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 PfWB Kind (Bd. 4, Sp. 200)   PfWB Krist-kind (Bd. 4, Sp. 615)   PfWB Kind (Bd. 4, Sp. 200) 
   Kind n.:
1.
a.
α. 'das Kind im Mutterleib; Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife', Kind (kind), Kinn (kin), Kend (kend, kęnd), Kenn (ken, kęn), Keend (knd) [Verbr. in der Pfalz s. K. 234]; Auslandspfälzer: Kind [verbr.], Kend [ Gal-Burczyce]. Pl. u. Dim. s. F. — Sie geht merme K. 'Sie ist schwanger' [KL-Stelzbg, verbr.]. Sie kriet ball e K. [ RO-Dielkch]. Sie kriet kä Kinn 'keine Kinder' [ZW-Battw, verbr.]. Der hot er e K. gemacht 'hat sie geschwängert' [RO-Dielkch Sippf, verbr.]. Die hot sich e K. mache losse, um ihn zur Heirat zu zwingen [ NW-Freinsh]. Bei denne isch e K. (e Kläänes) uf die Welt kumme [LU-Böhl, verbr.]. 's es um e K. kumm 'Die Frau hatte eine Fehlgeburt' [ KB-Kriegsf]. Zur Frage, was man kleinen Kindern zu ihrer Herkunft sagt, s. PfWB Kindchensbrunnen. Umschreibung für Kinderreichtum: Die han e Haus voll Kinn [KU-Bedb, verbr.], e Stall voll Kinner [ BZ-Dierb], de Aasch (Arsch) voll Kinner [ LU-Friesh]; auch: Die han se wie die Orgelpeife, immer äns Kopps klenner wie 's anner [ ZW-Battw]. Am Enn vum Dorf sinn die menschte Kinner, weil dort die armen, kinderreichen

[Bd. 4, Sp. 201]

Taglöhnerfamilien wohnten [ LU-Opp]. Kinder aus zweiter Ehe sind die zwatte Kinner [ KB-Rüssing]. Bezeichnungen für Aussehen und Wesensart des Kindes: Das is e schän K. [KU-Bedb, verbr.], e liewes K. [LU-Opp, verbr.], e herzhaftich K. 'ein Kind, das sich nicht fürchtet' [ LA-Gommh], e verzagtes K. 'schüchternes K.' [ Gal-Dornf]. Ein adoptiertes Kind isch e aangenumme K. [NW-Frankeck, verbr.]. Ein uneheliches Kind gilt als unneerich (unnötiges) K. [ KU-Schmittw/O]. Die stillende Mutter gebt em K. die Bruscht [LU-Opp, verbr.]. Um die Patenschaft bittet man etwa mit den Worten: Willscht du mer das K. hewe? [RO-Dielkch, verbr.]. Aussagen über die Entwicklung des Kindes: Ach, is

[Bd. 4, Sp. 202]
des K. gewachse! [ NW-Freinsh Kallstdt]. Das K. kann schun laafe [ KU-Brück]. 's K. kodert 'stammelt' [NW-Kallstdt, verbr., auch Gal]. Das arem K. hat die englisch Kranket [ KL-Reichb]. Ungehorsame Kinder heere gar net [Rockhs]. Die Eltern klagen: Mer hot doch e Kreiz mit denne Kinner [ LU-Opp]. Die Kinner werre ganz verdätschelt 'werden ganz verwöhnt' [ RO-Semb]. Manche Mutter kennt nix wie ihr Kinn [ ZW-Battw], isch arich närrisch uf ehr Kinner [ LA-Gommh]. Andere Eltern gehen mit dem K. um wie die Sau mirem Beddelsack [ FR-Tiefth]. Kosenamen für ein kleines Kind: Boppelche, Buppes'che, Trutschelche, Engelche, Fischelche, Freschelche, Goldche, Hämmelche,

[Bd. 4, Sp. 203]
Herzche, Herzflattche, Knechtche, Liewes'che, Mais'che, Schäfche, Schätzche, Schauckelche, Zukkerherzche u. a. m. RA.: Das macht de Mäd kän K. 'Das hat weiter keine (schlimmen) Folgen' [ KL-Hirschhn]. Ach Gottche, secht 's Lottche: Siwe Kinner un ken Mann; 's is e Schann! [ LU-Friesh]. Ausdruck des Ärgers: Do kennsche e Kind krie vun Lumbe, wenn etwas nicht klappt [ KB-Bischh]. Scherzhaftes Dankeswort: Vergelt's Gott mit lauter kläne Kinn! [Eid 89]. Von einem schwächlichen Kind heißt es: Des K. is wie e Fischel uf em Baam [Land]. Der Ratlose steht da wie 's K. beim Dreck [ RO-O'mosch]. Einem Gast, der nicht Platz nehmen will, sagt man: Traa dem K. net die Ruh fort! [mancherorts Gal]. Ausspruch des Gastes: Ich traa eire Kinner die Ruh naus, wenn man der Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht Folge leisten kann [ FR-Ebertsh]. Der Schmeichler will sich, z. B. beim Herr Parre, lieb K. mache [KU-Kaulb, verbr.]. Ortsneckerei: Wer iwwer de Reiter (Reiterhof) geht un kriet ken Wind, wer dorch Hochste (Hochstein) geht un sieht ken Kind, wer dorch Winnwiller (Winnweiler) geht ohne Spott, der hot e Gnad vun Gott [ RO-Gundw]. SprW.: Veel Kinn, veel Glick [Hebel 46]. Gesunde Kinn sein e Gab Gottes [ KU-Kaulb Kreimb]. Kläine Kinn, kläiner Lascht, große Kinn, großer Lascht [KU-Schmittw/O, Hebel 46]; ... kleene Sorje - große Sorje [verbr. Don Gal Buch]. E K. uhne Stoß (ohne Krankheiten) isch ball groß [ LU-Böhl, mancherorts Don Gal Buch]. Gescheide Kinner werre net alt [Hebel 47]. Kinner sinn Kinner [ KU-Trahw Bechb]. Kleene Kinner treten der Mutter uf de Schoß, große uf's Herz [verbr. Don Gal Buch]. E barmherzichi Mutter erzieht lausiche Kinner [verbr. Gal]. Wammer de Kinner de Wille dut, greinen (heilen) se net [verbr. Don Gal Buch]. Je strengr die Rut, je liewr 's Kind [ Don-Gottlob]. Aus Kinner werre(n) Leit [verbr. Don Gal Buch]. Parres Kinn un Millers Kih, wann's geroot, gibt's gut Vieh [Hebel 46]. Kinner un Narre sagen die Wohret [NW-Lach/Speyd, Frankth Horne Penns 18 verbr. Don Gal Buch]. Wann 's Kind gedaaft es, es gut Perrer (Pate) sei (weil dann die Taufgeschenke wegfallen) [ KB-O'wies]. S. auch PfWB Vater, PfWB Mutter. BR.: Wann die Niß geroden, geroden aach die Kinner [Wilde 183 (verbr.)]. Wann die Kenn kreische, gebt's am annere Dag Räin [ WD-Niedkch]. Wann Leit schene Kinner hawwe wolle, misse sie schene Piktschers (engl. pictures 'Bilder') in der Stub hawwe [Fogel Beliefs Penns Nr. 1891]. Wammer en Wieg zu zwet schockelt, wachst 's Kind an [ebd. Nr. 38]. En K., as mer abgewehnt, wann die Beem blieh, werd glei groo (grau) [ebd. Nr. 107]. 's siwet K. gebt en großer Mann [ebd. Nr. 170]. Ein Kind tröstet man: Heile, heile Seche, drei Dach' Reche, drei Dach' Schnee, jetzt dut meim K. sein Finger

[Bd. 4, Sp. 204]
(Fuß) nimin weh [SOPf]. KR.: Schlof, mei Kindche, schlof, dei Vatter hiet die Schof, dei Mutter hiet die Lämmerche mit de goldne Bännerche [KB-Kriegsf, verbr., auch Don Gal]. Hoppe-loppe-leiche, koch 'm Kindche Breiche! Koch 'n net so dick, daß mein Kindche net verstickt! [ KU-Bedb, mancherorts]. Patsche, Patsche Händelcher, was werd der Vatter kaafe? For mei Kindche Schickelcher. Werd des Kindche laafe! [ Gal-Obl]. S. auch PfWB Aa1, PfWB Brei 1 a, Gakkel 1, PfWB sechs. Kinderspiel: Frääche, willscht dein K. verkaafe? Spielregel: Die Kinder stehen in Kreisform, zu zweien hintereinander; das hintere stellt die Mutter, das vor ihr das ihr gehörige Kind vor. Ein Mädchen fragt irgend eine der »Mütter«, ob sie ihr Kind verkaufen wolle. Mutter und Käuferin laufen nun, in entgegengesetzter Richtung, solange um den Kreis, bis das Verslein gesungen ist: »Lieber will ich betteln laufen, als mein gutes Kind verkaufen, das mit mir schlafen geht, das mit mir aufersteht«. Wer zuerst nach beendigtem Gesang beim Kind ist, dem gehört es [J. Hoffmann Chronik d. rheinpfälz. Dorfes Kriegsfeld, 1897, S. 63]. a. 1311: minen swestern Benzeln von Flanborn, Lutzen von Randecken, iren kinden vnd allen vnsen miderben andersite [OttbgUrkb. 305]. a. 1565: ist Groß armutt vnd viell kleiner kindt do [WerschwSchR]. — Zs.: PfWB Armeleute-, PfWB Bäbä-, PfWB Papa-, PfWB Bettel-, PfWB Pfarr-, Pfarrstunds-, PfWB Bruders-, PfWB Brust-, PfWB Teufels-, PfWB Doktors-, PfWB Dorf-, PfWB Tützen-, PfWB Enkel-, PfWB Extra-, PfWB Findel-, PfWB Findlings-, PfWB Flaschen-, PfWB Gassen-, PfWB Gedeih-, PfWB Glücks-, PfWB Heiden-, PfWB Höllen-, PfWB Honig-, PfWB Huren-, PfWB Jesus-, PfWB Kinds-, Königs-, Mama-, PfWB Menschen-, PfWB Milch-, PfWB Mutter-, Nachbar-, Nachgeschwister-, Nachtmahl-, PfWB Neben-, PfWB Reichmanns-, PfWB Sau-, PfWB Schmerzens-, PfWB Schul-, Schüler-, PfWB Schwesters-, PfWB Siebenmonats-, PfWB Sonnen-, Sonntags-, PfWB Sorgen-, PfWB Spei-, PfWB Stadt-, PfWB Städter-, PfWB Stief-, PfWB Straßen-, PfWB Vaters-, PfWB Waisen-, PfWB Wickel-, PfWB Wiegen-, PfWB Windel-, PfWB Zieh-, PfWB Zigeuner-, PfWB Zuckerkind. —
β. Zs. PfWB Kristkind. —
b. von Erwachsenen.
α. 'Nachkomme allgemein'. Unser Kinner sin schun verheirat [NW-Kallstdt, verbr.]. Zs. PfWB Geschwisterkind. —
β. Eine Dorfschöne is e sauwer K. [ RO-Dielkch]. —
γ. in Ausrufen der Verwunderung. Kinner, wie die Zeit vergeht! [verbr.]. Kind Gottes in der Hutschachtel! [Kaislt]. —
δ. Kinner, Neckname für die Bewohner von IB-Hass. —
2.
a.
α. 'Pupille im Auge', Kinn [ BZ-Dernb GH-Kapswey], Kien [ PS-Bruchw], Kinnche [RO-Feil Sippf Pirmas FR-Bockh], Kienche [ Don-Schowe Torscha], Kinnl [PS-Busbg NW-Geinsh SP-Harths LA-Wey Impfl Ilbh Venn Heeger Südostpf. 23]; vgl. PfWB Augenkind. Syn. s. PfWB Pupille. —
β. 'Augapfel', Kinnel [ NW-Haßl Spey],

[Bd. 4, Sp. 205]
Kinnche [Schandein Sprachsch. 27]. —
b. 'Mohn' im Rätsel: Der Mann (Stößel) aus'm Wald, die Fraa (Schüssel) aus der Stadt, die Kinner (die Mohnkörner) aus'm Gaarde [ Gal-Neudorf]. —
c. Kinncher 'Flachsbündel' [ KU-Bedb]. —
d. Zs. PfWB Pfaffenkind (Pflanze). —
e. 'Pfeife', im scherzh. Ausspruch: 's Kind hot kään Luft, wenn die Pfeife verstopft ist [ KL-Mackb]. — F.: Pl. a. Kinner zu Sing. Kind [verbr.], Kinn [mancherorts lothr. SWPf], Kenn [ SP-Harths]; b. Kinn zu Sing. Kind [verbr. NWPf NW-Freinsh Don-Schowe Torscha Gal-Ranischau]; c. Kenner zu Sing. Kend [ ZW-Maßw LA-Mart Mörzh GH-Wörth Gal-Neu-Burczyce]; d. Kenn zu Sing. Kend [WD-Niedkch Ingb ZW-Schmitshs verbr. mittl. u. südl. VPf], zu Sing. Kenn [mancherorts südl. VPf]. — Dim. s. unter 2aα. — Südhess. III 1290 ff.; RhWB Rhein. IV 470 ff.; Lothr. 285/86; ElsWB Els. I 448; Bad. III 123.

 

   Krist-kind ( Christ-) n.:
1. 'Jesuskind'; 's Kreschkinnche schockele (wiegen) gihn 'in die (katholische) Christmette gehen' [ KU-Kaulb], 's Krischtkinnche ... [ RO-Dielkch KL-Reichb]. BR.: Wann 's Kreschkinnel werd gebore, hat die Rieb de Gschmack verlore [LA-Nd'hochstdt, KU-Ulm verbr. NPf PS-Rodalb (Wilde 217)]. —
2. Gestalt aus dem Weihnachtsbrauchtum, die die Festgaben bringt, Krisch(t)kinnche (seltener -kindche) [mittl. WPf NPf östl. der Alsenz FR], Kreschkinnche (seltener Krescht-) [NWPf ungefähr von der Linie KU-Hundh — KL-Siegb bis zur Alsenz, außerdem KU-Herschw/Petth KB-Bubh Ballw KL-Hütschhs Stelzbg PS-Geisbg], Krisch(t)kinnel [VPf (außer FR u. Raum Land) — Bergz], Kreschkinnel u. -kindel (selten Krescht-) [Raum Land — Bergz (etwa innerhalb der Begrenzungslinie LA-Venn — GH-Zeisk — BZ-Dierb — PS-Bruchw — LA-Venn) außerdem FR-Maxd GH-Leimh]; selten belegte Formen: Krisch(t)kind (mancherorts neben Krischtkinnche, -kinnel) [ KU-Brück ZW-Bottb KL-Bann Reichb PS-Schmalbg KB-Kriegsf GH-Schwegh]; Kreschkind [ PS-Schmalbg], Krischkennche [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)], Kresch- [ WD-Niedkch Marth], Kreschkennel [ PS-Bruchw BZ-Rinnth], Krisch-, Kreschkinge [ RO-Rehborn]. Bei Abendröte in der Zeit vor Weihnachten sagt man den kleinen Kindern: 's Krischtkindche backt [ KU-Bedb Kaulb KL-Reichb], 's Kreschkinnel backt Lebkuche [LA-Roschb, verbr., auch Gal], backt Zuckerdings [Zweibr ZW-Hornb], backt Zuckerbrot [ BZ-Annw], backt Guts [ KU-Diedk]. Vor Weihnachten ermahnt man die kleinen Kinder: 's Krischkinnel sieht's, 's guckt zum Fenschder rein! [ LU-Friesh, KL-Reichb]. Kinder sollen nicht durch das Schlüsselloch schauen, wenn der Christbaum im Nebenzimmer geschmückt wird: sunscht blost der 's Krischtkind d' Aage aus! [Croissant 67]. Das K. geht, vom Pelznickel (s. K. 32) begleitet, am Christabend, mancherorts an mehreren Abenden der Vorweihnachtszeit,

[Bd. 4, Sp. 616]
von Haus zu Haus, um Geschenke zu bringen, aber auch um selbst Gaben zu empfangen; vgl. die Ausführungen bei Pelznickel 1. Der KR. bei ausleeren erhält mancherorts den Zusatz: Haai un Hawwer frißt er net, Zockerbackes (Zuckerbrot) kriecht er net [ RO-Als, Obd KU-Hefw Krottb KL-Wörsb PS-Geisbg BZ-Annw Stein LA-Birkw]. Var.: Krischtkinnel, kumm in unser Haus, leer dein goldig Säckel aus, stell dein Esel uf die Trepp, daß ich'm Heu un Hawwer gebb [ FR-Maxd]; mit dem Zusatz: Hää un Hawwere soll er fresse un mein Kreschtkinnel 'Weihnachtsgeschenk' nit vergesse [ BZ-Gossw]. Krischtkinnel, kumm in unser Haus, leer dei goldisch Kerwel (auch: Säckel) aus, stell de Krischtbaam uf de Disch, daß mar sischt, daß Weihnacht is [ LU-Altr]. Krischtkindche zart, ich han schun lang uf dich gewart; du sollscht mer Äppl un Niß beschere, ich will mei Vatter un Motter ehre [ Don-Tscherwk, GH-Kuhdt]. Kristkinnel, kumm, mach mich frumm, daß ich in de Himmel kumm [ GH-Schwegh, Hatzbühl Gal-Dornf Gelsd]; in LA-Gommh mit dem Zusatz: schmeiß mer Äppl un Beere rein, ich will e brav Kinnel sein. Nach der Bescherung fragt man das Kind: War 's Krischkinnel brav? 'Hat das Christkind dich reich beschenkt? [ LU-Neuhf]. Von Kindern, die in den Weihnachtstagen geboren wurden, sagt man: Dich hat s Krischtkinnche brung [Kaislt, verbr.]. —
3. 'Weihnachtsgeschenk' (für Kinder meist Zuckerwerk und Spielsachen, für Erwachsene Kleidungsstücke), Formen des Bestimmungswortes wie oben 2; oft im Pl. -kinner [verbr. WPf NPf nördl. VPf], -kinnelcher [ FR-Maxd LU-Opp BZ-Annw], -kinnle [ SP-Berghs]; Krischkinncher mache 'Geschenke für das Weihnachtsfest vorbereiten [ KU-Bedb]. Gehschde Krischkinncher kaafe? [ KB-Bennhs]. Ich hab e schä Krischtkindche kriet [ ZW-L'wied]. Weis emol dein Krischtkinnel! [ BZ-Annw]. Mein Got hot mer a schien Kreschkinge gäb [ RO-Rehborn]. Am erschde Feierdag werd bei Verwandte 's Krischkinnel gholt [ LU-Alsh]. a. 1759: Daß das Christkindgengeben und alle dergleichen Nürnberger Waren zu ver- und erkauffen durchaus verbotten sey [NPfGV 1912, S. 86]. —
4. 'kleine, zimperliche, einfältige Person', meist von Frauen und Mädchen, selten vom männlichen Geschlecht [verbr.]; vgl. PfWB Tappes 1 a; e rot Krischkinnche 'rothaariges Mädchen' [ KU-Kaulb]; e alt K. 'alte Jungfer' [ KU-Diedk]; doherkumme wie e alt Kreschkinnel, von einer altmodisch gekleideten Frau [ LA-Birkw, KU-Diedk Herschw/Petth RO-Bistschd KL-Wörsb KB-Bennhs FR-Eppst LU-Opp LA-Maik Roschb BZ-Rinnth]; 'auffallend, nach neuer Mode gekleidete Person', Kreschkinnche [ KU-Körbn], Krischtkinnel [ NW-Neidfs]; 'Person mit verschrobenen Ansichten', Krischkinnche [ KU-Bedb Gal-Dornf]. Du bischt noch än Krischkinnel!

[Bd. 4, Sp. 617]
[ LU-Alsh]. —
5.
a. 'Marienkäfer', Krischkinnel [ PS-Bruchw]. Syn. s. Herrgott(s)käfer, K. 196. —
b. ein kleiner roter Käfer, 's Krischkinnche [ KU-Diedk], auch 'm liewe Gott sei Geld genannt. — Südhess. III 1846; RhWB Rhein. IV 1532/33; Lothr. 314; ElsWB Els. I 449.

 

   Kind n.:
1.
a.
α. 'das Kind im Mutterleib; Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife', Kind (kind), Kinn (kin), Kend (kend, kęnd), Kenn (ken, kęn), Keend (knd) [Verbr. in der Pfalz s. K. 234]; Auslandspfälzer: Kind [verbr.], Kend [ Gal-Burczyce]. Pl. u. Dim. s. F. — Sie geht merme K. 'Sie ist schwanger' [KL-Stelzbg, verbr.]. Sie kriet ball e K. [ RO-Dielkch]. Sie kriet kä Kinn 'keine Kinder' [ZW-Battw, verbr.]. Der hot er e K. gemacht 'hat sie geschwängert' [RO-Dielkch Sippf, verbr.]. Die hot sich e K. mache losse, um ihn zur Heirat zu zwingen [ NW-Freinsh]. Bei denne isch e K. (e Kläänes) uf die Welt kumme [LU-Böhl, verbr.]. 's es um e K. kumm 'Die Frau hatte eine Fehlgeburt' [ KB-Kriegsf]. Zur Frage, was man kleinen Kindern zu ihrer Herkunft sagt, s. PfWB Kindchensbrunnen. Umschreibung für Kinderreichtum: Die han e Haus voll Kinn [KU-Bedb, verbr.], e Stall voll Kinner [ BZ-Dierb], de Aasch (Arsch) voll Kinner [ LU-Friesh]; auch: Die han se wie die Orgelpeife, immer äns Kopps klenner wie 's anner [ ZW-Battw]. Am Enn vum Dorf sinn die menschte Kinner, weil dort die armen, kinderreichen

[Bd. 4, Sp. 201]

Taglöhnerfamilien wohnten [ LU-Opp]. Kinder aus zweiter Ehe sind die zwatte Kinner [ KB-Rüssing]. Bezeichnungen für Aussehen und Wesensart des Kindes: Das is e schän K. [KU-Bedb, verbr.], e liewes K. [LU-Opp, verbr.], e herzhaftich K. 'ein Kind, das sich nicht fürchtet' [ LA-Gommh], e verzagtes K. 'schüchternes K.' [ Gal-Dornf]. Ein adoptiertes Kind isch e aangenumme K. [NW-Frankeck, verbr.]. Ein uneheliches Kind gilt als unneerich (unnötiges) K. [ KU-Schmittw/O]. Die stillende Mutter gebt em K. die Bruscht [LU-Opp, verbr.]. Um die Patenschaft bittet man etwa mit den Worten: Willscht du mer das K. hewe? [RO-Dielkch, verbr.]. Aussagen über die Entwicklung des Kindes: Ach, is

[Bd. 4, Sp. 202]
des K. gewachse! [ NW-Freinsh Kallstdt]. Das K. kann schun laafe [ KU-Brück]. 's K. kodert 'stammelt' [NW-Kallstdt, verbr., auch Gal]. Das arem K. hat die englisch Kranket [ KL-Reichb]. Ungehorsame Kinder heere gar net [Rockhs]. Die Eltern klagen: Mer hot doch e Kreiz mit denne Kinner [ LU-Opp]. Die Kinner werre ganz verdätschelt 'werden ganz verwöhnt' [ RO-Semb]. Manche Mutter kennt nix wie ihr Kinn [ ZW-Battw], isch arich närrisch uf ehr Kinner [ LA-Gommh]. Andere Eltern gehen mit dem K. um wie die Sau mirem Beddelsack [ FR-Tiefth]. Kosenamen für ein kleines Kind: Boppelche, Buppes'che, Trutschelche, Engelche, Fischelche, Freschelche, Goldche, Hämmelche,

[Bd. 4, Sp. 203]
Herzche, Herzflattche, Knechtche, Liewes'che, Mais'che, Schäfche, Schätzche, Schauckelche, Zukkerherzche u. a. m. RA.: Das macht de Mäd kän K. 'Das hat weiter keine (schlimmen) Folgen' [ KL-Hirschhn]. Ach Gottche, secht 's Lottche: Siwe Kinner un ken Mann; 's is e Schann! [ LU-Friesh]. Ausdruck des Ärgers: Do kennsche e Kind krie vun Lumbe, wenn etwas nicht klappt [ KB-Bischh]. Scherzhaftes Dankeswort: Vergelt's Gott mit lauter kläne Kinn! [Eid 89]. Von einem schwächlichen Kind heißt es: Des K. is wie e Fischel uf em Baam [Land]. Der Ratlose steht da wie 's K. beim Dreck [ RO-O'mosch]. Einem Gast, der nicht Platz nehmen will, sagt man: Traa dem K. net die Ruh fort! [mancherorts Gal]. Ausspruch des Gastes: Ich traa eire Kinner die Ruh naus, wenn man der Aufforderung, Platz zu nehmen, nicht Folge leisten kann [ FR-Ebertsh]. Der Schmeichler will sich, z. B. beim Herr Parre, lieb K. mache [KU-Kaulb, verbr.]. Ortsneckerei: Wer iwwer de Reiter (Reiterhof) geht un kriet ken Wind, wer dorch Hochste (Hochstein) geht un sieht ken Kind, wer dorch Winnwiller (Winnweiler) geht ohne Spott, der hot e Gnad vun Gott [ RO-Gundw]. SprW.: Veel Kinn, veel Glick [Hebel 46]. Gesunde Kinn sein e Gab Gottes [ KU-Kaulb Kreimb]. Kläine Kinn, kläiner Lascht, große Kinn, großer Lascht [KU-Schmittw/O, Hebel 46]; ... kleene Sorje - große Sorje [verbr. Don Gal Buch]. E K. uhne Stoß (ohne Krankheiten) isch ball groß [ LU-Böhl, mancherorts Don Gal Buch]. Gescheide Kinner werre net alt [Hebel 47]. Kinner sinn Kinner [ KU-Trahw Bechb]. Kleene Kinner treten der Mutter uf de Schoß, große uf's Herz [verbr. Don Gal Buch]. E barmherzichi Mutter erzieht lausiche Kinner [verbr. Gal]. Wammer de Kinner de Wille dut, greinen (heilen) se net [verbr. Don Gal Buch]. Je strengr die Rut, je liewr 's Kind [ Don-Gottlob]. Aus Kinner werre(n) Leit [verbr. Don Gal Buch]. Parres Kinn un Millers Kih, wann's geroot, gibt's gut Vieh [Hebel 46]. Kinner un Narre sagen die Wohret [NW-Lach/Speyd, Frankth Horne Penns 18 verbr. Don Gal Buch]. Wann 's Kind gedaaft es, es gut Perrer (Pate) sei (weil dann die Taufgeschenke wegfallen) [ KB-O'wies]. S. auch PfWB Vater, PfWB Mutter. BR.: Wann die Niß geroden, geroden aach die Kinner [Wilde 183 (verbr.)]. Wann die Kenn kreische, gebt's am annere Dag Räin [ WD-Niedkch]. Wann Leit schene Kinner hawwe wolle, misse sie schene Piktschers (engl. pictures 'Bilder') in der Stub hawwe [Fogel Beliefs Penns Nr. 1891]. Wammer en Wieg zu zwet schockelt, wachst 's Kind an [ebd. Nr. 38]. En K., as mer abgewehnt, wann die Beem blieh, werd glei groo (grau) [ebd. Nr. 107]. 's siwet K. gebt en großer Mann [ebd. Nr. 170]. Ein Kind tröstet man: Heile, heile Seche, drei Dach' Reche, drei Dach' Schnee, jetzt dut meim K. sein Finger

[Bd. 4, Sp. 204]
(Fuß) nimin weh [SOPf]. KR.: Schlof, mei Kindche, schlof, dei Vatter hiet die Schof, dei Mutter hiet die Lämmerche mit de goldne Bännerche [KB-Kriegsf, verbr., auch Don Gal]. Hoppe-loppe-leiche, koch 'm Kindche Breiche! Koch 'n net so dick, daß mein Kindche net verstickt! [ KU-Bedb, mancherorts]. Patsche, Patsche Händelcher, was werd der Vatter kaafe? For mei Kindche Schickelcher. Werd des Kindche laafe! [ Gal-Obl]. S. auch PfWB Aa1, PfWB Brei 1 a, Gakkel 1, PfWB sechs. Kinderspiel: Frääche, willscht dein K. verkaafe? Spielregel: Die Kinder stehen in Kreisform, zu zweien hintereinander; das hintere stellt die Mutter, das vor ihr das ihr gehörige Kind vor. Ein Mädchen fragt irgend eine der »Mütter«, ob sie ihr Kind verkaufen wolle. Mutter und Käuferin laufen nun, in entgegengesetzter Richtung, solange um den Kreis, bis das Verslein gesungen ist: »Lieber will ich betteln laufen, als mein gutes Kind verkaufen, das mit mir schlafen geht, das mit mir aufersteht«. Wer zuerst nach beendigtem Gesang beim Kind ist, dem gehört es [J. Hoffmann Chronik d. rheinpfälz. Dorfes Kriegsfeld, 1897, S. 63]. a. 1311: minen swestern Benzeln von Flanborn, Lutzen von Randecken, iren kinden vnd allen vnsen miderben andersite [OttbgUrkb. 305]. a. 1565: ist Groß armutt vnd viell kleiner kindt do [WerschwSchR]. — Zs.: PfWB Armeleute-, PfWB Bäbä-, PfWB Papa-, PfWB Bettel-, PfWB Pfarr-, Pfarrstunds-, PfWB Bruders-, PfWB Brust-, PfWB Teufels-, PfWB Doktors-, PfWB Dorf-, PfWB Tützen-, PfWB Enkel-, PfWB Extra-, PfWB Findel-, PfWB Findlings-, PfWB Flaschen-, PfWB Gassen-, PfWB Gedeih-, PfWB Glücks-, PfWB Heiden-, PfWB Höllen-, PfWB Honig-, PfWB Huren-, PfWB Jesus-, PfWB Kinds-, Königs-, Mama-, PfWB Menschen-, PfWB Milch-, PfWB Mutter-, Nachbar-, Nachgeschwister-, Nachtmahl-, PfWB Neben-, PfWB Reichmanns-, PfWB Sau-, PfWB Schmerzens-, PfWB Schul-, Schüler-, PfWB Schwesters-, PfWB Siebenmonats-, PfWB Sonnen-, Sonntags-, PfWB Sorgen-, PfWB Spei-, PfWB Stadt-, PfWB Städter-, PfWB Stief-, PfWB Straßen-, PfWB Vaters-, PfWB Waisen-, PfWB Wickel-, PfWB Wiegen-, PfWB Windel-, PfWB Zieh-, PfWB Zigeuner-, PfWB Zuckerkind. —
β. Zs. PfWB Kristkind. —
b. von Erwachsenen.
α. 'Nachkomme allgemein'. Unser Kinner sin schun verheirat [NW-Kallstdt, verbr.]. Zs. PfWB Geschwisterkind. —
β. Eine Dorfschöne is e sauwer K. [ RO-Dielkch]. —
γ. in Ausrufen der Verwunderung. Kinner, wie die Zeit vergeht! [verbr.]. Kind Gottes in der Hutschachtel! [Kaislt]. —
δ. Kinner, Neckname für die Bewohner von IB-Hass. —
2.
a.
α. 'Pupille im Auge', Kinn [ BZ-Dernb GH-Kapswey], Kien [ PS-Bruchw], Kinnche [RO-Feil Sippf Pirmas FR-Bockh], Kienche [ Don-Schowe Torscha], Kinnl [PS-Busbg NW-Geinsh SP-Harths LA-Wey Impfl Ilbh Venn Heeger Südostpf. 23]; vgl. PfWB Augenkind. Syn. s. PfWB Pupille. —
β. 'Augapfel', Kinnel [ NW-Haßl Spey],

[Bd. 4, Sp. 205]
Kinnche [Schandein Sprachsch. 27]. —
b. 'Mohn' im Rätsel: Der Mann (Stößel) aus'm Wald, die Fraa (Schüssel) aus der Stadt, die Kinner (die Mohnkörner) aus'm Gaarde [ Gal-Neudorf]. —
c. Kinncher 'Flachsbündel' [ KU-Bedb]. —
d. Zs. PfWB Pfaffenkind (Pflanze). —
e. 'Pfeife', im scherzh. Ausspruch: 's Kind hot kään Luft, wenn die Pfeife verstopft ist [ KL-Mackb]. — F.: Pl. a. Kinner zu Sing. Kind [verbr.], Kinn [mancherorts lothr. SWPf], Kenn [ SP-Harths]; b. Kinn zu Sing. Kind [verbr. NWPf NW-Freinsh Don-Schowe Torscha Gal-Ranischau]; c. Kenner zu Sing. Kend [ ZW-Maßw LA-Mart Mörzh GH-Wörth Gal-Neu-Burczyce]; d. Kenn zu Sing. Kend [WD-Niedkch Ingb ZW-Schmitshs verbr. mittl. u. südl. VPf], zu Sing. Kenn [mancherorts südl. VPf]. — Dim. s. unter 2aα. — Südhess. III 1290 ff.; RhWB Rhein. IV 470 ff.; Lothr. 285/86; ElsWB Els. I 448; Bad. III 123.