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 PfWB Kaute (Bd. 4, Sp. 143)   PfWB Bull (Bd. 1, Sp. 1339)   PfWB Bullen-spiel (Bd. 1, Sp. 1340) 
   Kaute f.:
1. 'Vertiefung, Grube im Boden', Kaut (kaud, kḁud) [verbr. WPf (ohne den westl. Teil), zur Verbr. s. K. 227, mancherorts Don Gal Buch]; vgl. PfWB Kaule 1; Dim. Kaitche, Kaidel [verbr.]; Pl. Kaitlich [Raum um Land]; e K. mache [verbr.]. a. 1585/88: (die Grenze im Süden zieht) zu einer kautten, darin auch ein scheidestein sollen gesetzt werden [ZweibrUrk. Dom. 90, S. 65 (KU-Rehw)]. Im besonderen
a. 'Grube zur Aufbewahrung von Rüben, Kartoffeln u. dgl.' [ KU-Albess Dunzw KL-Bruchmühlb HB-Erb Rockhs]; vgl. PfWB Kaule 1 a, PfWB Haufen 1 e γ; meist in Zs.: PfWB Dickwurzel-, PfWB Grundbirnen-, PfWB Rüben-, PfWB Rummelnkaute. —
b.
α. 'schmale, mit dem Finger gezogene Furche, kleine Grube zum Legen von Bohnen u. Erbsen', Kaut, Kaitche, Kaidel [verbr. WPf u. NPf, seltener VPf]; vgl. PfWB Kaule 1 b. Zs. PfWB Bohnenkaute. Bouhne wern in die Kaure gelecht [ LA-Siebdg]. Nor immer eeni in een Kaut [Hartmann Kinnerspr. 51]. Die Planz kummt aus kener Kaut 'Der Samen keimt nicht' [ KU-Patb Bebd Haschb]. —
β. 'Grube, in die das Bäumchen gesetzt wird' [ BZ-Silz]. Zs. PfWB Pflanzkaute. —
c. 'Grube, in der Stalldünger und Kompost gelagert werden'; de Mischt uf der K. gut verdääle [ NW-Kallstdt]; Zs. PfWB Grund-, Krumel-, PfWB Mistkaute. a. 1774: Der Dung in der Kauth [Kurpf. 1631/18 (KL-Steinwd)]. —
d. Zs. PfWB Aas-, PfWB Schindkaute; vgl. PfWB Kaule 1 c. —
e. Zs. PfWB Erd(en)-, PfWB Kies-, PfWB Kohlen-, Lehmen-,

[Bd. 4, Sp. 144]
Lehmstein-, PfWB Leien-, PfWB Letten-, PfWB Sand-, PfWB Stein-, Wackenkaute; vgl. PfWB Kaule 1 d. —
f. 'Grube, über der Flachs und Hanf gedörrt wurden'; Zs. PfWB Brechkaute; Feier in der K. mache [ Gal-Dornf]. Brauchtum s. PfWB howenzeln 2. —
g.
α. 'Loch für Klicker- u. Bohnenspiele der Kinder', Kaitche, Kaidel, Kaut [mancherorts, Don-Tscherw]. Zs.: PfWB An-, PfWB Bot-, PfWB Tupf-, PfWB Hinter-, PfWB Klicker-, PfWB Knöpfel-, Schock-, PfWB Unterkaute. Syn.: PfWB Platte 1 c, PfWB Breme2 2, PfWB Bremse3, PfWB Brenne 3, PfWB Bull 2 c, PfWB Butterloch 2, PfWB Dreieck 2a, PfWB Erdengrube 1, PfWB Viereck 2, PfWB Gar, PfWB Garau, PfWB Grube 1 b, PfWB Gullux, PfWB Haus 3 e β, PfWB Hölle 2 b, PfWB Kachel 1 e, PfWB Kachelloch, PfWB Kaserne 2 b, PfWB Kasse 1 d, PfWB Kaule 1 f, Kautenstrich, PfWB Klickerhöhle, -käßchen, -kaule, -loch, PfWB Kneipe 2, PfWB Knopfloch 2, PfWB Kreis, PfWB Kutte, Kutze, PfWB Loch, PfWB Nabel, PfWB Schiff, PfWB Setzerding, PfWB Strich. De Klicker in die K. picke 'schnellen' [Pirmas]. —
β. 'Grube für das Hußsauspiel'. Bei diesem Spiel wird im Singsang gesprochen: Kaut rum, Kaut rum; wer ke Kaut hat, der is drum [ KL-Kottw/Schwand]. —
h.
α. Das Hinkel macht sich e K., um sich im Sand zu plustern [ KU-Kaulb]. —
β. Zs. PfWB Wolfskaute. —
2.
a. 'kegelförmige Vertiefung in der Brotschnitte zur Unterbringung von Butter'; die K. im Brot; Zs. PfWB Butterkaute. —
b. 'Obstversteck im Heu' [ Gal-Gelsend]; vgl. PfWB Mauke. —
c. 'Kerbe im Holz' [ KL-Frankst, mancherorts]; vgl. PfWB Kaule 3, PfWB Kaft 1 a. —
d. scherzh. 'Bett'; sich in die K. lege [ NW-Hardbg]. Zs. PfWB Schlafkaute. —
3. 'natürliche Vertiefung am menschlichen und tierischen Körper'.
a. Zs. Arsch-, PfWB Hals- 1 u. 2, PfWB Läuse-, PfWB Herz-, PfWB Kniekaute.
b. 'Höhlung an der Rückseite des Pferdehufs' [ Gal-Josbg]. —
c. 'Grübchen in Wange und Kinn'; vgl. PfWB Kaule 4 c. Zs. Bakken-, Lachkaute. Das hot schene Kaitcher [ KL-Fischb]. Sie kriecht Kaitlich, wann se lacht [ LA-Herxh, KU-Ulm]. Der hat e Kaidel im Bart [ PS-Simt, mancherorts]. —
4. Sonstiges.
a. 'Einbauchung im Mauerwerk'; e Kaut [ PS-Winz]. —
b. 'nasse Stelle einer Wiese' [ GH-Wörth]. —
c. Zs. PfWB Hundskaute 'Hundehütte'. —
d. FlN in KU-Kreimb, Kaut, eine Mulde auf der Kreimbacher Seite des Winterbachtals; a. 1600: uf der Kutten seynd felder [Vellmann Wolfst. 238]; in KU-Obw/Tiefb, Kaitel; danach Benennung des Jagdgebietes der Gemarkung; vgl. PfWB Rödelkaute. — Südhess. III 1121/22; RhWB Rhein. IV 345/46; LothWB Lothr. 322; ElsWB Els. I 481; Bad. III 97.

 

   Bull f.:
1.
a. 'dicker, wertvoller Klicker', Bull (bul) [HB-Einöd ZW-Ixh Zweibr LU-Hochd Neustdt u. Umg. SP-Heiligst LA-Hainf]; vgl. PfWB Eisen-, PfWB Rutzbull, PfWB Bollen1 1 d, PfWB Buller. Syn. s. PfWB Schießklicker. Mit der B. versucht man die anderen Klicker durch Abstoßen mit dem Finger zu treffen [Neustdt]; vgl. PfWB käubeln. — 'Glasklicker' [ NW-Hamb LA-Maik]; Bullche (bulχə) 'kleiner Klicker' [ NW-Lach/Speyd]. —
b. 'volle Weinbeertraube' [ NW-Hamb]; vgl. PfWB Bollen1 1 e. Syn. s. PfWB Traubenklotz. —
2.
a. 'Kaffeekanne, die der Arbeiter zur Arbeit mitnimmt' [ NW-Frankeck], 'große Flasche' [ LA-Edk]. —
b. 'Gefäß zum Mitnehmen des Essens', Bullche [verbr.]. —
c. 'Grube, in die beim Klickerspiel geworfen wird' [ KL-Alsbn PS-Hermbg FR-Maxd LU-Neuhf Muttstdt SP-W'see]; vgl. PfWB Bullenspiel. Zs. PfWB Wandbull. Syn. s. PfWB Kaute. — Zu frz. boule 'Kugel, Ball'. — Südhess. I 1214; RhWB Rhein. I 1110/ 11; Lux. I 164.

 

   Bullen-spiel n.: Spiel, bei dem Klicker oder Knöpfe in die Bull geschoben oder geschnellt werden, Bullespiel (buləbīl) [ LU-Muttstdt Neuhf]; vgl. PfWB Bullens. Ein B. aus LU-Neuhf hat folgenden Verlauf: Zunächst werfen die Spieler von der Bull aus nach dem Anmal. Wer dem Anmal mit seinem Klicker am nächsten kommt, darf mit dem Schurgeln nach der Bull hin beginnen. Wessen Klicker in der Bull liegen bleibt, der ist vom weiteren Spielverlauf ausgeschlossen. Vom zweiten Wurf ab wird versucht, die in der Bull vorhandenen Klicker herauszuschießen und zu gewinnen. Wer die meisten Klicker gewonnen hat, ist Lecker und darf die Spielregel in einigen geringfügigen Punkten abändern. RhWB Rhein. I 1111 Bullspiel.