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| PfWB Kirbe (Bd. 4, Sp. 220) | PfWB ab-holen (Bd. 1, Sp. 41) | PfWB über-holen (Bd. 6, Sp. 848) | |||||||||||||||||||||||||
1. a. ursprünglich das Erinnerungsfest der Einweihung der örtlichen Kirche, seit langem aber ein rein weltliches Fest, dem im dörflichen Leben besondere Bedeutung zukommt; in der WPf u. NPf fast allg. die Kerb (kärb), in der VPf sowie im Raum um Kaislt u. O-PS die Kerwe (kärwə), in der lothr. SWPf sowie um Hombg die Kirb (kirb) genannt (vgl. K. 235); seltenere F.: Keerb (kērb) [ PS-Windsbg HB-Einöd], Kerw (kärw) (!) [ KU-Altkch Dennw], Ka(r)b (karb, kab) [ KU-Adb RO-Rehbn], Karw (karw) (!) [ ZW-Battw RO-Rehbn], Karwe (karwə) [RO-Duchr (nach Bertram § 89) mittl. VPf von Norden her bis LU-Oggh Schauh Rh'gönh Böhl Hochd NW-Rödh Niedkch SP-Schiffstdt Dudhf Hanhf], Käärwe (krwə) [nach Bertram § 89 LU-Altr SP-Ottstdt Berghs NW-Iggb LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh Nd'lustdt], Kirwe (kirwə) [ GH-Neubg]. Auslandspfälzer, bei denen das Fest seine ursprünglich einfachere Form und Anklänge kirchlicher Art bewahrt hat (vgl. Enders 10/11), erscheint zumeist Kerb (kärb), selten (Schwarzmeerpfälzer durchweg) Kerwe (kärwə); als erstes Glied des Kompositums allg. Kerwe-. Man geht, fahrt, kummt uf die K. [ NW-Frankeck, allg.]. Ruf der Kirbebuben (-burschen): Wem is die K.? Unser! [Zweibr, verbr.]. Die Kirbedevise: Heit gilt's, heit isch K.! [ LU-Böhl]. Ein Rausch zur K. wird nicht übelgenommen: Dofor is K.! [ LU-Opp]. Antwort des Schuljungen auf die Frage nach den drei höchsten Feiertagen im Kirchenjahr: Fassenacht, K. un Metzelsupp [Feierowend 1954, Nr. 33]. RA.: Eine scherzhaft in Aussicht gestellte Belohnung: An de K. danze mer aa metnanner [Kaislt]. Auch: Bis K. kriegscht e Silwernixel un e goldich Wadeweilche (Wart-ein-weilchen) [ LA-Gommh]. Wenn man gerade kein Geld hat, tröstet man sich: Besser wie an de K. nix! [ GH-Kand]. Er hot'n uf d' K. gelare 'hat ihm den Götzgruß entboten' [LA-Nd'hochstdt, verbr., auch Gal]. Umschreibung für 'Streit haben': Es halle zwää K. metnanner [ KL-Wörsb]. Androhung von Schlägen: Dein Ärschje hat gleich K.! [ IB-Herbh]. Scherzhafte Bez. weitläufiger Verwandtschaft: Sie warn emol mitenanner uf de Dusebricker K. [ ZW-Battw]. SprW.: 's is ke Derfel so kleen, so is doch 's Johrs eemol K. drin [ LU-Muttstdt]. Mer blaurert sou lang vun de K., bis se do esch [ LA-Nd'hochstdt]. 's isch nor eemol K. im Johr, also darf man sich zur K. was gönnen [ LA-Mörzh, mancherorts, auch Gal Buch]. Wann bei de Jure wär käin Oschtere un bei de Krischte wär käin K., mischte [Bd. 4, Sp. 221] ![]() [Bd. 4, Sp. 222] wird in der festlosen Hälfte des Kirchenjahres abgehalten. Örtliche Benennungen der K. nach der Zeit ihrer Abhaltung: Apfelschmier-, Backenbirnen-, Pfefferminz-, Bremers-, Brombeeren-, Butzel-, Erbsen-, Gänse-, Heidstorren-, Johannis-, Kästen-, Kirschen-, Kuckucks-, Mai-, Quetschenkuchen-, Rehbocks-, Rüben-, Spelzen-, Strauben-, Waffelnkirbe. Brauchtum: Die Straußbuben (Kirbeburschen) holen mehrere Tage vor dem Fest einen jungen Baum aus dem Wald und fahren ihn unter Musikgeleit durch das Dorf. In einer Scheune wird der Strauß von Burschen und Mädchen mit Bändern geschmückt. Wenige [Bd. 4, Sp. 223] Tage vor dem Fest vergraben die Burschen insgeheim außerhalb des Dorfes eine Flasche Wein, das Sinnbild der K. Am Kirbesamstag ziehen sie mit Musik unter Vorantragung des Kirbestraußes an diesen Ort, graben die Flasche aus, binden sie an den Kirbestrauß und bringen sie ins Dorf zurück. Man nennt diesen Vorgang: die Kerb (Kerwe) abhole bzw. hole. Mancherorts wird dem Ortsbürgermeister unterwegs ein Ständchen gebracht und ein kleiner Umtrunk mit ihm gehalten. Der Zug bewegt sich dann zum Tanzlokal, wo der Kirbestrauß (-baum) aufgesteckt und — mancherorts — mit Wein gedaaft (begossen) wird. Der führende Kirbebursche hält nun die Kirberede, mancherorts auch PfWB Kirbepredigt genannt, in der er in launiger Weise alle Verkehrtheiten, die sich im Laufe des Jahres im Dorf ereignet haben, verulkt. Damit ist das bunte Treiben eröffnet. Die Musikanten spielen im Tanzsaal zunächst einen Tanz für »die Abwesenden oder den Saal« (Becker Vk. 335). Die darauf folgenden erschte Drei sind für die Straußbuben bestimmt. Von nun an darf jeder sich am Tanz beteiligen. Mancherorts, bes. in der VPf, wird ein bebänderter Kranz mit einer Weinflasche an die Decke des Tanzsaales gehängt. Es heißt dann: Do hängt die K. Der Tanz dauert mit Unterbrechungen bis Dienstagmorgen. Es wird dann die K. ausgedanzt, d. h. die in der Mitte des Saales hängende Weinflasche gehört dem Paar, das zum Zeitpunkt des Weckerrasselns gerade an der Flasche vorbeitanzt. Das Paar muß dafür für alle ein Faß Bier bezahlen. So werd die K. versoff. Am Kirbedienstag, mancherorts am Kirbemittwoch wird die K. begrab. Klagende Rufe ausstoßend, ziehen die Straußbuben vor das Dorf und vergraben da eine (meist leere) Weinflasche und mancherlei Überreste der K. (Kuchenreste, Knochen u. dgl.). Dabei spielt die Musik auf und einer der Burschen hält eine launige Abschiedsrede auf die vergangene K. Mancherorts wird die K. in Gestalt einer Strohpuppe oder eines Strohbündels verbrennt. Auch in Gal-Walddorf wurde die K. »begraben«. »Die Musigande sin voraus un hun e trauriche Marsch gespielt, un 's junge Volk is hinnenoh. In em Körbche hun se e Flasch Schnaps getraa. Vor de Kerch unnich de Linnebäm (Lindenbäumen) hot mer e Loch gegrabt, dort is 's Körbche mit de Flasch ninnkomm. Alle hun gejomert un sich verschnipst 'verweint', un am ärichschte war's, wie zugeschaufelt is wor« [Rech, Pfälzer im Osten S. 50]. — Manche der beschriebenen Bräuche sind in mehreren Orten schon in den dreißiger Jahren nicht mehr geübt worden. Weitere Angaben enthalten die nachfolgenden Stichwörter. Vgl. auch Becker Vk. 331 ff. u. Stoll 66 ff. — a. 1444: in dem ampt zu Zweinbrucken sal man off [Bd. 4, Sp. 224] diesen ... kirwihen win schencken [ZweibrLuRb. Nr. 541]. a. 1451: of unser Capellen Kirchwihe Dag, das ist nemelich of des helgen Cruczes Dag in dem Maie [NUrkKG 342 (KL-Erlb)]. a. 1529: wehr in diesem gericht wein zu schencken habe zu der kirben [PfWeist. I 113 (IB-Bierb)]. a. 1565: Zu Belheim hats jerlich ein kirben vff sontag nach Bartholomej (24. Aug.) [PfWeist. I 95 (GH-Bellh)]. a. 1596: Von 3½ Ohm Wein ... zur Kirben verzöpfft [WerschwSchR 34]. — b. α. Zs. PfWB Nachkirbe. — β. Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Dorf-, PfWB Freß-, PfWB Sau-, PfWB Scheißkirbe. — 2. a. 'Menstruation'; die Kerb [ KU-Rothsbg LU-Limbghf Muttstdt]. — b. 'das Ausbleiben der Menstruation, Schwangerschaft'. Se muß Kerb halle 'ist schwanger' [ WD-Niedkch]. — Südhess. III 1317 ff.; RhWB Rhein. IV 514 ff.; LothWB Lothr. 287; ElsWB Els. I 433 Kilb(i), II 805/06 Kirchweihe.
| 1. einen a. a. '(einem Gast) entgegengehen und ihn geleiten'; de Gascht vum Bahnhof abhole [WPf NPf nördl. u. mittl. VPf], -houle [verbr. NWPf Sick südl. VPf (vorn. LA)]. Auch: De Schandarm hot ne abgeholt. RA.: Unser Herrgott hotten ze frih a. 'zu früh sterben lassen' [verbr.]. Den Lump hot der Deiwel abgeholt [verbr.], häufiger: hot de(r) Deiwel gehol(t). Der steht do wie bestellt un net abgehol(t), von einem, der ratlos dasteht [verbr.]. — b. 'photographieren', abholle [ Don-Hatzf Lovrin Lenauh]; vgl. PfWB abnehmen I 2. Syn. s. PfWB fotografieren. RhWB Rhein. III 761. — 2. etwas a. a. 'hingehen und heranbringen' (entspr. 1 a); de Brief vun de Poscht abhole [allg.]; die Kerb (Kerwe) a. 'den Kirchweihbaum oder -strauß [Bd. 1, Sp. 42] mit Musik einholen' (s. u. PfWB Kirbe) [verbr.]. Bad. I 9. — b. 'wegnehmen, abnehmen'; 's Stroh (von der Dreschmaschine) a. [ WD-Niedkch]; die Kordel abholle, beim Fingerspiel [ Don-Ulmb St. Andreas]; vgl. PfWB abheben I 2 i. — c. 'an Gewicht verlieren'. Er hot viel abgeholl [ Don-Lenauh]; vgl. PfWB abnehmen II 1 a. — RhWB Rhein. III 760; Bad. I 9.
| 1. 'über ein Gewässer übersetzen', nur im Ruf an den Fährmann: Hol iwwer! [Spey BZ-Dernb]. — 2. 'jemanden einholen und ihn zurücklassen', sowohl beim Fahren, Laufen wie auch in Kenntnissen oder Fertigkeiten, iwwerhole, -houle, s. PfWB holen [verbr.]. Äner iwerholt de anner [Kraus Arwed 16]. E Kuhfuhrwerk is langsam g'fahr, e Fußgänger hat's iwwerhol [Kröher Lyoner 53]. — 3. 'warten, ausbessern, renovieren' [vereinzelt]. Die Nähmaschin muß emol iwwerholt werre [Kaislt]. — Rhein. IX 17. —
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