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 PfWB Herr-gott (Bd. 3, Sp. 871)   PfWB Madam (Bd. 4, Sp. 1095)   RhWB Schullehrerin (Bd. 7, Sp. 1882) 
   Herr-gott m.:
1.
a. 'Gott', Herrgott (ˈhärgod) [fast allg.], (hargod) [ PS-Erfw BZ-Dierb]; vgl. PfWB Gott 1. Du kannscht unserm H. danke, daß er deer des Glick erspart hot [Feierowend Nr. 28/ 1965, S. 4]. In Beteuerungen und Ausrufen: Unser H. im Himmel sell's wisse, daß ich recht hab [ PS-Erfw]. Unser H. soll mer helfe (soll mer gnädig sein) [ LU-Oggh]. Ei du mein liewer H.! [NW-Frankeck, verbr.]. Ei du mein liewes Herrgottche! [ ZW-Battw, RO-Dielkch]. O du liewer H.! [ NW-Elmst]. H., was macht eem der Wein zu

[Bd. 3, Sp. 872]
schaffe! [Hartmann Unkel 59]. Wenn es donnert und blitzt, droht man den Kindern: Unser H. schlagt der sein Klippel uf de Kopp [ BZ-Dernb]; der H. schlaat der e Naal (Nagel) in de Kopp [Don-Bulkes, verbr. Don Gal Buch]. Verwünschungen und Flüche: H. noch emol! [NW-Frankeck, verbr.]. H. noch enen! [ WD-Niedkch]. H., Sack uf am Bännel! [ PS-Saalstdt]. H., Dunnerkeil noch emol! [ NW-Freinsh]; vgl. PfWB Herrgottdonnerkeil. H., Gewidder noch emol! [ KL-Matzb]; vgl. PfWB Herrgottgewitter. H., Sakrament! [RO-Sippf, verbr.]; vgl. PfWB Herrgottsakrament. H., Sapperment! [verbr.]. H., Sapperlott noch emol! [ LA-Nd'hochstdt]. Ausruf der Ungeduld: H., mach emol voran! [ LU-Oggh]. H., Galoot, mach daß de loskimmscht! [ KU-Kaulb Kreimb]. Unser H. im Himmel muß doch emol e Einsehe hawwe! [ LU-Opp]. RA.: An dem hot unser H. 's Mooß verlor [Gal-Reichb, verbr. Don Gal Buch]. Denne hot unser H. gezäichelt, von einem Menschen mit einem auffallenden Gebrechen [ KU-Schmittw/O]. Er macht e Gesicht, als ob er unserm H. de Dindekrug umgeschott hätt (de Essich ausgesoff hätt), von einem Griesgram [ PS-Geisbg, Gal-Sap]. Wer nichts kann und nichts leistet, ist unserm H. sein Garnix [ NW-Haßl, mancherorts]. Wer sich um nichts sorgt, ist 'm H. sein Allerliebschder [ ZW-Battw]. Die lossen unsern H. e gude Mann sein, dass. [FR-Kirchh, verbr.]. Der Faulenzer stiehlt unserm H. de Dag ab (die Daa, die Zeit ab) [LA-Impfl, verbr., Hebel 21 Don-Schowe]. Er lebt wie de H. in Frankreich [ LU-Opp]. Dem kann unser H. aa nix recht mache, von einem Nörgler [ NW-Freinsh]. Wann denne unser H. net besser kennt, is er verlor [verbr. Gal]. Unser H. hot allerhandfor Koschtgänger, von einem Sonderling [ LU-Limbghf, KU-Schmittw/O]. Do war unser H. net deheem, darum ist es passiert [vereinzelt WPf]. Er kehrt immer dort ein, wu unser H. de Arm rausstreckt, vom Wirtshausbesucher [ GH-Kand, mancherorts]. SprW.: Unser H. kann's net jedem (net alle Leit) recht mache [RO-Dielkch, verbr.]. Unser H. läßt kän Bääm in de Himmel wachse [ BZ-Hermbghf GH-Kuhdt]. Unser H. loßt de Gääß de Schwanz nit zu lang wachse, sunscht wedelt se sich die Aage raus [ BZ-Schweighf BZ-Wind]. Was der H. will erhalle, werd weder verfriere noch verkalle (kalt werden) [ Don-Gottlob]. Die Kinn, wo mer zu lieb hot, hot unser H. noch liewer (und läßt sie sterben) [Kaislt]. Wann unser H. e Narr han will, loßt er 'me alde Mann sein Fraa sterwe [PS-Th'eischw, verbr., auch Don Gal Buch]. Unser H. strooft aach Spetter, die Totteler 'Stotterer' hat er schun (gestrooft) [Kaislt, KB-Bischh]. Unser H. strooft net streng, awwer mit de Läng [ebd.]. Wo de H. e Kapell hinbaut, baut de Deiwel e Wertshaus denewe [Land, PS-Erfw]. Wammer de H. zum Unkel hot, braucht mer net zu

[Bd. 3, Sp. 873]
bede [Neustdt]. Mer soll unserm H. net vorgreife (mit dem Sterben) [ KU-Schmittw/O]. Wem der H. Segen gebbt, der soll 'ne behalle, Warnung vor dem Abtreiben der Leibesfrucht [ Don-Gert, mancherorts Don Gal Buch]. Bei unserm H. isch alles meeglich [ PS-Erfw]. Mer muß unserm H. for alles danke [NW-Hardbg, verbr.]; dass. mit dem Zusatz: wann's aach e bißche mehner is [ Gal-Josbg]. Eine Ortsneckerei s. PfWB Alsenborn. KR.: Sunne, Sunne, scheine, fahr iwwer Rheine, fahr iwwer's Glockehaus, gucken drei Madame raus; die ään spinnt Seire, die ään wickelt Weire, die dritt spinnt en goldne Rock for unsern liewe H. [ NW-Geinsh LU-Opp LA-Altd]; Var. s. PfWB Puppe 2 b, PfWB Herrenhaus. Aus einem Kindergebet: Liewer H., brech mein Köppel, sunscht werr ich 'n armes Tröppel! [Schandein Bav. IV/2, S. 352]. —
b. 'Christus; die gekreuzigte Christusgestalt'; das Herrgeddel [ LU-Opp]; unsern H. kisse [ NW-Geinsh]. Sie sieht aus wie unser H. am Kreiz [ KL-Weilb]. Ein Herrgottsschnitzer aus Gal-Ebenau pries seine Erzeugnisse wie folgt an: Ehr Leit, kaafen Herrgettle aus Beerebaameholz, stark wie der Deiwel! a. 1525: Item ein hültze vergült Creutz mit einem kupferin vbergulten hergott [SpeyDomKl.]. —
c. 'die Abendmahlshostie'; der H. [ GH-Rh'zab]; unser H. [ IB-Heckdh]. —
2.
a. 'Gegenstand übermäßiger Wertschätzung, Idol', Harrgettel [Beam Penns 50]. 's Geld is sein H. [ KU-Schmittw/O]. Ehr Mann is ehr H. [ NW-Hardbg]. —
b. Neckname für die Bewohner von RO-Stahlbg (der Ort liegt hoch): die Herrgotte.
c. Schwarzer H. heißt die berühmte Weinberglage in KB-Zell. —
3. im Pflanzennamen 'm H. sein Geldbeidel 'Hirtentäschelkraut' [Wilde 105 (um Zweibr)]; vgl. PfWB Herrgottsherz. — Südhess. III 335 ff.; RhWB Rhein. III 557 ff.; Lothr. 239/40; ElsWB Els. I 246; Bad. II 642/43.

 

   Madam f.:
1.
a. 'Frau höheren Standes, vornehme Frau', Madam, seltener Madamm (Pl. -e) [verbr.], Madame, Madamme (Sg. u. Pl.) [vereinzelt], auch Dim.: Madamche; s. F.; Zs.: PfWB Stadtmadam. 's is schrecklich, norre dran zu denke, / Wie do die Mädcher un Madame / Han brotzle misse in de Flamme [Münch Weltgesch. 104]. VR. (Kniereiterreim): Reide, reide, Reßche, / Do drowwe steht e Schleßche / Gucken drei Madamme

[Bd. 4, Sp. 1096]
raus. / Die ään spinnt Seire, / Die anner wickelt Weire, / Die dritt, die spinnt e rore Rock / For de Brurer Hannjakob [ RO-Dielkch]; weitere VR. s. PfWB Bruder 1, PfWB Herrgott 1 a, PfWB Hollerlottchen, PfWB hoppe, PfWB Kuckuckshaus, PfWB machen 1 a, PfWB Roß, PfWB Sonne. Kinderspiel: M. in der Bottschääs, Beschreibung bei Potschäse 1. —
b. 'Hausherrin', in der Anrede des Gesindes, vorn. im bäuerlichen Betrieb [verbr. nördl. Hälfte der Pf (außer nördl. NPf) mancherorts südl. Hälfte, s. K. 24]; Syn. s. PfWB Jungfrau 1 b; vgl. auch PfWB Bäuerin, PfWB Meisterin; die M., die alt (die jung) M. 'die ältere (die jüngere) Bäuerin' [KB-Kerzh, verbr.]; mei (unser) M. [ KU-Bedb LU-Limbghf NW-Freinsh LA-Gommh]; in der Anrede: M.! [verbr.], Mei M.! [ KL-Mackb GH-Scheibhdt]; Anrede des Bettlers an die Hausfrau: M.! [ BZ-Annw]; Gruß der Dienstboten, des Geschäftsmannes: Gun Dach (Gun Morje), M.! [mancherorts]. Eine Bäuerin, die sich besser kleidet und nicht arbeitet, nur anordnet, speelt die M. [ KU-Kaulb]. Nood sucht se mich im ganze Haus, / Un kreischt mr olwer in die Ohre: / »Madam, es steht e Mannskerl draus!« [Kühn Palz 6]. —
c. 'Ehefrau', scherzh. ... bis des Lamm / So macht, wie sich's winscht sei(n) M. [Siebenlist 12]. —
d. 'Hebamme' [ RO-Falkst]; Syn. s. PfWB Amme u. K. 12. —
e.
α. e feschdi M. 'eine dicke Frau' [ KL-O'arnb]; Zs.: PfWB Dickmadam; vgl. PfWB Dicksack. —
β. 'unordentliche Frau', spöttisch in den Zs.: PfWB Hudel-, PfWB Schlapp-, PfWB Schleppmadam. —
γ. e schicki M., spöttisch von einer auffallend gekleideten Frau [Kaislt]. —
δ. 'eingebildetes Mädchen'. Guck doch die M. do! [ LA-Göckling]. —
f. 'Katze' im VR. bei lekker 2. —
2. übertr.
a.
α. = PfWB Libelle 1 [ NW-Wachh]. —
β. Zs.: PfWB Wippmadam 'Bachstelze'. —
b.
α. 'Klatschmohn' [IB-Seelb LA-Burrw Wey Wilde 129 ff.]; Syn. s. PfWB Klapperrose 1 u. K. 241. Aus den geöffneten Blüten des Klatschmohns werden Madämmcher (Püppchen) gemacht [Wilde 131]. —
β. Zs.: PfWB Tripmadam 'Mauerpfeffer'. — F.: Die Mundartformen (s. 1 a) wurden in der Schreibung der Gewährsleute (1936) wiedergegeben. Der Hauptton liegt auf der zweiten Silbe. Die F. mit Endung auf -e (da Sg. abgefragt wurde) wahrscheinlich in Anlehnung an hochspr. Dame. Zur Vokalqualität: (mḁˈdam) [ KU-Kaulb KL-Siegb], (maˈdḁm) [ KL-Trippstdt], (mḁˈdḁm) [ KB-Göllh Immh Ritth Weitw], (mǫˈdǫm) [ BZ-Nd'horb]. Das Wort in der Bed. 'Hausherrin' gilt in RO-Sitt u. LA-Siebdg als neu, in KU-Wolfst u. KB-Albish als veraltet. — Frz. madame. — Südhess. IV 473; RhWB Rhein. V 696/97; LothWB Lothr. 349; Els._I 649/50.

 

  PfWB Schul-lehrerin f.: 1. Lehrerin Birkf-Herrst, Daun-Udler. — 2. Frau Sch. Frau des Lehrers Bernk-Wolf.