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 PfWB Geiß(en)-bitsch (Bd. 3, Sp. 143)   PfWB Geiß (Bd. 3, Sp. 137)   PfWB Vieh (Bd. 2, Sp. 1358) 
  -bitsch f.: 'Ziege', Kinderspr., Gääßebitsch, Dim. -bitschche [ KU-Bedb]; vgl. PfWB Bitsch. Syn. s. PfWB Geiß 1 a. Saarbr. 77. —

 

   Geiß f.:
1.
a. 'weibliche Ziege', Gääß (gs), Geeß (gēs), Gaaß (gās, gs), Gäiß [zur Verbr. s. K. 152]; Pl. -e (-ə); Dim. -che (-χə, -jə) mit Pl. -cher/-jer [WPf (ohne Ost-PS) NPf (ohne Nordspitze) nördl. VPf], -el (-əl) mit Pl. -le (-lə) [Ost-PS mittl. u. südl. VPf, um Land mit Pl. -lich]; Sonderformen des Dim.: Gääßelche mit Pl. -cher [mancherorts ganze Pf], Gääßi mit Pl. Gääßicher [ RO-Als Bing], Gaaßi [ RO-Rehborn]. Der Rasse nach unterscheidet man: Saaner, Salzbur-

[Bd. 3, Sp. 138]

ger, Schweizer, Ulmer G.; nach besonderen Merkmalen: Bettel-, Bitschen-, Platt-, Horn-, Hörner-, Juden-, Kälber-, Mecker-, Schmalgeiß. Syn.: Abrahams-, PfWB Bergmannskuh, Hatte, PfWB Heppes, PfWB Kitz, PfWB Mecker, PfWB Meckes, PfWB Mick, Steinhauerskuh, PfWB Zicke, PfWB Zickmäh, PfWB Ziege. Ich muß noch d' Gääße melke [GH-Kand, verbr.]. Die Kinner fahren mit de G. uf die Wääd 'treiben die G. auf die Weide' [BZ-Billh, verbr.]. Die Gääß is im Schaare 'macht Schaden', hol se schnell raus! [ RO-Als]. An Michelsdag (29. Sept.) werd die Gääß zum Bock gefihrt, an Perersdag (22. Febr.) macht se 'wirft sie ihr Junges' [KL-Fischb, verbr.]. Gäiße sein Furrerverderwer, weil sie überall nur naschen und gleich weiterlaufen [ KU-Schmittw/O]. Vergleiche u. RA.: Die is so därr wie e G. [KB-Kriegsf, verbr.], dass. ironisch: so fett wie die G. am Knie [KL-Siegb, verbr.]. Der Hohlwangige hat Backe wie e G. [ KU-Kaulb]. Er kennt e G. zwische de Hörner kisse, dass. [KU-Ulm, verbr.]. Der Halsstarrige ist läädstellich 'hartnäckig' wie e G. [KL-Reichb, verbr.]. Du hoscht dich gemoschdert wie em Narr sei G., wer sich geschmacklos oder auffällig kleidet [KB-Bischh, verbr.]. Mach mol so schnell, wie e G. trippelt, Aufforderung zur Eile [BZ-Sarnst, verbr.], auch: wie e G. schwänzelt [ NW-Kallstdt]. Der Wehleidige verhält sich wie e lahm G. [Hebel 18]. Eine Dünnbeinige steht in weiten Stiefeln wie die G. im Melkeimer [Kaislt]. Der Glatzköpfige wird verspottet: Er hat so lang an der därr Gäiß gesoff un sich vore (vorn) die Hoor abgestuppt [ WD-Niedkch]. Vom Dummen heißt es: Er hat's inwendsich wie e G. 's Fett [KL-Reichb, verbr.]. Den Besserwisser weist man

[Bd. 3, Sp. 139]
zurecht: Er will e aldi G. brunze lerne [Zweibr]. Der Verrückte hat an'rer G. gesoff [ HB-Webh]. Belangloses macht die G. aa nit fett [ NW-Freinsh]. Der Anspruchslose hiet 'hütet' die G. for die Knuddele 'um den Geißenmist' [ RO-Feilbg]. Scherzh. Antwort auf die Frage nach dem Ergehen: Wie Millersch G. uf de Mischt [ ZW-Marthh]. Aufforderung zum Zahlen: Do die G. gebockt, do de Batze! [Kühn Palz 128, verbr.]. Scherzh. Prahlerei: Mer kennen's mache, mer han die G. verkääft [ KU-Bedb], dass. auch: Was e Hitz unner dem (viele) Veh! Gehschde erum, Gäiß! [ KU-Schmittw/O]. Der kriet noch kaan Pritsch vun meiner G. 'kriegt gar nichts' [ KU-Kaulb]. SprW.: Gure Gedanke un lahme Gääße kumme hinne nooh [Hebel 48]. Hot de Deiwel die G. geholt, kann er aach de Bock (auch: die Pritsch, de Strick) hole 'mag auch das Übrige verlorengehen' [RO-Als, verbr.]. Mit Gewalt hebt mer e G. (am Schwanz) rum 'mit äußerster Anstrengung gelingt alles' [LA-Mörzh, verbr.]. Wann mer die G. genumme hot 'übernommen hat', muß mer se aa hiede [Sunndag 18/1956, S. 3]. Alles, was recht isch, hot Gott lieb; un wer e G. stiehlt, isch kän Bocksdieb [ LA-Gommh]. BR.: 'me Wingert un 're G. isch's nie zu heeß [Zahn Pläsier 190]. Die Ortsneckerei Se Draase reire se uf de Gaaße s. PfWB taugen. VR. s. bei PfWB Amen, PfWB Bändel 1 b, PfWB Bein 1, PfWB Peter 2, PfWB Blatt 1 a, PfWB Bohnenblatt 1, PfWB Pritsche 1 a β, PfWB Brunnen 2, PfWB verrecken 1, PfWB Vieh 1 b, PfWB Roß. Brauchtum: Heiratet die jüngere Schwester vor der älteren, dann muß die Ältere der Jüngeren e Gäiß käife [KU-Schmittw/O IB-Alschb Schandein Bav. IV/2, 366]. Bis etwa 1914 galt in KL-Schneckhs der Kirchweihbrauch die G. erausdanze; vgl. PfWB austanzen. Am Kirbendienstag werd e G. geschlacht [IB-Eschring]. a. 1465-70: Item die geyß, die Im wald funden werden anders, dan vf der rechten strassen, steend eim waltfaut zu [SpeyHochst. Bl. 210]. a. 1590: dieweil wir auch befinden, daß am Sontag vnd inn der Wochen wann man predigt, geiß, genß vnd anderß in die Kirch lauffenn [ZweibrUrkb. 160]. —
b. s. PfWB Gelt-, PfWB Rehgeiß. —
2.
a. spött. 'große, magere weibliche Person', auch Schimpfw. [verbr.]. Syn. s. PfWB Gammel 1. Des isch e rechdi G. [LA-Gommh, verbr.], e langi, e därri G. [LU-Altr, verbr.]. Auch von weiblichen Personen mit anderen negativen Eigenschaften: e schnäkichi 'naschhafte' G. [ PS-Erfw]; e dummi G. [KU-Kaulb, verbr.]; e närrischi G., z. B. von einer Mannstollen [PS-Geisbg, verbr.]; e neidischi G. [ KB-Stett PS-Hermbg]; e gelt G. 'Frau, die keine Kinder bekommt' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Gelt-, PfWB Haber-, Seidengeiß. —
b.
α. spött. vom Schneider [RO-Sippf]; vgl. PfWB Geißbockschneider, PfWB Schneidergeiß. —
β. Uzname für die Bewohner von PS-Geisbg, Gääße [ PS-Schmalbg Heltbg Hermbg]; vgl.

[Bd. 3, Sp. 140]
PfWB Geißbock 2c. —
γ. s. PfWB Angst-, PfWB Teufels-, PfWB Himmels-, PfWB Jammergeiß. —
c. 'abgetriebene, magere Stute' [ FR-Mörsch SP-Schiffstdt]; vgl. PfWB Geißbock 2 a. —
d. ein kleiner Fisch (ohne nähere Angabe) [ BZ-Dernb ]. —
3.
a. 'Spinnrad, an dem die Spule hinter dem Rad angeordnet ist, im Gegensatz zum Bock 4 f, an dem sie sich über dem Rad befindet' [(1900) KU-Herschw/ Petth KL-Fischb NW-Lach/Speyd LA-Mörzh]; vgl. Becker Vk. 68. —
b. 'aus dem Wipfel eines Tannenbäumchens gefertigter Teil des Spinnrades, von dem das Werg abgesponnen wird, im Gegensatz zum Rockenstab' [verbr. NWPf]. —
c. s. Pfluggeiß. —
d. 'Holzgerüst, auf dem der Pflug befördert wird' [ LU-Neuhf]; vgl. PfWB Pflugsschleife. —
e. 'Kutschersitz' [ NW-Wachh]; vgl. PfWB Bock 4 k. —
f. 'Leiterchen vorn am Heuwagen' [ KL-Ottb Erfb]. Zs. PfWB Mistgeiß. —
g. 'Gerüst, auf dem das geschlachtete Schwein liegt' [ NW-Frankeck]. —
h.
α. 'beim Geißwerfen verwendeter dreibeiniger Aststumpf' [ KU-Bedb Blaub]. —
β. 'Hebewinde mit drei oben zusammenlaufenden Beinen' [ BZ-Dierb]. —
i. 'die an den unteren Enden zusammengebundene Schürze der Graserin' [ FR-Flomh]. —
4.
a. 'ungerodeter Rest eines Kartoffelackers', Geeßche [ IB-Hass]. —
b. Gewannenname in RO-Sippf, Gaaß. Südhess. II 1189 ff.; RhWB Rhein. II 1145ff.; LothWB Lothr. 180 Gaiss; ElsWB Els. I 236; Bad. II 339.

 

   Vieh n.:
1.
a. (Kollektiv) 'Rindvieh', im weiteren Sinne 'Nutztiere der Hauswirtschaft überhaupt', Vieh (fī), Veh (fē), Viech (fīχ), Veech (fēχ), zur Verbr. s. K. 127. Beim Rindvieh unterscheidet man: nach der Verwendung: Fahr-, Fasel-, Fett-, Fuhr-, Mast-, Milch-, Nutz-, Schlacht-, Stall-, Stell-, Weide-, Zucht-, Zugvieh; nach der Gattung: Fleck-, Franken-, Glan(tal)-, Glan-Donnersberg-, Scheck-, Schweizervieh, Simmentaler V. Scheltnamen für das V.: Teufels-, Donnerkeils-, Dreck-, Hundsvieh. Sonstige Zs.: PfWB Tauben-, PfWB Feder-, PfWB Geißen-, PfWB Groß-, PfWB Horn-, PfWB Hühner-,

[Bd. 2, Sp. 1359]

Hünkels-, Juden-, Jung-, Katzen-, Klauen-, Klein-, Kühe-, Lumpen-, Mords-, Ochsen-, Raben-, Rassen-, Ratten-, Rind-, Sau-, Schaf-, Schweine-, Spatzen-, Wasser-, Zwergvieh. Bezeichnung für Geflügel und Kleingetier: 's klään V. [GH-Scheibhdt, verbr.]. Das Veech freßt un sauft [ BZ-Dernb]. 's Vieh dut weeðe 'auf der Hutweide weiden' [ Gal-Dornf]. Ich muß noch 'm V. engewwe 'Futter reichen' [ KU-Bedb]. Mer missen 's V. fierere [BZ-Klingmst, verbr.]. Mer tränken 's V. [ RO-Obd, allg.]. 's Vieh muß mer striele un bärschde (striegeln und bürsten) [Gal-Dornf, verbr.]. Im Herbscht treibt mer 's V. aus (auf die abgeernteten Wiesen) [GH-Kand, verbr.]. Die Kinner hieden 's V. [BZ-Dernb, verbr.]. Fohren häim merrem V.! 'Treibt das V. heim! [KU-Schmittw/O, verbr.]. Beim Ackern muß mer 's V. fehre [ZW-Hornb, verbr.], aach treiwe, damit es gut im Schritt geht [KB-Bubh, verbr.]. RA.: Do geht's her wie beim V., von ungesittetem Verhalten [ KL-Stelzbg]. Das es der e Hitz unner dem Veh! 'Unter den vielen Menschen ist es sehr warm' [ KU-Kaulb]. Das git (gibt) so geschlacht 'wohlgenährt' Veh, wu sich glei nooch'm Fresse lecht, von bequemen Menschen [ LA-Edk]. SprW.: Kleen Vieh macht aach Mischt [Krieger 44]. Weitere SprW. s. PfWB Pfarrerstochter, PfWB vergleichen 2. Volksgl. s. PfWB behexen. BR.: Wann 's V. die Hoor stellt, gibt's Ree (Regen) [ KL-Wörsb]. a. 1425: wann die Herrn in der Erndt schneiden, ... so sollen der armen leuthe Viehe hynach gehen [Vogel 49]. a. 1437: Wer iß sache, daß das hemelfleysche nit gangbar were, so mochte der herre ... gryfen an eine kuwe oder ander vehe, daß er sin folke gelibbern 'beliefern' möge

[Bd. 2, Sp. 1360]
[PfWeist. I 97 (SP-Berghs)]. a. 1581: Welcher hirtt eim nachpfarn ein vih verliert vnd nit redlich vrsachen ahnzeigen kan, wie es gestorben oder woh es hinkomen sey, der soll das vih bezallen [ebd. I 47 (KU-A'glan)]. —
b. 'Tier', Sing. Vieh, Veh, Viech, auch Stick V. [verbr.], Pl. Viecher, Sticker Vieh, Dim. Viehche, Vehche; vgl. PfWB Tier 1 a. Unser Vieh hot net ufgenumm 'Unsere Kuh ist nicht trächtig geworden' [ FR-Bockh]. Scheuchruf: Viech! [ GH-Max'au]; du alt Veh! [RO-Sippf]. Er frißt wie e Stick Vieh 'Er ißt viel' [KB-Kerzh, verbr.]. Er hot g'soffe wie e V. [LA-Nd'hochstdt, verbr.]. Er schafft wi e Stick V., wer immerzu arbeitet [KB-Bischh, verbr.]. Du stellscht dich dran wie e Stick V., wer sich ungeschickt anstellt [ KL-Lind]. Die hält aus wie e V., bei einer schweren Geburt [ RO-Dielkch]. Ich han Hunger wie e V. [ IB-Bliesmg/Bolch]. Er es dumm wie e Stick V. [ ZW-Gr'bundb]. SprW.: E Stick V. is e Stick V. [ Gal-Dornf]. 's V. wääß, wann's genung hot, der Mensch net [ BZ-Dernb]. E Bauer is e Gaul, un e Gaul is e Stick V. [ KL-Reichb]. Volksgl.: Wammer uf der Quatember (Fasten- und Gebettag) wäscht, geht em ken V. dot, bis der Quatember widder kummt [Fogel Beliefs Penns Nr. 1311]. Wann en Stick V. uf die Welt kummt, soll mer'm en Stick vun seim Ohr abschneide un sage: Do, Mittwoch, hoscht dein Sach [ebd. Nr. 838]. KR.: Unser Marie hot siwwe Stick Vieh, e Schoof un e Gääß, isch alles, was ich wääß [ BZ-Hofstätt]; der zweite Teil auch: (hot) e Kihle im Stall, gebt Millich for uns all [ebd.]. —
2.
a. abfällige Bez. und Schimpfw. für einen dummen, groben und ungesitteten Menschen; vgl. PfWB Tier 3 a, PfWB Viehhafen 2. Zs.: PfWB Dreck-, PfWB Erz-, PfWB Horn-, PfWB Hunds-, Maurer-, PfWB Mond-, PfWB Rind-, PfWB Sau-, PfWB Urvieh. Syn. s. PfWB Rüpel. Des is e V.! [KU-Bedb, verbr.]. Das is e lang Stick V., von einem großen Mann [ KU-Nerzw]. Dumm Stick V., heer doch emol Ruh! 'höre doch endlich auf' [ KU-Schmittw/O]. Das Stick V. verfehrt die kläine Kinn 'verleitet die Kinder zum Bösen' [ebd.]. Die Sticker V. hun die rohe Äier ausgesoff [ebd.]. Du Stick V.! [HB-Nd'gailb, verbr.]. Du dumm Stick V.! [ KL-N'hemsb]. —
b. scherzh. von einem Alleskönner, von einem Spaßvogel: Du Viech! [ IB-Hass]. — Südhess. II 711 ff.; RhWB Rhein. IX 103/04; LothWB Lothr. 158; ElsWB Els. I 90/91; Bad. II 144.