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 PfWB Kalb (Bd. 4, Sp. 18)   PfWB lecken (Bd. 4, Sp. 859) 
   Kalb n.:
1.
a. 'Junges von der Kuh', Kalb (kḁlb, seltener -a-) [verbr.], (kḁłb) [ KL-Lind], Kalf [vereinzelt lothr. SWPf], Pl. Kälwer (kelwər, -ę-); Dim. Kälbche, Pl. -er [WPf (ohne Ost-PS) NPf nördl. VPf], Kälwel, Pl. Kälwle [mittl. u. südl. VPf Ost-PS], Pl. Kälwlich [Bereich um Land]; vgl. bes. Christmann Kaulb § 7 b, Höh § 7 A 5, Bertram § 27, Heeger Südostpf. § 52; Zs.: PfWB Tochter-, PfWB Tütz-, PfWB Farren-, PfWB Ketten-, PfWB Kübel-, PfWB Kuh-, PfWB Milch-, PfWB Mutter-, PfWB Ochsen-, PfWB Rinds-, PfWB Stech-, PfWB Stier-, PfWB Welts-, PfWB Zugkalb. Die Bläß kriet e K. [RO-Dielkch verbr.], macht e K. [KU-Bedb, verbr.]. Die Kälwer saufe drei bis vier Woche, dann werre se abgewehnt [LA-Maik, verbr.]. Meer binnen dasjohr zwee Kälwer ab [verbr. Gal]; vgl. PfWB abbinden 1 a α. RA.: Wer gierig und viel trinkt, sauft wie e K. [ ZW-Battw]. Wer verblüfft dasteht, macht Aue wie e g'stochenes K. [ KU-Hundh].

[Bd. 4, Sp. 19]
Ein großer Dummkopf es dummer noch wie e K. [verbr. NPf]. Wer sich schlecht entwickelt, macht sich wie e grindich Saiche, wie e lausich Kälbche [Pirmas verbr. Gal]. Wer sich übergibt, macht e Kälbche [verbr. WPf NPf vereinzelt VPf], hot e Kälwel angebunne [LA-Gommh Hebel 29 NW-Kallstdt, verbr., auch Don Gal Buch]. Wer betrunken nach Hause kommt, hot e Kälbche hembrung [ PS-Höheinöd]. Der Säufer versauft 's K. im Mudderlaib [ BZ-Albw]. Ein Lümmel isch 's K. vunere wieschte Kuh [ PS-Erfw BZ-Dierb]. Jetzt kriegt 's Kälwel Lais, wenn man sich keinen Rat mehr weiß [ LU-Limbghf]. Den »Götzgruß« beantwortet man: Kih un Kälwer, die lecken sich selwer. Leck dich aach! [ Gal-Bagbg Dornf]. SprW.: Erschdes K. - e Gääs, zwettes K. - wer wääß? Drittes K. - sehn zu! Viertes K. - e Kuh. 'Erst das vierte Kalb gibt eine vollwertige Kuh' [ BZ-Dierb]. Wann 's K. versoff is, deckt de Bauer de Brunne zu [mancherorts, Hebel 48]. Aa e alt Kuh war emool e Kälbche [ KU-A'glan]. Wenn ein Gerichtsprozeß die Kuh gekoscht hat, kann aach 's K. noch druffgehe [ NW-Deidh]. BR. s. PfWB Februar. Volksgl.: 's erscht K. vume Rind ziekt mer net uf, mer verkaaft's [Fogel Beliefs Penns Nr. 745]. Eme K. schneit mer Hoor vum Schwanz ab un fiedert sie der Kuh, no plärrt sie net [Fogel Beliefs Penns Nr. 764]. Beim abnehmenden Mond darf man kein K. »abbinden« (abgewöhnen), dies muß im Zeichen des Löwen geschehen [Pfälzer Heimat 1931 Nr. 16]; vgl. auch Maurerschurz. KR.: s. PfWB Birne 1 a, PfWB Taler, PfWB Kanzel. a. 1409: Inname Gelt vß verkeuffter Frucht, ... Ferckeln, Zickeln, Fulle, kelbern [SSp Mgr. Baden 2½]. —
b. s. Zs. PfWB Hirsch-, PfWB Rehkalb. —
2.
a.
α. 'großer, dicker Hund', Kalb [ GH-Nd'lustdt], Kälwel [ LA-Edh]. —
β. s. PfWB Wasserkälbchen. —
b.
α. 'dummer, einfältiger Mensch', Schimpfw. du Kalb! [verbr.], Kälbche [ KU-Schmittw/O], Kalb Moses [verbr., PfId. 72]. Zs.: PfWB Blas-, PfWB Dumm-, PfWB Mai-, Mond(s)-, PfWB Mords-, PfWB Muhkalb. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. —
β. Neckname für die Bewohner von KU-O'alb HB-Höch ZW-Mauschb, Kälwer. Zs. s. PfWB Talkalb. —
γ. s. PfWB Geschwisterkälblein. —
δ. s. April(en)kalb. —
ε. s. PfWB Nachtkalb. —
c. 'flegelhafte Mannsperson'; e K., e aldes K. [ IB-Gersh]; vgl. RA. unter 1 a. Syn. s. PfWB Rüpel. —
d.
α. 'eine besonders dicke Spielkugel'; e Kälwel [ PS-Winz]. Syn. s. PfWB Schießklicker. —
β. Kälwel 'flacher Stein im Kinderspiel'; Kälwele schmeiße. Es geht darum, flache Steine so über eine Wasserfläche zu werfen, daß sie aufspringend darübergleiten. Je öfter ein Stein die Wasserfläche berührt, desto mehr Kälbchen werden gezählt [ LA-Böbing Don-Schowe Torscha]. — Südhess. III 1045 ff.; RhWB Rhein. IV 61 ff.; LothWB Lothr. 271; ElsWB Els. I 432; Bad. III 51.

 

   lecken schw.:
1.
a. 'mit der Zunge Nahrung aufnehmen', lecke (lęgə) [verbr., auch Penns Don Gal Buch], (lägə) [ RO-Rehborn]; vgl. PfWB schlecken; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf- 1, PfWB herunterlecken; Honich, (Salz) l. [verbr.]. Die klääne Kinn därfe helfe de Kessel l., wann die Latwerich gekocht is [ KU-Schmittw/O]. Unwillige Antwort der Mutter, wenn ihr Kind unablässig vor Hunger schreit: Leck Salz, dann werscht därschderich! [ Gal-Sap]. RA.: Wer sich net satt ißt, leckt sich aa net satt [KB-Kriegsf, Hebel 28]. Wer starken Durst hat, hot am Sälzer geleckt [ RO-Messbhf]. Drohung: Ich verschlaa dich, daß die Hunn 's Blut lecke [KU-Diedk Don (Steinmetz)]. VR.: Mein Mutter kocht Schnitz. / Derf ich dran legge? / Kummt se mit 'm Stegge. / Spring ich zu de Magd, / Do wer ich ausgelacht. / Spring ich zum Knecht, / Das war recht [GH-Weingt (Wilde 10)]. Winzerregel: Gibt's viel Schnecke, därf mer noor dran l. (am Wein, weil es dann nur wenig gibt) [ FR-Albsh]. —
b. 'mit der Zunge entfernen, reinigen'; vgl. PfWB auflecken 2. Das Kalb wird nach der Geburt von der Motter geleckt [ WD-Niedkch]. RA.: Wem es schmeckt, der leckt 's Maul, wie e Kuh noo're Erdbeer [ HB-O'bexb PS-W'fischb]. Von peinlicher Sauberkeit und Ordnung: ...der Fußboden war wie geleckt un geschleckt [JKurpf. 1934 75]. Ist die

[Bd. 4, Sp. 860]
Frau ordentlich und fleißig, so is alles wie geleckt im Haus [PfMus. 1925, Heft 7/8]. Der is wie geleckt im Gesicht, 'hat ein glattes Gesicht' [ NW-Elmst]. Ein gut gekleideter, gepflegter Mensch esch wie geleckt [ LA-Nd'hochstdt, KU-Erdb RO-Obd], kummt (immer) doher wie geleckt [ KU-Kaulb Schmittw/O], sieht aus wie geleckt [ KL-Fischb]. An de Kerb sin die Borsch wie geleckt [ FR-Carlsbg]. Derbe Abweisung: (Kumm), leck mich am (im, em) Aarsch! 'Laß mich in Ruhe!, Ich brauch dich nicht!' [verbr.], am Berzel [ RO-Odh], am Ärmel [ RO-Duchr PS-H'eischw Pirmas], am Abend [Krieger 16]. Leck die Katz am Aarsch (Ärmel)! [ ZW-Marthh Bergz Gal-Dornf]. Leck die Krott em Aarsch, noo brauchscht ke Schwanz ufhewe! [ Don-Schowe]. Bergauf: Helf mer doch, mer packen's nit! Bergab: Leck mich am Aarsch, ich brauch dich nit!, von der fauchenden Lokomotive [ BZ-Dierb]. Einem gute Worte geben: Denne muß mer fufzehnmol am Aarsch lecke [ LA-Siebdg]. Weitere RA. s. PfWB Kalb 1 a, PfWB lang I 1 b; SprW. s. PfWB hüten 2, PfWB Nachmittag; VR. s. PfWB Bohnenstecken 1, PfWB Fleck1 1 a, PfWB geradeaus, PfWB Schloß, PfWB Schnur, PfWB Seele, PfWB Sorge. Volksgl.: Wann die Katz sich leckt, kriet mer Besuch [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. WR.: Wann sich die Katz leckt, gibt's Räne [ PS-Erfw]. —
2. mehr übertr.
a. die Finger noh eppes (denoh) lecke 'etwas begehren, nach etwas verlangen, Lust haben, sich auf etwas freuen' [KU-Körbn, verbr.], mit verstärkendem Zusatz: bis an die Elleboo [ KB-Bennhs Mauchh KL-Hütschhs]; Var.: 's Maul (Die Zung) noh eppes l. [RO-Alsbr, verbr.]. Was der Eine verschmäht, do dät 'n Annere die Finger denoh l., von einer gut dotierten Stelle, von einem Mädchen zum Heiraten, von einem guten Essen [GH-Schwegh, verbr.]. Noch der (diesem Mädchen) lecke sich viel die Finger [Krieger 26 Feierowend 5/1953 Nr. 24]. Nach einem Taugenichts leckt sich de Deiwel sei Finger [Krieger 21]. —
b. An einer drückenden Geldschuld hot mer (lang, e Weil, e Lewe) se l. 'zu tragen' [ KU-Reichsth, Kaulb Kaislt LU-Ruchh LA-Gleisw]. —
c. vgl. PfWB ablecken 2. — Südhess. IV 225 ff. lecken I; RhWB Rhein. V 270 ff.; LothWB Lothr. 331 lecken I; ElsWB Els. I 581.