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 PfWB Hammel (Bd. 3, Sp. 617)   RhWB Hammel V (Bd. 3, Sp. 176) 
   Hammel1 m.:
1.
a. 'männliches Schaf'.
α. 'unverschnittener Schafbock', Hammel (haməl, haml) [WPf NPf nördl. VPf vereinzelt übrige Pfalz], (-ḁ-) [verbr. mittl. u. südl. VPf seltener übrige Pfalz]; vgl. PfWB Hammelsbock. —
β. 'verschnittener Schafbock' [vereinzelt WPf]. —
γ. 'Schafbock allg.' [mancherorts, bes. mittl. u. südl. VPf]. —
b. 'Schaf allg.' [mancherorts]. Zs. PfWB Haus-, Schafhammel. Man lockt das Tier: Hämmelche, komm! [ RO-Rehborn]; Hammele, komm! [ GH-Schwegh]. Unterschieden werden: weiße Hämmel aus Württemberg, schwarze H., deitsche H. (groß und mit guter Wolle), franzeesische H. [ LU-Opp]. —
c. 'weibliches Schaf' [ KB-Kerzh LU-Iggh SP-Schiffstdt BZ-Rinnth]. Zs. PfWB Mach-, PfWB Mutterhammel. —
d. Dim. 'junges Schaf', Hämmelche, Hämmele [verbr. mittl. u. südl. VPf]. — Vergleiche u. RA.: Er is geduldich wie e H. [ LU-Opp]. Er hängt de Kopp wie en kranker H. [ PS-Lautschw]. Er laaft wie e H. [ NW-Frankeck]. Er huscht (hustet) wie e kranker H. [ LA-Gommh]. Wann's numme Hämmel wären, dät mer se schieße, von den Rebwürmern [ LA-Maik]. SprW.: Es gehn viel geduldiche Hämmel in äne Stall [ LU-Opp]. Spiel der Mutter mit

[Bd. 3, Sp. 618]
dem Kleinkind: Beide stoßen mit den Köpfen zusammen und sprechen Hammelche, H. (oder Hammele, H.), Stutzebock [verbr.]. Brauchtum: de H. erausdanze (auf der Kirbe) [ IB-Wolfh]; vgl. PfWB austanzen, PfWB Hammelstanz, PfWB Kirbehammel. Juchhu, hot er gekrische, so laut wie en Baureborsch, wu bei de Kerwe de H. rausdanzt [Hartmann Unkel 5]. Volksgl.: In der Zeit vom 24. Dezember bis 6. Januar kann man nachts am Bachufer einen weißen H. sehen [ LA-Rhodt]. Zs.: PfWB Bach-, PfWB Bill-, PfWB Hütten-, PfWB Lotsch-, PfWB Nachthammel. a. 1508: ein meiger sie schuldig meim hern dem vogt ... zu pfingstenn ein hamell [Pf-Weist. II 630 (IB-Gersh)]. a. 1514: do wir die Schaff vnd hemel haben verkaufft [GgHospR 10]. —
2.
a. Dim. 'Kalb', vorn. Kinderspr., Hämmelche (auch Hammelche) [verbr. WPf LA-Edk BZ-Gossw], Hämmerle [ GH-Büchbg]; vgl. Hämmeschen, PfWB Hammuh 2. Lockruf: Kumm, Hämmelche, kumm! [KU-Kaulb, verbr., auch Don Gal Buch]. —
b. 'Kuh', bes. in Lock- und Scheuchrufen: Komm, H. [ KU-Obw/Tiefb Altkch Körbn PS-Th'frösch BZ-Dernb W'rohrb]; Hammelche (Hammele), komm!, H., da! [verbr., auch Don Gal Buch]; Hammelche, fort! [ RO-Ransw]; steh, Hammele! [Heeger Tiere I 11]. Zs.: PfWB Pfingst-, Kuh-, PfWB Muhhammel. —
c. 'Zuchtstier', Hammel [ Rußl-Alexanderf]; vgl. PfWB Farr(en) 1. —
3. auf den Menschen angewandt.
a. Kosename für das Kind. Du bischt aa mein Hämmelche [ NW-Kallstdt], moin lieb H. [ LU-Opp]. —
b. Pl. Hämmel, Neckname für die Bewohner von ZW-Krähbg KL-Wörsb LU-Alsh SP-W'see. —
c. abfällige Bez.
α. für einen unordentlichen, schmutzigen Menschen; du dreckicher H. [ RO-Teschmosch]. Zs.: PfWB Dreck-, PfWB Fett-, PfWB Floh-, PfWB Laus-, PfWB Mist-, PfWB Sau-, PfWB Schmutz-, PfWB Speck-, PfWB Stinkhammel. —
β. für einen dummen, einfältigen, gutmütigen Menschen. Des isch en H. [LA-Herxh, verbr.]; en dummer H. [BZ-Ingh, verbr.]; e rechder H. [PS-Busbg Rockhs Land]. Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Blöd-, PfWB Dumm-, PfWB Gassenhammel. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. —
γ. für junge Rekruten, Pl. Hämmel [ LU-Opp]. —
δ. für Bummler, Pl. Hämmel [ KU-Erdb]. —
ε. für einen Menschen mit schlechten Eigenschaften überhaupt; neidischer H. [ FR-Beindh]; geschorener H. [KU-Erdb, verbr.], auch gescherder H. [ PS-Nünschw], g'schorder H. [LA-Edh GH-Neubg Keiler 31]. Alle Bez. auch als Schimpfw. gebraucht; dazu: Du dääwer H., zu einem, der nicht hört oder nicht hören will [ RO-Dielkch, LU-Opp]. Ehr Hämmel!, zu unselbständigen Menschen [NW-Freinsh, verbr.]. Zs.: PfWB Geiz-, PfWB Mai-, PfWB Mast-, PfWB Neid-, PfWB Schlaf-, PfWB Streit-, PfWB Wollhammel. — Südhess. III 74/75; RhWB Rhein. III 176 ff.; LothWB Lothr. 226; ElsWB Els. I 334; Bad. II 544.

 

  NRhWB Hammel V das Wort ist meist in nhd. Lautung gebraucht, da die Schafzucht in den meisten Geb. unbekannt ist; in RA. u. Zs.

[Bd. 3, Sp. 177]
freilich kommt H. vor, meist also -am-, im Geb. der Schärfung -a·m.-; Siegld, OBerg -ām-; WMosfrk hier u. da -u·m.-, –ū-, –-, –ō(ă), –ǫ- (s. Hamen I, Hahn); Pl. -ęm- (-e- Hunsr), im Geb. der Schärfung -ę·m.- [-i·m.-, -ī-, –ē(ă)-] [WRip selten ha·m.ələ; Prüm, Malm -ę-; Klevld haməlts] m.: 1. der verschnittene Schafbock Allg.; die Hämmel were faul haben die Leberfäule Hunsr. — RA.: Halve März spart de Kouch (Koch) de Kerz, on schött der H. der Sterz Schleid; h. M. schött der H. der Sterz; da söt (sagt) de Au (Mutterschaf), et os mer noch jet ze nau Schleid, Malm, Dür. Girdröckt (Gertrud) get de Beien de Flock (Flug), de Kihen de Gangk (zur Weide), de Perden de Strangk (zum Pflügen), dem Fuhrmann de Roddhau on de Hand on den Hämmelen heft se de Krepp op (weil sie zur Weide getrieben werden) Prüm-Ihren. — Fett ewie en H. Bitb, Prüm, Bernk; so nass wie en H. Simm-Laub; en platschig (breit) Gesicht wie en H. Waldbr-Obernau. Die Kih hon gewäd (geweidet) wie die Hämmel Kreuzn. De lacht mir em ganze Gesicht wie en H. Simm, Kobl, Koch. Der micht e Broscht wie e siewebatze H. von einem Menschen, der stolz einhergeht Birkf. De walzt wie en H. er geht schlampig Bernk-Hinzerath. Der macht en Gesicht wie en H., der Kaffe säuft Aden-Siebenb, — der us der Fröhmess küt Aden-Herschb. Ene H. schreit, zwe Hämmel stosse sich, un mehr Hämmel verdrahn sich Kreuzn. Der sieht vor Woll de Hämmel nit Simm. Wommer iwer den H. kennt, da kennt mer och iwer de Schwanz Prüm-Ihren. Be (wie) strecke siwwe Hämmel de Schwänz? Antw.: honneneraus Koch-Urschmitt. — Volksbr. Am Kirmessonntag wird der H. herausgedanzt; das geschmückte Tier wird von einem Burschen, dem sogen. Metzger, an der Spitze eines langen Zuges vor das Dorf geführt; die Musikanten spielen auf, man tanzt um den H. herum u. reicht während des Tanzes den Kerwestrauss weiter; plötzlich ertönt ein Böllerschuss; der Bursche, der in diesem Augenblick den Strauss in den Händen hält, muss den Nachkerwetrunk bezahlen; statt des H. wird in manchen Dörfern eine Ziege, ein Kuchen oder ein Strauss herausgedanzt Wend, Ottw, Saarbr, Primst, WSaarl, Merz-Haustdt. — 2. übertr. a. Rufn. für eine Kuh, bes. in der Kinderspr. Kreuzn-Boos, Goar-Weiler, Wend-Reichenb (-ę-), Saarl-Gresaub Überherrn, Birkf-Herrst, Kobl-Dieblich; Lockruf für Kalb, komm H., meist Hämmelche, –a- Nahe, Wend, Ottw, Saarbr, Saarl, Birkf, Simm-Argenth, Zell-Sohren. — b. verächtl. von Menschen. α. schmutziger Mensch, auch Dreckh. Allg.; Hammelche unordentliches Weib Erckörrenz; Hämmelche (-a-) kleiner Schmutzfink (kosend zu Kindern) Kreuzn-Boos Langenlonsh, Simm-Ippenschd Riegenr, Merz-Saarhölzb. RA.: En Bursch is en H. un en Kerl en Seidreck Simm-Laub. — β. dummer Mensch Allg. — γ. fauler

[Bd. 3, Sp. 178]
H. Faulpelz Saarbr-Quierschd, Merz, Wittl. — δ. Dickwanst Schleid-Hellenth; plumper Mensch MülhRh; störrischer, tölpelhafter M. Kreuzn-Boos. — ε. Rekrut Allg. — ζ. fluhstechige H. von Flöhen Geplagter Köln-Stdt. — η. Hämmel Neckn. für die von Simm-Ellern. — c. blann Hämmelches spielen Blindekuhsp. Bitb-Mettend.