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| PfWB Ganasser (Bd. 3, Sp. 22) | DWB gans (Bd. 4, Sp. 1255) | |||
| I. Formen und verwandtschaft. 1) von auswärtiger verwandtschaft war längst bemerkt, dasz gans mit gr. χήν und lat. anser 'überein kommt' 1, 318a (vgl. 521), als durch Bopp das altindische wort hinzutrat, das unserem noch näher liegt, hañsas m., hañsî f., und auch die slav. wörter, die schon Henisch mit aufführt, erwiesen sich als verwandt und zum deutschen am nächsten stimmend im altsl. gsĭ f. 151a, poln. geś f. (gska f. [Bd. 4, Sp. 1256] gänschen, gsiór m. ganser), polabisch gongs, gunss u. ä., s. polab. sprache 118, dann mit vollends verlornem -n sloven. gós, russ. gus, niederwend. guss, und mit dem gewöhnlichen umsatz von g- in h- böhm. hus, husa f., oberwend. husy pl., sing. husyca f. (gänschen). auch litt. žasis, genauer žąsis, schemait. žansis ( comp. § 191), lett. zôss, altpreusz. sansy voc. s. 42. auch das kelt. ist verwandt, s. u. 5, a. weiter ausgreifende vergleichungen s. bei orig. eur. 347 ff., orig. indo-europ. 1, 387 ff. 2) am alterthümlichsten erscheint die hd. form: ahd. cans, gans, anser, auca, pl. cansi, gensi 4, 220; mhd. gans, pl. gense, auch noch im gen. dat. sg. gense, z. b.: zallen zîten drôt er mir (mit dem messer) 3) aber auch im germ. erscheint das n gewichen, wie es im altslav. und schon im skr. als halbvocalisch im verschwinden war. a) altn. gâs, pl. gæs, mit eingetretener ersatzdehnung (gassi m. ganser, s. u. gänsel 2), ags. gôs, pl. gês, engl. goose, pl. geese, schwed. gs, norw. dän. gaas, isl. gás (gespr. gaus). Ebenso fries., z. b. ostfr. gôs, pl. gosen, gose, göse 73b, nordfries. gôs 101, gus, pl. ges 102b. Ferner mnd. gôs, im pl. gôse Rein. vos 1997. 2915, doch vermutlich mit umlaut gespr.; goes 331, gosz 335, jetzt theils gôs (gûs), theils gaus, pl. gæs oder gäus, auch im norddeutschen hochdeutsch, z. b.: junker auf dem lande, die ihren frauen nicht gern hafer geben, dasz sie gühsen mesten können. hausb. 365. aber auch noch gâs, im Götting. ('selten gôs') 59b, selbst in zusammens. gâseblaume, gâsekop neben göæsekop u. ä. 59b. 66b. mnl. goes, jetzt aber gans, pl. ganzen, wie doch auch schon mnl. (fläm. noch goos 159b). b) auch mnd. und mnl. mit n, ersteres z. b. volksl. 567 ff., pl. gense Rein. vos 1632 und gl. (Lübbens ausg. s. 58), auch gansen dat. pl. 1673, als acc. RA. 595, das gestützt ist durch das gâse- in zusammens. neben göæse- vorhin, auch gansesmalt 15. jh. 64a, gensetegede Ssp. II, 58, 2 (s.gänsezehnte); mnl. gans Rein. 1701, gansen dat. pl. 1745, wo doch an hd. einflusz nicht zu denken ist. es müssen wol im altnd. gebiete gôs und gans neben einander bestanden haben (wie alts. cûst neben cunst, s. V, 2667). Ebenso im nrh. gebiete, im weitesten sinne verstanden, denn der Teuthonista gibt aus Cleve nur gans, pl. dat. gansen 99b, die Cölner gemma 1511 gans B 3a (aber gante ganser), während in Luxemburg gôs, pl. gês oder gais vorkommt 184, aber gänskraitchen gänsekräutchen 163; auch siebenb. goas. c) umgekehrt erscheint auch oberd. einzeln das n geschwunden oder im schwinden: sonneberg. gs (pl. gens) 20; nürnb. gãs 2, 84, mit genäseltem a, ebenso schwäb. bair. gramm. § 567 (wie krãz kranz u. a.); schweiz. gaus f. gans im canton Luzern 1, 432; schwäb. findet sich gaũs Augsb. wb. 180a, gûs, gusel f. gans in der kindersprache 250 (s. auch gôsz ganser u. II, 1, b); vgl. schweiz. kûst für kunst V, 2667 (schon in ahd. zeit), alem. gr. 168. ein erster ansatz zum schwinden des n ist die verlängerung des a, gâns, gânser u. ä., in md. und nordfränk. mundarten, z. b. hess. 115, thür. 4) aber im auslaut auch abweichend gestaltet. a) einmal wie von einer stammform gan, die zu gr. χήν stimmen würde, ein name des gansers, mnd. ganre anser mas hor. belg. 7, 26a aus der nd. gemma Lpz. 1503, jetzt in Fallersleben gander 5, 145, aber noch nordfries. gaaner 102, holst. ganner 2, 53, in der Zips goner 55b, gna darst. 243 (also auch md.), sächsisch gânert für gâner (wie gänsert für gänser). ferner in engl. mundarten ganner 391b, älter schott. ganer, ganaris pl., s. 1, 454b, schon ags. ganra 709, vocc. 29a. daneben steht zwar, wie nd. gander vorhin, engl. gander, ags. gandra, aber diesz ist aus jenem eher begreiflich, als umgekehrt, durch einschub des d wie in ἄνδρα aus anra, nhd. minder aus [Bd. 4, Sp. 1257] mhd. minre u. ä. oft. Auch hd. ein oder zwei spuren davon, einmal in oberbair. gander ganser 2, 53, aber mit der aussprache ganer oder ganr, die denn auch da die urspr. form bewahren mag, denn diesz bair. gander dem nd. ganter (s. e) gleichzusetzen ist nicht möglich. dann in dem ganner, der tauchergans des Bodensees sp. 1255, wo in der nebenform gann vielleicht auch das fem. dazu bewahrt ist; wenn sich einmal eine aufzeichnung des 13. statt des 16. jh. finden sollte, wird sie vielleicht ganre oder ganer m. und gane oder gan f. bieten. auch md. gantrich (nördl. v. Leipzig) ganser wird eig. gandrich, urspr. ganerich sein. b) schon unter ganner ward ags. ganot fulica verglichen, bei uns ist fulica hagelgans, snegans u. ä. n. gl. 184b, im prompt. parv. 186a ist ein vogel verzeichnet gante, bistarda (bistarda trappe, trapgans 75c), der herausg. und bei Halliw. 391b sieht darin den heutigen gannet, d. i. pelecanus bassanus, die schottische gans, bes. im Frith of Forth heimisch; aber gannet heiszt der vogel eig. in Cornwallis und Irland ( 4, 893), welsch aber gan oder gans (das. 894). wie dem auch sei, das ags. gannot, gewiss nicht entlehnt, war der name einer gänseart und das altengl. gante ist in der form dasselbe wort. c) mit ganot aber stimmt in der hauptsache ahd. ganazo und ganazzo anser, auch 'ganzo vel antrech, anetus' 4, 220; man sieht nach diesem ganzo und dem späteren ganze, ganz ganser (s. DWB ganze) das ganazo als erweitert an mit unechtem a, aber es wird umgekehrt sein. kommt doch bei den gleichen lauten von ahd. ganz integer unter allen formen bei 4, 221 ff. nicht eine mit so eingeschobenem a vor, zu ganazo aber tritt stützend als nebenform ahd. ganizo 2, 56, ganitzo gl. blas. 72b, mhd. ganiz anser (neben gans auca) anz. 3, 50, noch im 15. jh. ganysz anser n. gl. 25b (ja noch östr. ganis m. 1, 270, vgl. u. II, 1, b), mit echtem i, denn daraus begreift sich der umlaut in genz ganser Germ. 12, 204, jetzt sächs. gensch (auch gænsch), ohne umlaut im voc. inc. teut. gansch anser (neben gans auca, s. II, 1, b), sodasz das ahd. wort zugleich mit weichem und hartem z gegolten haben wird, wie auch in schwacher und starker form zugleich. d) dasz das -z bildend war, nicht stammhaft, verbürgt auch das merkw. östr. gánauser ganser 137, Schm.2 1, 924, älter gónaus 917, 1, 261, in Presburg gónauser 55b. es wird neben altem ganazo (auch ganaʒ? s. II, 1, b) und ganizo, ganiʒ auch ganuʒo, ganuʒ bestanden haben, das durch irgend welchen einflusz auch zu gánûʒ wurde (vgl. z. b. kückaus und gúckuser kukuk V, 2523). so galt für ente ahd. anat, anit und anut ( 1, 335 fg.), für binse pinaʒ, piniʒ und pinuʒ (3, 130), und auch da findet sich solche höhere betonung, verlängerung, ausweitung der endsilbe in bair. bímaiszen binse 1, 175, 15. jh. pimissen das., pimisz 519a, in einem voc. inc. teut. b 8b bimszen scirpus und bimissen ulva, est quaedam herba, liesch, ein verwandtes gewächs. und merkw. auch für anser in einem bair. voc. d. 15. jh. gamaizz 4, 291b, mit -m für -n wie eben in pimisz u. s. w. für biniʒ. An einer stammform gan neben gans ist nicht zu zweifeln, wie ähnlich vuhs fuchs in goth. faúhô, mhd. vohe eine stammform fuh neben sich hat. e) nd. steht neben gôs gans gante m. ganser Brem. wb. 2, 482, 141b, 59b (acc. sg. und pl. ganten), mnd. gante, auch nrh. in der gemma Cöln 1511 B 3b, gaent 37a; auch mit umlaut nd. ghente in einem nrh. gefärbten nd. voc. 37a, wie noch nl. gent, pl. genten, mnl. ghent hor. belg. 7, 12a; sie entsprechen dem hd. ganze und genz, werden also auch gleiche entstehung, d. h. alts. ganato, ganit u. ä. hinter sich haben, entsprechend dem ags. ganot u. b, das engl. ebenso zu gant wurde, auch für ganser: a gose and a gant 391b. wegen ganter s. u. ganser. 5) noch bleiben aber fragen übrig. a) haupts. nach dem gantae des Plinius hist. nat. 10, 22 (var. ganzae) von gänsen in Germanien, die dort so hieszen und selber oder ihre federn bis nach Rom bezogen wurden; es ist gewiss haupts. an die Rheinlande gedacht, er nennt die Morini, ein belgisches volk, von wo sie herdenweise bis Rom getrieben wurden; s. dazu orig. eur. 347, kulturpflanzen und hausthiere 268. diesz ganta kann dem auslaut nach nicht das ahd. gans, der sache nach nicht das ahd. ganzo oder nd. gante sein, das mit seinem -z oder -t zu bestimmt den ganser bezeichnete, um von gänsen überhaupt gelten zu können. Es wird aber keltisch sein, wo noch heute dentaler auslaut gilt: ir. gäl. gédh, géadh f. gans, corn. guit, gûdh gans u. s. w. (s. [Bd. 4, Sp. 1258] a. a. o. 349, 1, 388); ausfall eines n vor t mit ersatzdehnung ist im kelt. zum theil ein regelrechter vorgang ( gramm. 42), für ganser aber findet sich noch jetzt ir. gäl. gandal. möglich übrigens dasz im alten Rheinlande sich ein gall. ganta gans und ein germ. ganata ganser berührten. b) das ganta gilt aber noch bis tief ins mittelalter im latein, auch rom.: prov. ganta, guanta, wilde gans, storch 3, 423a, noch jetzt ganto (auch kranich), altfranz. gante, gente gans (Diez wb.2 1, 202); vom mlat. s. Ducange, auch 347 (als wildgans z. b. II, 1, e), es hat mit dem deutschen nichts zu thun, wird aber für Irland bezeugt bei Giraldus topogr. Hiberniae 1, 18 aucae minores albae, quae et gantes dicuntur, zugleich mit bezugnahme auf Plinius wie es scheint. c) aber auch das deutsche wort erscheint auf rom. boden, deutlich als rest aus alter zeit: span. gansa f. gans neben oca, und dazu ganso m. ganser (auch gänsebraten) neben ansar, gansaron m. junge gans; port. ganso m. ganser, gans. auch altfranz. nach 1, 665b ganse wilde gans, storch. II. Bedeutung und gebrauch. 1) gans in seiner genaueren bedeutung. a) gans f. gilt zwar im genauen sinne für das weibliche thier, aber auch als gesamtwort, mit einschlusz des gansers, wie umgekehrt lat. das masc. anser (das doch auch als f. vorkommt) mit für die gans, obwol es gewiss eig. den ganser bezeichnete, wie es denn die alten vocc. meist festhalten, indem sie für das weibliche thier das volksmäszige, spätlat. auca aufnehmen, z. b.: gans, auca, aber gantz, ein herr unter den gensen, anser voc. 1482 k ija; so war auch das skr. m. hañsas zugleich ganser und gans überhaupt (Wilson2 967a). bei uns gilt das f. ebenso z. b. bei ente, ziege, selbst kuh (s. V, 2547), während das n. bezeichnender wäre wie bei huhn. s. übrigens auch gänsin. b) ein masc. gans kommt zwar hd. vor, doch nur scheinbar, während im schwed. neben gs f. mundartlich wirklich gas, gs m. besteht, s. 187b (wie gr. χήν m. und f.). α) östr. im 15. jh. gans m. ganser, gänserich: der herczag hort dy wort des mans β) reiner erhalten im äuszersten südosten in gânes m. ganser (neben gans f.) in der Zips 53b, das unmittelbar auf ahd. ganaʒ oder ganuʒ zurückgeht, gewiss auch mhd. noch ganeʒ; auch das östr. ganis ganser u. I, 4, c mag dasselbe sein, doch vgl. dort ganisz 15. jh., freilich mit fehlendem umlaut. Eigen aus derselben gegend bei nachtr. 28a gansai m., s. über diesz -ai das. 15b und zum üblen weibe s. 70; es ist kosend gemeint, vgl. u. gänsel. γ) ein voc. inc. t. g 1a ( 37a) gibt neben gans auca gansch anser, masculus aucae, wo eine ältere ausg. h ija gantz hat; vielleicht ist das gansch die fortsetzung eines mhd. ganʒ m. neben ganz m. und gans f., obwol auch -nsch aus -nz nicht unmöglich ist (vgl.gensch u. I, 4, c). mhd. ganʒe ganser ist bewiesen durch nhd. ganse (s. d.), für ein ganʒ neben ganz spricht wol auch das würzb. gôsz m. ganser 2, 76 (vgl. I, 3, c). Eigen auch bei 750b 'gans, gent anser mas, goes anser foem.', diesz gans ganser kann wol nur aus einer hd. quelle übernommen sein, wie ganser das er gleichfalls anführt. c) bei der bedeutung ist zu bemerken ein ausweichen in verwandte vögelarten. wie die gans in art und gestalt zwischen ente und schwan steht (Linné begriff alle drei unter dem namen anates), so wird für das sanskritwort auch die bed. schwan angegeben (vergl.anser Amyclaeus vom schwan Virg. Cir. 488), die bergente, anas tadorna, heiszt nd. auch grafgôs, grabgans, die löffelente, anas clypeata, nd. auch lepelgôs, s. wb. 413, eine ahd. gl. aber gibt 'anetus, ganzo vel antrech' (entrich) 4, 220; vergl. das schwanken des rom. ganta I, 5, b, das auch dem mlat. worte eigen ist: s. auch ags. ganot fulica, das doch mit ahd. ganuʒ ganser stimmt, unter ganner und dieses selbst als 'tauchergans' und 'tauchente'. d) noch nhd. heiszen auch andere ähnliche vögel gans, auch heimische, z. b. die kropfgans in Östreich (s. vers. [Bd. 4, Sp. 1259] 296), die heergans, der reiher, die brandgans, fuchsgans u. a., anas tadorna, die trappgans, trappa (schon 15. jh., s. DWB I, 4, b), hagelgans (s. d.) das wasserhuhn, birkhuhn; auswärtige, wie die baumgans, löffelgans, schwemmergans. es mag urspr. schwimm- oder wasservogel überhaupt bedeutet haben, wie denn Linné unter anseres die schwimmvögel überhaupt begriff. im skr. hiesz der flamingo hañsaka. e) am nächsten aber steht dem engsten eigentlichen begriffe die wilde gans, anser minor, gregatilis 835b, die stammart aus der die hausgans durch zucht entstanden ist (über ort, art und alter dieser züchtung s. 267 fg.). α) ahd. 'wildiu gans, aucer' 4, 220, sie ist oberhalb grauer farbe, daher als graue von der weiszen hausgans unterschieden: ags. anser, hwît gôs, ganta græg gôs vocc. 62a, altn. grâgâs, s. 264a, noch norw. dän. graagaas, auch hd. bei 1350, 17 graw gans. sonst bei uns volksm. auch schneegans, hagelgans (und haalgans, wildgans 1349, 62), beide schon im 15. jh. gleich wildgans 544c, bei 598 auch hagere gans, anser sylvester, fulica; mehr bei mekl. thierb. 3, 13. auch blosz gans, von ihrem zuge mit geschrei heiszt es: sieh da! sieh da! trompetend zieht β) in einer redensart: es ist närrisch, dasz jemand vor das alter sorget, denn es kömmt von sich selber. wol dem, der mit der wilden gans in die wette lebet! sagt ein singender vagant bei kl. l. 205 (c. 9); ein ider lebet mit der wilden gans in den tag hinein. kanz. 712. 742. 748; weil du, den wilden gänsen gleich, in tag hinein lebest. 715, als freier wilder zugvogel, der nimmt wo er findet, gegenüber der hausgans, die es daheim gut hat, um geschlachtet zu werden; die redensart klingt recht nach den zuständen des 30jähr. krieges. aber das erste auch in anderer auffassung bei 599 von einem der sehr alt wird, wie bei 1348, 52, 1, 556 nur mit dieser auslegung er lebt mit der wilden gans (den wilden gänsen) um die wette, cornice vivacior est; vgl. bei 1350, 21 ein zaun wehret drei jahr, ein hund überwehret drei zäune ... ein kraw (cornix) drei wilde gäns u. s. w., alt als ein schneegans 1350, 43. γ) eine ganz andere bedeutung aber musz sie noch gehabt haben, wenn man ein schweres unrecht ihnen klagte (vgl. V, 922)): wer hie uf erden velschlich wirbt, das si den wilden gensen klagt! Zimm. chron. 4, 327, als könnten sie es den göttern melden, da bei den menschen keine hülfe zu finden, es wird an einen zug wildgänse und ihr 'trompetendes' geschrei gedacht sein (ein seitenstück zu den kranichen des Ibycus); ebenso den wilden gemsen klagen Hätzl. 282b. die seeleute warnt ein solcher zug vor einem kommenden sturme ( 1349, 68), von wildgänsen als halbgöttlichen oder unheimlichen wesen, männlichen wie weiblichen, belege aus der gegenwart und dem 15. jh. in myth. 1051 fg.; auch die gans war gewiss eine wilde, die kreuzfahrer mitführten, und wânten daʒ der heilig geist mit der gens wêr, und wânten daʒ kung Karl ûf gestanden wêr und mit füer und si belaitte Schm.2 1, 924.2) die zahme oder hausgans (altn. heimgâs), auch bauerngans; 3a unterscheidet horningsgans anser februus, stoppelgense anseres minores, welsche gense, anseres Penelopes majores (nach Odyss. 19, 536 fg.). sie heiszt auch die weisze gans (s. 1, e, α), z. b. in der vogelhochzeit: die weisze gans mit ihrem kragen a) von ihrem thun und leben. α) spricht man vom bindeschlüssel, so sagt mancher 'was frag ich nach dem bann? ich fresse durch den bann, wie eine gans gras frisset durch den zaun'. aber scherze, was du wilt .. 1344, zur sache vgl. rechtsalt. 595; ihr leibfutter aber ist hafer (daher mhd. habergans sitzungsber. der k. k. ak. 65, 389): eine gans, die im hafer gewesen ist, läszt es nicht mehr. sprichw. s. 76; darum sind sie gern im haberstroh (vgl. d.), d. h. auf einem geschnittenen haberfelde, wie es auch heiszt 4, 316, in den schwaden (strô von den halmen beim hauen z. b. Jeroschin 11970): [Bd. 4, Sp. 1260] wenn es wol geht, so ist ihm do drei gäns im haberstroh drei gäns im haberstro, trinkt ein gans, so trinken sie all. ganskönig H 6a; wenn die gans das wasser sieht, so zappelt ihr der steisz. spr. 3005, freilich mehr des schwimmens wegen. in boshaftem vergleich mit den weibern (vgl. gänseprediger, gänsemarkt): die weiber haben éinen witz mehr als die gänse, wenn es regnet, so gehen sie ins trockne. 3008.β) sie pfeift, zischt einen feind an: ir geschwetz achten wir als wan uns ein gans anpfiff. bien. 148b (1588 162a); es ist mir so viel als pfiffe mich eine gans an, flocci aestimo. 1, 317c, vgl. gänsepfeifen; die zischende gans, die die wolligen kleinen in schutz nahm. die enten schnattern, die gens stät dattern. bald gacktens auch den ganzen tag γ) von ihrer körperhaltung u. dgl., auch gemütsart: die falschen heiligen, wenn sie andechtig sein wöllen, werfen sie den kopf zu beiden seiten, wie eine gans gehet. gl. zu 1 kön. 18, 26; solt er an der bekandnus tanz, gäns gehnt barfusz, da steht man denn mit einmal dumm und stumm, [Bd. 4, Sp. 1261] aignen kopf. 1351, 20, jede gans hat ihren kopf, quot capita tot sensus 599. man sagt die gänse wären dumm. b) ihr wert im hause. α) als lebende hausgenossen gelten sie ziemlich wenig, nicht mehr wie im alterthum, wo sie auch königinnen (und göttinnen) lieblinge im hofe waren, wie in der Edda der Gudrun im ersten Gudrunliede str. 16, wo sie selbst an leid und klage der herrin theil nehmen (vgl. von ihrer sprache a, β), und in der Odyssee 19, 536 fg. der Penelope, dienten sie doch noch bei den späteren Griechen als liebesgeschenke (s. kulturpfl. 267). jetzt heiszt es z. b. um der gänse willen, für nichts und wieder nichts, z. b. in der Wetterau; und weiln er gleich mit weib und kindern aufbrach, dachte ich: er wird ja um der gänse willen nicht hinziehen (nach Moskau). Simpl. 2, 95 Kz. (5, 20); der gäns halben. Werth. ded. vorr.; hast du zur sachen zu reden, so thue das maul auf und denk nicht, dasz du umb einer gans willen da sitzest. 1351, 31. In launigem gegensatz zum menschen: ich wil .. gng sünden, er (gott) mag mich doch nit loszen verloren werden, ich thue wie vil ich well, er het doch das himelrich nit den gensen gemacht, sonder den menschen, gedanken eines leichtfertigen. christ. bilg. 37a, vgl. u. festen verb. (wo mit für nit druckf.); im folg. zugleich mit einer erwiderung: der himmel ist den gänsen nicht gebaut, den gottlosen auch nicht. 1497, 8; es gab aber wirklich einen gänsehimmel (s. d.). Ähnlich ein trost für geklätsch und nachrede: man musz die leut reden lassen, gäns könnens nicht. 1351, 36, spr. 1, 153b, und muesz man die leut reden laszen, die gens köndens (praes.) nit Zimm. chr. 3, 286, 36, noch nd. zum mekl. kräut. 3, 10b. ein politisch satir. spruch: dann wo nit leut sein, β) aber zum hause gehören sie doch: er waisz nicht wer seine gäns sein, albus an ater sit nescit, 1348, 66 nach 2, 454, weisz nichts von sich und seinen verhältnissen. von einer neuen bekanntschaft die sich rasch machte, heiszt es scherzhaft z. b.: ich wuszte bald oder er erzählte mir alle seine hühner und gänse (auch alle seine hühnchen und hähnchen), bes. in bezug auf seine familienverhältnisse. ja das musz nach folg. sogar einen bedeutendern hintergrund haben: e quercu natus sit an saxo ignoro, ich waisz nit, wer seine gens sind (als übers. der lat., homerischen redensart). Schm.2 1, 924, seine ältern, sein geschlecht, auch meine anten und gens, ahnen das. sp. 114, wofür ein beleg, waisz nit wer ihre enten oder gäns gwest sein, oben unter ente 5. ostfries. so wît lôpen sîn göse nich, so weit gehn seine begriffe nicht 73b, im anschlusz an rechtliche bestimmungen, wie weit eines gänse gehn dürfen, s. RA. 595. Dunkel ist auch ein abweisendes hohnwort, wo einer nach seinen gänsen einen andern fragt: sie (die romanisten) verachten aber die geschrift .. sprechen, ob die geschrift in der bibel alle wahr sei? und wann man in mit höchstem fleisz christlich ler (aus der bibel) vorsagt, sprechen sie alsbald 'hastu mein gens nit gesehen?' dial. 73, 13; wan dir ein groszer herr ein ere wölt thn, dir ein essen schicken, mst er dir selber das bringen und über die gassen har tragen? das .. wer ein grosz unvernunft, er det es ouch nit, er sprech 'hest du min gens nit gesehen?' christ. bilg. 211c; bestand der hohn darin, dasz man den andern plötzlich als gänsehirten, gänsejungen behandelte? dieses hirtenamt war doch damals nicht so gering als heutzutage: sprichw. wer spilen will, der musz nicht der gänse hüten. 1497; sie waren gegen den wolf zu schützen, der in allerlei beziehungen zu ihnen erscheint, z. b.: wenn der wolf die gänse betten lehret, so friszt er sie auch für das lehrgelt. 1497, 19, vgl. die gans mit dem wolfe tanzend volksl. 566. vielleicht waren jene worte der anfang eines volksliedes oder spieles, wie noch im Elsasz habt ihr den blauen storchen nicht gesehn? 5, 260. eigen dem pfaffen die gänse hüten, sterben, gestorben sein 1787 2, 160b, eig. den graswuchs auf dem kirchhof mehren helfen für des pfaffen gänse? vgl. unter gänsehimmel. γ) gans und schwan verglichen (vgl. 1, c): ein gans schnattert übel unter den schwanen. 1351, 23; gans unter den schwanen ... Saul inter prophetas, graculus inter musas, nos poma natamus (d. h. pferdeäpfel unter borsdorfern im bache). [Bd. 4, Sp. 1262] 1348, 43, zugleich mit gelehrtem anhalt in Virgils videor .. argutos inter strepere anser olores ecl. 9, 36, vergl. DWB nu lêrt de gans den swanen singen nr. 436; kan ich nicht singen wie ein schwan, warum sich diese gans bei so viel schwänen wage. vor dieser schar, die neben deiner schönheit schwan c) aber gerupft und gebraten wird sie hochgehalten. α) ihre federn: es will ein jeder gern ein feder von der gans haben. 1351, 29, wo einmal gebeutet wird, will jeder etwas; politisch angewandt in Brants klage über den verfall des reiches: den dunkt nit das er ettwas hab, β) als speise: esset was ihr habt, und lasset den leuten die gänse gehen, prov. in eos qui suis non sunt contenti. 1348, 68. fette, gemästete gans, auch als Martinszins (Martinsgans): ain gemesteu gans an sant Merteins tag. font. rer. austr. II, 6, 273 (14. jh.); gänse fretzen (frexen), nudeln, stopfen, mit gewaltsamer mästung fett machen; der müller auf der obermül γ) gebratene gans, das alte festessen im herbste: gense, hüener, vogel, swîn, ein gute gans ist lobenswert. dann wie das sprichwort sagen thut, so lasset uns all in gemein [Bd. 4, Sp. 1263] δ) die gans als martinsschmaus ist ohne zweifel uralt, und auch 'die mährchen, welche man von dem verkehr des heil. Martini mit den gänsen erzählet' (Adelung unter martinsgans) haben einen tiefen hintergrund; vgl. z. b. bei 571 den heiligen mitten unter den gänsen sitzend (s. a, α), eigentlich als ihr hirt (wie S. Antonius hirt der schweine); in einem andern Martinsliede: was haben doch die gense getan, der heilige sant Merten hat ε) die junge gans heiszt auch das 'gänsgekrös' 1, 317c, flügel, füsze, kragen, lebern, magen u. s. w. in einer pfefferbrüh o. p. 2, 322, Nürnb. kochb. 1734 257: die jung gans, acrocolia anseris, trunculi, fsz und kragen. 3b, ganskrös 835b, noch bair., auch gansjunges, ein junges von einer gans 2, 269; auch kleine gans, gänsekleint öcon. lex. Leipz. 1731 sp. 750, gänseklein. franz. petite oye franz. wb. 1, 1182, vergl. mlat. gantula neben ganta bei Ducange, orig. eur. 347. d) im scherze ist die rede von blauen gänsen oder enten (ähnlich Gellerts grünem esel), die eigentlich in ein fabelland gehören, mit dem man narren foppt oder fängt, s. im mhd. wb. 1, 478b von dem lande da die gens wern blaw und blaw gense sagen schon im 15. jh. schlechtweg für lügengeschichten als wahr erzählen, wie von blab enten sagen (als weinhausgeschwätz) Wilw. v. Schaumb. 64, s. unter ente 6, vgl. vom blauen storch Germ. 1, 335, 5, 259. an die verkehrte welt erinnert auch: er hat von sieben gänsen wurst zu machen u. ä., thut beschäftigt ohne es zu sein s. 76; vgl. gänsemilch. e) ein spiel im 16. jahrh. die gans gaht auf den predigstul. Garg. 166c (Sch. 307b), vergl. gänseprediger. s. auch gänslein, gänsespiel. 3) gans vom menschen. a) von vergleichungen und beziehungen zwischen beiden sind schon die angeführten redensarten voll. ein dicker z. b. wackelt, bummelt wie eine fette gans spr. 3018. beim ersten sprossen des bartes sagt man von dem jungen manne, er liegt mit den gänsen im kriege, d. h. processe, s. DWB V, 2217 (nd. mit den gösen im process liggen Brem. wb. 2, 530), ostpreusz. auch er ist noch mit dem ganter (ganser) im streit s. 76, *) dasz man auch des geopferten thieres oder menschen minne trank, urspr. aus seinem blute, läszt sich, glaub ich, aus Nib. 1897, 3 u. a. noch erkennen. [Bd. 4, Sp. 1264] d. h. es ist noch streitig, 'ob aus dem flaum federn oder haare wachsen' (J. Grimm oben I, 1141); auch wer sich nicht rechtzeitig hat scheren lassen, musz das wort hören, weil die haarstoppeln an kiele erinnern. von einem gar zu feigen (oder auch einfältigen) heiszt es, er ist so schlecht (so dumm) dasz ihn die gänse beiszen. von einem der einfältig in die welt geht und eben so klug wiederkommt: da er über die Elbe eine gans flog, kam er eine gans herwieder. Syr. 1, 127b; damit ein gans über meer fahr (also eine wilde) gleich wie ein gans fleugt über Rein, b) daher gans selbst vom menschen, schon mhd. (selbst gansaffe narr Renner 4205, fem. ganseffîn 4201): ir (Parzival) sît ein gans. er orhuon, er gans, er trappe! der sinne ein gans, der zühte ein kuo. Helbl. 2, 386; wir sind allhie nicht so grobe esel, gense oder enten, die .. von den papisten erst erlernen müsten das man eid und pflicht halten müsse. 8, 7a; ein solcher aufgeblasner hans c) besonders auch von weibern (vergl. schon mhd. den scherz des abtes 8, 98, 82), namentlich von mädchen (s. gänslein, gänschen): sie ist eine rechte gans, stupida est. 599; Lieschen. pfui, mutter! redt nicht so wunderlich! des abends erst! da könnten vollends die leute denken, er wolle des nachts bei mir bleiben. Marie. du bist eine dumme gans. eben der leute wegen will er nur abends kommen .. kom. op. 3, 158; bleiben sitzen, herr sekretarius! das weib ist eine alberne gans. cab. u. l. 1, 2; entweder sei sie eine gans, sich davor zu fürchten, oder ein luderchen. bei Riemer mitth. 2, 664; ihr seid ein paar gänse (der doctor zu seinen töchtern). Tit. 2, 47; eine gans war sie schon immer. ich glaube nicht, dasz sie jetzt ihren namen schreiben kann. ritter v. g. 2. buch 5. cap.; aber eine pächterin sagt auch von sich und ihres gleichen selber, im sinne der städterinnen: wir arme gäns' in unserm dörfchen hier, 4) andere übertragungen. a) eigen gans, membrum virile 156b, 1348, 59, 599, 1, 317c u. a., noch in Posen 71, in Nürnberg (von knaben) Schm.2 1, 924 (vgl. Fischart u. gänsekragen). und umgekehrt altn. gâs schonender ausdruck für die weibliche scham 194a, wie hd. gensel 175 u. öfter ( 174), das gensel fliesen (verlieren) deflorari 1, 863. isl. gás ist vulva vaccarum 1, 270b. vgl. DWB gänselöffel 2. b) bair. heiszt die gschorne oder gscherte gans semmelstücken in wassersuppe, mit in schmalz gerösteten zwiebelstücken übergossen 2, 56; vgl. schwed. smörgs ('buttergans') ein butterbrot, auch kurz gs 187b, wo mehr, z. b. gs ein stück butter in gewisser form. c) im salzwerke zu Allendorf in Hessen ein klumpen fertiges salzes. 16, 19, erinnert an das eben genannte schwedische gs und an das folgende, wie denn 1, 319a schwankend gänse, gense, gänze plur. angibt. [Bd. 4, Sp. 1265] d) in hochöfen roheisen, wie es aus dem ofen kommt, in gewisser form und grösze: dieses im hohen ofen geschmelzte eisen wird .. berausflieszend gelassen in eine form .. in ein grosz dreieckigtes stücke, so in 4 bis 6 centner wieget, und solches nennt man eine gans. hellpolierter bergbauspiegel Dresd. 1700 s. 153; bei 1, 318c ganz f., im Chemn. bergwerkslex. 235b unsicher 'gans oder ganz', doch mit vorziehung des letzteren, im pl.: frischen wird auch genennet, wenn die gänse oder gänze auf den eisenhämmern geschmelzet werden .. 220a, wie 'gänze, gänse' pl. 91, bei Adelung, 16, 20 gänse, eisengänse, ganseisen. westf. ne gous van blie, gegossene stange von blei 1, 355 (Schm.2 1, 925). da in der berg- und hüttensprache bilder von hausthieren genommen auch sonst häufig sind (s. u. DWB kühkamm), wird gans das echte sein, zumal nach dem gebrauch u. c und b. es heiszt freilich schwed. gös m., franz. gueuse f., ob entlehnt nach nd. göse pl., gänse? vgl. unter gang II, 3, b, α am ende. e) bei den schnittern ein arm voll halme, deren vier dann eine garbe bilden, bei Zeitz eine gans, anderwärts ein gänschen, im Anhaltischen ein frosch. 16, 18, gänschen öconom. lex. Leipzig 1731 sp. 840. f) in den sandsteinbrüchen zu Pirna heiszt die gans die grobe steinart, die nur zu mühlsteinen, säulen u. dgl. gebraucht wird. Krünitz, Adelung. g) ein gans, flotz ausz bintz gemacht oder knospen, darauf die knaben lernend schwümmen, mit einem schnabel als ein gans, scirpea ratis. 156b, nach 1118b. h) an der kelter die gänse, breter von hartem holze die über den stock (die trauben im kar) kommen, s. vers. 231. i) 'gäns und milch' heiszt die gänsedistel; vgl. gänsemilch. 5) die zusammensetzung geschieht theils mit gänse- theils mit gans-, letzteres hauptsächlich oberd., während gänse- die md. und schriftdeutsche herschende bildung ist, oberd. und rheinisch meist gäns-, wie früher auch md. neben gänse- (vgl. Göthe u. gänseblümchen, Luther u. gänseei, gänsefeder); diesz gänse ist von haus aus nichts als der gen. sing. (s. I, 2), jetzt freilich und schon längst als pl. gefühlt, sodasz darin gänsebraten dem kälberbraten zur seite tritt. einzeln, z. b. bei 1349, auch gänsenfusz, gänsenflügel, im 16. jh. gensenthon clangor 339a, auch md. bei Luther gensenfedder (Dietz 2, 7b), nach dem adj. gänsen, gänsin (s. d.), wie mhd. kelberîn brâte, nhd. anfangs auch kälbernbrat; auch gansendistel, gansenfeld u. a. 1349, s. das adj. gansen.
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