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 PfWB Jung-frau (Bd. 3, Sp. 1384)   PfWB Wase2 (Bd. 6, Sp. 1082) 
   Jung-frau, Junge-f.:
1.
a. 'Mädchen im heiratsfähigen Alter', bes. 'unberührtes Mädchen', Jungfraa (juŋgfrā) [ LU-Altr]; vgl. PfWB Jungfer 1 a. Volksgl.: Eine J. darf keinen fremden

[Bd. 3, Sp. 1385]
Brautkranz aufsetzen, sonst wird sie nie Braut [ NW-Meckh]. Eine Brauchformel zur Heilung einer Geschwulst s. PfWB Geschwulst. Rätsel von der Kirsche: Es sitzt eine J. auf dem Baum, hat ein rotes Röcklein an, im Herzen einen Stein. Was mag das sein? [Hebel 120]. a. 1295: Nimit auch eine juncfrauwe einin man, die min ist, unde ist der man mines bruodirs, sie sal deme manne volgin [ZweibrReg. S. 120]. a. 1531: so es sach were, das einer junkfrau not were zu zeihen, so soll sie zeihen mit einem kranz [Grimm Weist. V 672 (PS-Wallhalb)]. —
b. 'Hausherrin, Dienstherrin', in der Anrede des Gesindes, bes. in bäuerlichen Betrieben, schon um 1925 z. T. veraltet, Jungfraa (ˈjuŋgfrā, -fr) [verbr. NPf HB-Höch ZW-L'wied], -frau [vereinzelt NPf], -frää (-fr) [mancherorts westl. NPf], Jungefraa (ˈjuŋəfrā) [ KU-Eschau Jettb RO-O'hs Bistschd], -frää [ RO-Ob'mosch Dielkch Messbhf], -fräi (-fręi) [ KU-Schmittw/O]; zur Verbr. vgl. K. 24, die durch obige Angaben ergänzt wird. Syn.: PfWB Base 6, PfWB Frau 3 a, PfWB Gote 2 d, PfWB Herrin, Madame, PfWB Mutter, PfWB Wase. Die Dienstboten grüßen die Bäuerin am Morgen: Gumorje, Jungfraa! [ KB-Kriegsf]. Die eine Nachricht überbringende Magd sagt: Mein Jungfraa hot mich geschickt [ KB-Albish]. Ein Rätsel vom Flachs s. PfWB Graf 1. Aus einem Heischevers des Pfingstquacks: Gebt Eier heraus, gebt Speck heraus! Es isch e schääni Jungfrau im Haus [ PS-O'simt]. —
c. s. Schuljungfrau. —
2.
a. im Pflanzennamen Jungfrau Kunkel 'Königskerze' [Wilde 150], Jungfrau Kungen [ebd.]; vgl. PfWB Muttergotteskunkel. —
b. 'das Sternbild der Jungfrau'. Volksgl.: En Kind in der Jungfrau gebore is glicklich [Fogel Beliefs Penns Nr. 7]. Hinkel setzt mer in der J., no kumme sie gut raus [ebd. Nr. 884]. Die Blumesteck blanzt mer im Zunemmende in der J. [ebd. Nr. 1023]. — Südhess. III 1012; Rhein. III 1247 Z. 31; Bad. III 40 Z. 10.

 

   Wase2, Wäse f.:
1. 'weibliche Seitenverwandte', seit 1920 stark schwindend, heute (1995) ungebr.
a.
α. 'Tante', Was (wās) [Krämer Gal 239], Wäs (ws) [ RO-Messbhf], Wees [ Gal-Beckersdorf]; Dim. Wäsje [ KB-Bennhs], Wäsi [ RO-Dielkch]. VR.: Wieje, wieje, Wäs'che, / 's Kinnche leit im Gräs'che! / Uf der Stang steht der Mann, / Wo die Hase schieße kann: / Biff - bauf! [Schandein Bav. IV,2 351]. —
β. 'ledige Tante, Erbtante', Wäs, Wäsje [RO-Ruppeck Sippf]. a. 1600: was er Von seiner Waaß Otilien zu Einödt ererbt [SSp BrPr. 516, Bl. 75]. —
b. 'Großtante', Wäs [ RO-Bistschd]. —
c. 'Kusine', Was, Wäsje [WD-Niedkch, »Bliestal« (Schandein Bav. IV,2 242) Krämer Gal 239]. VR.: Ich trink aus meim Gläs'je / Hokokä! / Un danz mit meim Wäs'che / Baudschdäderä! [Schandein Notizen]. —
d. 'jede entferntere Verwandte', Was [ RO-Lettw]. —
2. 'Patin', Wees, Weesje [mancherorts Gal]. —
3. 'gut bekannte ältere Frau', bes. in der Anrede der Jüngeren, Wäs, Wäsje [KU-Hohöll HB-Nd'gailb IB-Eschring Gersh Rubh, PfId. 150]; häufig mit Hinzufügung des Namens: Wäsje Katterin [IB-Eschring]; vgl. PfWB Käsewase. —
4. 'Hebamme', Wäs [ KB-Eisbg]; vgl. PfWB Ammenbase; Syn. s. PfWB Amme. —
5. 'Haus-, Dienstherrin, Bauersfrau', in der Anrede des Gesindes, Was [geschl. verbr. im Raum Kusel, RO-Rehborn], s. K. 24, Wäs [ KU-Albess Bledb]; Syn. s. PfWB Jungfrau 1 b. — Das Wort ist eine alte Nebenform zu PfWB Base, ahd. wasa 'Tante väterlicherseits' (Ahd. GlossWb. 699), mhd. wase ( Lexer Lexer I 133), die heute bes. im mittel- und niederdeutschen Raum nachweisbar ist ( DWB DWb. XIII 2272 ff.). Die Umlautform Wäs dürfte aus dem Dim. rückgebildet worden sein. — RhWB Rhein. IX 287/88; Lothr. 531/32 Wäs-chen.