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 PfWB grutzen (Bd. 3, Sp. 494)   PfWB Rübe (Bd. 5, Sp. 619)   PfWB Nase (Bd. 5, Sp. 75) 
   grutzen, grotzenschw.:
1.
a. 'ungeschickt, uneben schneiden', grutze (grudsə) [KU-A'glan verbr. NPf BZ-Dernb verbr. Gal]. Zs.: PfWB ver-, PfWB herum-, PfWB heruntergrutzen. Wer hot dann an dem Brot gegrutzt? [ Gal-Dornf]. —
b. 'schlecht, flüchtig arbeiten' [ PS-W'fischb LU-Neuhf Fußgh BZ-Dernb GH-Nd'lustdt]; vgl. PfWB Grutzer 2. —
2. Riwe grutze (grotze).
a. 'den Blätterschopf der geernteten Rüben abschneiden', grutze [verbr., auch Gal], grotze [SOPf (Nachlaß Heeger)], krotze [Wilde 143]. Zs. PfWB abgrutzen 1. a. 1530: 34 tag ruben vßzumachen vnd zu grotzen [GgHospR]. —
b. 'Rüben für das Vieh im Grutzer 1 a zerkleinern', grutze [ KU-Dietschw HB-Sandd Kirrbg]. — Südhess. II 1504; RhWB Rhein. II 1476; Bad. II 489.

 

   Rübe f.:
1.
a. 'Futterrübe' (als Kurzform verschiedener Futterrübensorten in den nachstehenden Zs. bzw. Gattungsbez. neben and. F., s. K. 88), Rib (rīb), Pl. Riwe (rīwə) [verbr. VPf O-PS mancherorts WPf NPf, Mang 140, Lambert Penns 125 Krämer Gal 177, auch Don Buch Rußl], Riw, Pl. Riwe [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)], Ruwe [im Reim, s. SprW. u. VR.]; vgl. PfWB Rubel; Zs.: PfWB Bastard-, PfWB Bau-, PfWB Dick- 1, PfWB Franken-, PfWB Vieh-, PfWB Futter-, Futtergelb-, Hafer-, PfWB Kuh-, PfWB Rot- 2, PfWB Runkel-, PfWB Sauer-, PfWB Saurübe; Syn. s. PfWB Dickrübe 1, K. 88. Riwe setze (hacke, zesammeschmeiße) [ ZW-Battw, LU-Opp], Riwe abkrotze 'die Blätter entfernen' (vgl. PfWB abgrotzen 1, PfWB grutzen 2 a) [ LA-Nußd]; in die Riwe fahre [ LU-Opp]; Riwe un Ähne (s. PfWB Agen 1), ein Mischfutter für das Rind [ GH-Nd'lustdt]. Gruß beim Vorbeigehen auf dem Feld: Dun'er Riwe hacke? auch mehr scherzh.: Gun Dach, Kathel! Määnscht 's gitt Riwe? [ BZ-Dernb]. RA.: Do is e Dorchenanner wie Kraut un Riwe 'eine große Unordnung' [ RO-Dielkch, mancherorts]. Der macht Kraut un Riwe dorchenanner [ LA-Gommh]. 's is Kraut un Riwe, von einer gemischten Gesellschaft [Wilde 143]. Er esch hin wie e R. 'übermüdet' [LA-Mörzh, mancherorts, Hebel 17], auch von einem, der alle Klicker verloren hat [ KL-Mackb], 'Er ist tot' [Wilde 143], is ferdich wie e R. 'übermüdet' [LU-Dannstdt Otterstetter 244 Thielen So rerre mer 103], ab wie e R., dass. [Zweibr PS-Saalstdt], um wie e R. 'hat keinen Lebensmut' [ NW-Weish/S]. Er geht ein wie e R. 'stirbt, verendet' [ LA-Nd'hochstdt]. Er schält em die Riwe 'sagt ihm gehörig die Meinung' [ ZW-Krähbg, mancherorts], 'verhaut ihn' [ KL-Wörsb]. Die hot se wie e Kuh Riwe 'Sie hat viele Liebhaber' [Land]. Er hot em Herr Parre die Riwe gestohl 'hat Ausschlag an den Lippen' [Rockhs]; vgl. PfWB Griebe. Uf dem sei Fiß kennt mer Riwe säe (so schmutzig sind sie) [Krämer Gal 177]. Aufforderung an kleine Kinder, jemanden auszulachen: Schab e Ribche (Riwel)!, worauf das Kind mit den beiden Zeigefingern die schabende Bewegung nachahmt [ LU-Opp]. Spottvers, mit der gleichen Fingerbewegung als Ausdruck der Schadenfreude: Schawe, schawe Riwel, du bees Biwel! [LU-Friesh, in Var. verbr., Wilde 67]. Schawe, schawe, Riwel, äks, äks ausgelacht! [ BZ-Dernb]. Weitere Var. s. PfWB äks, PfWB ätsch, PfWB iks, PfWB schaben. SprW.: Wie de Vadder, so die Buwe, Wie de Acker so die Ruwe [Wilde 144]. Ein weiteres SprW. s. PfWB Mädchen 1 a. WR.: Wann de Hund an de Riwe nagt, gibt's Rege [ LU-Alsh/Gr]. BR.:

[Bd. 5, Sp. 620]
Margret (13. 7.), hosch Riwe g'seet? Hosch noch kää g'seet, dann esch's zu speet [Bergz (Kamm 123), BZ-Pleisw/O'hf]. Sin die Riwe so groß wie e Batze, kammer se schun kratze (hacken) [VPf (Wilde Notizen)]. Die Riwe werren erscht zeirig unner em Schnee [ BZ-Dernb]. Die R. isch e Dieb 'Rüben zehren den Boden aus' [ ZW-Battw]. E R. läßt nix im Bolem wie e Loch, dass. [ KU-Bedb]. Volksgl.: »Sterben muß eins aus der Freundschaft, wenn auf einem Acker eine Rübe mit weißen Blättern steht« [südl. VPf (Der Wasgau-Bote 3/1934), KB-Mauchh]. VR.: Die Riwe, die Riwe, die hawwen mich vertriewe. Hätt mein Mudder Flääsch gekocht, wär ich noch gebliewe [LA-Gommh, verbr. (mit Var.)]. 's is mer niemand liewer wie mein Franz, er freßt mer all die Riwe, die ich planz. Geplanzte Riwe freßt er gern, un sein Lenche kißt er gern. 's is mer niemand liewer wie mein Franz [Feierowend 8/ 1950 5]. Eins, zwei, drei, vier, finf, sechs, sieben, / meine Mutter kocht die Riben, / meine Mutter kocht die Weck, / eins, zwei, drei, / du mußt weg [Hombg]. Weitere VR. s. PfWB bleiben 1, PfWB Bube 2, PfWB Teufel 3, PfWB drüben, PfWB Hexe 2 a, PfWB jagen 1 a, PfWB Kellerloch 1, PfWB Rübendieb, -schnitze(l), Wilde 144 f. a. 1521: Item 11 β 11 Pf. vor rüben retich knobloch senff mell birn vnd morreln [GgHospR]. a. 1581: Item dieweill man ruben vnd kappes in dem Bruchfluher arbeitt, soll man darfor hütten, wie for ander frucht, ohnahngesehen, das man es nit erzeinen kahn (in Körbe füllen kann) [PfWeist. 45 (KU-A'glan)]. —
b.
α. 'Weißrübe', eine Gemüsepflanze, Pl. weiße Riwe, kurz: Rib, Riwe [ KU-Kaulb ZW-Battw]; Zs.: PfWB Butter-, PfWB Dohl-, PfWB Toll-, PfWB Gicht-, PfWB Stoppel-, PfWB Weiß-, PfWB Zaunrübe; Gerichte: Riwe un Grumbeere (vermischt und gekocht) [ KU-Bedb]; Schweineflääsch un Riwe [ BZ-Albw]; suure Riwe [IB-Ensh (Glass II 63)]; saure Riwe (wie Sauerkraut geschnitten und gekocht) mit Gequellde un Blutworscht [Rockhs]. Die weiße Riwe werren grin gekocht orrer wie Sauerkraut ingehowwelt [ ZW-Battw]. Die R. is belzich 'ungenießbar' [ KU-Schmittw/O]. Die R. isch e Dieb (s. Bed. 1a) gilt besonders für diese Sorte [ ZW-Battw]. BR.: Wann's Kreschkinnel werd gebore, hot die R. de G'schmack verlore [LA-Nd'hochstdt, Wilde 214 Var.: KU-Ulm]. —
β. 'rote Beete', Pl. rode Riwe [mancherorts, auch Auslandspfälzer]; Zs.: PfWB Rot- 1, PfWB Salatrübe; Voksmed.: Un hot mer mol zu wennich Blut, Fer sell sin rode Riewe gut [Birmelin Penns Gezw. 66]. —
γ. = PfWB Zuckerrübe; deklarierte Riwe [Wilde 217]. —
δ. 'Karotte', Pl. geele Riwe [Vogelsgesang 23], kurz: Rib, Riwe [ KU-Albb Dunzw RO-Potzb LA-Bornh]; Zs.: PfWB Pferds-, PfWB Gelb- 1 a, PfWB Mohrrübe.
ε. s. PfWB Gelbrübe 1b,c. —
2.
a. α. 'Schwanzbüschel der Kuh', Rib [ KU-Lohnw LA-Gleisw]; Zs.: PfWB Schwanzrübe. —
β. 'Geschlechts-

[Bd. 5, Sp. 621]
teil des Ochsen' [ FR-O'sülz LU-Ruchh NW-Wachh LA-Edk BZ-Hergw]. Vgl. PfWB Gelbrübe 2 b. —
b.
α. = PfWB Kopf I1, scherzh. [verbr., Otterstetter 234 Wüst 79 Thielen 91]; Zs.: PfWB Dickrübe 2. Ich hau der an dei R.! [Pirmas (Kieffer 62)]. RA.: die R. runnermache 'hinrichten' [verbr.]. —
β. = PfWB Nase I1, scherzh. [KU-Eisb IB-Ensh ZW-Stamb]; Zs.: PfWB Gelbrübe 2 a. Er greift sich an sei R. [Kraus Metzelsupp 36]. —
γ. Neckname der Bewohner von KB-Biedh, Pl. Riewe [ KB-Bubh Otth FR-Kindh Quirnh]; vgl. PfWB Gelbrübe 2 d. — Südhess. IV 1489 ff.; RhWB Rhein. VII 548 ff.; LothWB Lothr. 416; ElsWB Els. II 220/21.

 

   Nase f.:
I.
1. das Geruchsorgan N., Nas (nās, ns) [mancherorts VPf südl. WPf SWPf vereinzelt übrige Pf, Mang 80, verbr. Gal], Nans (nāns, nns) [verbr. WPf NPf vereinzelt VPf, Christmann Kaulb 7 Müller Dietschw 52 Schneckenburger 48 Heeger Tiere I 15], Nos, Nons (nōs, nōns) [mancherorts NPf vereinzelt übrige Pf, mancherorts Gal]; Pl. -e (-ə) [verbr.]; Dim. Näs'che (nsχə) [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Näsje [Kus, mancherorts WPf], (nnsjə) [Christmann Kaulb 75], Näsel (nsl) [mittl. u. südl. VPf], 's Nonsi [ KU-Schmittw/O]; Dim. Pl. Näs'cher [verbr. WPf NPf nördl. VPf], Näsjer [Kus, mancherorts WPf]; Zs.: PfWB Adler-, PfWB Pfund-, PfWB Platsch-, PfWB Platt-, PfWB Blau-, PfWB Boll-, PfWB Branntwein-, PfWB Pratschel-, PfWB Pris-, PfWB Bruttel-, PfWB Bulldoggen-, PfWB Butter-, PfWB Butzen- 1, PfWB Dogg-, PfWB Topps-, PfWB Dreck- 1, PfWB Driesch-, PfWB Trompeters-, PfWB Tröpfel-, PfWB Tropfs-, Erdbeer-, PfWB Eulen-, PfWB Grieben-, PfWB Grind-, PfWB Habichts-, PfWB Hakel- 1a, PfWB Haken- 1a, PfWB Henkkörbels-, PfWB Himmelfahrts-, PfWB Himmels-, PfWB Hunds- 1, 2a PfWB u. PfWB b, PfWB Juden-, PfWB Keil-, PfWB Klicker-, PfWB Kupfer-, PfWB Lang- 1, PfWB Mops-, PfWB Quetsch-, PfWB Ramsch-, PfWB Rotz-, Rummel-, PfWB Sauf-, PfWB Schlotter-, PfWB Schnaps-, PfWB Schnuffel-, PfWB Schnüffel-, Schnupfer-, Schnupf-, PfWB Schnupftabaks-, PfWB Speck-, PfWB Spitz-, PfWB Spür-, PfWB Stopfen-, PfWB Stopf-, PfWB Stülp-, PfWB Stumpf-, PfWB Stupfer-, PfWB Stupf-, PfWB Stups-, PfWB Wein-, PfWB Zwicker-, PfWB Zwiebelnase; scherzh. Bez.: Birne 2b, Branntweinschrumpel, Brühflasche, Torschen 2 b α, PfWB Dose1 2 a, Tulipan(e) 2, Tulpe 2c, Tüte 2aα, Gesichtserker,

[Bd. 5, Sp. 76]
Giebel 2 c, PfWB Ginkel1 2, PfWB Gipfel 2bα, PfWB Glühbirne 2, PfWB Grundbirne 2a, PfWB Gulle 1, PfWB Gump1, PfWB Gumpel2, PfWB Gumpschel, PfWB Gunkel 2, PfWB Gurke 2, PfWB Himmelfahrtsauferstehung, PfWB Karfunkel 2, PfWB Kloben II1e, PfWB Knollen 2 aα, PfWB Kolben 1dα, PfWB Kukumer 2a, PfWB Kumpf 2a, PfWB Kupferbergwerk, -tute, -zinken, PfWB Levkoje 2, PfWB Löschhorn 2, PfWB Lötkolben 2 b, PfWB Nasenfaktor, PfWB Nashorn 2a, PfWB Rotzbatterie, PfWB Rübe, PfWB Rummel, PfWB Schlot, PfWB Schornstein, PfWB Zinken, PfWB Zwiebel; e langi (großi, bräädi, krummi, spitzichi) N.; e blooi N.; e blooverfroreni N. [ZW-Gr'bundb, verbr.]; e blooversoffeni N. [ SP-Harths]; e N. wie e Rummel [ KU-Schmittw/O]. Er streckt die N. in de Mand (Mond) 'hat eine Stupsnase' [ GH-Zeisk]. Dem reent's (ball) in die N., dass. [ FR-Kindh], auch von einem Hochmütigen [ NW-Freinsh]. Sie hot nix als N. 'eine sehr große N.' [ LA-Herxh]. Dem sein N. kann mer brauche for e Löschhorn in de Kerch, dass. [Hebel 20]. Der is net se korz kumm, wie die Nonse verdäält worre sein, dass. [ KU-Schmittw/O]. Der kinnt sein N. in d' Ausstellung schicke, dass. [ GH-Zeisk]. Die Jurre kennt mer on de N. [ RO-Finkb]. Mein N. laaft (treppelt, treppselt, treppst, beißt) [LU-Neuhf, verbr.]. Die N. laaft mer de ganze Dag (an eem Stick, bestännig) [BZ-Albw, verbr.], laaft (mer) wie e Brunnerehr [ KU-Diedk], wie e Stäänhauerkännche [ KU-Trahw], wie e Schereschleiferskiwwel [Kühn Palz 141]. Dem laaft die N. ens Maul enenn [ FR-Bockh]. Er hot e Brannteweintreppche an de N. (scherzh.) [ KU-Bedb]. Er butzt sich die N. [verbr.], zieht die N. nuf [Pirmas], bohrt en de N. erum [ KB-Kriegsf], dut e Fuhrwerk in de N. einrichde 'den Nasenschleim einziehen' [PS-Burgalb (Klein Wag. 103)], spricht dorch die N. 'näselt' [ NW-Hardbg], holt (nemmt) sich e N. voll (frische Luft, angenehmen Duft) [Kus, mancherorts], horcht mit Maul un N. 'sehr aufmerksam' [verbr.], sperrt (reißt) Maul un N. uf, dass., auch: 'ist neugierig' [verbr., auch Gal], is weiß unnner de N., dass. (scherzh. Abwandlung von nase(n)weis) [ KL-Fischb], lacht merrem ganze Gesicht un met de N. extra 'freut sich besonders' [ RO-Rehborn]. Gelt, des steckt der in de N.! 'Das hättest du gerne!' [KU-Kaulb, verbr.]. 's (Das Kind) hot e Näsel 'eine Rotznase' [ GH-Zeisk]. Sein N. funkelt (vom Wein) [ NW-Kallstdt]; glänzt wie e Karfunkelsteen im Oweloch, dass. [verbr. Don Gal]. Ich hun's in de N. 'habe einen Schnupfen' [ebd.], bin ganz zu in de N., dass. [ KU-Bedb]. Er hot sich N. un Ohre verfrore [ BZ-Dernb]. De Merreddich fahrt (geht) dorch die N., hat einen stechenden Geruch [ebd.]. Der hot e rot N. un die annere trinke de Wein, von einem Nichttrinker mit roter Nase [ RO-Als]. Dem sein N. hot Junge gemacht 'Seine Nase hat Ausschlag vom vielen Trinken' [ KU-Schmittw/O]. Mittel

[Bd. 5, Sp. 77]
gegen rote N.: Mer sauft so lang, bes die N. bloo is [ebd.]. Er hot uf de N. gedanzt 'Er hat Schürfwunden im Gesicht' [ GH-Zeisk]. Der hot noch kän Hoor 'keinen Bart' unner de N. 'Er ist noch sehr jung und unerfahren' [ebd.], kann sein N. noch net orndlich butze, dass. [ebd.]. Der schreibt mit de N., von einem kurzsichtigen Schüler [ LA-Herxh]. Wenn ein Neugieriger nach dem Aussehen eines Unbekannten fragt, die abweisende Antwort: Er hat die N. mitte em Gesicht [KU-Erdb Bergz (Kamm 78)]. Mach der e Knippel (e Knopp) in dei N., daß de's net vergißt! [BZ-Dernb, GH-Zeisk, verbr.]. Derbe Abweisung oder Herausforderung: Kiß mich, wu ich kän N. hun! [RO-Odh, verbr.]; Var.: Kiß mich im Gesicht, wo ich kän N. hab! (Dabei werden von Frauen oft die hinteren Rockschöße hochgeschlagen) [ NW-Elmst, mancherorts]. Enner hot d' N. gemacht un e annerer d' Ohre, von einer zweifelhaften Vaterschaft [ GH-Zeisk]. Antwort auf ein lästiges »Warum?«: Weil die N. is krumm [ Gal-Dornf]. De Hund hot eppes in de N. 'wittert etwas' [ RO-Rehbn]. Du hosch e gudi (e feini, e g'scheidi) N. g'hatt 'hast einen guten Riecher' [LA-Herxh, verbr.]. Er hot die N. voll 'ist es leid, hat keinen Mut mehr' [ KL-Drehthhf]. Der denkt net weider, als die N. reicht (geht) 'ist sorglos, zerstreut, vergeßlich' [RO-Callb, verbr.]. Er sieht net weider, wie die N. lang is, von mangelndem Weitblick [Zweibr]. Er geht de N. nooch 'geradeaus' [NW-Hardbg, verbr.]. Ausweichende Antwort auf die Frage »Wo gehst du hin?«: Immer de N. noo [ZW-Hornb, verbr.]. Der hot die N. im Trog 'Er erfreut sich besonderer Gunst, besonderer Vorteile' [ KL-Hirschhn]. Jetz macht's e anneri N. 'Jetzt sieht es schon anders aus' [ KL-Fischb], kriet's e anneri N. 'bekommt es eine andere Auslegung', z. B. von Gerichtssachen [ NW-Geinsh]. De Zug esch em var de N. wegg'fahre [LA-Herxh, verbr.]. Der hot mer's vor de N. eweggenumm [KU-Schmittw/O, verbr.], hot mer die Deer vor de N. zugeschlaa [KU-Diedk, verbr.]. Die sitze enanner uf de N. 'wohnen nicht weit voneinander' [ KU-Schmittw/O]. Ich hun die N. drufgestoß 'habe zufällig etwas entdeckt' [KU-Schmittw/O, verbr.]. Dem muscht d' N. drufstouße (weil er schwer begreift) [LA-Herxh, verbr.]. Des steckt em in de N. 'Das hätte er gerne' [ Don-Schowe]. Der knoddert alle Nas(e) lang 'oft' [KU-A'glan, verbr.]. Er hallt em die Fauscht unner die N. 'bedroht ihn' [verbr.]. Du dein N. serick! [ RO-Alsbr]. Ich schlaa (hau, treff, stupp, tret) der uf die N. [FR-Kindh, verbr.], stempel (bolier) der die N. [ZW-Bottb, verbr.]; mit dem Zusatz: daß de nimmi rieche kannscht [ KL-Wörsb], daß die rot Brih erauskimmt [ KU-Bedb]. Ich schlaan der die N. so platt wie en zinnene Deller [ KB-Albish]. Zu einem, der in eine Rauferei verwickelt war und bestraft wird: Häsche dei N. dehaam geloß [ebd.]. Zu

[Bd. 5, Sp. 78]
einem Neugierigen: Muscht du dei N. iwweral (in alles) neinstecke? [NW-Geinsh, verbr.], d' N. (iwweral, immer) dezwische haun? [GH-Zeisk, verbr.], vorne hawwe? [FR-Kindh, verbr.], mit deiner N. iwwerall vorne dran sei? [ LA-Nd'hochstdt]. Er streckt sein N. en jed Loch (en de Kochhawe) [ KB-Kriegsf]. Stecken die N. in eier Dreck! [ Gal-Obl]. Des werd ich der net uf die N. binne (hänke) 'Das werde ich dir nicht verraten' [verbr., auch Don Gal Buch]. Die hot die N. ongestoß 'hat Anstoß erregt', auch: 'ist schwanger geworden' [ KU-Schmittw/O]. Er zieht em die Fäde (die Wärem, de Stoppe) aus de N. 'horcht ihn aus' [verbr., auch Don Gal Buch]. In Zukunft bleibschde met de N. eweg 'hältst du dich heraus' [ RO-Als]. Er hot mer e N. gemacht (den Daumen auf die N. gesetzt und die Finger gespreizt) 'Er hat mich verspottet' [LU-Alsh, verbr.], e N. gedreht, dass. [Frankth]. Er halt (riwwelt, reibt, drickt, stoßt, stumpt, stuppt) em des (eppes) unner die N. 'sagt ihm die Meinung, macht ihm Vorwürfe, erinnert ihn an Unangenehmes' [verbr.], butzt em die N. 'weist ihn zurecht' [Pirmas, verbr.], danzt em uf de N. rum 'macht ihn lächerlich, ärgert ihn' [verbr.], loßt sich net uf de N. rumdanze 'läßt sich nichts gefallen' [mancherorts, Krieger 27], loßt sich net an de N. rumfiehre 'läßt sich nicht übervorteilen, täuschen, betrügen' [verbr., auch Don Gal Buch]. Die traat die N. (arich) hoch 'ist eingebildet, hochmütig' [verbr.]. Wann er des heert, do werd er d' N. nufziehe 'eine böse Überraschung erleben' [ LA-Herxh]. Er rumbelt die N. 'ist unzufrieden' [ KU-Schmittw/O], ringelt die N. 'gerät in Verlegenheit' [ GH-Zeisk], kriecht die N. gedreht 'wird getadelt, bekommt eins ausgewischt' [ LA-Herxh, RO-Obd], loßt die N. hänke 'ist beleidigt' [verbr.], liegt gleich uf de N. 'hat einen labilen Charakter, kein Stehvermögen' [ LU-Limbghf], fallt uf die N. 'macht Bankerott' [ FR-Albsh], leit uf Maul un N. 'ist ruiniert' [mancherorts, auch Don Gal Buch]. Hol dich an deiner (eichene) N.! 'Werde vernünftig!' auch: 'Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!' [Feierowend 32/1953, Krieger 27]. Zopp (Zowwel, Nemm, Greif) dich an de N.!, dass. [GH-Zeisk, mancherorts, auch Penns]. SprW.: Wammer sich sein N. abschneidt, verschändt mer sich sein G'sicht 'Wer über die eigene Familie oder über die Verwandtschaft schimpft, bringt sich selbst in Verruf' [LU-Muttstdt, verbr., auch Don Gal Buch]. Wer Pech hot, brecht sich de Finger in de N. (im Aarsch) [ Gal-Bagbg Hartfeld]. Mer braucht de Leit net alles uf die N. ze binne [Feierowend 24/1953, verbr.]. Die rot N. kummt net vum Wassersaufe [FR-Bockh, verbr.]. Es soll sich jeder an seiner äägne N. robbe [Hebel 47]. De ein hot die rot N. un de anner saift de Wein [ KU-Schmittw/O]. 's Recht hot e spitzi N., 's loßt sich dron drehe

[Bd. 5, Sp. 79]
[ Gal-Dornf]. Volksgl.: Mein N. beißt mich, 's git Neiichkeide [ LA-Herxh, mancherorts], 's git B'such [ GH-Zeisk]. Wann em die N. beißt, werd mer bees seller Dag [Fogel Beliefs Penns Nr. 392], kriggt mer en Boss 'Kuß' [ebd. 390]. VR. s. PfWB Faß 2a, PfWB Gans 1a, PfWB gerade2 I1, PfWB Glas 1, PfWB Katharina 1a, PfWB Laden 1a, PfWB Laterne 1a, PfWB Schornsteinfeger. Fingerspiel: Die N. eines kleinen Kindes nimmt man zwischen Zeige- und Mittelfinger und spricht: Ich han dein N. [ HB-Kirrbg, mancherorts]. Ich hun der die N. abgeschnett [ KB-Albish]. Ich hab dei Näsel rausgeroppt [ LA-Gommh]. Ach Gott, 's Kind hot jo kän N.; 's hot awwer e Nänsje [ KL-Fischb]. Vgl. auch PfWB Gans 1a, PfWB Klee 1a. —
2. 'Hautlappen am Schnabel des Truthahns' [ LU-Friesh]; Zs.: PfWB Rotznase. —
II. übertr.
1. vom Menschen
a. e aldi N. 'ein neugieriger Mensch' [ LA-Herxh]. —
b. e kaldi N. 'ein Russe', pfälzische Musikantenspr. [Schneider 78]; vgl. II4eβ. —
c. Zs.: Bach-, PfWB Blech-, PfWB Boz(en)- 2, PfWB Dreck-, PfWB Gelb- 2, PfWB Gummi-, PfWB Haar-, PfWB Hakel- 1b, PfWB Hundsfotzen-, PfWB Hunds- 2c, PfWB Krumm-, PfWB Lang- 2, PfWB Ramsch-, PfWB Rotz-, PfWB Schnaps-, Schnuddel-, PfWB Schnüffel-, Schnupf-, PfWB Stülp-, PfWB Stumpf-, PfWB Weinnase. —
2. von Tieren.
a. 'der Weißfisch Chondrostoma nasus', ein minderwertiger Fisch, Nas, Nos Pl. Nase, Nose [LU-Altr Friesh Opp Spey GH-Kand Heeger Tiere II 13]. a. 1600: die Lauter ... gibt aller fisch, als da synd Bresen, Münnen, Hecht, Barben, Börsching, Naßen, Esche, ääl, Krebs und andere kleine fisch [Vellmann Wolfst.]. —
b. Zs.: PfWB Hakel-, PfWB Schafsnase. —
3. von Pflanzen.
a. Pl. gäle Nase 'Königskerze (Verbascum thapsiforme)' [ HB-Limb]; Syn. s. PfWB Kunkel1 2. —
b. Zs.: PfWB Gelb-, PfWB Hornungs-, PfWB Schafsnase. —
c. 'überstehendes Stück der Mittelrippe des Tabakblattes, das den Verkaufswert des Tabaks mindert', Nas Pl. Nase [PfRh. 15/1934]; vgl. PfWB Knebel 2aδ. —
d. 'Wucherung am Baumstamm' [ ZW-Bechhf]. —
e. 'Verdickung am Rebstock'. D' Rewe kriechen dicke (dinne) Nase [ BZ-Heuchh]. —
4. von Sachen.
a. Zs.: PfWB Boz(en)- 1, PfWB Fastnachtsnase. —
b. nasenförmiger Vorsprung. α. an der Mauer [ FR-Bockh], vgl. PfWB Mauernase. —
β. am Dachziegel [KU-Obw/Tiefb, verbr.]. —
γ. am Tisch, am Herd [ FR-Bockh]. —
δ. am Milchtopf [ KU-W'mohr]. —
ε. am Schließkloben der Tür, am Türschloß [ LU-Neuhf, LU-Alsh]. —
ζ. Zs.: PfWB Felsen-, PfWB Wassernase. —
c.
α. 'Eisenstift an der Wagendeichsel zum Halten der Stoßketten' [KB-Kriegsf, verbr.]; Zs.: PfWB Deichselnase; auch: 'Haken an der Zotkette' [PS-Burgalb (Klein Wag. 118)]. —
β. Zs.: PfWB Hobel-, Windenase. —
γ. 'Ausflußrohr der Jauchepumpe, Abflußrohransatz am Brunnen' [ KU-Diedk]; Zs.: PfWB Brunnennase. —
δ. Nähte an einem Kissen, die nicht rechtwinklig genäht sind, machen Nase [ KB-

[Bd. 5, Sp. 80]
Kriegsf]. —
ε. Das Wams hat am Hinterteile zwei hervorstehende »Nasen« [BZ-Billh u. Umg. (F. Gundelwein Pfälzische Volkstracht, in: PfW 11. Jg., S. 16)]. —
d. 'auf den Boden gezeichnetes Dreieck im Klickerspiel Nas'chens' [ IB-Hass]. —
e.
α. 'Schilling', Musikantenspr., Nas [KU-Erdb (A. Zink in: Bei uns daheim 19. 5. 1926)]. —
β. Pl. halwe Nose (Nase) 'halber Dollar', Musikantenspr. [Pfälzer Abendzeitung 4/1951, Schneider 78]; vgl. II1b. —
f.
α. 'Nasenschleim'. Der hot e N. 'hat Nasenschleim an der N. hängen' [ KL-Fischb]; vgl. PfWB Rotznase. —
β. Zs.: Butze(n)nase. —
5. 'Rüge, Verweis'. Er gebbt (kriet) e N. 'Er erteilt (bekommt) eine Rüge' [FR-Bockh, verbr.]. Er hot von owwe (vom Vorgesetzten) e. N. kriet, hot e N. einstecke misse, dass. [Frankth], hot e N. gedreht kriet, dass. [ BZ-Albw]. RA.: Er leet die N. zu de annere Nonse 'Er nimmt den Verweis gelassen hin' [ KU-Schmittw/O]. — Südhess. IV 924 ff.; RhWB Rhein. VI 86 ff.; LothWB Lothr. 379; ElsWB Els. I 782.