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 PfWB Graser (Bd. 3, Sp. 412)   PfWB grasen (Bd. 3, Sp. 412)   PfWB strenzen (Bd. 6, Sp. 695) 
   Graser, Gräserm., Gräserin f.:
1. 'wer auf fremdem Boden Futter für sein Kleinvieh sucht', auch Schimpfw., Graser/Gräser [ LU-Alsh KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB grasen 1 a. a. 1717: Eine gräßerin, so vom schützen geruhet wird, gibt zur straf 3 b. [PfWeist. I 3 (KU-Adb)]. —
2. Neckname für die Bewohner von KL-Morlt,

[Bd. 3, Sp. 413]
Graser [ KL-Erlb]. — Südhess. II 1445; RhWB Rhein. II 1362.

 

   grasen schw.:
1.
a. 'kleinere Mengen von Gras und Unkräutern an Wegen und Grenzrainen, auf Feldern und im Wald zur täglichen Grünfütterung der Haustiere mit der Sichel abschneiden oder mit der Hand abreißen', grase (grāsə, -ḁ-, s. PfWB Gras) [verbr.], grasse [ LA-Flemling]. Sie gihn g. [RO-Als, verbr.]; mit de Sichel g. [KB-Bennhs, verbr.]. VR.: Im Feld und am Rech, 's Wasser wie e Sech, d' Sichel duht nix schneire, do loß ich 's Grase bleiwe [Wilde 291]. Andere VR. s. PfWB Pfarrer (I 797 Z. 1 ff.) und PfWB Bube (I 1308 Z. 41 ff.). a. 1480: Item ein jglicher armer hait recht jn dem stickswerde (heute: Stixwöhrt) zu graszen [MHVPf. 1870 S. 4 (Hagenbacher Weist.)]. a. 1715: Wann einer in eines andern wiß oder garten geht mähen oder graßen und wirdt erdapt, der soll straff geben ein ortsgülden [PfWeist. II 715 (ZW-Gr'bundb)]. —
b. 'den für Samen bestimmten Klee absicheln'. De Kleesoome werd gegrast [ KU-Schmittw/O]. —
2. 'Unkraut jäten' [ PS-Gersb KB-Otth LU-Böhl GH-Rülzh mancherorts Don Gal Rußl]; vgl. PfWB gäten. Mer gehn die Grumbiere g. [ Rußl-Worms]. —
3. 'weiden'. Die Reh grasen am Wald [ LU-Alsh]. Die Gäns grasen [ Don-Schowe Torscha]. Rehbeckelcher un Hase hänn jetz ... kään Hälmel ze g. [Keiler 129]. —
4. 'heimlich entwenden' [verbr.]; vgl. PfWB strenzen. Syn. s. PfWB stehlen. Er geht gern g. [KU-Schmittw/ O, verbr.]. Die Buwe gehn Äppel g. [verbr.]. Des hot er sich gegrast [ LA-Knöring]. Nan waart, ich werr eich Druschle 'Stachelbeeren' g.! Eich Deiwelsbänner kumm ich naun! [Kühn Schnitze II 22]. — Südhess. II 1444/45; RhWB Rhein. II 1361; LothWB Lothr. 213; ElsWB Els. I 281; Bad. II 461.

 

   strenzen schw.:
1. 'stehlen, entwenden, stibitzen', meist von leichteren Diebereien, z. B. wenn Kinder Obst, Plätzchen stehlen, strenze (drendsə, drensə, -ę-) [verbr., Bayer Hackm. 68 Thielen 108 PfId. 138 Rußl-Spey], stranze (dransə) [ KL-Mackb], (drānsə) [ KU-Konk]; Part. Perf. g(e)strenzt [verbr.]; vgl. PfWB stenzen; Syn. s. PfWB stehlen. Gesche (Gehst du) medd Kirsche st.? [IB-Ensh (Glass 99)]. Er geht sich als die Quetsche st. [Kühn Palz 47]. Du hoscht unser Äppel g'strenzt! [ BZ-

[Bd. 6, Sp. 696]
Dernb]. Mer hän aach als Ebbel un Beere (Birnen) geschtrenzt [Wilms Land und Lewe 38]. E' Schandarm krieht en grad am Grips, / Er wollt e' Worscht sich st. [Schandein Ged. 70]. Do sa't emol de liewe Gott: / »Die Äppel sinn eich streng verbott, / Un wann se noch so lieblich glänze, / Do derfen ehr kee ener st.« [Münch Werke I 28]. E schä Stämmle! Wu hänner dann des wirrer g'strenzt, ehr Figediwes? [Heeger Kerwe 12]. Beim Metzger han die Mordshalunke / Die Werscht gestrenzt un all die Schunke [Münch Werke I 844]. Schtiwitze, atzle, grase, kribbse, / Ganfe, angle, schtrenze, schtribbse [Kühn Kumödi 1]. Wer strenzt sich Kersche dort un Kiss'? (Küsse) / Soll ich's verrote, wer das is [Münch Werke I 232]. KR.: Wer geht mit (Gehschde mit) / iwwer die Brick / Äppel st. so dick! [Kaislt, mancherorts, Kamm 100 Wilde 10 Wilms Alph. 52]. Heischespruch zu Fastnacht: Ich bin der kleine Max, / Ehr hän Kiichlich gebacke - ich schmacks, / Gäwen mär äns orer zwää! / Sinn ehr ach e guuri Frää. / Gäwen ehr mer käns, / Geh ich an die Platt un schdränz [O. Bertram in PfL 10. 2. 1934]. —
2.
a. 'abstreifen', z. B. Heidelbeeren von den Sträuchern [Bergz (Kamm 63)]. —
b. 'herumstreifen, bummeln'. Do schdrenzen die Mädle dorch die Ortschaft [Kunnrädel 118]; Syn. s. PfWB schlendern. —
c. 'hart hernehmen, anstrengen' [RO-Messbhf Sippf]. Heit sein mer gestrenzt, sagen Schüler nach einem anstrengenden Unterrichtstag [RO-Sippf]. Der Mann hat die Gail dichdich gestrenzt [ RO-Messbhf]. —
d. 'schlagen, ohrfeigen' [ KU-Bosb KL-Wörsb]; Syn. s. PfWB verhauen 1, PfWB ohrfeigen; eni (e paar) st. [ KL-Wörsb]. —
e. 'beim Klickerspiel alle Klicker abnehmen'. Den hammer gestrenzt! [ LU-Neuhf]; Zs.: PfWB abstrenzen. — RhWB Rhein. VIII 789 stränzen; LothWB Lothr. 506 and. Bed.; ElsWB Els. II 634; Hess.-Nass. III 838/39.