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 PfWB Kaute (Bd. 4, Sp. 143)   PfWB Strich (Bd. 6, Sp. 700) 
   Kaute f.:
1. 'Vertiefung, Grube im Boden', Kaut (kaud, kḁud) [verbr. WPf (ohne den westl. Teil), zur Verbr. s. K. 227, mancherorts Don Gal Buch]; vgl. PfWB Kaule 1; Dim. Kaitche, Kaidel [verbr.]; Pl. Kaitlich [Raum um Land]; e K. mache [verbr.]. a. 1585/88: (die Grenze im Süden zieht) zu einer kautten, darin auch ein scheidestein sollen gesetzt werden [ZweibrUrk. Dom. 90, S. 65 (KU-Rehw)]. Im besonderen
a. 'Grube zur Aufbewahrung von Rüben, Kartoffeln u. dgl.' [ KU-Albess Dunzw KL-Bruchmühlb HB-Erb Rockhs]; vgl. PfWB Kaule 1 a, PfWB Haufen 1 e γ; meist in Zs.: PfWB Dickwurzel-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Rüben-, PfWB Rummelnkaute. —
b.
α. 'schmale, mit dem Finger gezogene Furche, kleine Grube zum Legen von Bohnen u. Erbsen', Kaut, Kaitche, Kaidel [verbr. WPf u. NPf, seltener VPf]; vgl. PfWB Kaule 1 b. Zs. PfWB Bohnenkaute. Bouhne wern in die Kaure gelecht [ LA-Siebdg]. Nor immer eeni in een Kaut [Hartmann Kinnerspr. 51]. Die Planz kummt aus kener Kaut 'Der Samen keimt nicht' [ KU-Patb Bebd Haschb]. —
β. 'Grube, in die das Bäumchen gesetzt wird' [ BZ-Silz]. Zs. PfWB Pflanzkaute. —
c. 'Grube, in der Stalldünger und Kompost gelagert werden'; de Mischt uf der K. gut verdääle [ NW-Kallstdt]; Zs. PfWB Grund-, Krumel-, PfWB Mistkaute. a. 1774: Der Dung in der Kauth [Kurpf. 1631/18 (KL-Steinwd)]. —
d. Zs. PfWB Aas-, PfWB Schindkaute; vgl. PfWB Kaule 1 c. —
e. Zs. PfWB Erd(en)-, PfWB Kies-, PfWB Kohlen-, Lehmen-,

[Bd. 4, Sp. 144]
Lehmstein-, PfWB Leien-, PfWB Letten-, PfWB Sand-, PfWB Stein-, Wackenkaute; vgl. PfWB Kaule 1 d. —
f. 'Grube, über der Flachs und Hanf gedörrt wurden'; Zs. PfWB Brechkaute; Feier in der K. mache [ Gal-Dornf]. Brauchtum s. PfWB howenzeln 2. —
g.
α. 'Loch für Klicker- u. Bohnenspiele der Kinder', Kaitche, Kaidel, Kaut [mancherorts, Don-Tscherw]. Zs.: PfWB An-, PfWB Bot-, PfWB Tupf-, PfWB Hinter-, PfWB Klicker-, PfWB Knöpfel-, Schock-, PfWB Unterkaute. Syn.: PfWB Platte 1 c, PfWB Breme2 2, PfWB Bremse3, PfWB Brenne 3, PfWB Bull 2 c, PfWB Butterloch 2, PfWB Dreieck 2a, PfWB Erdengrube 1, PfWB Viereck 2, PfWB Gar, PfWB Garau, PfWB Grube 1 b, PfWB Gullux, PfWB Haus 3 e β, PfWB Hölle 2 b, PfWB Kachel 1 e, PfWB Kachelloch, PfWB Kaserne 2 b, PfWB Kasse 1 d, PfWB Kaule 1 f, Kautenstrich, PfWB Klickerhöhle, -käßchen, -kaule, -loch, PfWB Kneipe 2, PfWB Knopfloch 2, PfWB Kreis, PfWB Kutte, Kutze, PfWB Loch, PfWB Nabel, PfWB Schiff, PfWB Setzerding, PfWB Strich. De Klicker in die K. picke 'schnellen' [Pirmas]. —
β. 'Grube für das Hußsauspiel'. Bei diesem Spiel wird im Singsang gesprochen: Kaut rum, Kaut rum; wer ke Kaut hat, der is drum [ KL-Kottw/Schwand]. —
h.
α. Das Hinkel macht sich e K., um sich im Sand zu plustern [ KU-Kaulb]. —
β. Zs. PfWB Wolfskaute. —
2.
a. 'kegelförmige Vertiefung in der Brotschnitte zur Unterbringung von Butter'; die K. im Brot; Zs. PfWB Butterkaute. —
b. 'Obstversteck im Heu' [ Gal-Gelsend]; vgl. PfWB Mauke. —
c. 'Kerbe im Holz' [ KL-Frankst, mancherorts]; vgl. PfWB Kaule 3, PfWB Kaft 1 a. —
d. scherzh. 'Bett'; sich in die K. lege [ NW-Hardbg]. Zs. PfWB Schlafkaute. —
3. 'natürliche Vertiefung am menschlichen und tierischen Körper'.
a. Zs. Arsch-, PfWB Hals- 1 u. 2, PfWB Läuse-, PfWB Herz-, PfWB Kniekaute.
b. 'Höhlung an der Rückseite des Pferdehufs' [ Gal-Josbg]. —
c. 'Grübchen in Wange und Kinn'; vgl. PfWB Kaule 4 c. Zs. Bakken-, Lachkaute. Das hot schene Kaitcher [ KL-Fischb]. Sie kriecht Kaitlich, wann se lacht [ LA-Herxh, KU-Ulm]. Der hat e Kaidel im Bart [ PS-Simt, mancherorts]. —
4. Sonstiges.
a. 'Einbauchung im Mauerwerk'; e Kaut [ PS-Winz]. —
b. 'nasse Stelle einer Wiese' [ GH-Wörth]. —
c. Zs. PfWB Hundskaute 'Hundehütte'. —
d. FlN in KU-Kreimb, Kaut, eine Mulde auf der Kreimbacher Seite des Winterbachtals; a. 1600: uf der Kutten seynd felder [Vellmann Wolfst. 238]; in KU-Obw/Tiefb, Kaitel; danach Benennung des Jagdgebietes der Gemarkung; vgl. PfWB Rödelkaute. — Südhess. III 1121/22; RhWB Rhein. IV 345/46; LothWB Lothr. 322; ElsWB Els. I 481; Bad. III 97.

 

   Strich m.:
1.
a. 'dünne, lange Markierung, die mit einem Stift, einer Feder, einem Pinsel u. ä. aufgetragen oder eingeritzt wird', Strich (driχ) [verbr., Christmann Kaulb 74 Müller Dietschw 63 Lambert Penns 145 Krämer Gal 209], neuer: Strisch (dri) [mancherorts, Schneckenburger 23], Strech [vereinzelt SOPf]; Pl. wie Sg. [mancherorts], -e [ KB-Mauchh PS-Fehrb]; Dim. Sg. Strichelche [WPf nördl. VPf], Strichel [mittl. u. südl. VPf O-PS], Pl. Strichelcher [WPf nördl. VPf], Strichlich [mancherorts SOPf], Strichle [mancherorts Südrand und östl. VPf]; Zs.: PfWB An-, PfWB Auf-, PfWB Bei-, PfWB Bruch-, PfWB Dreimeter-, PfWB Feder-, PfWB Grenz-, PfWB Haar-, PfWB Hinter-, PfWB Klicker-, PfWB Schatten-, Zwerchstrich; e dicker (dinner) St. [ KU-Brück]; e St. mache (zieh) [ KL-Ottbg, mancherorts]. Du hoscht die zwää Strichelcher vergeß, z. B. auf dem Ä [ KU-Schmittw/O]. Er hot die Sunn gemolt mit lauter Strichlich [ BZ-Dernb]. RA.: unnerm St. 'im Ergebnis, Resumee' [ BZ-Klingmst]; e St. dorch die Rechnung mache 'etwas hintertreiben, Pläne durchkreuzen' [Kaislt, verbr.]; e St. drunner mache 'eine Sache abschließen' [ KU-Schmittw/O]; Nor noch e St. in de Landschaft sei 'abgemagert aussehen' [Thielen So rerre mer 112]. Sie isch bloß noch e St., dass. [Bergz (Kamm 82)]. 's geht uf de St. 'Es paßt haargenau' [ LU-Altr]. Er hot e St. 'ist betrunken' [ KB-Stett]. VR. (begleitet das Malen eines Strichmännchens): Strichel, Strichel, Beistrich, Strich, / fertich ist das Angesicht. / Langer Hals, / Bauch voll Schmalz / Beine wie e Sechser, / Arme wie ein Kreckser, / Haare in die Luft, / fertich ist der kleine Schuft [ LA-Frankw]; Var. s. PfWB Sechser 1 a. —
b. Strich als Merkzeichen, Markierung. α. 'Vermerk des Lehrers über Versäumnisse, tadelhaftes (lobenswertes) Verhalten' [mancherorts]. Er hot e St. kriet [ KU-Schmittw/O]. —
β. 'Vermerk des Wirts über konsumierte Getränke' [mancherorts]; Strich mache 'ankreiden' [ LU-Altr]. —
γ. 'Malzeichen beim Klickerspiel, Markierung, von wo oder nach der geworfen werden muß' [mancherorts]; vgl. PfWB Anstrich 2, PfWB Kaute 1 g; Syn. s. PfWB Anmal1. —
δ. 'Visierstrich, Korn' (vgl. Röhrich 1038), nur in der

[Bd. 6, Sp. 701]
RA.: en ufm St. hawe 'jemanden beargwöhnen, kritisch beobachten, ihn nicht leiden können' [LU-Böhl, verbr., Lambert Penns 145]. Denn do han ich ufm St.! [ HB-Kirrbg]. Doch was e rechder Pälzer esch, / Hot's Wasser of 'm St. (weil er lieber Wein trinkt) [Rohr 95]. —
2.
a. 'streichende, ausholende Handbewegung' [vereinzelt]; vgl. PfWB Streich 1 a. Er hot mit eem St. alles vum Disch runnergeschmiß [Kaislt]. Der (Violinspieler) hat en gude St. 'führt den Bogen richtig' [ GH-Schwegh]. —
b. vgl. PfWB Enten-, PfWB Schnepfenstrich 1. —
3.
a. 'Streifen eines Ackers, der in einem Arbeitsgang bearbeitet (z. B. besät, geeggt) werden kann' [ HB-Kirrbg RO-Alb PS-Fehrb LA-Böbing Gal-Josbg]; vgl. PfWB Gahn 1, PfWB Satel; St. for St. eche 'mit der Egge hin und herfahren' [ PS-Fehrb]. —
b. 'Streifen Landes, Landstrich, Gegend' [ KU-Schmittw/O PS-Schmalbg FR-Bockh BZ-Dernb GH-Schwegh]; Zs.: PfWB Vieh-, PfWB Gauls-, PfWB Gewitter-, PfWB Himmels-, PfWB Land-, Weidstrich. Denn schmale St. Land hadder dezugekaaf [ KL-Reichb]. Der ganze St. hat wenich Frucht [ GH-Schwegh]. 's hot nor een St. gerechent 'Es hat nur stellenweise geregnet' [ BZ-Dernb]. a. 1547: vnnd in diesem strich grenntzenndt die vonn Conntwick ann ober auerbacher gerechtigkeit [ZweibrOABannb. 71 (ZW-Contw)]. —
c. FlN, amtl. Langer Strich [ PS-Lembg]; a. 1596: In den strichen [WerschwSchR (IB-Bierb)]; Zs.: PfWB Lerchenstrich. —
4. auf den St. gehen.
a. 'suchend herumstreifen', z. B. vom Metzger auf der Suche nach Vieh, vom Jäger auf der Jagd [ KU-Schmittw/O HB-Kirrbg KB-Bennhs GH-Schwegh]; Zs.: PfWB Schnepfenstrich 3. Die Katz geht uf de St. 'geht auf Nahrungssuche, Jagd' [ RO-Rehborn]. —
b. 'abends gesellig im Dorf herumstreichen', von jungen Leuten [mancherorts]; vgl. PfWB Schnurre 1; Syn. s. PfWB schlendern. —
c. 'dem anderen Geschlecht nachstellen, auf Freierei gehen' [mancherorts, Bayer Hackm. 69]. Das Mäll (Mädel) geht uf de St. 'streicht Buben nach' [ BZ-Dernb]. Der Borsch geht uf de St. [ LU-Limbghf]; vgl. PfWB Schnepfenstrich 4 a. —
d. 'Prostitution betreiben' [mancherorts]; vgl. PfWB Schnepfenstrich 4 b. Ich kenn e Nuttche off'm Strich [Kraus Pläseer 6]. —
5. 'Richtung der Haare, Federn', bei Fell, Gefieder, meist nur in der Wend. gee'e (werrer) de St. 'entgegen der Gewohnheit, wider das Empfinden' [KU-Kaulb, verbr.]. So was geht mir gege de St.! [Feierowend 26/1956 5]. 's geht mer alles gää de St.! [ ZW-Bechhf]. —
6. 'Euterzitze' Strich [KU-Godhs Obw/T Roth Schmittw/O HB-Altstdt Kirrbg RO-Obd PS-Ruppw KB-Bennhs Biedh Orb LA-Maik, Thielen 108, vereinzelt Don Gal], Strisch [ GH-Neubg]; häufiger PfWB Strichen; Zs.: PfWB Geißen-, PfWB Kuhstrich. Am Detz sin die vier Strich [ KU-Schmittw/O]. —
7. nach St. und Faden 'gründlich, intensiv, in überaus großem Maße' [vereinzelt]. Der hot mich noch St. un Fade beschisse [Feierowend 35/1953 7]. Se han en abgezoo noch St. un Fade 'Er hat im Spiel deutlich verloren' [Krieger

[Bd. 6, Sp. 702]
45]. Dem sag ich die Määnung noch St. un Fade [Krieger 51]. — RhWB Rhein. VIII 830 ff.; LothWB Lothr. 506; ElsWB Els. II 625.