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 PfWB Jakob (Bd. 3, Sp. 1332)   PfWB Vetter (Bd. 2, Sp. 1336)   PfWB Base (Bd. 1, Sp. 588) 
   Jakob m.:
1.
a. männlicher VN, auch 'der Träger dieses Namens', Jakob (jagob) [ NW-Deidh KL-Queidb], (jāgob, jgob) [mancherorts, auch Don Gal], Jakeb [PfId. 69], Jokob (jǫgob) [verbr.], Jokeb (jǫgəb) [verbr. südl. VPf], Schakob (agob) [mancherorts bes. VPf, PfId. 120]; Kurzformen: Jab (jāb) [IB-Biesing RO-Rehborn PfId. 69], Job (job, jōb) [mancherorts, Schandein Ged. 240], Jeb (jeb, jēb) [KU-Dietschw vereinzelt SWPf], Schak (ag) (aus frz. Jacques) [vereinzelt WPf], (āg) [mancherorts südl. VPf]; Dim.: Jobche [vereinzelt], Jebche (jebχə, jēbχə) [vereinzelt], Jackl [GH-Neubg Keiler 96], Jock(e)l (jǫgəl, jǫgl) [verbr.], Jäckel [vereinzelt], Jogel (jōgəl) [ KU-Eschau PS-Ruhbk], Gäbche [Schandein Ged. 73], Kob(el)che [Schandein Ged. 23], Schäkel [A. Becker Hedwig, S. 86 der Auflage 1896]; seltene Formen: Gobar [ KL-Stelzbg], Baabe [ RO-Lettw]. Zs.: Filipp-, PfWB Franz-, PfWB Georg-, PfWB Heinrich-, PfWB Johann-Jakob; PfWB Hundsjockel. RA.: Jakob soll ich heeße, eine Beteuerung [Don (Steinmetz)]. Er liet (lügt) jo noch besser wie mein Jokob! [Feierowend Nr. 24/1953]. Des is vum alde Job seim Werrer (der alte J. freute sich immer, wenn das Wetter keine Arbeit erlaubte, und sagte dann: Des is vun meim Werrer) [ NW-Frankeck Lambr]. VR.: De Jakob mit seim Zellrichkopp, der geht in de Stall un melkt de Bock; do schmeißt de Bock de Kiwwel um, un de Jakob fliegt im Kihdreck rum [ LU-Friesh]; einen ähnlichen VR. mit einer Katharina als Bezugsperson s. PfWB Bock

[Bd. 3, Sp. 1333]
1 a. Der Mond scheint, der Mond scheint; der Jakob liegt im Bett; streckt sein Bein zum Bett heraus und sagt, er hätt kee Deck [PfRSch. 11. 11. 1934]; einen VR. mit einem Philipp s. PfWB Bett 1 a. Vetter Jokob, Vetter Jokob, Vetter Jokob is do; hot alles versoff, hot alles verdon [ZW-Stamb]; Var. s. PfWB Vetter 2 b. Ach wo bleibt mein Jakobche, mein Jakobche so lang? Ei der sitzt am Remmelsberch (Remigiusberg) un hat die Hose iwwerzwerch [ KU-Etschbg]. Weitere VR. s. PfWB Puppe 2 b, PfWB Heidelbeere 1. Ein Kinderspiel: Ein Kind wird mit verbundenen Augen in einen Kreis gestellt und fragt: Jakob, wo bischt du? Die Mitspieler antworten: hinner de Hecke un flicke mein Schuh. Das suchende Kind ist bemüht, einen Mitspieler zu fangen, darf aber den Kreis nicht berühren; wenn es den Kreis berührt, rufen die anderen: Es brennt! [ KU-Kaulb, mancherorts]. —
b. 'Tag des Kalenderheiligen J. (25. Juli)', vgl. PfWB Jakobi, PfWB Jakobstag. WR.: Steht der Schlehdorn früh im Blütenschein, wird schon vor J. Ernte sein [ PS-Fehrb]. VR.: Es war einmal ein Mann, eine Frau und ein kleiner Bub; die reisten auf St. Jakob zu; und als sie nach St. Jakob kamen, war es ein Mann, eine Frau und ein großer Bub [Kaislt, PS-W'fischb]. In Gal-Schönth steht in dem gleichen Reim Stanz Jockle an Stelle von St. Jakob. a. 1319: zehn vntze heller zu sancte Widen an den stift an sancte Iacobes dage [OttbgUrkb. 325]. —
2.
a.
α. der wahre Jakob 'wer seine Ware auf dem Markt am besten zu verkaufen weiß' [mancherorts]; die Wendung »wahrer Jakob« soll auf den hl. Jakob von Compostela (Spanien) zurückzuführen sein, der alle anderen Heiligen im frommen Reden bei weitem übertraf [Rheinpfalz 7. 12. 1973]. Varne sein e halb Dutzend wahre Jakobbe aus Amerika gestann un hun ehr Sache faalgebott [Kühn Schnitze II 89]. —
β. der billige Jakob, auch eine Jahrmarktsfigur [Becker Vk. 336]. —
b.
α. in der Form Jockel, seltener Jokel 'ungeschickter, unbeholfener Mensch'; e rechder J. [mancherorts, auch Don Gal]; vgl. PfWB Tappschab, -schak, Kuh-, PfWB Stolperjockel und die Syn. bei Tappes 1 a. Du dappischer J.! [ LA-Leinsw, mancherorts]. —
β. 'fauler Mensch' [mancherorts]. Scherzh. Zwiegespräch: Jockel, steh uf, mer dreschen!Ich kann net, ich bin krank.Jockel, steh uf, mer essen!Ich kumm gleich! [ LU-Opp]; dass. mit Hannes s. PfWB aufsteigen. —
γ. 'wer sich gern taub stellt'; e dääwer Jockel [KU (Potzbg)]. —
δ. 'gutmütiger Mensch, der sich von anderen ausnutzen läßt'. Des isch 'n gurer Jockl [ LA-Edk Ob'hochstdt Germh]. RA.: Dem werr ich net de J. mache [ NW-Haßl Spey]. —
ε. 'übermütiger, sich verrückt gebärdender Mensch'. Des is mol e närrischer J. [ KU-Lohnw Don-St. Andreas]. Hasch schun so'n Schackel gesiehn? [ KU-A'glan KL-Wörsb]. —
ζ. e großer Joogel [ KU-Eschau]; e

[Bd. 3, Sp. 1334]
jetter Jockl [ NW-Erph]. —
η. 'schmutziger Mensch' in PfWB Schmier-, PfWB Schmutzjockel. —
θ. abschätzig von nicht näher zu bezeichnenden Personen: de Hansel un de Jockel [ NW-Haßl Spey]. RA.: Nit Hans un nit Jockel saage 'sich um eine eigene Meinung drücken' [PfL 11. 8. 1922]. —
c.
α. 'Rabe', die Schaak [IB-Ballw Erfw/ Ehling, PfId. 120]. Der Ruf des Raben wird gedeutet als: Jakob! Da, Jakob! [NW-Frankeck BZ-Dernb, Heeger Tiere II 10]. —
β. 'Häher', die Schaak [Ingb]; vgl. PfWB Herrschak. —
γ. Hundename für den Dackel, Schockel [ LU-Alsh]. —
d. 'Gebäck in der Form einer großen männlichen Puppe', Jakob [ ZW-Nd'aub PS-Ruhbk], Jokob [ ZW-Mauschb], Jockel [Schandein Bav. IV/2, 387]. Um dieses Riesengebäck wurde früher am Jakobstag getanzt [ebd., Stoll 172]. —
e. 'Apfelwein minderer Sorte, Haustrunk', Jakob, Jakebl [mittl. VPf (Bertram § 285)].

 


Aus den Nachträgen

2.
f. im Dim. Pl. Jakebscher 'Kinderschuhe' [Pirmas].

Südhess. III 941/ 42, 965; RhWB Rhein. III 1131 ff., 1177; LothWB Lothr. 265; ElsWB Els. I 405; Bad. III 19, 28.

 

   Vetter m.:
1.
a. 'Bruder des Vaters, der Mutter', Vetter (fedər, r) [verbr. (bes. ältere Gener.) östl. NPf VPf, selten WPf, verbr. Don Gal Buch Rußl], (fędər) [Neustdt], Verrer (ferər) [ RO-Gundw Dielkch]; vgl. PfWB Pate 2, PfWB Pfetter 3, PfWB Ohm, PfWB Onkel.
b. 'Bruder des Großvaters, der Großmutter' [ HB-Kirrbg ZW-L'wied KB-Kriegsf LA-Gommh]. —
c. 'Sohn des Onkels, der Tante' [verbr. (jüngere Gener.)]; vgl. Kusin. —
d. 'Neffe' [ PS-Erfw KB-Kriegsf]. —
e. 'älterer entfernterer männlicher Verwandter' [verbr. NWPf NPf KL-Matzb Stelzbg verbr. VPf]; oft mit Nennung des Zunamens; Scheiwlersvetter [ BZ-Annw]; vgl. PfWB Gevatter, PfWB Kompär. Ich geh zu meim V. [ KL-Matzb]. RA.: Der steigt aus, wie wann de Großherzog sein ärmschder V. wär, wer sich herausgeputzt hat [ LU-Friesh]. VR. s. PfWB Base 1 a. —
2.
a. 'Taufpate' [GH-Schaidt Kand Berg Rülzh verbr. Rußl]; vgl. PfWB Pate 1, PfWB Pfetter 1. —
b.
α. 'jeder ältere Mann, bes. in der Anrede, mit oder ohne Nennung des Vor- oder Zunamens [verbr. NWPf HB-Kirrbg NPf NW-Gimmdg SP-Heiligst Don-Schowe Torscha Lenauh verbr. Gal Buch]. Was trinken ehr dann im allgemeine de Daach iwwer, Vedder? [ NW-Gimmdg]. Bachevedder, lehnen mer e Dreschfleel! [ Gal-Debolowka]. RA.: 's geht 's Vetter Hannes sein Acker nunner, von einem verlustreichen Unternehmen [ LU-Altr]. VR.: Vetter Jakob, Vetter Jakob, was mache die Gäns? Sie hocke im Wasser un puddle die Schwänz [Hombg]; Var. s.

[Bd. 2, Sp. 1337]

pudeln 1 a. Heischespruch an Fastnacht: Ich ben de Vedder Max. Ehr hän Kichlich gebacke, ich schmack's. Gewwen mer ääns orrer zwää, sinner (seid ihr) ach e guri Frää [ LA-Nußd]. —
β. e alt Vedderche 'ein alter Junggeselle' [ KB-Kerzh]; vgl. PfWB Pate 3, PfWB Pfetter 5. —
γ. Anrede des Herrn durch die Dienstboten, bes. in Grußformeln [zur Verbr. s. K. 126, verbr. Gal]; vgl. PfWB Pfetter 4, PfWB Vater 1 d, PfWB Herr, Schef. Gundach, Vetter! [ ZW-Hornb]. —
c. 'Gönner, Fürsprecher'. RA.: Er hat e gurer Vedder an de Hand [PS-Hintwdth verbr.]; e gut Vetterle [ BZ-Stein]. Er hot e Vetter in Holland [ GH-Schwegh]. SprW.: Wer Parre werre will, muß e Vedderche am Konschtorium (Konsistorium) hun [ KB-Kriegsf]; Var. s. PfWB Papst. vgl. PfWB Vetterchenswirtschaft. —
d. verächtlich:

[Bd. 2, Sp. 1338]
Du bischt mer en schäne Vetter! [ LU-Friesh]. — Zur Bedeutungsentwicklung vgl. PfWB Base. — Südhess. II 692/93; RhWB Rhein. IX 101/02; Saarbr. 221; LothWB Lothr. 135; ElsWB Els. I 156; Bad. II 134.

 

   Base f.:
1. weibliche Seitenverwandte; seit etwa 1920 stark schwindend, 1965 nur noch bei Alten zu hören.
a. 'Tante'; Bas [verbr.]; heute dafür fast allg. Dande. VR.: Gumorje, Bas un Vetter! Machen eier Better! Unne Stroh un owwe Stroh un in de Mitte grad so [verbr. Gal]. —
b. 'Großtante' [1930: KU-Hundh HB-Kirrbg ZW-L'wied KB-Kriegsf Bubh LA-Gommh BZ-Stein GH-Berg]. —
c. 'jede entferntere Verwandte', gew. mit Nennung des Vornamens, Lissibas, Bas Marlen, Annebäs'che usw. [verbr.]. —
d. 'Kusine' in jüngerer Zeit, oft im Dim., s. F., Bäs'che [verbr.]. —
e. 'Geschwisterenkelin', Bäsche [ KB-Eisbg]. —
2. 'Großmutter', Bas [ KL-Erlb]. —
3. 'Patin' [KU-Reiffb ZW-Knopp PS-Schopp KB-Gauh Mörsf FR-Mörsch LU-Iggh NW-Dürkh verbr. Don Gal Rußl-N'baden]; dafür fast allg. Got. Vgl. DWA IV Karte »Patin«. Spiel aus früherer Zeit: Zwei größere Kinder setzen ein kleineres auf ihre verschlungenen Hände, schwingen es hin und her und singen dabei: Schwinge, schwinge, Häsel, morje

[Bd. 1, Sp. 589]

[Bd. 1, Sp. 591]
kummt dei Bäsel, bringt 'm Kind e Weckel un e zuckrich Häsel [ NW-Weish/S]. —
4. 'Hebamme', Bas, Bäsl [Umg. Hombg KL-Landstl Umg. FR-Grünstdt], vgl. K. 12 bei Amme, dort auch Syn.; auch in den Zs. PfWB Basamme u. PfWB Ammenbase; vgl. auch Kindchenbase. —
5. 'bekannte ältere Frau', bes. als ehrende Anrede (in Verb. mit dem Namen), Lissibas, Majerschbas, auch Schulbas 'Lehrersfrau', oft im Dim. [WPf nördl. VPf], Bas Amrie [südl. WPf u. VPf]. Kosewort und gut gemeintes Drohwort für kleines Mädchen, bes. im Dim. [ NW-Forst GH-Hayna]; gieks mer die Bas, ein Spiel mit kleinen Mädchen, bei dem man ihnen mit dem Finger auf die Brust tippt [ FR-Hettldh Höning]. —
6. 'Hausherrin', in der Anrede des Gesindes, fast nur in bäuerlichen Betrieben, Bas Bäs'che, Bäsel. Zur Verbr. für 1935 s. K. 24; 1960 ist das Wort in den Bedeutungen 5 u. 6 fast vollständig durch Frau abgelöst. —
7. 'Fürsprecherin', in der RA.: Der hot iwwerall e Vetterche un Bäs'che [RO-Schweisw, verbr.]. —
8. 'Geldverleiherin' in der RA.: Geh zu de Bas Lehne (Lene), zu einem, der Geld leihen (entlehnen) will [Hebel 29]. —
9. 'Klatschbase, Plaudertasche'. Du bischt e rechdi B. [verbr.]; vgl. PfWB basen. Zs.: PfWB Frau-, Gerust-, PfWB Kaffee-, PfWB Klatsch-, PfWB Maien-, PfWB Quatsch-, Ratsch-, PfWB Rätsch-, PfWB Schlabber-, PfWB Schwaddel-, PfWB Stadt-, PfWB Wasch-, Wäschbase. Zu Bed. 1, 2, 5, 6 u. 7 vgl. auch PfWB Vetter. — F.: bās [vorherrschend], bs [KU-Kaulb u. Umg. östl. NPf verbr. VPf (Bertram 16)]. Dim. bsχə [mittl. WPf], bsjə [verbr. westl. WPf], bēsi [NWPf], bāsi [ RO-Rehborn], bsl [mittl. u. südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 488/89; Saarbr. 18; LothWB Lothr. 26; ElsWB Els. II 95; Bad. I 122.