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 PfWB Jung-frau (Bd. 3, Sp. 1384)   PfWB Base (Bd. 1, Sp. 588) 
   Jung-frau, Junge-f.:
1.
a. 'Mädchen im heiratsfähigen Alter', bes. 'unberührtes Mädchen', Jungfraa (juŋgfrā) [ LU-Altr]; vgl. PfWB Jungfer 1 a. Volksgl.: Eine J. darf keinen fremden

[Bd. 3, Sp. 1385]
Brautkranz aufsetzen, sonst wird sie nie Braut [ NW-Meckh]. Eine Brauchformel zur Heilung einer Geschwulst s. PfWB Geschwulst. Rätsel von der Kirsche: Es sitzt eine J. auf dem Baum, hat ein rotes Röcklein an, im Herzen einen Stein. Was mag das sein? [Hebel 120]. a. 1295: Nimit auch eine juncfrauwe einin man, die min ist, unde ist der man mines bruodirs, sie sal deme manne volgin [ZweibrReg. S. 120]. a. 1531: so es sach were, das einer junkfrau not were zu zeihen, so soll sie zeihen mit einem kranz [Grimm Weist. V 672 (PS-Wallhalb)]. —
b. 'Hausherrin, Dienstherrin', in der Anrede des Gesindes, bes. in bäuerlichen Betrieben, schon um 1925 z. T. veraltet, Jungfraa (ˈjuŋgfrā, -fr) [verbr. NPf HB-Höch ZW-L'wied], -frau [vereinzelt NPf], -frää (-fr) [mancherorts westl. NPf], Jungefraa (ˈjuŋəfrā) [ KU-Eschau Jettb RO-O'hs Bistschd], -frää [ RO-Ob'mosch Dielkch Messbhf], -fräi (-fręi) [ KU-Schmittw/O]; zur Verbr. vgl. K. 24, die durch obige Angaben ergänzt wird. Syn.: PfWB Base 6, PfWB Frau 3 a, PfWB Gote 2 d, PfWB Herrin, Madame, PfWB Mutter, PfWB Wase. Die Dienstboten grüßen die Bäuerin am Morgen: Gumorje, Jungfraa! [ KB-Kriegsf]. Die eine Nachricht überbringende Magd sagt: Mein Jungfraa hot mich geschickt [ KB-Albish]. Ein Rätsel vom Flachs s. PfWB Graf 1. Aus einem Heischevers des Pfingstquacks: Gebt Eier heraus, gebt Speck heraus! Es isch e schääni Jungfrau im Haus [ PS-O'simt]. —
c. s. Schuljungfrau. —
2.
a. im Pflanzennamen Jungfrau Kunkel 'Königskerze' [Wilde 150], Jungfrau Kungen [ebd.]; vgl. PfWB Muttergotteskunkel. —
b. 'das Sternbild der Jungfrau'. Volksgl.: En Kind in der Jungfrau gebore is glicklich [Fogel Beliefs Penns Nr. 7]. Hinkel setzt mer in der J., no kumme sie gut raus [ebd. Nr. 884]. Die Blumesteck blanzt mer im Zunemmende in der J. [ebd. Nr. 1023]. — Südhess. III 1012; Rhein. III 1247 Z. 31; Bad. III 40 Z. 10.

 

   Base f.:
1. weibliche Seitenverwandte; seit etwa 1920 stark schwindend, 1965 nur noch bei Alten zu hören.
a. 'Tante'; Bas [verbr.]; heute dafür fast allg. Dande. VR.: Gumorje, Bas un Vetter! Machen eier Better! Unne Stroh un owwe Stroh un in de Mitte grad so [verbr. Gal]. —
b. 'Großtante' [1930: KU-Hundh HB-Kirrbg ZW-L'wied KB-Kriegsf Bubh LA-Gommh BZ-Stein GH-Berg]. —
c. 'jede entferntere Verwandte', gew. mit Nennung des Vornamens, Lissibas, Bas Marlen, Annebäs'che usw. [verbr.]. —
d. 'Kusine' in jüngerer Zeit, oft im Dim., s. F., Bäs'che [verbr.]. —
e. 'Geschwisterenkelin', Bäsche [ KB-Eisbg]. —
2. 'Großmutter', Bas [ KL-Erlb]. —
3. 'Patin' [KU-Reiffb ZW-Knopp PS-Schopp KB-Gauh Mörsf FR-Mörsch LU-Iggh NW-Dürkh verbr. Don Gal Rußl-N'baden]; dafür fast allg. Got. Vgl. DWA IV Karte »Patin«. Spiel aus früherer Zeit: Zwei größere Kinder setzen ein kleineres auf ihre verschlungenen Hände, schwingen es hin und her und singen dabei: Schwinge, schwinge, Häsel, morje

[Bd. 1, Sp. 589]

[Bd. 1, Sp. 591]
kummt dei Bäsel, bringt 'm Kind e Weckel un e zuckrich Häsel [ NW-Weish/S]. —
4. 'Hebamme', Bas, Bäsl [Umg. Hombg KL-Landstl Umg. FR-Grünstdt], vgl. K. 12 bei Amme, dort auch Syn.; auch in den Zs. PfWB Basamme u. PfWB Ammenbase; vgl. auch Kindchenbase. —
5. 'bekannte ältere Frau', bes. als ehrende Anrede (in Verb. mit dem Namen), Lissibas, Majerschbas, auch Schulbas 'Lehrersfrau', oft im Dim. [WPf nördl. VPf], Bas Amrie [südl. WPf u. VPf]. Kosewort und gut gemeintes Drohwort für kleines Mädchen, bes. im Dim. [ NW-Forst GH-Hayna]; gieks mer die Bas, ein Spiel mit kleinen Mädchen, bei dem man ihnen mit dem Finger auf die Brust tippt [ FR-Hettldh Höning]. —
6. 'Hausherrin', in der Anrede des Gesindes, fast nur in bäuerlichen Betrieben, Bas Bäs'che, Bäsel. Zur Verbr. für 1935 s. K. 24; 1960 ist das Wort in den Bedeutungen 5 u. 6 fast vollständig durch Frau abgelöst. —
7. 'Fürsprecherin', in der RA.: Der hot iwwerall e Vetterche un Bäs'che [RO-Schweisw, verbr.]. —
8. 'Geldverleiherin' in der RA.: Geh zu de Bas Lehne (Lene), zu einem, der Geld leihen (entlehnen) will [Hebel 29]. —
9. 'Klatschbase, Plaudertasche'. Du bischt e rechdi B. [verbr.]; vgl. PfWB basen. Zs.: PfWB Frau-, Gerust-, PfWB Kaffee-, PfWB Klatsch-, PfWB Maien-, PfWB Quatsch-, Ratsch-, PfWB Rätsch-, PfWB Schlabber-, PfWB Schwaddel-, PfWB Stadt-, PfWB Wasch-, Wäschbase. Zu Bed. 1, 2, 5, 6 u. 7 vgl. auch PfWB Vetter. — F.: bās [vorherrschend], bs [KU-Kaulb u. Umg. östl. NPf verbr. VPf (Bertram 16)]. Dim. bsχə [mittl. WPf], bsjə [verbr. westl. WPf], bēsi [NWPf], bāsi [ RO-Rehborn], bsl [mittl. u. südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 488/89; Saarbr. 18; LothWB Lothr. 26; ElsWB Els. II 95; Bad. I 122.