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 PfWB Kind (Bd. 4, Sp. 200)   PfWB rein1 (Bd. 5, Sp. 479)   PfWB Bein (Bd. 1, Sp. 668) 
   Kind n.:
1.
a.
α. 'das Kind im Mutterleib; Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife', Kind (kind), Kinn (kin), Kend (kend, kęnd), Kenn (ken, kęn), Keend (knd) [Verbr. in der Pfalz s. K. 234]; Auslandspfälzer: Kind [verbr.], Kend [ Gal-Burczyce]. Pl. u. Dim. s. F. — Sie geht merme K. 'Sie ist schwanger' [KL-Stelzbg, verbr.]. Sie kriet ball e K. [ RO-Dielkch]. Sie kriet kä Kinn 'keine Kinder' [ZW-Battw, verbr.]. Der hot er e K. gemacht 'hat sie geschwängert' [RO-Dielkch Sippf, verbr.]. Die hot sich e K. mache losse, um ihn zur Heirat zu zwingen [ NW-Freinsh]. Bei denne isch e K. (e Kläänes) uf die Welt kumme [LU-Böhl, verbr.]. 's es um e K. kumm 'Die Frau hatte eine Fehlgeburt' [ KB-Kriegsf]. Zur Frage, was man kleinen Kindern zu ihrer Herkunft sagt, s. PfWB Kindchensbrunnen. Umschreibung für Kinderreichtum: Die han e Haus voll Kinn [KU-Bedb, verbr.], e Stall voll Kinner [ BZ-Dierb], de Aasch (Arsch) voll Kinner [ LU-Friesh]; auch: Die han se wie die Orgelpeife, immer äns Kopps klenner wie 's anner [ ZW-Battw]. Am Enn vum Dorf sinn die menschte Kinner, weil dort die armen, kinderreichen

[Bd. 4, Sp. 201]

Taglöhnerfamilien wohnten [ LU-Opp]. Kinder aus zweiter Ehe sind die zwatte Kinner [ KB-Rüssing]. Bezeichnungen für Aussehen und Wesensart des Kindes: Das is e schän K. [KU-Bedb, verbr.], e liewes K. [LU-Opp, verbr.], e herzhaftich K. 'ein Kind, das sich nicht fürchtet' [ LA-Gommh], e verzagtes K. 'schüchternes K.' [ Gal-Dornf]. Ein adoptiertes Kind isch e aangenumme K. [NW-Frankeck, verbr.]. Ein uneheliches Kind gilt als unneerich (unnötiges) K. [ KU-Schmittw/O]. Die stillende Mutter gebt em K. die Bruscht [LU-Opp, verbr.]. Um die Patenschaft bittet man etwa mit den Worten: Willscht du mer das K. hewe? [RO-Dielkch, verbr.]. Aussagen über die Entwicklung des Kindes: Ach, is

[Bd. 4, Sp. 202]
des K. gewachse! [ NW-Freinsh Kallstdt]. Das K. kann schun laafe [ KU-Brück]. 's K. kodert 'stammelt' [NW-Kallstdt, verbr., auch Gal]. Das arem K. hat die englisch Kranket [ KL-Reichb]. Ungehorsame Kinder heere gar net [Rockhs]. Die Eltern klagen: Mer hot doch e Kreiz mit denne Kinner [ LU-Opp]. Die Kinner werre ganz verdätschelt 'werden ganz verwöhnt' [ RO-Semb]. Manche Mutter kennt nix wie ihr Kinn [ ZW-Battw], isch arich närrisch uf ehr Kinner [ LA-Gommh]. Andere Eltern gehen mit dem K. um wie die Sau mirem Beddelsack [ FR-Tiefth]. Kosenamen für ein kleines Kind: Boppelche, Buppes'che, Trutschelche, Engelche, Fischelche, Freschelche, Goldche, Hämmelche,

[Bd. 4, Sp. 203]
Herzche, Herzflattche, Knechtche, Liewes'che, Mais'che, Schäfche, Schätzche, Schauckelche, Zukkerherzche u. a. m. RA.: Das macht de Mäd kän K. 'Das hat weiter keine (schlimmen) Folgen' [ KL-Hirschhn]. Ach Gottche, secht 's Lottche: Siwe Kinner un ken Mann; 's is e Schann! [ LU-Friesh]. Ausdruck des Ärgers: Do kennsche e Kind krie vun Lumbe, wenn etwas nicht klappt [ KB-Bischh]. Scherzhaftes Dankeswort: Vergelt's Gott mit lauter kläne Kinn! [Eid 89]. Von einem schwächlichen Kind heißt es: Des K. is wie e Fischel uf em Baam [Land]. Der Ratlose steht da wie 's K. beim Dreck [ RO-O'mosch]. Einem Gast, der nicht Platz nehmen will, sagt man: Traa dem K. net die Ruh fort! [mancherorts Gal]. Ausspruch des Gastes: Ich traa eire Kinner die Ruh naus, wenn man der Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht Folge leisten kann [ FR-Ebertsh]. Der Schmeichler will sich, z. B. beim Herr Parre, lieb K. mache [KU-Kaulb, verbr.]. Ortsneckerei: Wer iwwer de Reiter (Reiterhof) geht un kriet ken Wind, wer dorch Hochste (Hochstein) geht un sieht ken Kind, wer dorch Winnwiller (Winnweiler) geht ohne Spott, der hot e Gnad vun Gott [ RO-Gundw]. SprW.: Veel Kinn, veel Glick [Hebel 46]. Gesunde Kinn sein e Gab Gottes [ KU-Kaulb Kreimb]. Kläine Kinn, kläiner Lascht, große Kinn, großer Lascht [KU-Schmittw/O, Hebel 46]; ... kleene Sorje - große Sorje [verbr. Don Gal Buch]. E K. uhne Stoß (ohne Krankheiten) isch ball groß [ LU-Böhl, mancherorts Don Gal Buch]. Gescheide Kinner werre net alt [Hebel 47]. Kinner sinn Kinner [ KU-Trahw Bechb]. Kleene Kinner treten der Mutter uf de Schoß, große uf's Herz [verbr. Don Gal Buch]. E barmherzichi Mutter erzieht lausiche Kinner [verbr. Gal]. Wammer de Kinner de Wille dut, greinen (heilen) se net [verbr. Don Gal Buch]. Je strengr die Rut, je liewr 's Kind [ Don-Gottlob]. Aus Kinner werre(n) Leit [verbr. Don Gal Buch]. Parres Kinn un Millers Kih, wann's geroot, gibt's gut Vieh [Hebel 46]. Kinner un Narre sagen die Wohret [NW-Lach/Speyd, Frankth Horne Penns 18 verbr. Don Gal Buch]. Wann 's Kind gedaaft es, es gut Perrer (Pate) sei (weil dann die Taufgeschenke wegfallen) [ KB-O'wies]. S. auch PfWB Vater, PfWB Mutter. BR.: Wann die Niß geroden, geroden aach die Kinner [Wilde 183 (verbr.)]. Wann die Kenn kreische, gebt's am annere Dag Räin [ WD-Niedkch]. Wann Leit schene Kinner hawwe wolle, misse sie schene Piktschers (engl. pictures 'Bilder') in der Stub hawwe [Fogel Beliefs Penns Nr. 1891]. Wammer en Wieg zu zwet schockelt, wachst 's Kind an [ebd. Nr. 38]. En K., as mer abgewehnt, wann die Beem blieh, werd glei groo (grau) [ebd. Nr. 107]. 's siwet K. gebt en großer Mann [ebd. Nr. 170]. Ein Kind tröstet man: Heile, heile Seche, drei Dach' Reche, drei Dach' Schnee, jetzt dut meim K. sein Finger

[Bd. 4, Sp. 204]
(Fuß) nimin weh [SOPf]. KR.: Schlof, mei Kindche, schlof, dei Vatter hiet die Schof, dei Mutter hiet die Lämmerche mit de goldne Bännerche [KB-Kriegsf, verbr., auch Don Gal]. Hoppe-loppe-leiche, koch 'm Kindche Breiche! Koch 'n net so dick, daß mein Kindche net verstickt! [ KU-Bedb, mancherorts]. Patsche, Patsche Händelcher, was werd der Vatter kaafe? For mei Kindche Schickelcher. Werd des Kindche laafe! [ Gal-Obl]. S. auch PfWB Aa1, PfWB Brei 1 a, Gakkel 1, PfWB sechs. Kinderspiel: Frääche, willscht dein K. verkaafe? Spielregel: Die Kinder stehen in Kreisform, zu zweien hintereinander; das hintere stellt die Mutter, das vor ihr das ihr gehörige Kind vor. Ein Mädchen fragt irgend eine der »Mütter«, ob sie ihr Kind verkaufen wolle. Mutter und Käuferin laufen nun, in entgegengesetzter Richtung, solange um den Kreis, bis das Verslein gesungen ist: »Lieber will ich betteln laufen, als mein gutes Kind verkaufen, das mit mir schlafen geht, das mit mir aufersteht«. Wer zuerst nach beendigtem Gesang beim Kind ist, dem gehört es [J. Hoffmann Chronik d. rheinpfälz. Dorfes Kriegsfeld, 1897, S. 63]. a. 1311: minen swestern Benzeln von Flanborn, Lutzen von Randecken, iren kinden vnd allen vnsen miderben andersite [OttbgUrkb. 305]. a. 1565: ist Groß armutt vnd viell kleiner kindt do [WerschwSchR]. — Zs.: PfWB Armeleute-, PfWB Bäbä-, PfWB Papa-, PfWB Bettel-, PfWB Pfarr-, Pfarrstunds-, PfWB Bruders-, PfWB Brust-, PfWB Teufels-, PfWB Doktors-, PfWB Dorf-, PfWB Tützen-, PfWB Enkel-, PfWB Extra-, PfWB Findel-, PfWB Findlings-, PfWB Flaschen-, PfWB Gassen-, PfWB Gedeih-, PfWB Glücks-, PfWB Heiden-, PfWB Höllen-, PfWB Honig-, PfWB Huren-, PfWB Jesus-, PfWB Kinds-, Königs-, Mama-, PfWB Menschen-, PfWB Milch-, PfWB Mutter-, Nachbar-, Nachgeschwister-, Nachtmahl-, PfWB Neben-, PfWB Reichmanns-, PfWB Sau-, PfWB Schmerzens-, PfWB Schul-, Schüler-, PfWB Schwesters-, PfWB Siebenmonats-, PfWB Sonnen-, Sonntags-, PfWB Sorgen-, PfWB Spei-, PfWB Stadt-, PfWB Städter-, PfWB Stief-, PfWB Straßen-, PfWB Vaters-, PfWB Waisen-, PfWB Wickel-, PfWB Wiegen-, PfWB Windel-, PfWB Zieh-, PfWB Zigeuner-, PfWB Zuckerkind. —
β. Zs. PfWB Kristkind. —
b. von Erwachsenen.
α. 'Nachkomme allgemein'. Unser Kinner sin schun verheirat [NW-Kallstdt, verbr.]. Zs. PfWB Geschwisterkind. —
β. Eine Dorfschöne is e sauwer K. [ RO-Dielkch]. —
γ. in Ausrufen der Verwunderung. Kinner, wie die Zeit vergeht! [verbr.]. Kind Gottes in der Hutschachtel! [Kaislt]. —
δ. Kinner, Neckname für die Bewohner von IB-Hass. —
2.
a.
α. 'Pupille im Auge', Kinn [ BZ-Dernb GH-Kapswey], Kien [ PS-Bruchw], Kinnche [RO-Feil Sippf Pirmas FR-Bockh], Kienche [ Don-Schowe Torscha], Kinnl [PS-Busbg NW-Geinsh SP-Harths LA-Wey Impfl Ilbh Venn Heeger Südostpf. 23]; vgl. PfWB Augenkind. Syn. s. PfWB Pupille. —
β. 'Augapfel', Kinnel [ NW-Haßl Spey],

[Bd. 4, Sp. 205]
Kinnche [Schandein Sprachsch. 27]. —
b. 'Mohn' im Rätsel: Der Mann (Stößel) aus'm Wald, die Fraa (Schüssel) aus der Stadt, die Kinner (die Mohnkörner) aus'm Gaarde [ Gal-Neudorf]. —
c. Kinncher 'Flachsbündel' [ KU-Bedb]. —
d. Zs. PfWB Pfaffenkind (Pflanze). —
e. 'Pfeife', im scherzh. Ausspruch: 's Kind hot kään Luft, wenn die Pfeife verstopft ist [ KL-Mackb]. — F.: Pl. a. Kinner zu Sing. Kind [verbr.], Kinn [mancherorts lothr. SWPf], Kenn [ SP-Harths]; b. Kinn zu Sing. Kind [verbr. NWPf NW-Freinsh Don-Schowe Torscha Gal-Ranischau]; c. Kenner zu Sing. Kend [ ZW-Maßw LA-Mart Mörzh GH-Wörth Gal-Neu-Burczyce]; d. Kenn zu Sing. Kend [WD-Niedkch Ingb ZW-Schmitshs verbr. mittl. u. südl. VPf], zu Sing. Kenn [mancherorts südl. VPf]. — Dim. s. unter 2aα. — Südhess. III 1290 ff.; RhWB Rhein. IV 470 ff.; Lothr. 285/86; ElsWB Els. I 448; Bad. III 123.

 

   rein1 Adj.:
I. nach dem Schd., s. F.
1. 'sauber, frei von Verunreinigungen', rein, rein [mancherorts, Lambert Penns 123, 124 Krämer Gal 257]; vereinzelt und nur in RA. in die Mda. eingelautet: raan [ PS-Petbch], rään [ LU-Opp]; Abl.: PfWB unrein; Zs.: hasen-, natur-, stuben-, PfWB zimmerrein; e reini Haut 'eine Haut, die frei von Narben und Ausschlägen ist' [ NW-Frankeck, vereinzelt]; reiner Zucker 'raffinierter, von Verunreinigungen freier Zucker' [ KU-Kaulb]; vgl. die Bed. II1aα. Die Luft es net r. 'ist staubig, übel riechend' [ FR-Bockh]. RA.: eem reine Wein einschenke 'einem die Wahrheit sagen, den Standpunkt klar machen' [Wilde 263]; subst. (e Sach) ins Reine bringe 'Unstimmigkeiten, Mißverständnisse ausräumen, einen Streit schlichten' [ KU-Kaulb LU-Opp BZ-Albw GH-Schwegh], ins Reine mache, dass. [ LA-Mörzh BZ-Dörrb], ins Raane richde, dass. [ PS-Petbch]. Mer wolle rääne Disch mache, dass. [ LU-Opp]. Do is reini Luft 'Es ist keine unerwünschte Person in der Nähe (die mithören könnte)' [ LU-Alsh/Gr]. SprW.: R. un ganz, gibt aldem Kleid Glanz [ KU-Schmittw/O]. Millich un Wein, selde rein [ BZ-Dierb]. Spruch: Oordich, flink, rein, solle Kinner sein [ KU-Schmittw/O]. —
2. übertr.
a. adv. 'wirklich, ausschließlich, ganz und gar'. Mer sieht noch rein gar kän Enn [PfPr. 9. 10. 1927]. Du ploogscht dich rein for nix [ BZ-Dernb]. Der wääß rein gar nix [ebd.]. Er es rein e Narr (es rein verrickt) [ KU-Kaulb]. Die danzen eem rein uf em Kopp erum [ FR-Bockh]. —
b. attr. 'in seiner Beschaffenheit vergleichbar mit'. Pos. Der is en reine Schinnerhannes 'ein verwegener Mensch' [ FR-Studh]. — Superl. Des is de reinscht Ries 'ein sehr großer Mensch' [ BZ-Albw, mancherorts]. Du bischt doch die reinscht Dorfzeirung (Dorfzeitung) [NPfGV 8. 8. 1934], die reinscht Klett, von einer Anhänglichen [ KU-Schmittw/O], die reinscht Katz, von einer Zänkischen [ LU-Alsh/Gr]. Sei Hinnerdääl is es reinschde Fäßje [Westricher Kalender 1957 102]. Des isch de reinscht Maulessel, von einem Pferd [ GH-Kand]. Das es 's reinschde Narrehaus [ KU-Kaulb], die reinscht bolnisch Wertschaft 'ein großes Durcheinander' [ BZ-Dierb]. Die hot 's reinschde Puppegesicht [ NW-Elmst]. —
II. altmda., s. F.
1.
a. α. 'feinkörnig, fein gemahlen, gestoßen, gesiebt', rään (rn), selten: reen [verbr. WPf VPf nördl. NPf, PfId. 112 Müller Dietschw 56 Schneckenburger 30 Heeger Südostpf. 12 Schandein Sprachsch. 47], rään (rn), selten: reen [verbr. westl. WPf, PfId. 112], räin [ WD-Niedkch], raan [verbr. NPf LU-Altr, PfId. 110, 112 Christmann Kaulb 24, 95 Mang 132], ree(n),

[Bd. 5, Sp. 480]
raa(n), roo(n) [Krämer Gal 174]; rääner (raaner) Zucker (Zimmet, Sand), rään Salz [verbr.]; Reener 'gestoßener Zucker' (im Ggs. zu Würfelzucker oder Zuckerhut) [PfId. 115]; rooner Zucker [ Gal-Obl]. Mit de Walz werd de Borrem rään gemacht [ RO-Obd]. De Acker werd gewalzt un ge'eet bis er raan es [ KB-Albish]. SprW.: Zwää rohe Mihlstään mache kä Mehl rään [ KU-Reiffb, in Var. Gal-Dornf Slawitz]. —
β. 'zerkleinert'; rään Holz 'Zweige, Kleinholz zum Feuermachen' [mancherorts ges. Pf]; rääne Riewe 'im Stoßtrog zerkleinerte Rüben' [ BZ-Dernb]. —
γ. 'locker', vom Ackerboden, von der Gartenerde, rään [ KU-Hinzw Hundh Obw/T ZW-Schmitshs RO-Semb SP-W'see BZ-Rohrb Apphf Rechtb Bergz], reen [ HB-Brenschb], raan [ KU-Hefw KB-Mauchh Morschh Kirchhbol]; Syn. s. PfWB luck 1 a. —
b.
α. 'feingliedrig, schlank, zierlich' (s. F.), rään [ KU-Bedb Lauteck Ulm KL-Hirschhn Kaislt PS-Burgalb], räin [ KU-Schmittw/O]; auch Dim. räänche, von Kindern [Kaislt]; vgl. PfWB rahn1, PfWB reingliederig; e rään Kind, e räin Kerlche [ KU-Schmittw/O]; subst. en Rääne, e Rääni [ LU-Friesh]. Der hot rääne Knoche [ KU-Bedb], rääne Bään [ LU-Friesh]. Der is net so räänche wie de anner [Kaislt]. —
β. 'ausgehechelt, fein- und langfaserig', vom Hanf und Flachs; subst. Raanes, jünger: Räänes 'ausgehecheltes, hochwertiges Werg' [ KU-Kaulb KL-Hirschhn], Raanes [ KU-Herchw]. Sie spinnt rään Werg [LA-Impfl]. Die aus Räänem (ausgehecheltem Flachs) zusammengedrehten Stränge heißen Kinncher, s. PfWB Kind 2 c [ KU-Bedb]. —
γ. 'aus feinem Werg gesponnen und gewoben'; rääner Farem (Faden) [BZ-Rechtb (PfId. 112), LA-Impfl Land]; räin Duch [ WD-Niedkch Marth Saal]; subst. Reenes 'feines Leinen' [ KU-Rathsw]. a. 1578: 10 elln rain thuch ... zu hembtern [WerschwSchR Bl. 92r]. —
δ. 'leer', raan [ Don-Heufeld]. —
c. 'im Wachstum zurückgeblieben, verkümmert'; reene Beercher [ NW-Freinsh]; rään Korn [ KU-Schmittw/O]. —
d.
α. 'mit feiner, hoher Stimme'; reen singe [Krämer Gal 174]. —
β. 'leise'; reen redde [ Gal-Dornf]. —
2. FlN, amtl. In den reinen Stücken, mda. raanne Sticker [ LU-Altr]. — F.: Vokalqualität und Wortauslaut der Bedeutungsgruppe II wie PfWB Bein, K. 30; n > n bei Suffixation. Die Bedeutungsgruppe I stellt eine jüngere, aus dem Schd. entlehnte Schicht dar und unterscheidet sich in Form und Inhalt von der altmundartlichen Gruppe II; vgl. Christmann in: Feierowend Nr. 35 v. 1. 9. 1951; zur Etym. s. Kluge-Mitzka20 593. Unklar bleibt die Beziehung der Bed. II 1 b α zu PfWB rahn1, das im Verbreitungsgebiet ää < mhd. ei häufig belegt ist. — Südhess. IV 1340/41; RhWB Rhein. VII 308 ff.; LothWB Lothr. 408; ElsWB Els. II 263/64.

 

   Bein n.:
1. 'Knochen'. De Kamm es vun Baan 'ist beinern' [ KB-Albish]. Diese Bedeutung erscheint sonst nur noch in festen Prägungen. RA.: Hals un Baa breche [ KU-Rothsbg, allg.]. a. 1567: ein carstvogt ... über hals und bein 'über Leben und Tod' [PfWeist. I 70 (KL-Baalbn)]. a. 1569: unsere ... oberste Gerichtsherren ... über Hals und Bein [Weist. von Heimkirchen (Prot-KArch.)]. Das geht aam dorch Mark un Baan [ FR-Bockh, allg.]; e Kält, daß Stään un Bään zammefreere [ ZW-Gr'bundb, allg.]. VR.: Äne, däne, Dore, die Geiß geht im Kore, der Hirt leit im Loch, hat Hals oun Bään gebroch [ WD-Niedkch]. Volksbrauch: Wenn Kinder die Milchzähne verlieren, werden diese unter die Bettlade geworfen, wobei man sagt: Mäusel, Mäusel, da hab ich ään Bäänl, gib mer ään Zähnl [ PS-Erfw FR-Lambsh BZ-Mühlhf]. S. auch bei Maikäfer. Zs.: PfWB Eis-, PfWB Elfen-, Kinn-,

[Bd. 1, Sp. 669]
PfWB Schien-, PfWB Steiß-, PfWB Zungenbein.
2. 'untere Gliedmaßen beim Menschen, vordere und hintere Gliedmaßen des Tieres'. 's Been dut mer weh [westl. WPf, allg.]. Er hot sich 's Baan gebroch [NPf, allg.]. Ich schlaa der die Been am Aasch ab, Drohung gegenüber einem Kind, das sich zu weit entfernt hat [ZW-Stamb, allg.]. Die Bäin gihn noch 'tun noch ihren Dienst' [ KU-Schmittw/O, KB-Gauh]. Spöttisch von Beinen: Hääse s. Hächsen, Lääf s. Läufe. Dicke Beine bezeichnet man scherzhaft als Stempel, B. wie Butterfässer, B. wie e Elefant; lange Beine sind Bee bis uf d'r Bodem [Fogel Prov. Penns. Nr. 104]. Einem Langbeinigen ruft man zu: Mach e Knopp in dein Been! [Hebel 20]. Dünne Beine sind Stecke, Reffestecke, Helzer. Von einem Dünnbeinigen sagt man: Dem schlenkere die Bęin en de Hose wie e Nähtsfarem em Rahmhawe [ WD-Niedkch]. Ulkruf nach der Melodie des Posthorns: Pafie - pafäh - hot die paar Bään! [Kaislt]. Beinschäden: B. wie e Bäcker 'X-Beine' [NW-Frankeck, verbr.]; vgl. Bäckerbein; B. wie e Dachs 'O-Beine' [NPf WD-Niedkch]; vgl. PfWB dachsbeinig; Baan, daß mer e Bierfäßche dedorch scheiwele kann [KB-Bennhs, verbr.]; Bään wie Wagelääf (gebogener Lauf der Wiege) [ PS-Erfw]. Sie hot's in de B. 'hat eine Beinkrankheit' [allg.]. Zs.: Kinds-, PfWB Manns-, PfWB Weiberbein; PfWB Tanzbein; Hammel-, PfWB Schafs-, PfWB Hinter-, PfWB Vorderbein; Bierfäßchen-, PfWB Dachs-, Fäßchen-, PfWB Haken-, PfWB Lang-, PfWB O-, Reiter-, Roman-, PfWB Säbel-, PfWB Salon-, Schepp-, PfWB Stampfel-, Stekken-, PfWB Stempelbein; PfWB Hickel-, Knapp-, PfWB Schnärr-, PfWB Stinkbein; Gummi-, PfWB Holz-, PfWB Stelz-, Stütz(el)bein. — RA.: Auf die Frage, wie es gehe, wird geantwortet: Immer noch uf zwää Been [ ZW-Hornb, allg.], auch mit Zusätzen, wie z. B. ... wie e Gans, nor net so wacklich [ HB-Kirrbg]. Alles uf de Baan 'in Bewegung, arbeitet kräftig mit' [ FR-Bockh, allg.]. Er macht sich uf die Been 'begibt sich auf den Weg' [ ZW-Ixh, allg.]. Er nemmt de Weg zwische de Bään, dass. [ LU-Friesh]. Wart, ich mach der gleich Bään! [ ZW-Battw, allg.]. Die Bään iwwer de Aarm nemme 'schnell laufen' [ LA-Nußd]; die Bään ufhewe, dass. [ KU-Herschw/Petth]; de Schwanz zwische die Bään nemme 'Reißaus nehmen' [ZW-Bottb, verbr.]. Uf eem Bään geht mer net hääm, scherzhafte Begründung, wenn man noch ein zweites Glas leeren möchte [ KU-Bedb, allg.]. Er lääft sich die Bään am Aarsch ab, 'macht um einer Sache willen viele Wege' [ GH-Hatzbühl, allg.], ... reißt sich kään Bään aus 'strengt sich nicht an' [KB Kerzh, allg.]. Stell dich uf de Kopp un verwunner dich mit de Baan, wenn einer seine Bewunderung übertreibt [ KU-Kaulb]. Er is mit'm linkse Been ufgestann 'ist schlecht gelaunt' [ KU-Diedk, <]. Er ging geern mit 'm große Hund pisse, bringt awwer 's Bään net in die Heh [Kaislt]. Der hot Nodle im Been 'ist verrückt' [ ZW-Bottb]. Der steckt soim Vatter die Bään unner de Disch 'lebt noch im Elternhaus' [NW-Freinsh, verbr.]. Er kummt wirrer uf die Bäin 'wird wieder gesund' [ KU-Schmittw/O, allg.]. Er steht nimmi fescht uf de Bään 'ist hinfällig' [ ZW-Gr'bundb]. Er geht uf de letschde Been 'ist todkrank' [ LA-Nd'hochstdt], steht mit äm B. im Grab, hot die B. gestreckt, dass. [verbr.]. Der bringt nix uf die Bee [GH-Schwegh, verbr.]; aam uf die Baan helfe [ FR-Bockh, allg.]. a. (o. D.): soll ihm die gemein ein behaußung uf die bein stellen [PfWeist. I 385 (NW-Elmst)]. Reiß mer 's Baan aus, daß ich lache muß [ KU-Hefw, BZ-Dierb]. Das is besser wie e Been gebroch [verbr. Gal Buch Don Rußl]. 's werd schun werre, der Orschel ehr Bään 'Es wird alles wieder gut', scherzh. [Kaislt]. SprW.: Was mer nit im Kopp hot, des muß mer in de Bään han [BZ-Dierb, verbr.]. Wanns em Esel so wuhl eß, gerer ufs Eis un bricht e Baa [RO-Steinb, verbr.]. Die Lüge hen korze Bee un laafe sich glei müd [Daniel Miller, Pennsylvania German Vol. II, Reading 1911]. Morjestunn had Gold im Mund, awwer Blei in de Bään [ LU-Maudach]. Volksgl.: Wammer Reddich steckt, muß mer sage: So lang as mei Aarm, so dick as mein Been [Fogel Beliefs Penns Nr. 954]. Rätsel: 's kummt eppes mit vier Ohre un sechs Bään zum Dor rein (Reiter) [ GH-Zeisk]. 's hängt ebbes an de Wand un streckt die Bään auseinand (Schere) [Hebel 115]. KR.: Stork, Stork, Steene, mit de lange Beene, mit de korze Kniee, Jungfrau Mariee. Hot e Kind gfunne, war in Gold gebunne, flieg übers Bäckerhaus, hol drei Weck raus, mer een, der een un dem annere gar keen [Heeger Tiere 2. T., 23]. Var. s. bei PfWB Bäckerhaus u. Weck. Ame, die Gäß geht im Same, de Bock geht im Gras, kummt de Bauer mit me Stään, werft em Bock zwische die Bään [ LU-Limbghf]. Weitere VR. s. u. PfWB Bauer 1, PfWB Lauterbach u. Wagner.
3. 'Beinähnliches', an Geräten, bes. Tisch, Stuhl, Bank, Windmühle; Zs. PfWB Schank-, PfWB Tischbein usw.; an der Hose, Zs. PfWB Hosenbein. —
4. Mangel am Bän, scherzhafte Verunstaltung von Magnum bonum, einer Kartoffelsorte [Wilde 116]. — F. s. K. 30: n, bn, bān, Penns.: be:. Pl. fast allg. wie Sg.; ZW-Battw.: Sg. bn, Pl. bn; FR-Tiefth: Sg. bē, Pl. bn; SP-Heiligst:. Sg. bn, Pl. bnər; Gal-Obl: Sg. bn, Pl. bn u. bnər; Pl. mit -er auch in manchen VR, z. B. Storch, Storch, Steener, mit de lange Beener. Dim. WPf u. nördl. VPf mit -χə (bnχə usw.), mittl. u. südl. VPf mit -(e)l (bnl); LA-Nd'hochstdt bęχl, Pl. bęχliχ.RhWB Rhein. I 589 ff.; Bad. I 139/40; ElsWB Els. II 51.