Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Jude (Bd. 3, Sp. 1370)   PfWB Kanal-muschel (Bd. 4, Sp. 42) 
   Jude m.:
1.
a. wie schd., Judd (jud) [allg.]; Pl. Jurre (jurə) [verbr. WPf NPf mancherorts VPf], Judde (judə) [verbr. VPf verbr. Gal], (juðə) [ KU-Kaulb mancherorts Gal], Jule (julə) [ KU-Bedb]; Dim. Jiddche (jidχə), Pl. Jiddcher

[Bd. 3, Sp. 1371]
[verbr. WPf NPf]; vgl. PfWB Jüdin. Zs.: PfWB Bändel-, PfWB Bettel-, PfWB Pferds-, PfWB Essig-, PfWB Fetzen-, PfWB Vieh-, PfWB Gauls-, PfWB Geißen-, PfWB Handels-, PfWB Hof-, Kälber-, PfWB Kleider-, PfWB Knoblauchs-, PfWB Kuh-, PfWB Lumpen-, PfWB Sau-, PfWB Stinkjude. Die Jurre ore 'beten laut' [ KU-Schmittw/O]. Die Judde schinne (schinden) die Gäns [ LU-Opp]. Des is e gääler Judd, wer eine gelbe Gesichtsfarbe hat [ LU-Muttstdt, mancherorts]; e polnischer J. 'aus dem Osten zugewanderter J.' [ BZ-Albw Dierb]. Du stinkicher J.! Schimpfw. [ KU-Schmittw/O]. Vergl. u. RA.: Er is so läppsch wie e J. [ FR-Quirnh]. Er is schlimmer wie e J. 'feilscht um jeden Pfennig' [ KU-Kaulb Dietschw]. Der Schmeichler ist so sieß wie'n J. [ LU-Friesh, mancherorts, auch Don]. Der Geizhals ist zäh wie e J. [ LA-Nd'hochstdt, mancherorts]. Der Feigling hot Ängscht wie e J. [vereinzelt Gal]. Er is am Ellboo kitzlich wie e J. [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Judenknochen. Der hannelt in Gedanke wie die Wormser Jurre [Hebel 19]. Er laaft wie e J. 'Er kommt weit herum' [ KU-Adb]. Du stinkscht noo Knowloch (Knoblauch) wie e J. [ NW-Kallstdt]. Sein Großvadder war e J., von einem mit gebogener Nase [ GH-Zeisk]. Dem hot e J. uf de Ärmel gespauzt 'Er hat ein Loch im Ärmel' [ RO-Würzw, vereinzelt]. Den hot e J. gekißt, von einem, der einen Mundausschlag hat [ KB-Kerzh NW-Ungst BZ-Nd'ottb]. Er hot mit'm J. Griebcher gess, dass. [ ZW-L'wied]. Mein Nas beißt mich, 's esch 'n J. of d' Welt kumme 'Es ist etwas Neues vorgefallen' [ GH-Zeisk]. Wer gestolpert ist, geht nochmals über die gleiche Stelle und sagt: Do isch en J. begrawe [Land]. Der vergeblich nach einem Gegenstand Suchende wird geneckt: E J. hot's uf der Stang getraa [Don-Alexanderhs verbr. Gal Buch]. 's is e Weller (Wetter), mer määnt, 's hätt sich e J. gehenkt (auch: ufgehängt) [ KU-Bedb, mancherorts, auch Gal]. De J. horr'n ufs Stroh geleet 'ums Vermögen gebracht' [ KU-Schmittw/O]. Das es de ehrlich J., wo die Gaaß (Geiß) gestohl hot, ironisch von einem unehrlichen Geschäftspartner [ KU-Kaulb Brück]. Eine leere Kutsche ist e leer Schäs met Judde [ KU-Kaulb Schmittw/O]. Der Prahlhans wird zurechtgewiesen: Nu, Jüngelche, mach 's Tor uff, es kummt e großer Trupp Veh (Vieh), saat seller J., do horrer zwää Gääße gehatt [Hebel 49]. Bei Erbstreitigkeiten unter Geschwistern heißt es: Wie sächt (sagt) de J.: Hänner schun gedäält? [ NW-Freinsh]. SprW.: Wammer e J. vorre enausjaat, kummt er hinne wirrer erin [ KU-Schmittw/O]. Hot de J. die Kuh geholt, kann er de Strick aach hawwe [ BZ-Billh]. For des, wo emol gewesst is, gebt de J. nix mehr [Feierowend Nr. 30/1965, S. 5]. Haagscht (Haust du) mein J., haag ich aa dein J. [ NW-Hardbg]. Volksgl.: Wenn ein Brautpaar beim Gang zur Kirche zuerst einem Juden begegnet, dann wird

[Bd. 3, Sp. 1372]
es eine glückliche Ehe werden [ KL-Morb]. Beim Kegel- oder Klickerspiel soll man sagen: 's sitzt e J. druf; dann gelingt dem Gegner kein Wurf [Pirmas]. Rätsel: Drei Handkäs un vier Judde, was is des? Antwort: 7 Stinker! [Kaislt]. Brauchtum: de J. verbrenne, s. PfWB Judas 1 [mancherorts WPf vereinzelt VPf]; vgl. PfWB Judasbüche. VR.: Judde, Juddejohne, morje krie mer Bohne, übermorje Sauerkrauthot de J. sei Haus gebaut [Wilde 29]. J., J., Hecke, morje muscht verrecke, iwwermorje es es Dag, werd de stinkisch J. begrab [ KB-O'wies, mancherorts, auch Gal]. Im Kinderspiel Der stinkisch J. tragen die Spieler verschiedene Vogelnamen. Der den Juden spielende Bube möchte einen bestimmten Vogel kaufen. Ist der gewünschte Vogel vorhanden, dann muß der J. diesen erst einfangen. Dabei stellt er sich recht unbeholfen an und wird ausgelacht [Groh Wörschw 189]. Andere Spiele s. PfWB Ellenmessen, PfWB Wagenmännchens. - 15. Jh.: kane der arme (man) das geld under den cristen nit uffbringen, so mage er das under den judden lehenen [PfWeist. I 241 (NW-Deidh)]. a. 1683: wan ein ausländischer judt hier durchgehet, er jedesmahl ein kreützer judenzoll zu entrichten schuldig ist [ebd. II 692 (KB-Göllh)]. Im Jahre 1808 mußten die Juden durch Erlaß des Präfekten des Departements Donnersberg sich Familien- und Vornamen zulegen; Namen aus dem Alten Testament oder Städtenamen kamen nicht in Frage [Heimatbl. von Lu'haf 1920, 7]. —
b. auf Nichtjuden bezogen.
α. Wer beim Essen die Kopfbedeckung aufbehält, is e J. [ KU-Bedb]. —
β. Bei drohender Auseinandersetzung zwischen zweien hetzen die Umstehenden: Uf ehn, 's is e J.! [ NW-Freinsh]. —
γ. Er is de ewich J., von einem unsteten Menschen [ LU-Opp, mancherorts]. —
δ. Am Tag der Taufe heißt es vom Täufling: E J. geht fort un e Krischt kommt widder [Bliesg]. —
ε. s. PfWB Flohjude. —
2.
a. 'Hase'; e J. mit lange Ohre [vereinzelt]; vgl. PfWB Judenbube 2. —
b. = PfWB Goldkäfer 1 a, Judd [Pirmas]. —
c. 'Kohlweißling'. Do fliehe so viel Jurre erum [ KU-Adb Diedk Theißbgstg Zweibr LU-Friesh]. —
d. 'gebratener Schweinskopf', Judd [ Don-Kathreinf]. —
e. 'die empfindliche Stelle am Ellbogen'. Ich han mer de J. angeschlaa(che) [ KU-Kaulb LU-Alsh Neuhf NW-Forst Kallstdt Weish/Sd]; vgl. PfWB Judenknöchelchen. —
f. 'Halswirbel beim Schwein', Judd [NW-Kallstdt Lambert Penns 89]. Volksgl.: Wann en Kuh bludichi Millich gebt, melkt mer die Millich därich der J. vun're Sau [Fogel Beliefs Penns Nr. 755]. —
g. Bez. für die Muschelarten Maler- und Teichmuschel, Judd [LU-Oggh Opp Muttstdt Altr Heeger Tiere II 14]. —
h. 'das fleckenlose Blütenblatt des Feldmohns', Judd [Wilde 131]; vgl. PfWB Protestant 2. —
i. 'Falte am Hemdkragen', Judd [ Don-Tscherwk]. —
j. 'Schreckgestalt

[Bd. 3, Sp. 1373]
für kleine Kinder'. Alleweil kummt de J., wann du net schloofe willscht [ ZW-Krähbg Riedbg]. — Südhess. III 991 ff.; RhWB Rhein. III 1214 ff.; LothWB Lothr. 268; ElsWB Els. I 403; Bad. III 35/36.

 

   Kanal-muschel f.: eine im Kanal häufig vorkommende Muschelart, Kanalmuschle (Pl.) [ LU-Edigh]; vgl. PfWB Jude 2g. —