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 PfWB Geiß(en)-bitsch (Bd. 3, Sp. 143)   PfWB Geiß (Bd. 3, Sp. 137)   PfWB Brunnen (Bd. 1, Sp. 1289) 
  -bitsch f.: 'Ziege', Kinderspr., Gääßebitsch, Dim. -bitschche [ KU-Bedb]; vgl. PfWB Bitsch. Syn. s. PfWB Geiß 1 a. Saarbr. 77. —

 

   Geiß f.:
1.
a. 'weibliche Ziege', Gääß (gs), Geeß (gēs), Gaaß (gās, gs), Gäiß [zur Verbr. s. K. 152]; Pl. -e (-ə); Dim. -che (-χə, -jə) mit Pl. -cher/-jer [WPf (ohne Ost-PS) NPf (ohne Nordspitze) nördl. VPf], -el (-əl) mit Pl. -le (-lə) [Ost-PS mittl. u. südl. VPf, um Land mit Pl. -lich]; Sonderformen des Dim.: Gääßelche mit Pl. -cher [mancherorts ganze Pf], Gääßi mit Pl. Gääßicher [ RO-Als Bing], Gaaßi [ RO-Rehborn]. Der Rasse nach unterscheidet man: Saaner, Salzbur-

[Bd. 3, Sp. 138]

ger, Schweizer, Ulmer G.; nach besonderen Merkmalen: Bettel-, Bitschen-, Platt-, Horn-, Hörner-, Juden-, Kälber-, Mecker-, Schmalgeiß. Syn.: Abrahams-, PfWB Bergmannskuh, Hatte, PfWB Heppes, PfWB Kitz, PfWB Mecker, PfWB Meckes, PfWB Mick, Steinhauerskuh, PfWB Zicke, PfWB Zickmäh, PfWB Ziege. Ich muß noch d' Gääße melke [GH-Kand, verbr.]. Die Kinner fahren mit de G. uf die Wääd 'treiben die G. auf die Weide' [BZ-Billh, verbr.]. Die Gääß is im Schaare 'macht Schaden', hol se schnell raus! [ RO-Als]. An Michelsdag (29. Sept.) werd die Gääß zum Bock gefihrt, an Perersdag (22. Febr.) macht se 'wirft sie ihr Junges' [KL-Fischb, verbr.]. Gäiße sein Furrerverderwer, weil sie überall nur naschen und gleich weiterlaufen [ KU-Schmittw/O]. Vergleiche u. RA.: Die is so därr wie e G. [KB-Kriegsf, verbr.], dass. ironisch: so fett wie die G. am Knie [KL-Siegb, verbr.]. Der Hohlwangige hat Backe wie e G. [ KU-Kaulb]. Er kennt e G. zwische de Hörner kisse, dass. [KU-Ulm, verbr.]. Der Halsstarrige ist läädstellich 'hartnäckig' wie e G. [KL-Reichb, verbr.]. Du hoscht dich gemoschdert wie em Narr sei G., wer sich geschmacklos oder auffällig kleidet [KB-Bischh, verbr.]. Mach mol so schnell, wie e G. trippelt, Aufforderung zur Eile [BZ-Sarnst, verbr.], auch: wie e G. schwänzelt [ NW-Kallstdt]. Der Wehleidige verhält sich wie e lahm G. [Hebel 18]. Eine Dünnbeinige steht in weiten Stiefeln wie die G. im Melkeimer [Kaislt]. Der Glatzköpfige wird verspottet: Er hat so lang an der därr Gäiß gesoff un sich vore (vorn) die Hoor abgestuppt [ WD-Niedkch]. Vom Dummen heißt es: Er hat's inwendsich wie e G. 's Fett [KL-Reichb, verbr.]. Den Besserwisser weist man

[Bd. 3, Sp. 139]
zurecht: Er will e aldi G. brunze lerne [Zweibr]. Der Verrückte hat an'rer G. gesoff [ HB-Webh]. Belangloses macht die G. aa nit fett [ NW-Freinsh]. Der Anspruchslose hiet 'hütet' die G. for die Knuddele 'um den Geißenmist' [ RO-Feilbg]. Scherzh. Antwort auf die Frage nach dem Ergehen: Wie Millersch G. uf de Mischt [ ZW-Marthh]. Aufforderung zum Zahlen: Do die G. gebockt, do de Batze! [Kühn Palz 128, verbr.]. Scherzh. Prahlerei: Mer kennen's mache, mer han die G. verkääft [ KU-Bedb], dass. auch: Was e Hitz unner dem (viele) Veh! Gehschde erum, Gäiß! [ KU-Schmittw/O]. Der kriet noch kaan Pritsch vun meiner G. 'kriegt gar nichts' [ KU-Kaulb]. SprW.: Gure Gedanke un lahme Gääße kumme hinne nooh [Hebel 48]. Hot de Deiwel die G. geholt, kann er aach de Bock (auch: die Pritsch, de Strick) hole 'mag auch das Übrige verlorengehen' [RO-Als, verbr.]. Mit Gewalt hebt mer e G. (am Schwanz) rum 'mit äußerster Anstrengung gelingt alles' [LA-Mörzh, verbr.]. Wann mer die G. genumme hot 'übernommen hat', muß mer se aa hiede [Sunndag 18/1956, S. 3]. Alles, was recht isch, hot Gott lieb; un wer e G. stiehlt, isch kän Bocksdieb [ LA-Gommh]. BR.: 'me Wingert un 're G. isch's nie zu heeß [Zahn Pläsier 190]. Die Ortsneckerei Se Draase reire se uf de Gaaße s. PfWB taugen. VR. s. bei PfWB Amen, PfWB Bändel 1 b, PfWB Bein 1, PfWB Peter 2, PfWB Blatt 1 a, PfWB Bohnenblatt 1, PfWB Pritsche 1 a β, PfWB Brunnen 2, PfWB verrecken 1, PfWB Vieh 1 b, PfWB Roß. Brauchtum: Heiratet die jüngere Schwester vor der älteren, dann muß die Ältere der Jüngeren e Gäiß käife [KU-Schmittw/O IB-Alschb Schandein Bav. IV/2, 366]. Bis etwa 1914 galt in KL-Schneckhs der Kirchweihbrauch die G. erausdanze; vgl. PfWB austanzen. Am Kirbendienstag werd e G. geschlacht [IB-Eschring]. a. 1465-70: Item die geyß, die Im wald funden werden anders, dan vf der rechten strassen, steend eim waltfaut zu [SpeyHochst. Bl. 210]. a. 1590: dieweil wir auch befinden, daß am Sontag vnd inn der Wochen wann man predigt, geiß, genß vnd anderß in die Kirch lauffenn [ZweibrUrkb. 160]. —
b. s. PfWB Gelt-, PfWB Rehgeiß. —
2.
a. spött. 'große, magere weibliche Person', auch Schimpfw. [verbr.]. Syn. s. PfWB Gammel 1. Des isch e rechdi G. [LA-Gommh, verbr.], e langi, e därri G. [LU-Altr, verbr.]. Auch von weiblichen Personen mit anderen negativen Eigenschaften: e schnäkichi 'naschhafte' G. [ PS-Erfw]; e dummi G. [KU-Kaulb, verbr.]; e närrischi G., z. B. von einer Mannstollen [PS-Geisbg, verbr.]; e neidischi G. [ KB-Stett PS-Hermbg]; e gelt G. 'Frau, die keine Kinder bekommt' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Gelt-, PfWB Haber-, Seidengeiß. —
b.
α. spött. vom Schneider [RO-Sippf]; vgl. PfWB Geißbockschneider, PfWB Schneidergeiß. —
β. Uzname für die Bewohner von PS-Geisbg, Gääße [ PS-Schmalbg Heltbg Hermbg]; vgl.

[Bd. 3, Sp. 140]
PfWB Geißbock 2c. —
γ. s. PfWB Angst-, PfWB Teufels-, PfWB Himmels-, PfWB Jammergeiß. —
c. 'abgetriebene, magere Stute' [ FR-Mörsch SP-Schiffstdt]; vgl. PfWB Geißbock 2 a. —
d. ein kleiner Fisch (ohne nähere Angabe) [ BZ-Dernb ]. —
3.
a. 'Spinnrad, an dem die Spule hinter dem Rad angeordnet ist, im Gegensatz zum Bock 4 f, an dem sie sich über dem Rad befindet' [(1900) KU-Herschw/ Petth KL-Fischb NW-Lach/Speyd LA-Mörzh]; vgl. Becker Vk. 68. —
b. 'aus dem Wipfel eines Tannenbäumchens gefertigter Teil des Spinnrades, von dem das Werg abgesponnen wird, im Gegensatz zum Rockenstab' [verbr. NWPf]. —
c. s. Pfluggeiß. —
d. 'Holzgerüst, auf dem der Pflug befördert wird' [ LU-Neuhf]; vgl. PfWB Pflugsschleife. —
e. 'Kutschersitz' [ NW-Wachh]; vgl. PfWB Bock 4 k. —
f. 'Leiterchen vorn am Heuwagen' [ KL-Ottb Erfb]. Zs. PfWB Mistgeiß. —
g. 'Gerüst, auf dem das geschlachtete Schwein liegt' [ NW-Frankeck]. —
h.
α. 'beim Geißwerfen verwendeter dreibeiniger Aststumpf' [ KU-Bedb Blaub]. —
β. 'Hebewinde mit drei oben zusammenlaufenden Beinen' [ BZ-Dierb]. —
i. 'die an den unteren Enden zusammengebundene Schürze der Graserin' [ FR-Flomh]. —
4.
a. 'ungerodeter Rest eines Kartoffelackers', Geeßche [ IB-Hass]. —
b. Gewannenname in RO-Sippf, Gaaß. Südhess. II 1189 ff.; RhWB Rhein. II 1145ff.; LothWB Lothr. 180 Gaiss; ElsWB Els. I 236; Bad. II 339.

 

   Brunnen m.:
1.
a. 'natürliche Quelle, auch in gefaßter Form', vgl. PfWB Quelle. Zs. PfWB Lauf-, März-, Röhrenbrunnen. Do kummt än Brunne raus [ PS-Erfw], e Brinnche [verbr. WPf NPf], e Brinnelche [verbr. nördl. NPf], Brinn(e)l [verbr. VPf], Brinnle [ LU-Rh'gönh GH-Scheibhdt]; de klään Brunne, de grouß B. [ BZ-Dernb]; de gure B. 'Rohrbrunnenanlage mit schwefelhaltigem Wasser' [ NW-Freinsh]. De Brunne laaft [KU-Aschb, verbr.]. Die Naas laaft'm wie e Brinnelche [ RO-Obd Rockhs]. Kleine Kinder macht man glauben, sie seien aus dem Brunne (Brinnche, Brinnelche, Brinnel) geholt worden, wobei meist eine bekannte Quelle, mancherorts ein künstlicher Brunnen im oder beim Ort gemeint ist; vgl. PfWB Amme, PfWB Puppelchens-, Puppen-, PfWB Kindelsbrunnen, PfWB Frauenbrünnlein. Aus einem Kindergebet: Gottes Brinnel hot Wasser die Fille (Fülle) [ LU-Böhl, BZ-Dierb]. —
b. 'nasse Stelle in der Wiese', Brinnche [ IB-Hass KU-Heinzhs]. Zs. PfWB Gallen-, PfWB Hotzelbrunnen. —
c. 'Urinlache'; en Brinnel mache [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Bach 4. —
2. 'künstlich angelegter Brunnen', vgl. PfWB Born; e Brunne (Bronne) grawe [verbr., auch Gal]; de B. butze 'reinigen' [verbr.]; in de B. springe, in selbstmörderischer Absicht [ KU-Schmittw/O NW-Weish/S Gal-Dornf]. Zs. PfWB Pump-, PfWB Dorf-, Gemeinde-, PfWB Orts-, Schwengel-, PfWB Ziehbrunnen. SprW.: Jeder Brunne scheppt sich emol leer [Krieger 63, verbr.]. Kleene Brunne sin ball leer [PennsDeitschEck 17. 9. 1935]. De B. werd zugedeckt, wann 's Kalb versoffe is [NW-Hardbg u. Umg.]; Var. s. bei PfWB Pfuhlloch. WR.: Wann de B. schwitzt, gibt's Reche (Regen) [ LU-Böhl, ZW-Käshf]; vgl. die Var. bei Pumpe 1 b. VR.: Das Mädel geht an de Brunne, hat e Kind gefunne. Wie soll's heißen? Böckel oder Geißel. Wer soll's heben? Die Mad aus'm Löwe. Wer soll die Windeln waschen? 's Mädel aus der Klappertasche [Kaislt]. Weitere KR. s. PfWB ausziehen 1 a, PfWB plumpsen, PfWB Roß, PfWB troß. Volksgl.: Eine Wöchnerin darf erst 6 Wochen nach der Entbindung zum B. gehen, sonst wachsen rote Würmer darin [Journal 1790, 8. St., S. 142-44]. a. 1507: ein bronnen im Dorf zu Alsenczbruck vf ihren costen graben vnd vfrichten sollen [PfWeist. I 24 (RO-Alsbr)]. a. 1515: vor eyn bast seyl uber den bronnen im vih hoff [GgHospR]. a. 1634: einen Aymer zum bronnen zu machen [WerschwSchR, Bl. 98]. —

[Bd. 1, Sp. 1290]

3. Grundw. in zahlreichen FlN; s. PfWB Allmend-, PfWB Pfingst-, PfWB Plätsch-, PfWB Tafels-, PfWB Teufels-, Geißels-, PfWB Gold-, PfWB Grieß-, PfWB Hunger-, PfWB Juden-, Jungfer-, PfWB Kessel-, PfWB Klingel-, PfWB Kranken-, PfWB Mai-, PfWB Meisen-, PfWB Oster-, PfWB Queck-, PfWB Quellen-, PfWB Spiegel-, PfWB Weedenbrunnen, PfWB Hasen-, Rös-, PfWB Sternbrünnchen, Bettel-, Eier-, Käse-, PfWB Saum-, PfWB Schäferbrünnlein. — F.: fast allg. brunə; bronə in NWPf Don-Lenauh; brounə in KU-Wahnwg WD-Ostbr PS-Herschbg; burə (neben brunə) in IB-Bliesmg/Bolch. In den histor. Belegen bis 1772 fast allg.: bronne(n). Zum Komplex Born/Brunnen s. die Ausführungen bei Born (Sp. 1108/22 ff.). — Südhess. I 1175; RhWB Rhein. I 1050; LothWB Lothr. 68; ElsWB Els. II 191; Bad. I 346/47.