Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Flamme (Bd. 2, Sp. 1420)   PfWB Mensch (Bd. 4, Sp. 1293)   PfWB Vieh-mensch (Bd. 2, Sp. 1364) 

[Bd. 2, Sp. 1420]
   Flamme f.:
1.
a. wie schd., Flamm (flḁm und flam, s. F.) [allg.], Pl. -e; Dim. Flämmche [WPf NPf nördl. VPf], Flämmel [mittl. u. südl. VPf Ost-PS]; e groß(i) F. [verbr., vgl. K. 10]; e Flämmche leeje 'Feuer legen' [ PS-Geisbg]. Die F. flackert (geht aus) [Kaislt, allg.]. Im Owwe kneckern fescht die Flamme [Kühn Schnitze II 4]. Rätsel: 's steht eppes hinner'm Haus, das brennt un kriegt ken F. (die Brennessel) [Wilde 33]. a. 1507: wer in disem gericht siczet vnd heltt für (Feuer) vnd flam vnd gemeinschafft, der ist dem carstfaut ein faßnachthun schuldig [PfWeist. I 25 (RO-Alsbr)]. —
b. 's Flämmel 'Lichterscheinung, die sich nachts über sumpfigem Gelände zeigt' [ NW-Niedkch]. —
2. übertr.
a. umgspr. 'Mädchen, für das ein Mann entflammt ist, Geliebte'; mein F.; er hot e F. [verbr.]; vgl. PfWB Mensch. —
b. Er is Feier un F. 'sehr begeistert' [RO-Dielkch, verbr.]; vgl. PfWB Feuer 2 c β. —
c. 'Rotlauf, Rose' [Beam Penns 35]; vgl. PfWB Feuer 2 b. — F.: Die Form flḁm (häufig flḁnm) überwiegt; in manchen Gegenden erscheint dunkles, dem ǫ angenähertes ḁ, so bes. mittl. u. südl. VPf (vgl. Bertram § 23, 24; Heeger Südostpf. § 52). In der NPf u. nördl. VPf ist flam (bzw. flanm) stärker verbreitet. In KL-Lind spricht (1951) die ältere Gener. ḁ, die jüngere a (Höh 46). Für die Auslandspfälzer gilt wohl immer a, allenfalls mit nur geringer Färbung. — Südhess. II 763/64; RhWB Rhein. II 545; Saarbr. 65; LothWB Lothr. 164; ElsWB Els. I 169; Bad. II 166.

 

   Mensch m., n.:
1. m. (nur hist. n.), wie schd., Mensch (męn, men) [verbr. VPf MPf mancherorts NPf, Schneckenburger 49 Lambert Penns 104 Beam Penns 70 Buffington-Barba Penns 155 Krämer Gal 148], Minsch (min) [verbr. SWPf mancherorts MPf NPf BZ-Hergw Münchw Silz Stein W'rohrb Christmann Kaulb 11, 94 Heeger Tiere I 17 Mang 90 Müller Dietschw 51 Don (Steinmetz)], Mansch (man) [ PS-Bruchw Schönau]; s. K. 290; Pl. -e; vgl. allmensch; Zs.: PfWB Blitz-, PfWB Geld-, PfWB Un-, PfWB Mit-, PfWB Viehmensch. Das is (isch) e angenehmer [ GH-Kand],

[Bd. 4, Sp. 1294]
gleichgilliger (gleichgültiger) [ KU-Adb, mancherorts], mißgunnischer [ RO-Lohnsf], schroher 'grober' [Ingb], grower [KL-Lind (Höh 105)], armselicher [ Don-Bulkes], gähschditziger 'leicht reizbarer' [ BZ-Dimb], iwwerzwäricher [ RO-Als], tappiger [ HB-Kirrbg], potticher 'pockennarbiger' [ KU-Albb], verhungerter 'geiziger' M. [ KU-Bedb]. Der isch e Ries vu'me M. [Pirmas]. Er is e liewer M. [ LU-Opp]. Adam war der erscht M. [ BZ-Dernb]. Keen M. glaabt, daß der krank is [ KL-Reichb]. Es guckt kan M. noo em [ KB-Kriegsf]. 's weiß kään M., wo der 's Geld all her hot [ KU-Schmittw/O]. Kän M. dut dem meh traue [Kraus Allseiläbdah 17]. Die Errsinniche sinn doch die ärmschte Mensche [ KL-Reichb]. RA.: kää M. un kää Seel 'überhaupt niemand' [ZW-Battw, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; e Bild vun eme M. 'ein sehr schöner, anmutiger Mensch' [ LU-Friesh, mancherorts]. Er is nor noch de halb (en halwe) M. 'infolge eines schweren Leidens' [ KU-Bedb, verbr]. Do guck emol e M. hin! Ausruf des Erstaunens, der Entrüstung [ KU-Kaulb, mancherorts]. M., Schoof Gottes! Ausruf, wenn einer aus Unwissenheit eine Dummheit begeht [ KU-Herschw/Petth]. 's gebt Mensche, Radfahrer un Schubkärch! Ausspruch, wenn man auf die Verschiedenartigkeit von Menschen hinweisen will [ KU-Bedb]. Es gibt allerhand Mensche, dass. [ HB-Kirrbg]. Der isch der brävschde M. wann er schlooft [ Rußl-Worms]. Glick muß de M. hawwe [Krieger 43]. SprW.: Im Wein sin schun mä' Mensche versoffe wie im Wasser [Wilde 263]. Berg un Dal kummen net z'samme, awer die Mensche [ NW-Haßl Spey GH-Schwegh]. Die erscht Fraa is vun Gott, die zwett vun de Mensche, die dritt vum Deiwel [verbr. Don Gal Buch]. Schlecht'r M., der meh git, wie 'r hat [ Don-Gottl]. M'r sieht erscht was der M. isch, wenn'r krank isch [ ZW-Battw]. Der unzufridde M. hot oft zuviel, awwer nie genunk [Penns]. VR.: Heidibidibeidi / Zu Basel licht mein Ranze; / Scher dich weg, du wieschter M. / Ich will nit mit dar (dir) danze [ BZ-Dierb], Var. s. PfWB Basel. Einen weiteren VR. s. PfWB Peter. 15. Jh.: Nachdem wir mentschen sterplich, vergencklich vnnd vergeßlich seint [PfWeist. 495 (RO-Falkst)]. a. 1417: wurde ein unfertig mensche begriffen, das solt man darin beslieszen, und solt der herren von Homburg amptman das Mensche halten uber nacht [Grimm Weist. V 610 (NW-Kallstdt u. a.)]. a. 1450: verleist iedes mensch, der sein zins nicht also dann gereicht hat, vier engels [ebd. 628 (KB-Göllh)]. a. 1629: Ide arme menschen so da leibesschwachheit halber nitt fort konen komen [PfWeist. 771 (FR-Gr'karlb)]. —
2. n., von 1. abweichender Pl.: Menscher, Minscher.
a. 'Mädchen, Frau', ohne negative Nebenbedeutung [IB-Bliesmg/Bolch Ensh (Glass 64) Ommh (Walle 38)]; Zs.: PfWB Tanz-,

[Bd. 4, Sp. 1295]

Fabrik-, Harfen-, Heiden- 1, PfWB Kuh-, PfWB Zigeunermensch; Bez. für eine große weibl. Person: e kräftig [ GH-Westh], großes [ PS-Eppbn], e Koloß vu'me Mensch [ BZ-Dörrb]. a. 1673: Sie dauert mich, denn es ist das beste Mensch von der Welt [Liselotte Briefe 24]. —
b. 'übelbeleumundete, liederliche, verkommene, schlechte weibliche Person', oft Schimpfw. [verbr., Kieffer 54 Kühn Hamet 124 Otterstetter 150 PfId. 93]; Zs.: PfWB Bettel-, PfWB Dreck-, PfWB Heiden- 2, PfWB Huren-, PfWB Lügen-, PfWB Lumpen-, PfWB Mannskerl-, PfWB Soldaten-, PfWB Spitzbuben-, PfWB Stadt-, PfWB Weibs-, PfWB Zottelmensch; häufig nur mit Attribut: e schlecht, verdammt, raffiniert, unverschämt, doll, verloche, wiescht, verdorwe,

[Bd. 4, Sp. 1296]
mannsleitnarrisch, lidderlich, lirrich M. [mancherorts]; e doorich M. 'eine mannstolle Frau' [ IB-Erfw/Ehling]; auch im Dim.: Mensch'l [ LA-Nd'hochstdt], Menschelche [ KU-Bedb Kaislt]. Deswäh bät ich drum, daß das hochnäsisch Minsch die Kränk kräht [Kraus Sellemols 23]. —
c. 'Geliebte, Schatz, Braut' [KU-Bedb Schmittw/O WD-Niedkch HB-Kirrbg RO-Dielkch Messbhf KL-Gimsb u. Umg. PS-Erfw Pirmas LU-Limbghf LA-Impfl Wollmh BZ-Dernb PfId. 93, 95 Schandein Bav. IV,2 386 Wasgau-Bote 11/1934, mancherorts Don Gal Buch Rußl]. Er hot e M. [ KL-Gimsb]. Der klän Bu hot schun en M.! [ BZ-Dernb]. Dar (Der) hot sein M. mitgebrocht [ebd.]. Er dut im Dunkele mit seim M.

[Bd. 4, Sp. 1297]
pischpere [ Gal-Josbg]. Er hat wolle sein M. besuche, jetz war die awwer noch net dehäm [NPfGV 8/1934]. Un er geht ans Nochberschtändche, kaaft seim M. e Zuckerherz [Kühn Kerwebilder]. Zwaa Aage waaß ich, grad so bloo, / Die hott mein M. im Kopp [Kühn Hamet 5]. a. 1765: hat sich zu getragen dass 6 Jungen Meter (Mäher) ihr Menscher an Disch gesetzt haben [MHVPf. 4/1870 25 (NW-Mußb)]. —
3. 'Kreuz- oder Schippendame', beim Kartenspiel (Schafskopf, Solo) [ KU-Bedb WD-Niedkch RO-Dielkch Pirmas]. — F.: Gen. n., das bei Bed. 1 nur historisch und bei Bed. 2 generell bezeugt ist, findet sich schon im Mhd. (vgl. Lexer Lexer I 2102/03, Kluge-Mitzka20 474). Die Formen mit Stammvokal i sind gegenüber den Formen mit e im Schwinden, gelegentlich finden sich beide Formen mit Bedeutungsdifferenzierung nebeneinander, so Mensch 'Homo' gegen Minsch 'Geliebte' [KL-Gimsb u. Umg.], Mensch 'liederliches Weib' gegen Minsch 'Geliebte' [ RO-Messbhf]. — Südhess. IV 628 ff.; RhWB Rhein. V 1077 ff.; Lothr. 363/64; ElsWB Els. I 694.

 

   Vieh-mensch m.:
1. 'roher, gewalttätiger Mensch', auch Schimpfw., Viehmensch [ LU-Neuhf], -minsch [ IB-Ormh], Vehminsch [ KU-Kaulb Kreimb]; vgl. PfWB Viehkerl. Syn. s. PfWB Rüpel. —
2. 'starker, ausdauernder, anspruchsloser Mensch' [ LU-Neuhf], 'Mensch, der Wind und Wetter trotzt, der wie ein Tier arbeitet', Viehmensch [ GH-Schwegh]; vgl. PfWB Viehnatur. — Südhess. II 715; Schwäb. II 1490. —