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 PfWB Geschwister-kind (Bd. 3, Sp. 259)   PfWB Sommer-tag (Bd. 6, Sp. 161)   PfWB Wechsel (Bd. 6, Sp. 1113) 
 -kind n.: 'Kinder von Geschwistern, Vetter und Base', -kind, -kend, Pl. -kinn, -kinner, s. PfWB Kind [verbr.]; vgl. PfWB Geschwistersohn, PfWB Nachgeschwisterkind. Er es met meer G. [ RO-Rehborn]. Mer sin G. [KL-Stelzbg, verbr.], Gschwischdertkinner [ LA-Gommh]. SprW.: Der Dokder un der Schinner, das sin G. [ PS-Saalstdt LA-Edh]. VR.: Ri-ra-ro, de Summerdag is do. De Summer un de Winder, des sin G. Ri-ra-ro, de Summerdag is do

[Bd. 3, Sp. 260]
[Neustdt]. a. 1541: gesusterd oder gesusterde kynde [Weist. in »Kuseler Chronik«, S. 33]. Südhess. II 1298/99; RhWB Rhein. VII 2083; ElsWB Els. I 448; Bad. II 391. —

 

  -tag m.:
1. 'Tag im Sommer', Summerdaa, -dag, -daach, s. PfWB Tag [vereinzelt, Krämer Gal 200]. An so 'me scheene S. muß ich als raus [Kaislt]. a. 1425: einem taglohner der gewohnlich arbeitet einen Summertag 18 hlr vnd einen wintertag 1 ß hlr [Lein-Arch. (Löhne)]. —
2. 'der Sonntag Lätare mit dem an diesem Tag stattfindenden Brauchtum' (Einzelheiten s. weiter unten), Summerdag, -daach [mancherorts mittl. u. südl. VPf, Klein Prov. 157], genaue Verbr. um 1930: westl. bis zu einer Linie KL-Frankst NW-Elmst Iggb BZ-Wilgws PS-Haust, südl. bis BZ-Spirkb Sarnst Queichhmb, dann in einem Bogen bis Bergz und BZ-O'ottb von da über GH-Freckf Kand Kuhdt zum Rhein. Die nördl. der Linie KL-Frankst NW-Wachh Erph FR-Studh angrenzenden Bez. s. unter PfWB Stabaus 1. Karten von E. Christmann in: PfA K. 25, O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 64 (beide aufgrund von Materialien der Wörterbuchkanzlei). Die Verbr. um 1984/85 hat sich nach der K. von B. Benner/I. Ranly/B. Sachs in: H. Schwedt (Hrsg.), Brauchforschung regional. Stuttgart 1989 34, kaum geändert. Die örtlichen Ausformungen des an die-

[Bd. 6, Sp. 162]
sem Tage stattfindenden Festes sind unterschiedlich, gemeinsame Konstituenten fast aller Sommertagsfeste sind jedoch Umzüge (einzeln, in kleinen Gruppen oder auch in großen organisierten Aufzügen) von Kindern, die gabelförmige (s. PfWB Sommertagsgabel) oder gerade (s. PfWB Sommertagsstock) Stöcke tragen, die meist mit bunten Bändern geschmückt sind und auf denen eine Brezel (s. PfWB Sommertagsbrezel) und bisweilen auch ein Apfel steckt; s. Abb. 87 Sommertag und Abb. 28 und 88 Sommertagsstöcke. Mancherorts tragen die Knaben auch Holzsäbel (s. PfWB Sommertagssäbel). Die Kinder singen Lieder (s. u.) und heischen Gaben (Wecke, Brezeln, Eier, Speck, Süßigkeiten, Geld u. ä.). Begleitet wird der Umzug häufig von zwei als Sommer und Winter verkleideten Gestalten, der Sommer in Grün, der Winter in Stroh gehüllt. An manchen Orten (um 1930 in KL-Frankst NW-Iggb LA-Venn Bergz) wird der Winter verbrannt, indem man die Strohhülle oder einen Strohhaufen anzündet. An einzelnen Orten (um 1930 in NW-Forst Neustdt Niedkch Land BZ-Eußth Spirkb) wird ein Sommertagsspiel aufgeführt (vgl. PfWB Pläckeljude, PfWB Fingerhut 4 a, PfWB Mohrenkönig), das den Kampf zwischen Sommer und Winter zum Inhalt hat. Weiteres zum Sommertagsbrauchtum s. auch bei Stoll

[Bd. 6, Sp. 163]

48 ff.; Heinz Schmitt: Der Sommertag oder Stabaus. In: J. Keddigkeit (Hrsg.): Feste und Festbräuche in der Pfalz. Kaiserslautern 1992, S. 93-140. VR. (Texte von Sommertagsliedern): Ri, ra, ro / De S. is do, de Winder is vergange / De Summer wemmer lange. / Roder Wein, weißer Wein (Bretzel nein) / Heit wemmer lustig sein. / Heit iwwers Johr / Do simmer wider do. / Ri ra Ribbestiel / Alde Weiwer essen (fressen) viel, / Junge müssen faste. / Das Brot leit im Kaste, / 's Messer leit denewe, / wer esse will, muß bäde (beten) [NW-Lambr (Wilde 268)], auch mit dem Anfang Stri, stra, stro ... [Krieger 40]. Ri, ra, ro, / De S. is do, / Wichsel, Wechsel, / Weiß mer 's Kätzel. / Uff de grine Wisse, / Kummt de Summer g'schliche, / Here nerr die Panne krache! / Werren se ahch was backe? / Raus, raus, raus, / De Fuchs geht in's Hihnerhaus, / Trinkt die beste Eier aus [NW-Haßl (Wilde 269)]. Ri, ra, ro, / de S. esch do, / Mer gehen in die Hecke, / de Summer wemmer wecke [ BZ-Spirkb]. Ri, ra, ro, / de S. is do, / de Winder is gegange, / de Summer wolle mer fange. / Rore Wein, / Brezel drein. / Heit iwwer's Johr / simmer wirrer do [ NW-Frankeck]. Ri, ra, ro, / de S. isch do! / De Winter isch vergange / mit Spieße un mit Stange. / Roter Wei un Brezle nei, / heit wemmer luschtich sei [Bergz (Kamm 103)]; weitere Sommertagssprü-

[Bd. 6, Sp. 164]
che, -lieder s. PfWB Brezel 1, PfWB Geschwisterkind, PfWB Stabaus 1; weitere Sammlungen von Sommertagssprüchen s. Firmenich II 15; Schandein Bav. IV,2 357/58; Kleeberger 29/30; A. Becker Pfälzische Frühlingsfeiern, Kaiserslautern 1908, ders., Sommertag, Neustadt 1931; Wilde 266-269; O. Bertram in: Hessische Blätter für Volkskunde 37/1939 73-101 (mit K. der versch. Typen); F. Heeger in: PfRh. 44/1971, H. 1/2 26-29, 63-66; Carl Pfalz im Jahr 77-112. a. 1687: Weil es eine alte Verstiftung, daß obige 3 fl. 6. Kr. an Weck ausgelegt und den Kindern am Sommertag in der Kirche ausgeteilt werden soll [Wenz 219 (LU-Iggh)]. a. 1728: Denen Kindern ahm Sommertag für weck geben 9 Batzen [PfMus. 22/1905 190 (LA-Arzh)]. — RhWB Rhein. VIII 208.

 

   Wechsel m.:
1. 'Veränderung, Ablösung, Tausch', Wechsel [vereinzelt, Christmann Kaulb 74 Schmitt Billh. 55]; Zs.: PfWB Jahres-, PfWB Mond-, PfWB Schritt-, PfWB Sperrwechsel; PfWB Abwechslung. —
2.
a. 'Stelle,

[Bd. 6, Sp. 1114]

die regelmäßig vom Wild begangen wird' [ NW-Hardbg]. —
b. 'enge Felsspalte' [ RO-Callb]. —
3. 'Schuldschein' [vereinzelt, Lambert Penns 174 Krämer Gal 239]; e W. unnerschreiwe (ausgewwe) [ PS-Erfw NW-Frankeck Gal-Dornf]; die Finger vun de Wechsel (Pl.) losse [ PS-Erfw]. Er hot vum W. nix verstann [ LU-Opp]. SprW.: Nix laaft schneller wie e W. 'Man ist schnell bankrott' [Krieger 49]. Die Zeit will net rumgehe, nor wenn e Wechsel ze bezahle is, do geht se schnell rum [Krieger 49]. —
4. Ein Kinderreimwort: Ri, ra, ro, / De Summerdag is do, / Wichsel, Wechsel, / Weiß mer 's Kätzel (Forts. s. PfWB Sommertag) [Wilde 269, Carl Pfalz im Jahr 101/ 02]; vgl. PfWB Wichsel. — RhWB Rhein. IX 326; LothWB Lothr. 533; ElsWB Els. II 786.