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 PfWB Vieh-natur (Bd. 2, Sp. 1364)   PfWB Stärke (Bd. 6, Sp. 440)   PfWB wäschen (Bd. 6, Sp. 1075) 
  -natur f.: 'kerngesunde, widerstandsfähige Körperbeschaffenheit'. Der hat e Viehnadur [ ZW-Gr'bundb]; vgl. PfWB Viehkraft, PfWB -mensch 2. DWB DWb. XII/2, 93. —

 

   Stärke f.:
1. 'Körperkraft', Stärk [mancherorts, PfId. 136], Stärgd [Müller Dietschw 62], Stärik [Lambert Penns 141], Stark [ KU-Adb]; Zs.: PfWB Vieh-, PfWB Gauls-, PfWB Hasen-, PfWB Windstärke. Ich wäiß gor net, wo das Kerlche sein St. hot [ KU-Schmittw/O]. RA.: St. losse 'sich übergeben' [ KL-Reichb]. Er hot e St. wie e Gaul (Bär) [ KU-Schmittw/O KL-Reichb]. —
2. 'das Stärkemehl zum Steifen der Wäsche', Stärk [PS-Rodalb (Bernhard 154) PfId. 136 Krämer Gal 205], Stärik [Christmann Kaulb 69, 77 Lambert Penns 141]; Zs.: PfWB Glanzstärke. a. 1577: Das kraut brauchet man mit den stengeln z Ga(e)len farben grn vnnd drr, die Sterck ga(e)l z ferben [Bock Kreutterbuch 129v ff.], gemeint ist die Färberkamille (Anthemis tinctoria); vgl. PfWB Streichkraut. — RhWB Rhein. VIII 534; ElsWB Els. II 613.

 

   wäschen st., schw.:
1. 'mit Wasser (und Reinigungszusätzen, Seife u. ä.) von Schmutz befreien'.
a. 'den Körper, Körperteile waschen', wäsche (weə, węə) [verbr., Bertram § 35 Christmann Kaulb 66 PfId. 150 Lambert Penns 177], wasche [vereinzelt (nach dem Schd.)]; Part. Perf. gewäsch [WPf], gewäsche [VPf], gewäscht [mancherorts SWPf westl. WPf KL-Lauhf PS-Claus, Hussong Kirkel 170]; Zs.: PfWB aus-, PfWB herauswäschen; sich die Hänn w. [ KL-Ottbg]. Wäsch der emol dei Hals! [Feierowend 24/1955 2]. Dein Hoor misse gewäsch werre! [ KL-Fischb]. Du hoscht e Gesicht, as wann de dich verzeh Dag net gewäsch häscht [ RO-Alsbr]. Wann hoscht 'n du dich 's letschde Mol gewäsch? [ RO-Semb]. Er wäscht sich de Schloof aus de Aue [ KU-Schmittw/O]. RA.: gewäsche un geberscht (gestrählt) 'fertig gerüstet, wohlversorgt' [Spey, mancherorts]; ääm (geheerich) de Kopp w. 'jemanden gehörig zurechtweisen (sowohl verbal als auch tätlich)' [RO-Obd, verbr.]; sich w. wie e Katz 'sich flüchtig waschen' [ZW-Lambsbn, verbr.]; sich (iwwerall) sei Hänn (Finger) drin w. 'überall mitmischen, seinen Vorteil daraus haben' [ LU-Alsh, mancherorts]. Der (Die, Das) hot sich gewäsche 'Der (Die, Das) hat es in sich, ist außergewöhnlich' [Land, verbr.]. Der hot sich (awwer) gewäsche 'Er hat sich eine Blöße gegeben, etwas verkehrt gemacht, einen Nachteil eingehandelt' [ LA-Mörzh, LU-Opp LA-Gommh Venn]. Der hat sich gewäsch 'Er hat (auf Kosten anderer) einen Vorteil errungen, ein gutes Geschäft gemacht' [ ZW-Battw, LU-Opp]. Er is met alle Wasser gewäsch (bloß met kemm gude), von durchtriebenen Menschen [KU-Diedk, verbr.]. Wäsch mer de Belz (Wäsch mich), awwer mach mich net naß, gesagt, wenn jemand die mit einer angenehmen Sache verbundenen Unannehmlichkeiten nicht wahrhaben will [Kaislt, mancherorts]. SprW.: Schwarz gebore esch Wische un W. verlore [ BZ-Dierb]. Ään Hand wäscht die anner [ LU-Opp, mancherorts]. BR.: Wann die Katz sich (iwwers recht Ohr) wäscht, gibt's Reen [ KU-Wolfst, mancherorts]. Die Gäns wasche sich, die wolle Räje

[Bd. 6, Sp. 1076]
[ ZW-L'wied]. Volksgl.: Wann sich die Katz (hinner de Ohre) wäscht, gebt's Besuch [BZ-Gossw, vereinzelt, Fogel Beliefs Penns Nr. 328]. Mer muß de Bobbelcher (klääne Kinner) immer s'erscht de Hinnere w. un dann 's Gesicht, do werrn se schää [Kaislt]. Zwische Chrischdag un Neijohr soll mer sich net w. oder rumstrippe (umkleiden) oder mer hot ken Glick [Fogel Beliefs Penns Nr. 1354]. Rätsel vom Mühlrad: 's wäscht sich Daa un Nacht un wo länger als 's wäscht, wo schwärzer als 's werd [Hebel 114, KU-Bedb]. VR.: Herr N. N., was macht denn Ihre Frau? - Sie wäscht sich net un strehlt sich net un bleibt e aldi Sau [ LU-Limbghf]. TL.: Mädel, wäsch dich, kämm dich, putz dich schään, / dann derfschde aa mit uf die Kerwe gehn [ LU-Opp]; Melodie s. Becker-Post Krott 117. —
b. 'Kleider, Textilien waschen' [verbr.]; zu den verschiedenen, heute veralteten Waschtechniken vgl. neben den Zs. mit PfWB Wäsch(e)-, -waschen, bes. die Stichwörter PfWB Äscherich, PfWB bauchen 1, PfWB Blauel, PfWB bleichen 1, PfWB Lauge 1 a, PfWB Mangel2, PfWB Rumpfel 2 c, PfWB Seifenpulver, PfWB Sodabrühe, PfWB Stärke 2, sowie Müller Gerhardsbrunn S. 276-278, G. Altenkirch: Waschen in alten Zeiten. Gersheim-Rubenheim 1990; die Klaarer w. [ KB-Kriegsf]. Die Kläärer misse emol gewäsche werre [ LU-Alsh]. Mer dun heit w., vom Waschtag [Krämer Gal 239]. Mei Mudder wäscht un butzt als bei de reiche Leit [ NW-Dürkh]. RA.: schmutzich Wäsch wasche 'Negatives hervorkramen' [ LU-Opp]. Er will sich weiß w. 'Er will Vorwürfe, Schuld abwälzen' [ LU-Opp]. Volksgl.: Ich hab geträämt, beim W. an de Bach isch uf emol trieb Wasser kumme, Vorzeichen für ein Unglück [ LA-Gommh]. En nei Hemm muß mer w. eb (ehe) mer's aadut, schunscht wammer krank drin wärd, wärd mer nimmi gsund [Fogel Beliefs Penns Nr. 554]. Mittwochs derf mer nit w. [Fogel Beliefs Penns Nr. 1330]. Wenn man an Fastnacht (zwischen Weihnachten und Neujahr) wäscht, stirbt jemand [ KU-Herschw/Petth, LA-Birkw]. Wammer uf Quatember wescht, geht em e Stick Vieh dot [Fogel Beliefs Penns Nr. 1310, Var. 1308]. a. 1460: hat den meden ... helffen buchen vnd weschen [KellR Lichtenberg]. a. 1515: Item 10d eyner meude hat zwey tage helffen weschen [GgHospR]. a. 1679: 5 tage wäschen und bauchen helfen [GgHospR]. —
c. 'sonstige Gegenstände reinigen, abwaschen' [verbr.]; Zs.: PfWB ab-, an-, PfWB aufwäschen; PfWB Geschirrwäschen; Salat (Grumbeere, Obst, Buhne, Kraut) w. [LA-Nd'hochstdt, verbr.]; 's Audo w. [Kaislt, mancherorts]; Kees w. 'Käse während des Reifungsprozesses abwaschen', Frauenarbeit [ KB-Kriegsf]; Budder w. 'durch Kneten die Buttermilch aus der frischgestampften Butter drücken' [ KU-Bedb]. Gret, wäsch's Gescherr! [Bayer Hackm. 81]. RA.: Ich han'de Geldbeil gewäsch 'Das Geld ist mir ausgegangen' [ KL-Erlb, mancherorts]. a. 1578: Item 6 albus dem Maier, weller faß gewaschen [WerschwSchR 109]. a. 1684: Die Fenster der Rats

[Bd. 6, Sp. 1077]
Stuben gewäschen [StArch. Kaislt (Bürgermeistereirechnungen)]. —
2. 'Wein mit Wasser versetzen, panschen' [ WD-Niedkch]. Der Wein es gewäscht [ WD-Niedkch]. —
3. 'schlagen, verprügeln, ohrfeigen' [verbr., Höh 137]; Zs.: PfWB darauf-, PfWB durch-, PfWB ver-, PfWB herunter-, PfWB hinan-, PfWB hinein-, PfWB hin-, PfWB überwäschen; Syn. s. PfWB verhauen, PfWB ohrfeigen; jemonnde enni w. [IB-Ensh (Glass 130)]. Wäsch em eeni hie! [ SP-Mechth]. Ich han em e paar gewäscht [ KU-Albess]. Der isch emol orndlich gewäscht wor [ HB-Einöd]. Die henn druf gewäsche, was's Zeig g'halde hot [ NW-Weish/S]. Ich wäsch der ää in die Halsankel [ GH-Kuhdt]. Ich wäsch der änns uf de Kopp (die Nas, die Ohre) [ KU-Körbn]. RA.: Ich wäsch der e paar, daß der Sihn un Heere vergeht [ KU-Erdb]. Ich wäsch der ää, daß'd de Borrem sukscht (suchst) [ NW-Freinsh]. Den wäsch ich uhne Wasser un Strehl [ NW-Haßl]. Er hat en dumm un dorklich gewäsche [ GH-Minf]. —
4. 'viel oder töricht reden, klatschen, ausplaudern, schwatzen' [mancherorts VPf, Klein Prov. 226]; vgl. PfWB Gewäsch; Zs.: PfWB zusammenwäschen; Syn. s. PfWB schwätzen 2. — RhWB Rhein. IX 276 ff.; LothWB Lothr. 531; ElsWB Els. II 871.