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 PfWB Geiß(en)-bitsch (Bd. 3, Sp. 143)   PfWB Geiß (Bd. 3, Sp. 137)   PfWB Gammel (Bd. 3, Sp. 21) 
  -bitsch f.: 'Ziege', Kinderspr., Gääßebitsch, Dim. -bitschche [ KU-Bedb]; vgl. PfWB Bitsch. Syn. s. PfWB Geiß 1 a. Saarbr. 77. —

 

   Geiß f.:
1.
a. 'weibliche Ziege', Gääß (gs), Geeß (gēs), Gaaß (gās, gs), Gäiß [zur Verbr. s. K. 152]; Pl. -e (-ə); Dim. -che (-χə, -jə) mit Pl. -cher/-jer [WPf (ohne Ost-PS) NPf (ohne Nordspitze) nördl. VPf], -el (-əl) mit Pl. -le (-lə) [Ost-PS mittl. u. südl. VPf, um Land mit Pl. -lich]; Sonderformen des Dim.: Gääßelche mit Pl. -cher [mancherorts ganze Pf], Gääßi mit Pl. Gääßicher [ RO-Als Bing], Gaaßi [ RO-Rehborn]. Der Rasse nach unterscheidet man: Saaner, Salzbur-

[Bd. 3, Sp. 138]

ger, Schweizer, Ulmer G.; nach besonderen Merkmalen: Bettel-, Bitschen-, Platt-, Horn-, Hörner-, Juden-, Kälber-, Mecker-, Schmalgeiß. Syn.: Abrahams-, PfWB Bergmannskuh, Hatte, PfWB Heppes, PfWB Kitz, PfWB Mecker, PfWB Meckes, PfWB Mick, Steinhauerskuh, PfWB Zicke, PfWB Zickmäh, PfWB Ziege. Ich muß noch d' Gääße melke [GH-Kand, verbr.]. Die Kinner fahren mit de G. uf die Wääd 'treiben die G. auf die Weide' [BZ-Billh, verbr.]. Die Gääß is im Schaare 'macht Schaden', hol se schnell raus! [ RO-Als]. An Michelsdag (29. Sept.) werd die Gääß zum Bock gefihrt, an Perersdag (22. Febr.) macht se 'wirft sie ihr Junges' [KL-Fischb, verbr.]. Gäiße sein Furrerverderwer, weil sie überall nur naschen und gleich weiterlaufen [ KU-Schmittw/O]. Vergleiche u. RA.: Die is so därr wie e G. [KB-Kriegsf, verbr.], dass. ironisch: so fett wie die G. am Knie [KL-Siegb, verbr.]. Der Hohlwangige hat Backe wie e G. [ KU-Kaulb]. Er kennt e G. zwische de Hörner kisse, dass. [KU-Ulm, verbr.]. Der Halsstarrige ist läädstellich 'hartnäckig' wie e G. [KL-Reichb, verbr.]. Du hoscht dich gemoschdert wie em Narr sei G., wer sich geschmacklos oder auffällig kleidet [KB-Bischh, verbr.]. Mach mol so schnell, wie e G. trippelt, Aufforderung zur Eile [BZ-Sarnst, verbr.], auch: wie e G. schwänzelt [ NW-Kallstdt]. Der Wehleidige verhält sich wie e lahm G. [Hebel 18]. Eine Dünnbeinige steht in weiten Stiefeln wie die G. im Melkeimer [Kaislt]. Der Glatzköpfige wird verspottet: Er hat so lang an der därr Gäiß gesoff un sich vore (vorn) die Hoor abgestuppt [ WD-Niedkch]. Vom Dummen heißt es: Er hat's inwendsich wie e G. 's Fett [KL-Reichb, verbr.]. Den Besserwisser weist man

[Bd. 3, Sp. 139]
zurecht: Er will e aldi G. brunze lerne [Zweibr]. Der Verrückte hat an'rer G. gesoff [ HB-Webh]. Belangloses macht die G. aa nit fett [ NW-Freinsh]. Der Anspruchslose hiet 'hütet' die G. for die Knuddele 'um den Geißenmist' [ RO-Feilbg]. Scherzh. Antwort auf die Frage nach dem Ergehen: Wie Millersch G. uf de Mischt [ ZW-Marthh]. Aufforderung zum Zahlen: Do die G. gebockt, do de Batze! [Kühn Palz 128, verbr.]. Scherzh. Prahlerei: Mer kennen's mache, mer han die G. verkääft [ KU-Bedb], dass. auch: Was e Hitz unner dem (viele) Veh! Gehschde erum, Gäiß! [ KU-Schmittw/O]. Der kriet noch kaan Pritsch vun meiner G. 'kriegt gar nichts' [ KU-Kaulb]. SprW.: Gure Gedanke un lahme Gääße kumme hinne nooh [Hebel 48]. Hot de Deiwel die G. geholt, kann er aach de Bock (auch: die Pritsch, de Strick) hole 'mag auch das Übrige verlorengehen' [RO-Als, verbr.]. Mit Gewalt hebt mer e G. (am Schwanz) rum 'mit äußerster Anstrengung gelingt alles' [LA-Mörzh, verbr.]. Wann mer die G. genumme hot 'übernommen hat', muß mer se aa hiede [Sunndag 18/1956, S. 3]. Alles, was recht isch, hot Gott lieb; un wer e G. stiehlt, isch kän Bocksdieb [ LA-Gommh]. BR.: 'me Wingert un 're G. isch's nie zu heeß [Zahn Pläsier 190]. Die Ortsneckerei Se Draase reire se uf de Gaaße s. PfWB taugen. VR. s. bei PfWB Amen, PfWB Bändel 1 b, PfWB Bein 1, PfWB Peter 2, PfWB Blatt 1 a, PfWB Bohnenblatt 1, PfWB Pritsche 1 a β, PfWB Brunnen 2, PfWB verrecken 1, PfWB Vieh 1 b, PfWB Roß. Brauchtum: Heiratet die jüngere Schwester vor der älteren, dann muß die Ältere der Jüngeren e Gäiß käife [KU-Schmittw/O IB-Alschb Schandein Bav. IV/2, 366]. Bis etwa 1914 galt in KL-Schneckhs der Kirchweihbrauch die G. erausdanze; vgl. PfWB austanzen. Am Kirbendienstag werd e G. geschlacht [IB-Eschring]. a. 1465-70: Item die geyß, die Im wald funden werden anders, dan vf der rechten strassen, steend eim waltfaut zu [SpeyHochst. Bl. 210]. a. 1590: dieweil wir auch befinden, daß am Sontag vnd inn der Wochen wann man predigt, geiß, genß vnd anderß in die Kirch lauffenn [ZweibrUrkb. 160]. —
b. s. PfWB Gelt-, PfWB Rehgeiß. —
2.
a. spött. 'große, magere weibliche Person', auch Schimpfw. [verbr.]. Syn. s. PfWB Gammel 1. Des isch e rechdi G. [LA-Gommh, verbr.], e langi, e därri G. [LU-Altr, verbr.]. Auch von weiblichen Personen mit anderen negativen Eigenschaften: e schnäkichi 'naschhafte' G. [ PS-Erfw]; e dummi G. [KU-Kaulb, verbr.]; e närrischi G., z. B. von einer Mannstollen [PS-Geisbg, verbr.]; e neidischi G. [ KB-Stett PS-Hermbg]; e gelt G. 'Frau, die keine Kinder bekommt' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Gelt-, PfWB Haber-, Seidengeiß. —
b.
α. spött. vom Schneider [RO-Sippf]; vgl. PfWB Geißbockschneider, PfWB Schneidergeiß. —
β. Uzname für die Bewohner von PS-Geisbg, Gääße [ PS-Schmalbg Heltbg Hermbg]; vgl.

[Bd. 3, Sp. 140]
PfWB Geißbock 2c. —
γ. s. PfWB Angst-, PfWB Teufels-, PfWB Himmels-, PfWB Jammergeiß. —
c. 'abgetriebene, magere Stute' [ FR-Mörsch SP-Schiffstdt]; vgl. PfWB Geißbock 2 a. —
d. ein kleiner Fisch (ohne nähere Angabe) [ BZ-Dernb ]. —
3.
a. 'Spinnrad, an dem die Spule hinter dem Rad angeordnet ist, im Gegensatz zum Bock 4 f, an dem sie sich über dem Rad befindet' [(1900) KU-Herschw/ Petth KL-Fischb NW-Lach/Speyd LA-Mörzh]; vgl. Becker Vk. 68. —
b. 'aus dem Wipfel eines Tannenbäumchens gefertigter Teil des Spinnrades, von dem das Werg abgesponnen wird, im Gegensatz zum Rockenstab' [verbr. NWPf]. —
c. s. Pfluggeiß. —
d. 'Holzgerüst, auf dem der Pflug befördert wird' [ LU-Neuhf]; vgl. PfWB Pflugsschleife. —
e. 'Kutschersitz' [ NW-Wachh]; vgl. PfWB Bock 4 k. —
f. 'Leiterchen vorn am Heuwagen' [ KL-Ottb Erfb]. Zs. PfWB Mistgeiß. —
g. 'Gerüst, auf dem das geschlachtete Schwein liegt' [ NW-Frankeck]. —
h.
α. 'beim Geißwerfen verwendeter dreibeiniger Aststumpf' [ KU-Bedb Blaub]. —
β. 'Hebewinde mit drei oben zusammenlaufenden Beinen' [ BZ-Dierb]. —
i. 'die an den unteren Enden zusammengebundene Schürze der Graserin' [ FR-Flomh]. —
4.
a. 'ungerodeter Rest eines Kartoffelackers', Geeßche [ IB-Hass]. —
b. Gewannenname in RO-Sippf, Gaaß. Südhess. II 1189 ff.; RhWB Rhein. II 1145ff.; LothWB Lothr. 180 Gaiss; ElsWB Els. I 236; Bad. II 339.

 

   Gammel, Gämmelf.:
1. 'überaus große, schlanke (seltener dicke) weibliche Person, der oft Dummheit, Faulheit und Schlampigkeit zugeschrieben werden', Schimpfw., Gammel (gaməl, gḁ-) [verbr. nördl. WPf NPf nördl. VPf, seltener übrige Pfalz], Gämmel [ KB-Dannfs]; e groß G. [ KB-Mörsf]; e langi G. [ PS-L'mühl]; e dummi G. [ RO-Höring]; die faul G. [ RO-Potzb]; e fauli G. [Schandein Sprachsch.]; e läppschi G. [ RO-Börrstdt]; e aldi G. [ NW-Niedkch]. Syn.: PfWB Baumwurzel, PfWB Bohnenstange 2, -stecken 2, PfWB Tier 3 a γ, PfWB Trampel 1 a, PfWB Trampeltier 2, PfWB Trumpel1 1 a, PfWB Tüte 2 c, Elfrippige, PfWB Gabel II 2, PfWB Gackel1 1 a, PfWB Gaffel 2, PfWB Gake, PfWB Gala2, PfWB Gampel 1 a, PfWB Gamschel, PfWB Gans 2 b β, PfWB Gänsegeißel 2, PfWB Gartengeländer, PfWB Gaukel 1 a, PfWB Gaukler, PfWB Gautsche 2, PfWB Gautschel 2, PfWB Geiß 2 a, PfWB Geißel 2, PfWB Gerte 3, PfWB Gesteck, PfWB Gestell, PfWB Gockel, PfWB Goje, PfWB Gurre, PfWB Heuscheuer, PfWB Hopfenstange, Langbeinige, PfWB Latte, PfWB Schwinggerte, PfWB Stange, PfWB Stecken, PfWB Steckenreff, PfWB Storren.
2.
a. 'Tratschweib', Gammel [ KL-Mehling KB-Mauchh]. Syn. s. PfWB Quatschmaul. —
b. 'dumme, kindische Person', Gammel [FR-O'sülz Zahn Pläsier 225]; vgl. PfWB Gampel 2. — Südhess. II 1070/71; RhWB Rhein. II 995.

 


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