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 PfWB gießen (Bd. 3, Sp. 314)   PfWB Blei-gießen (Bd. 1, Sp. 1012) 
   gießen st.:
1.
a. 'durch Neigen des Gefäßes Flüssigkeit in etwas fließen lassen', gieße (gīsə) [verbr.]; vgl. PfWB schütten. Wein ins Glas g. [verbr.]. Zs.: PfWB abgießen 1 a, PfWB angießen 1 b, PfWB begießen 1 b, PfWB darangießen 1 a, PfWB daraufgießen 1 a, PfWB eingießen 1 a, PfWB vergießen 1 a, PfWB herunter-, PfWB hinunter-, PfWB übergießen. RA.: Wasser in de Wein g. 'beruhigen' [LA-Impfl]; en de Kopp g. 'lernen' [ FR-Bockh]; äne hinner d' Binn g. 'ein alkoholisches Getränk trinken' [BZ-Nd'horb, verbr.]; äne uf die Pann g., dass. [ FR-Albsh]. Sie gießt nor Olich in die Glut, jetz um so ärjer schlah'n die Flamme [Schandein Ged. 188]. —
b. 'begießen'; de Gaarde (die Blume) g. [PS-Erfw, verbr.]; Duwak g. 'Tabaksetzlinge

[Bd. 3, Sp. 315]
angießen' [ LA-Gommh GH-Leimh]. 's Duch werd uf der Duchbleich gegoss [ KU-Schmittw/O]. Im VR. bei buckelig 1 a heißt es: Will mol in moin Gaarde geh, will moin Gaarde g. [ NW-Freinsh]. —
2.
a. Blei g., um die entstandene Form als Orakel zu deuten [ LU-Opp]; vgl. PfWB Bleigießen. Volksgl.: Wammer die Krischtdag oder Neijohrnacht unner'me Baam en Kugel gießt, sehnt mer der Deiwel [Fogel Beliefs Penns Nr. 1333]. —
b. Der Anzug is (sitzt) wie gegoss [ KL-Lind KB-Mauchh], wie an de Leib gosse [ IB-Bliesmg/Bolch]. —
3. unpers. Es gießt wie mit Kanne 'regnet stark' [ RO-Obd]; dass. kurz: 's gießt [verbr.]. BR.: Wann's 's ganz Johr net reent, an Fraleichnamsdag gießt's [ FR-Bockh]. — F.: Präs. Sing. 1: gieß, selten (vorn. NWPf) gieße; 2: giesch(t); 3: gießt; Pl.: gießen/gieße, zur Abgrenzung vgl. die Angaben bei beißen; Part. Perf.: gegoss/gegosse, zur Grenze vgl. die Linie gebroch/ gebroche auf K. 1. — Südhess. II 1355/56; RhWB Rhein. II 1224; ElsWB Els. I 238; Bad. II 415.

 

 -gießen n.: wie schd. Der Brauch des B. wird noch heute geübt, hauptsächlich am Silvesterabend, früher auch am Heiligabend, in der Andreasnacht (30. November) und in der Thomasnacht (21. Dezember). Das B. dient der Erforschung der Zukunft. In FR-Albsh gossen die Mädchen das flüssige Blei durch einen Schlüsselring in eine mit Wasser gefüllte Schüssel; aus den entstehenden Figuren deuteten sie dann ihr künftiges Schicksal. In GH-Hatzbühl schloß man aus den Formen des erkalteten Bleies auf das allgemeine Zeitgeschehen der Zukunft; von Schwertgebilden deutete man auf bevorstehenden Krieg. Vgl. PfWB Blei 1. Südhess. I 936; Bad. I 260.