzeln zu tanzen; das Paar, das nun in dem Augenblick tanzt, wo das Geldstück sich von der soweit abgebrannten Kerze löst, erhält den Hammel als Gewinn Hunsr hier u. da noch, Birkf; an der Saar bis über die Blies hinaus, vereinzelt im Primstal u. in WSaarl u. im Haustadter Tal wird das geschmückte Tier am Kirmesmontag von dem Metzger an der Spitze eines langen Zuges vor das Dorf geführt, die Musikanten spielen auf, man tanzt um den Hammel herum u. reicht während des Tanzes den Kerwestrauss weiter; plötzlich ertönt ein Böllerschuss; der Bursche, der in diesem Augenblick den Strauss in Händen hält, muss den Nachkerwentrunk bezahlen (statt des Hammels wird in manchen Dörfern eine Ziege, ein Kuchen oder ein Strauss

[Bd. 4, Sp. 517]
»herausgetanzt«); in früherer Zeit stellten sich auf dem Vorderhunsrück die tanzlustigen Mädchen im Tanzzelt neben einem Pfosten auf; an diesem war das Bild eines Schimmels angebracht, u. darunter stand folg. Spruch: Seh ich nach oben, so seh ich den Himmel; seh ich nach unten, so seh ich den Schimmel; seh ich mich um, so seh ich die Knaben, aber keiner ist, der mich will haben. — Am K.dienstag bewegt sich ein ‘Leichenzug’ hinaus auf die Wiese, angeführt von einem Parre u. zwei Kaplanen, um die K. zu begraben; dort werden Knochen verscharrt; man verbrennt oder begräbt auch eine Strohpuppe. — RA.: Die drei hegschte (höchsten) Feierdag sin: K., Schlachtfest un Fasnacht Kreuzn-Münster. Et is nit immer K., wann die Baure Kuche backe Saarbr. Et es net alle Da K. Saarbr. Wenn's rent (regnet) on schneit, es die Remmesweller (Wend-Remmesw) K. neme (nicht mehr) weit. K. machen sich einen guten Tag antun Saarl-Berus. Der feiert K. er wird ausgeschimpft Ottw-Neunk. Enen of die K. lade ihm eine abschl. Antw. geben Saarbr. Gehe ich mit? Antw.: Of de Hämbleiwerschkerb Meis-Merxh, Kreuzn-Bretzenh. Du singscht wie e Kob (Krähe), die vun der Bubacher K. hämmgeht Saarbr-Berschw. — Heit es K. on morge es K. bes om Denschdaowend; wann ich bei mei Schätzche komm, san (sage) ich schen genowend; ei, genowend, Elisabeth, hennerem Owe steht es Bett, ofgedeckt on zugedeckt, ei, genacht, Elisabeht! Saarbr, Ottw, Goar-Trechtinghsn, — wenn ich zu meim Schätzel kumm, san ich guden Owed; g. O., Lisabeth, zei (zeige) mer, wo die Bettlad steht; hinner'm Owe an der Wand; Kichele (Kuchen) backe is kä Schand Saarbr-Kl-Blittersd. Haut (heute) es K. en usem Dorf, Mädjin, douh (tue) dich botzen, douh dei roden Ennerrock (Unter-) an un eich mei tirtessen (aus Wolle u. Leinen) Motzen! Saarl. Wenn's K. is, wenn's K. is, dann schlaecht mei Vadder e Bock; dann danzen eich, dann danzen eich, dann wackelt mir mei Rock (so hon ich noch kä R. gehat, der wo un so gewackelt hot) Allg.

 

   Kirbe f.:
1.
a. ursprünglich das Erinnerungsfest der Einweihung der örtlichen Kirche, seit langem aber ein rein weltliches Fest, dem im dörflichen Leben besondere Bedeutung zukommt; in der WPf u. NPf fast allg. die Kerb (kärb), in der VPf sowie im Raum um Kaislt u. O-PS die Kerwe (kärwə), in der lothr. SWPf sowie um Hombg die Kirb (kirb) genannt (vgl. K. 235); seltenere F.: Keerb (kērb) [ PS-Windsbg HB-Einöd], Kerw (kärw) (!) [ KU-Altkch Dennw], Ka(r)b (karb, kab) [ KU-Adb RO-Rehbn], Karw (karw) (!) [ ZW-Battw RO-Rehbn], Karwe (karwə) [RO-Duchr (nach Bertram § 89) mittl. VPf von Norden her bis LU-Oggh Schauh Rh'gönh Böhl Hochd NW-Rödh Niedkch SP-Schiffstdt Dudhf Hanhf], Käärwe (krwə) [nach Bertram § 89 LU-Altr SP-Ottstdt Berghs NW-Iggb LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh Nd'lustdt], Kirwe (kirwə) [ GH-Neubg]. Auslandspfälzer, bei denen das Fest seine ursprünglich einfachere Form und Anklänge kirchlicher Art bewahrt hat (vgl. Enders 10/11), erscheint zumeist Kerb (kärb), selten (Schwarzmeerpfälzer durchweg) Kerwe (kärwə); als erstes Glied des Kompositums allg. Kerwe-. Man geht, fahrt, kummt uf die K. [ NW-Frankeck, allg.]. Ruf der Kirbebuben (-burschen): Wem is die K.? Unser! [Zweibr, verbr.]. Die Kirbedevise: Heit gilt's, heit isch K.! [ LU-Böhl]. Ein Rausch zur K. wird nicht übelgenommen: Dofor is K.! [ LU-Opp]. Antwort des Schuljungen auf die Frage nach den drei höchsten Feiertagen im Kirchenjahr: Fassenacht, K. un Metzelsupp [Feierowend 1954, Nr. 33]. RA.: Eine scherzhaft in Aussicht gestellte Belohnung: An de K. danze mer aa metnanner [Kaislt]. Auch: Bis K. kriegscht e Silwernixel un e goldich Wadeweilche (Wart-ein-weilchen) [ LA-Gommh]. Wenn man gerade kein Geld hat, tröstet man sich: Besser wie an de K. nix! [ GH-Kand]. Er hot'n uf d' K. gelare 'hat ihm den Götzgruß entboten' [LA-Nd'hochstdt, verbr., auch Gal]. Umschreibung für 'Streit haben': Es halle zwää K. metnanner [ KL-Wörsb]. Androhung von Schlägen: Dein Ärschje hat gleich K.! [ IB-Herbh]. Scherzhafte Bez. weitläufiger Verwandtschaft: Sie warn emol mitenanner uf de Dusebricker K. [ ZW-Battw]. SprW.: 's is ke Derfel so kleen, so is doch 's Johrs eemol K. drin [ LU-Muttstdt]. Mer blaurert sou lang vun de K., bis se do esch [ LA-Nd'hochstdt]. 's isch nor eemol K. im Johr, also darf man sich zur K. was gönnen [ LA-Mörzh, mancherorts, auch Gal Buch]. Wann bei de Jure wär käin Oschtere un bei de Krischte wär käin K., mischte

[Bd. 4, Sp. 221]

mer im Dreck vederwe [ KU-Schmittw/O]. BR.: An de Gerschemer K. (3. Sonntag nach Michaelstag) reent's gern [ IB-Gersh]. Volksgl.: Die Raupen vertreibt man durch Abkehren mit einem neuen Besen und mit den Worten: Gehn fort uf die K.! [Schandein Bav. IV/2, 380]. VR.: Heit isch K., morje isch K., bis de Dienschtag Owend; wann ich zu meim Schätzel kumm, sag ich gude Owend [LU-Böhl, verbr., auch Gal]. Vielerorts mit Ergänzungen wie: Hibsch gen Owend, Rummelgreet, zeig mer, wo dein Bettche steht! Hinnerm Owe uf de Bank, hinnerm grine Vorhangk [ KU-Bedb]. Oder: Gure Owend, Schätzl, back mer a en Bretzl! Geschtert sin die Russe kumme un hän mei Schätzl mitgenumme [ BZ-Hofstätt]. Das Fest

[Bd. 4, Sp. 222]
wird in der festlosen Hälfte des Kirchenjahres abgehalten. Örtliche Benennungen der K. nach der Zeit ihrer Abhaltung: Apfelschmier-, Backenbirnen-, Pfefferminz-, Bremers-, Brombeeren-, Butzel-, Erbsen-, Gänse-, Heidstorren-, Johannis-, Kästen-, Kirschen-, Kuckucks-, Mai-, Quetschenkuchen-, Rehbocks-, Rüben-, Spelzen-, Strauben-, Waffelnkirbe. Brauchtum: Die Straußbuben (Kirbeburschen) holen mehrere Tage vor dem Fest einen jungen Baum aus dem Wald und fahren ihn unter Musikgeleit durch das Dorf. In einer Scheune wird der Strauß von Burschen und Mädchen mit Bändern geschmückt. Wenige

[Bd. 4, Sp. 223]
Tage vor dem Fest vergraben die Burschen insgeheim außerhalb des Dorfes eine Flasche Wein, das Sinnbild der K. Am Kirbesamstag ziehen sie mit Musik unter Vorantragung des Kirbestraußes an diesen Ort, graben die Flasche aus, binden sie an den Kirbestrauß und bringen sie ins Dorf zurück. Man nennt diesen Vorgang: die Kerb (Kerwe) abhole bzw. hole. Mancherorts wird dem Ortsbürgermeister unterwegs ein Ständchen gebracht und ein kleiner Umtrunk mit ihm gehalten. Der Zug bewegt sich dann zum Tanzlokal, wo der Kirbestrauß (-baum) aufgesteckt und — mancherorts — mit Wein gedaaft (begossen) wird. Der führende Kirbebursche hält nun die Kirberede, mancherorts auch PfWB Kirbepredigt genannt, in der er in launiger Weise alle Verkehrtheiten, die sich im Laufe des Jahres im Dorf ereignet haben, verulkt. Damit ist das bunte Treiben eröffnet. Die Musikanten spielen im Tanzsaal zunächst einen Tanz für »die Abwesenden oder den Saal« (Becker Vk. 335). Die darauf folgenden erschte Drei sind für die Straußbuben bestimmt. Von nun an darf jeder sich am Tanz beteiligen. Mancherorts, bes. in der VPf, wird ein bebänderter Kranz mit einer Weinflasche an die Decke des Tanzsaales gehängt. Es heißt dann: Do hängt die K. Der Tanz dauert mit Unterbrechungen bis Dienstagmorgen. Es wird dann die K. ausgedanzt, d. h. die in der Mitte des Saales hängende Weinflasche gehört dem Paar, das zum Zeitpunkt des Weckerrasselns gerade an der Flasche vorbeitanzt. Das Paar muß dafür für alle ein Faß Bier bezahlen. So werd die K. versoff. Am Kirbedienstag, mancherorts am Kirbemittwoch wird die K. begrab. Klagende Rufe ausstoßend, ziehen die Straußbuben vor das Dorf und vergraben da eine (meist leere) Weinflasche und mancherlei Überreste der K. (Kuchenreste, Knochen u. dgl.). Dabei spielt die Musik auf und einer der Burschen hält eine launige Abschiedsrede auf die vergangene K. Mancherorts wird die K. in Gestalt einer Strohpuppe oder eines Strohbündels verbrennt. Auch in Gal-Walddorf wurde die K. »begraben«. »Die Musigande sin voraus un hun e trauriche Marsch gespielt, un 's junge Volk is hinnenoh. In em Körbche hun se e Flasch Schnaps getraa. Vor de Kerch unnich de Linnebäm (Lindenbäumen) hot mer e Loch gegrabt, dort is 's Körbche mit de Flasch ninnkomm. Alle hun gejomert un sich verschnipst 'verweint', un am ärichschte war's, wie zugeschaufelt is wor« [Rech, Pfälzer im Osten S. 50]. — Manche der beschriebenen Bräuche sind in mehreren Orten schon in den dreißiger Jahren nicht mehr geübt worden. Weitere Angaben enthalten die nachfolgenden Stichwörter. Vgl. auch Becker Vk. 331 ff. u. Stoll 66 ff. — a. 1444: in dem ampt zu Zweinbrucken sal man off

[Bd. 4, Sp. 224]
diesen ... kirwihen win schencken [ZweibrLuRb. Nr. 541]. a. 1451: of unser Capellen Kirchwihe Dag, das ist nemelich of des helgen Cruczes Dag in dem Maie [NUrkKG 342 (KL-Erlb)]. a. 1529: wehr in diesem gericht wein zu schencken habe zu der kirben [PfWeist. I 113 (IB-Bierb)]. a. 1565: Zu Belheim hats jerlich ein kirben vff sontag nach Bartholomej (24. Aug.) [PfWeist. I 95 (GH-Bellh)]. a. 1596: Von 3½ Ohm Wein ... zur Kirben verzöpfft [WerschwSchR 34]. —
b.
α. Zs. PfWB Nachkirbe. —
β. Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Dorf-, PfWB Freß-, PfWB Sau-, PfWB Scheißkirbe. —
2.
a. 'Menstruation'; die Kerb [ KU-Rothsbg LU-Limbghf Muttstdt]. —
b. 'das Ausbleiben der Menstruation, Schwangerschaft'. Se muß Kerb halle 'ist schwanger' [ WD-Niedkch]. — Südhess. III 1317 ff.; RhWB Rhein. IV 514 ff.; LothWB Lothr. 287; ElsWB Els. I 433 Kilb(i), II 805/06 Kirchweihe.