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| PfWB halb (Bd. 3, Sp. 592) | PfWB Gaul (Bd. 3, Sp. 64) | |||||||||||||||
I. Adj. 'zur Hälfte', halb (halb) [vorherrschend WPf NPf nördl. VPf mancherorts mittl. u. südl. VPf], (hḁlb) [mancherorts WPf NPf nördl. VPf fast allg. mittl. u. südl. VPf Ost-PS], (hǫlb) [mancherorts südl. VPf], vgl. bes. Christmann Kaulb. § 7b, 129, Höh § 72a2, Bertram § 27, Karch Großbockh. u. Kallstdt § 19/5, Heeger Südostpf. § 3, 23. Zu den deklinierten Formen halwer, halwi, halwes vgl. die Karten bei gut. Zs. PfWB andert-, PfWB dritt-, PfWB vierthalb. — 1. attr. a. e halwes Laab Brot [ KB-Bischh, allg.]. Die h. Nacht han ich net schlofe kenne [Kaislt]. Do geht 's halwe Geld druf [verbr.]. In de halwe Nacht isch er häämkumme [ PS-Hintwdth]; vgl. PfWB Halbnacht. RA.: Wann er 's Maul ufreißt, is de h. Kopp ab [ LU-Altr]. Er hot Gritz im Kopp wie halwe Äppel, von einem Hochmütigen [ BZ-Steinf]. SprW.: Uf halwem Weg därf mer net stihn bleiwe [ KU-Schmittw/O]. — b. in Maß- und Wertangaben. α. e halwi Eel (Elle) [verbr. Gal]; e halwer Morje [KB-Zell, verbr.]. — β. e halwer Schoppe '¼ Liter' [verbr.]; e halwer Wein, dass. [Land, verbr.]; e h. Faß [ ZW-Gr'bundb WD-Niedkch], vgl. PfWB Halbfaß. — γ. e h. Pund [ RO-Dielkch, allg.], vgl. PfWB Halbpfund; e halwer Zentner '25 kg' [LA-Ilbh, verbr.]. — δ. e halb Dutzend [verbr.], vgl. PfWB Halbdutzend. — ε. e halwi Mark [NW-Haßl, verbr.]. — ζ. e halwi Stund, e halwer Dag, e halwes Johr (auch: e halb Johr) [ GH-Kand, allg.], vgl. PfWB Halbjahr, -stunde. — c. 'weniger als h.' RA.: Er is nore noch de halwe Mensch, weil durch die Krankheit abgemagert [NW-Wachh, verbr.]. Das is nore e halwi Portion, von einer kleinen Person [ KL-Lind]. SprW.: E Junggesell is nor e halwer Mann [Krieger 11]. — d. 'mehr als h.'. RA.: Das dauert e halwi Ewigkeit, bis du kommscht [ZW-Battw, verbr.]. Er is e halwer Narr [RO-Bistschd, verbr.]. SprW.: Am erschte Dag e Gascht, am zwette Dag e halwer, am dritte Dag e Abgascht [Gal-Königsbg, verbr. Don Gal Buch]. VR. s. PfWB Tanzer 1. — e. in festen Verb. α. Halwer Gaul: αα. 'Ampfer (Rumex crispus)', beliebtes Heilmittel bei Tierkoliken [verbr., Wilde 3 verbr. Don Gal], Halwergaul [Lambert Penns 77]. Syn. s. PfWB Bubatsch. Volksgl.: 'me lahme Gaul bindt mer Halwergaul ums Been, noh gebt's widder en ganzer Gaul [Fogel Beliefs Penns Nr. 769]. - - ββ. 'Melde' [Wilde 173]; vgl. PfWB Gaul 2 c β. - - γγ. [Bd. 3, Sp. 593] 'langer, harter Halm im Heu' [ KU-O'eisb]. — β. de halwe Ährreiter, eine Siebart [ KB-Bennhs]. — γ. halwe Weck, Pl., eine Semmelart [ LU-Assh]. — δ. halwe Erbse 'Erbsen, die von Maden befallen sind und deshalb in der Mühle geschält werden' [ KU-Schmittw/O]. — ε. e halwer Has 'noch nicht ausgewachsener Hase' [ KU-Schmittw/O]. — ζ. in de halwe Mitt 'in der Mitte' [SOPf (Nachlaß Heeger)]; vgl. PfWB Halbmitte. — η. Nach der Größe des Grundbesitzes gab es früher ganze und halbe Bauern. a. 1563: ein jeder ganzer gemeinsmann, so ein ganz teil an der gemein hat, (ist) schuldig, jahrs 3 malter rauchhaber und 2 fastnachtshühner zu erlegen. Also gibt ein halber gemeinsmann halb soviel [PfWeist. I 87 (FR-Beindh)]. — 2. präd. 's esch net h. un net gar [verbr. SOPf]. Das is net for h. un net for ganz [ KL-Hirschhn]. — 3. subst. a. nix Halwes un nix Ganzes [verbr.]. — b. Er esch nor noch de Halb (nach der schweren Krankheit) [ LA-Wollmh]. Do kummt e Halwer, von einem kleinen Mann [ PS-Gersb]. — c. en Halwe trinke [GH-Kand, verbr.]; vgl. oben I 1 bβ. — II. Adv., oft in der Form halwer. 1. in Zeitangaben. Die Uhr schlaat halwer [KL-Fischb, verbr.]. 's is halwer vier '3 Uhr 30' [KU-Schmittw/O, verbr.]. Er is am halwer neine häämkumme 'um 8 Uhr 30' [NW-Kallstdt, verbr.]. 's lait h., vom zweiten Läuten zum Kirchgang, dem noch ein drittes folgt [ KU-Diedk]. Scherzh. Antwort auf die Frage nach der Uhrzeit: halwer dreizehn (als man die 24-Stunden-Zeit noch nicht kannte) [ ZW-Battw]. — 2. von Tätigkeiten und Zuständen. Die Deer steht h. uf [verbr.]. Han ehr de Acker halwer erumgebroocht? 'herumgeackert' [ BZ-Dernb]. Mach halwer so laut! 'Sprich nicht so laut!' [ NW-Wachh]. Der isch jo halwer närrsch [GH-Lingf, verbr.], halb narrich [ PS-H'einöd]; vgl. PfWB halbnärrisch. Er is vor Hunger halwer dot [KU-A'glan, verbr.]; vgl. PfWB halbtot. Sie hot des Kind halwer dout g'schlage [GH-Zeisk, verbr.]. Ich han mich halwer krank gelacht [Krieger 24]. Ich hab so halwer g'schlofe [Beam Penns 49]. (Er kreischt) h. vor Rooches 'Zorn' un h. vor Schrecke [Kühn Schnitze I 123]. Do kreisch ich mer ... die Lung halwer raus, ... un des Kamel steht newe mer un rührt sich net [Zahn Pläsier 236]. Wie er halwer drowwe war, hot's uf eemol e Blatschrege gewwe [Hartmann Unkel 29]. Halwer mohns'm dinke 'mag es ihm dünken', wer als bei ehm im Triwe fischt [Kühn Schnitze II 35]. SprW.: Gut esse isch h. gelebt [ BZ-Wind]. Gut gewetzt is halwer gemäht [Penns]. BR.: De April soll 'm Mai halwer Gras un halwer Laab bringe [ GH-Neubg]. Aus einem VR.: Die Kuh liecht uf'm Dach, hot sich halwer bucklich gelacht [ LA-Hainf]. a. 1384: Item 3 vierthel acker ... die geben auch halb in den großen zehenden gen Oberndorff, daz ander halb (theil) gen Finckenbach [PfWeist. II 501 (RO-Finkb)]. [Bd. 3, Sp. 594] a. 1664: (Von den Pferden und Kühen) sind etliche halber Krank worden [Knapp 77]. — Südhess. III 52/53; RhWB Rhein. III 120 ff., 129; LothWB Lothr. 224, 226; ElsWB Els. I 323/24; Bad. II 535/36.
Aus den Nachträgen
| 1. a. 'Pferd', Gaul (gaul) [NPf östl. Hälfte der WPf (vgl. K. 39 'Pferd') nördl. VPf fast allg. mittl. VPf seltener südl. VPf], (gāul) [KU-Adb mancherorts mittl. VPf (vgl. Bertram § 131) fast allg. südl. VPf (bes. ältere Gener., s. Heeger Südostpf. § 15, § 1c)], (gauł) [KL-Lind (Höh 87)]; Pl. Gail (gail/gāil); Dim. Gailche [fast allg.], Gaile [mancherorts mittl. u. südl. VPf]; vgl. PfWB Pferd, PfWB Licker, PfWB Roß. Zs. PfWB Acker-, PfWB Bauern-, PfWB Beiderhand-, Bier(brauer)-, PfWB Bläß-, PfWB Post-, PfWB Brauerei-, PfWB Trapp-, [Bd. 3, Sp. 65] PfWB Vonderhand-, PfWB Fuchs-, PfWB Füllen-, PfWB Hand-, PfWB Heiden-, PfWB Juden-, Karch-, PfWB Königs-, PfWB Kriegs-, PfWB Luxus-, PfWB Militär-, PfWB Neben-, PfWB Offiziers-, PfWB Rasse-, PfWB Reise-, PfWB Reiter-, PfWB Reit-, PfWB Reitschul-, PfWB Renn-, PfWB Russen-, PfWB Sattel-, PfWB Schäsen-, PfWB Schind-, Schwolescheers-, PfWB Soldaten-, PfWB Staats-, PfWB Stall-, PfWB Stangen-, PfWB Strut-, PfWB Stuten-, PfWB Zieh-, PfWB Zirkus-, PfWB Zuderhandgaul; PfWB Hoppel-, PfWB Hotte-, Hotto-, PfWB Hü-, Hutsch-, PfWB Wutschegaul. Ich geh jetzt de Gaul (die Gail) aanscherre (anschirren), ausscherre [verbr.]; de G. aanspanne (häufiger: ein-, inspanne), ausspanne [KB-Bischh, verbr.]; uf'm G. reide [Kaislt, verbr.]. Die große Bauere fahre mit Gail, die klääne mit Kih [RO-Lohnsf, verbr.]. De G. zieht gut (schlecht) [verbr.]. Die Gail gehen dorch 'scheuen' [NW-Kallstdt, verbr.], gehn flichdich, dass. [ SP-Mechth]. Der G. is gangbar 'als Zugtier verwendbar' [ LU-Alsh], is mudich 'temperamentvoll' [ KU-Schmittw/O], hot Hawwer in de Knoche, dass. [verbr.]. Die Gail sin windreh 'steif vom langen Aufenthalt im Stall' [ PS-Schmalbg]. De G. haljert 'wiehert' [verbr. NPf]. RA. u. Vergl.: Er schafft wie e G. [KU-Hinzw, verbr., auch Don Gal Buch]. Er laaft wie die Gail, wann's haamzus geht [NPf]. Er liet (lügt) so schnell, wie e G. laaft [ KU-Trahw], liecht stärker, als 12 Gail laafe [ LU-Limbghf]. Du schnaufscht wie e dämbicher G. [verbr. Gal]. Die is so stark wie'n G. [FR-Tiefth, verbr., auch Don Gal Buch]; vgl. PfWB Gaulsstärke. Er hat e Natur wie e G. 'ist zäh und ausdauernd' [ KU-Ulm]; vgl. PfWB Gaulsnatur. Er hot Zähn wie e G. [ LU-Opp]; vgl. PfWB Gaulszahn. Er hot Knoche wie'n G. [NW-Kallstdt, verbr.]; vgl. PfWB Gaulsknochen. Ich hun Hunger wie e G. [KB-Jakobsw, verbr.]; vgl. PfWB Gaulshunger. Des esch e Kerl wie e G., von einem großen Mann [ SP-Mechth Gal-Augustd]. Des isch e rechder G., von einer stark gebauten Frau [ SP-Heiligst, KU-Cronbg]. Mach de G. net schei! 'Übertreibe nicht!' [KU-Hundh, verbr.]. Mach mer doch de G. net lache! dass. [ BZ-Stein]. Dem isch de G. dorchgange, von einem Unbeherrschten [GH-Kand, verbr., auch Don Gal Buch]. Halt de G. aan! 'Besinne dich!' [RO-Schweisw, verbr.]. Dohin bringe mich kän zehn Gail [KL-Weilb, verbr., auch Don Gal Buch]. Du häscht solle G. lerne, zu einem, der sich mit einer Last übernommen hat [Kaislt]. Er is vum G. uf de Esel kumm 'aus guten Verhältnissen in schlechte geraten' [ FR-Bockh]. Er binnt die Gail mit de Schwänz an die Kripp, weil er kein Futter hat [verbr. Gal Buch]. Er hot de G. am Schwanz ufgezäämt 'etwas verkehrt gemacht' [Hebel 27], hot die Gail hinner de Waa g'spannt, dass. [ FR-Bockh]. Er will de G. net am Kopp nemme 'kann sich nicht zur Tat aufraffen' [ PS-Saalstdt]. Do is Gorr 'schlechtes Pferd' wie G., von einer liederlichen Haushaltung [Bechtolsheimer 193]. Do [Bd. 3, Sp. 66] heert sich doch de G. am Schwanz uf, Ausdruck der Verwunderung [ KL-O'arnb]. Er hot e g'scheide G., wo lese kann un an jedem Wertshaus stihnbleibt [ KU-Schmittw/O]. SprW.: E gurer G. ziecht zwäämol, vom Zehner im Kartenspiel [ BZ-Dierb, KU-Schmittw/O]. Der G., wu de Hawwer verdient, kriet'ne net [ZW-L'wied, verbr., auch Don Gal Buch]. 'me geschenkte G. guckt mer nit ins Maul [BZ-Stein, verbr., auch Penns Don Gal Buch Rußl]. Korze Gail un dicke Brotwerscht 'Am vorteilhaftesten geht es mit kleinen Pferden und dicken Würsten' [PfMHk. 1925, S. 177]. Gefräßich un faul gebt aa e G. [HB-Kirrbg, verbr., auch Don Gal Buch]. Dass. auch: Groß un faul ... [KB-Bubh, verbr.], Dumm un faul ... [Hebel 45 Gal Bagbg]. De G. hot vier Fieß und stolbert aach [verbr. Gal Buch]. Wer verderwe will un weeß net wie, der halt sich an alde Gail un Federvieh [Don-Alexanderhs verbr. Gal]. Vum viele Schaffe verrecken die Gail [verbr., auch Don Gal Buch]. E scheeni Fraa un scheene Gail sin 'm Bauer sein Unglick [ Gal-Falkst]. Die Frää un Gail dut mer net gern weglehne [LA-Impfl]. Hiet dich bei Gail hinne, bei de Weiwer vore, un bei de Paffe uf alle Seide! [ebd.]. Wann so Leit uf de Gaul kumme, wisse se nimmihn, wie's unne aussieht [ HB-Einöd]. Volksgl.: Eine Ehe wird nicht glücklich, wenn der G. auf dem Weg zum Standesamt zu früh anzieht [ LU-Opp]. Wammer draamt vun schwärze Gail, gebt's Streit [Fogel Beliefs Penns Nr. 284]. Rätsel: 's is e G., uf'm Buckel hor er 's Maul, un hinne kummt eppes raus (die Mühle) [Gal-Landtreu Buch-Onufry]; andere Rätsel s. PfWB Berg 1 a, PfWB eisern, PfWB flächsern. VR.: Hoppe, hoppe, Gaile, de Miller schlacht e Saile, de Miller schlacht e rodi Kuh, un 's Peterle a dezu [ GH-Neubg]; Var. s. PfWB Gackel2 1; weitere VR. s. PfWB Futter1 1 a, PfWB Galopp, PfWB Reiter. a. 1548 (1665): Item drey Morgen Wießen ohngefehrlich braucht man zu den gäulen zu einer weiden [SSp., Sayn-Wittg., A. Nr. 5c, Bl. 1]. a. 1583: von eim schadthafften gaul zu heilen [GgHospR]. — b. im Spielzeug für Knaben, meist Dim.; ein beliebtes Weihnachtsgeschenk: Gail un Woon (Wagen) [ KU-Schmittw/O]. Zs. PfWB Rüben-, PfWB Schockel-, PfWB Steckengaul. — 2. a. α. im Uznamen für die Bewohner von GH-Schwegh: Schwegnummer Gäul [ GH-Westh]. — β. s. PfWB Herrgottsgaul. — b. α. 'm liewe Gott sein Gailche 'Marienkäfer' [ KU-Nerzw Heinzhs]. — β. s. PfWB Wassergaul. — c. α. halwer G. 'Ampfer (Rumex crispus)', bes. von seinen Blüten und Samen [verbr. NWPf FR-N'lein verbr. Penns Don Gal]; vgl. PfWB Gaulampfer. — β. 'Melde (Chenopodium ambros.)', Gaul und halwer G. [ KL-Fischb SP-Harths]. — γ. 'die Farnart Engelsüß', halwer Gaul [ KU-Bedb]. — d. im Bubenscherz ääne uf de derre G. setze (dem Ahnungslosen wird von zwei anderen ein Stecken zwischen die Beine gesteckt, [Bd. 3, Sp. 67] so daß er reiten muß) [Kühn Palz 124]. — e. Schees ohne Gail, scherzh. Bez. der ersten Autos [Kaislt]. — Südhess. II 1118 ff.; RhWB Rhein. II 1056 ff.; Saarbr. 74; ElsWB Els. I 211; Bad. II 305.
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