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| PfWB Glocken-weinkauf (Bd. 3, Sp. 354) | DWB weinkauf (Bd. 28, Sp. 944) | |||||||||||||||||||||||
A. entspr. den versch. bed. von kauf (th. 5. 315ff.) ist w. stets möglich als 'preis des weins', 'handel mit wein', 'einkauf von wein': wînkouf ûf dem lande oder ûf dem markt zu Würzburg polizeigesetzb. bischofs Otto v. Wolfskehl (Würzb. 1343) § 4 Ruland; darumb tuon wir in den satz chunt, das sich unser puriger darnach rihten mit irem weinchauffe stadtrecht v. München 287 Auer; die köngischen taler künftig in weinkauf umb anderthalb und zweinzig batzen nemmen zu lassen Würtemb. landtagsakten 2, 2, 344 (1603); darnach sich in wein-kauff und -verkauff zu richten georg. cur. 1 (1682) 130. diese niemals häufigen gebrauchsweisen in den wbb. von 2 (1783) 1023; Adelung; Campe; Heinsius. der fast nur hier gangbare plur. bedeutet 'weingeschäfte': die weinkäufe im Rheingau werden meistenteils durch vermittelung des kommissionärs zustande gebracht weinbau (1906) 37. B. fest geworden ist weinkauf wie lei(t)kauf (th. 6, 693. 739) in der bed. 'trunk oder schmaus' zu bestätigung oder feier eines kauf- oder tauschgeschäfts (bes. um liegenschaften und vieh), eines vertrags oder verlöbnisses. hier steht es als wort des südwestens, westens und nordens dem wenig jüngeren, wesentlich bair.-östr. und ostmd. leitkauf gegenüber. die begriffsbestimmungen sind (wie bei rechtswörtern gern) schon früh gut: weinkauff, nummi bibales, sumtus vini in contrahendo negotio consumti jur. lex. (1738) 1328; ausführlicher 8 (1795) 172a. 1) in umschreibungen erscheint die sache seit 1218: ostendi hanc scippinam et sicut moris est galedam vini ibi biberunt omnes, ut testimonium et recordationem facte rei perhiberentur urk. v. Churwalden schweiz. geschichtforscher 1, 488; ad confirmationem igitur omnium premissorum fratres vinum testimoniale dederunt sollempniter urk. v. kloster Eberbach 1243 bei rheing. alterth. 2 (1819) 662; sus sluoger si im in die hant. du (der wein) machest stæte manigen kouf weinschwelg 121. das wort selbst scheint nicht vor 1256 aufzutreten, zuerst in Hessen und Westfalen: villanis in Hole, qui wînkouf biberunt, vulgare jus, quod lantsidelenrecht dicitur, faciet hess. landesgesch. 3 nr. 141; (bei einem verzicht) presentes fuerunt testes, qui ob evidenciam premissorum biberunt vinum, quod vulgariter dicitur wînkôp westf. urk.-b. 3 nr. 920 (1272). landschaftlich ist es bis heute weit verbreitet: wîchauf schweiz. id. 3, 167; els. winkauf 1, 426; schwäb. weikaof, -gof 6, 619 f.; fränk. winkoff 2, 927; oberhess. wenngoff, -guff 901; thür. wînkef 256; wald. wînkaup 112; altmärk. wînkôp 247.2) die rechtsgeschichtliche auffassung des weinkaufs ist umstritten: d. rechtsgesch. 2 (1892) 392; schweiz. priv.-recht 4 (1893) 833. 850 f.; gött. gel. anz. 1896, 205; rechtsalt. 1 (1899) 264; R. Schröder lb. d. d. rechtsgesch.6 (1922) 92. 326. 396. a) einhellig geht man von der arrha aus, die den kauf festigt und unwiderruflich macht. sofern sie der empfänger zu frommen zwecken verwendet, wird sie zum gottespfennig, wenn er sie mit freunden vertrinkt, zum weinkauf. sinngemäsz stehen die versch. ausdrücke nebeneinander: [Bd. 28, Sp. 945] so we so deme anderen gift des hileghen gheystes penninch up enen koop oder up en lovede, dat is also stede alse he hebbe den litkop (1348: winkop) gegheven a. lüb. recht 306 Hach; haben meine herren die ... erbrhenten zu Noeten ... acquirirt, darfur ime zallen lassen 320 thl. ... gotzheller 10 a.; weinkauff 3 g. 18 a. urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 191 Scheins (1617); arra/ein weinkouff oder pfant oder ein gotzpfenning gemma gemm. (Straszb. 1508) b 4d; arra, arrhabo / gadesgelt, wynkop, hafftpenning, pandtschillinck (Rostock 1594) 462. b) es liegt im wesen des w., dasz er dem käufer verloren geht, falls er vom kauf zurücktritt: so weinkauff oder ein gotzheller ... auff den kauff gegeben were: will dann der kauffer abtretten, soll er verlieszen den auszgegeben w. oder gotzheller d. stat Worms reformation (1513) 57a; entspr. vollst. slg. d. württ. gesetze 4, 297 (1567); württ. zehendordn. (1650) G. er wird bei gericht hinterlegt, wenn ein dritter das rechtsgeschäft anficht: (ein heimkehrender erbe, der sein gut verkauft findet, soll) den w. hinter das recht legen und solches darnach rechtlich ... austragen weisth. 3, 551 (Lohr 1552). tritt der verkäufer zurück, so wird der käufer durch bes. gesetz vor schaden bewahrt: doch das sy dem B. allen costen mit dem wynkouff, werchen und anderm ... widerumb bezalind Höngger meiergerichtsurt. 54, 31 Stutz; der verköuffer ... (soll) dem käuffer den w. oder die empfangene arrham doppelt herauszzugeben und zuerstatten verbunden sein bad. landrecht (1622) 4, 8. c) bei gröszeren käufen wird der betrag des w. ausdrücklich festgelegt, so zuerst im fruchthandel: item in junio (1426) emfangen 13 leste terwen (weizen) ... hieruff ungeld (spesen): winkouff 2 schilling 2 pfennig, toll 3 schilling handelsrechn. d. d. ordens 487 Sattler; (ausgaben:) x schillinge als Ludewig zu zweyn malen gen Frideberg nach dem habern (bei einem haferkauf für die stadt) verczerte. item vj schillinge gab er davon zu winkeuffe Frankfurts reichskorr. 2, 52 Janssen. entspr. beim viehhandel: da wards (das pferd) von etlichen beschritten, 3) die sprachliche bed. von w. wird bestimmt durch sinn und schicksal der beiden worthälften. a) kauf in w. bedeutet (wie auch in hand-, leit-, markt-, reu- und unterkauf, s. d.) 'kaufmittel, preis', das hat vor (th. 5, 319) schon richtig gesehen: gel. anz. hgg. von mitgl. der bair. akad. 1844 nr. 76 sp. 611. gelehrte, die vor ihm von der heute gangbarsten bed. des wortes kauf ausgingen, muszten sich (wie 1816, 661) wundern, dasz es nicht vielmehr kaufwein heisze (das in alem. chaufwîn thatsächlich vorhanden ist). zs. f. gesch. d. Oberrh. 19 (1866) 269 wollte von mlat. vinicopium ausgehen, das er irrig aus vini copiam facere herleitete, während es aus wînkôp gebildet ist. b) dasz wein zum w. getrunken wird, ist selten ausdrücklich bezeugt: sehs schilling heller ze winkouf umb ein viertel wins monum. hohenbergica 492 (1360). im alten weinland versteht es sich von selbst und tritt höchstens [Bd. 28, Sp. 946] in begrenzenden bestimmungen zutage: sol man mit namen nit mer winkoufs machen uff baid sitten danne vier mosz wins ungeverlich zs. f. gesch. d. Oberrh. 15, 144 (Wimpfen 1404); entspr. weisth. 3, 772 (Bacharach 1498), oder wo ein bes. guter wein vereinbart wird: wöllend wir ein trunck malfasier thn, darbey einen w. beschlieszen 2, 245 Bolte. im bierland wird kaum je wein genannt: mwestf. wînkôp 'wein, der bei verkäufen getrunken wird' 325. hier tritt, wie mnd. bêrkôp 1, 248 f. und wînkopesbêr 5, 729 bezeugen, bier neben den wein: 3 mark gegeven her M., do he dede de wynkope, vor wyn und beer staatsbürgerl. mag. hgg. v. Falck 9, 463 (1471), oder ersetzt ihn ganz: do geve wy em 1 gr. tho bere tho wynkpe brem. jahrb. 2, 273; entspr. mon. inedita 1 (1739) 2032f. zum trunk tritt schon 1339 der schmaus: wen wer den winkope doeit, schal men de tafeln decken unde geven veer richte brem. jahrb. 2, 503 (1339); pro vinicopio solle h. burgemeister ... iedem herrn des rhatts 1 q. guten virren weins und 1 weiszbrot uffm rhattshausz hergeben urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 441 (1683) Scheins. seltsam eine als trockener w. bezeichnete sachleistung: ahnstatt truckenen w. solle ein new gut gebünn uf den speicher machen laszen und einen guten yseren stubenoffen kauffen; fur naszen w. den herren eine gute portion weins das. 1, 442 (1683). c) wesentlich für den w. ist, dasz dabei die zeugen unentgeltlich mittrinken: (wilde leute sitzen beim wein, einer verkauft dem teufel seine seele:) ich gibe siu dir umbe ein pfunt. dô sprach er: sô wil ich siu haben, und zalte ime die pfennige und gap in den wînkouf. und dô sie getrunken ... Germ. 3, 412. darum halten ländliche kreise nam. beim viehhandel daran fest: die bawern kommen auch zuhauff 4) hier immer handelte es sich um kauf und verkauf. von dieser seiner häufigsten und sprachnothwendig ursprünglichen verwendung ist w. übertragen auf miethe und verlöbnisz. a) beim abschlusz von mieths verhältnissen wird der arbeitnehmer durch den w. zum empfänger einer gegenleistung, die ihn an seinen vertrag bindet: schweiz. privatr. 4 (1893) 833. zurücktreten nach dem w. wird als vertragsbruch geahndet: welh burger ... ainen [Bd. 28, Sp. 947] knecht oder mägt dingot und den winkouf git, wölt denn der selb kneht ... ane urloub von ir herschaft gieng und den winkof wider gebe, so sol ... der selb knecht ... ain jar von der stat sin württemb. gesch.-quellen 8, 75 (Ulm vor 1376); wel ene knecht of maget wint, ende se die wynkop ontfangen, soe sind se schuldich to denen fries. rechtsqu. 270 § 10 Richthofen. werden handwerker derart verpflichtet, so wird der w. zum abgegrenzten trinkgeld: item Koken 1 gr. tho wyncope, do wy myt eme vordroghen umme den muschelenkallik tho vorende brem. jahrb. 2, 277; dem meilre dat hospitaill zu maillen 9 m., zu winkouf 4 s. urk. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 145 Scheins, so wol stets in neuerer zeit: wienkoop heiszt (in Ravensburg) jedes geld, das auf die hand gegeben wird, als bey mietung einer magd, eines hauses prov.-wb. 2 (1792) 232. ein trunk bleibt der w. zwischen bauherrn und gewerken: ich komme aus einem wirthshausz, da ich ihnen den w., von einem hausz das ich bawen lassen will, bezahlt habe parlement (1637) 167, sowie zwischen meister, gesell und lehrling: wie er in nun het angenommen, b) aus der hauptbed. 'bestätigung eines vertrags durch trunk' verengt ist die bed. 'verlöbnisz', zuerst in Frankfurt a. M. 1526: hat eyn lutherischer prediger ... eyner witfrauen ... dochter zu der ee genommen und den winkauf mit danzen und springen gedrunken tageb. 106, gebucht zuerst in der Wetterau 1540: convivium ante nuptias / der herrlich weinkauff Alberus S 2a. nachmals greift der ausdruck weiter nach osten und süden: soll, ob er ... uxorirt hab, w. getrunken ref.-gesch. mitteilungen aus Würzburg 52 (1566); sponsalia, dona ante nuptias data / versprechen, handstreicher, winckauff nomencl. (1594) 346; entspr. cat.-milch 3, 289; ped. schulfuchs (1673) 31. hauptgebiet bleiben doch Frankfurt a. M.: zs. f. d. kulturgesch. 1 (1856) 65; grillenvertr. (1670) 127; rechtsgelahrt. 3 (1767) 1422, Rheingau: der tag der verlobung, die man ... auch handstreich oder w. nannte nat.-gesch. d. volks 3, 239, und Westerwald: zs. des vereins f. volksk. 13, 382. von da in den wbb.: nass. 446; oberhess. 901; 112. 5) übertragener gebrauch findet sich zuerst um 1295 am bad. Oberrhein, vom pakt mit sünde und teufel, der tod und höllenstrafe einbringt: angest grôʒ unde zitter [Bd. 28, Sp. 948] entspr. ist das. 214, 101 und 275, 26 der tod der vertragsgegner, dem der sünder durch w. unentrinnbar verfallen ist. nach Hugos vorbild braucht früh im 14. jahrh. das gedicht v. d. lebens nichtigkeit (Lassbergs lieders. 3, 574, 72) w. vom verhältnisz zu sündenfall und erbsünde, doch auch noch im 16. jahrh. von der todgeweihten menschheit: welcher aber klagt über ein menschen, das er gestorben sey, der klagt darüber, das er ein mensch gewesen ist: sy haben all ein w. getruncken sittl. zuchtb. (1536) 126a; entspr. Es. 1, 315 Kurz; 4, 152 Bolte. hier mündet der übertragene in sprichwörtlichen gebrauch, der in der formel: der w. ist getrunken ( narrensch. 85, 17 Z.; schelmenz. 37, 35; geuchm. v. 876) das unentrinnbare, unwiderrufliche einer abrede herausstellt. werthvoll der redende beleg: est vulgatum proverbium (wir haben den w. getruncken) serm. 112a. jüngere sprichwörter zahlreich: nirgends besser käuff es gibt, als wo man weinkäuff gibt Garg. 395 ndr.; entspr. flor. 3 (1662) 245; he verköpet ne im sacke un giət em dann vam wînkôp te drinken 325; kein handel ohne w. (1895) 206; tau jedem koop hürt winkoop uns. mundarten (1910) 166.
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