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 PfWB Kippes (Bd. 4, Sp. 219)   PfWB Gipfel (Bd. 3, Sp. 322)   DWB kippe (Bd. 11, Sp. 782) 
  Kippes2 m.: 'Streit', Kippes (kibəs) [Kaislt SOPf (Heeger Nachl.)]; vgl. PfWB kippen6, PfWB Kippe2, PfWB Zores. Wohl aus rotw. Kibbus 'Schlag, Streich' (Wolf Nr. 2591). — Südhess. III 1278; RhWB Rhein. IV 506; ElsWB Els. I 417.

 

   Gipfel m.:
1.
a. 'Spitze des Baumes', Gipp(e)l (gibəl, -bl) [verbr.]; vgl. PfWB Krone, PfWB Spitze. —
b. 'der oberste Teil der Pflanze', bes. vom Weinstock [vereinzelt]; de G. abmache [ PS-Burgalb]; vgl. PfWB gipfeln. —
c. 'Bergspitze' [ KB-Kriegsf]. Am höchschte G., eng gedrängt, do stehn se (dievon der Sintflut Bedrohten) [Münch Weltgesch. 32]. Hoch am Bergel owwe uf em G. (steht) das Kabellche vun Sankt Anne [Keiler 33]. —
d. 'der Brotanschnitt' [ HB-Schwarzb]; vgl. PfWB Anschnitt, PfWB Knorzen. —
2.
a. 'Kopf', scherzh. [verbr. WPf NW-Elmst]; vgl. PfWB Giebel 2 a. Syn. s. PfWB Kopf. Zs.: PfWB Dürr-, PfWB Kiengipfel. RA.: Ich schlaan d'r an de G. [ KL-Reichbstg]. Ich treff d'r de G. [ KU-Lohnw]. Er hat e därrer G., vom Glatzköpfigen [ KU-A'glan KL-Miesb FR-Bockh]. Er hot im G. 'ist betrunken' [ PS-Geisbg KU-Erdb Brück]. Er hat's im Gippelche 'ist verrückt' [ KU-Hachb]. —
b.
α. 'Nase', scherzh. [ KL-Fischb]; vgl. PfWB Giebel 2 c. Syn. s. PfWB Nase. —
β. 'Nasenspitze', Gippelche [ KL-Fischb]. Zs. PfWB Nasengipfel. — Südhess. II 1366; RhWB Rhein. II 1240; ElsWB Els. I 228; Bad. II 419/ 20.

 

 kippe, f. ein md. nd. wort mit mehrfacher bed., die doch auf éine grundbedeutung zurückgehn mögen.
1) spitze.
a) hauptsächlich in bezug auf ein ding das auf der spitze steht und dem sturze ausgesetzt ist, kippe praecipitium Steinbach, Frisch: auf die kippe kommen pervenire in praecipitium, auf der kippe stehen stare in praecipiti. Steinbach. ein glas z. b. das auf der kante des tisches steht, steht auf der kippe (auch auf der wippe, s. u. 2), wenn sein schwerpunkt der kante nahe ist, wenn es 'umzukippen' droht; stelle das glas nicht auf die kippe. bildlich: er steht auf der kippe, ist in gefahr sein amt zu verlieren. Steinbach, auch von kaufleuten denen bankerott droht; der minister steht schon lange auf der kippe, wie ist gestürzt u. ä.;

es ist nicht fein, die grosze monarchie
...... so auf der kippe zu sehen.
Klamer Schmidt.

Wir fühlen das nur als in beziehung zu kippen, wie subst. verbale dazu, und Adelung, Campe u. a. fassen es so auf, als 'zustand' u. s. w. so ist es wol auch wirklich mit dem bair. ausdruck dafür auf der spreng, zu sprengen springen machen, schweiz. auf der schwanke, auch gimpfe Tobler 222a. in Thüringen heiszt es gern kipfe, öfter kepfe; auch keppe kommt md. vor (sächs., im ungr. berglande Schröer 69a) und kapfe, kappe, und immer mit dem entsprechenden verbum dabei, s. DWB kepfen, DWB kappen 3, kippen 1. aber auch spitze selbst wird so gebraucht.
b) es musz aber auch ein selbständiges kippe spitze gegeben haben, das Wachter 839 ansetzt als extremitas cujusque rei. dafür bürgt Luthers kipfe der felsen, kipplein spitzchen 16. jh., nd. westf. kip (und tip) spitze Woeste in Kuhns zeitschr. 2, 87, besonders mrh. kippel (neben küppel) kleiner hügel, als masc. Kehrein 224; so schott. kip spitzer hügel und hervorragende spitze. Diesz kippe steht denn im reinsten ablautsverhältnis zu kuppe und zu kappe (8, b) spitze, zwischen den beiden letztern aber steht kaupe 2 spitze, und das alles mag sehr alt sein.
2) kippe, schaukel Rädlein 536a. 767b; ebenso wieder keppe Schmotther 2, 384 (bei beiden nur in dieser bedeutung). s. dazu kippen 1, b. gewiss eine schaukel wie sie sich die kinder z. b. aus einem brete herstellen, das auf seinen schwerpunkt gelegt ist, auf eine 'spitze', auf die kippe gestellt. nd. heiszt das wippe (wie wippe u. 1), auch aus beiden worten verbunden kippwipp, und ablautend wippwapp Stürenburg ostfries. wb. 333a. s. auch 4.
3) kippe, eine falle, decipula quae dejecto pondere resurgit Frisch 1, 515b; auch nl. bei Kilian kip decipula, mnl. kep pedica hor. belg. 7, 6a. auch das könnte eig. eine 'auf der kippe' stehende vorrichtung sein, die dann 'umkippt', wie die falle vom 'zufallen' benannt ist, ebenso schlag vom zuschlagen, sprenkel vom abspringen. doch vgl. DWB kippen 7. s. auch klippe falle.
4) kippe, goldwage. M. Kramer 1787. davon kippe und wippe, s. u. kipper 3, a. eigentlich musz diesz kippe der wagebalken sein, der mit kippe 2 sachlich übereinkommt. berührung mit 3 in der sache zeigt frz. trébuchet goldwage und vogelfalle.