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 PfWB ver-schleifen (Bd. 2, Sp. 1263)   PfWB ver-schleppen (Bd. 2, Sp. 1264)   PfWB ver-lieren (Bd. 2, Sp. 1215) 
   ver-schleifen1 st.: = PfWB abschleifen1 1; die Schart veschleife [ LU-Altr].

 

   ver-schleppen schw.:
1. etwas v.
a. 'an einen unbekannten Ort bringen', verschleppe [ KU-Schmittw/O Hundh BZ-Dernb]; vgl. PfWB verschleifen2 1 a. —
b. 'verbreiten', von Krankheiten, vgl. PfWB verschleifen 1 b. Sie han die Kranket verschleppt [ BZ-Dernb]. —
c. de Prozeß v., umgspr. [ KU-Schmittw/O]. —
2. sich v. 'durch Schleppen ermüden'. Do kannsche dich v. [ RO-Als KU-Hundh Bedb]; vgl. abmühen, PfWB verschleifen2 5. — Südhess. II 612; RhWB Rhein. VII 1318.

 

   ver-lieren st.:
1. trans.
a. 'unabsichtlich etwas fallen-, liegen-, stehenlassen und nicht wiederfinden', ve(r)leere (-lērə) [WPf NPf], -liere (-līrə) [VPf]; Part. Perf. -lōr/-lōrə, vgl. gebroch/gebroche (K. 1). Syn.: PfWB vergammeln 2, PfWB verschleifen2 1 a, PfWB verschleppen 1 a, PfWB vertupfen 2 b, PfWB verzetteln 3. Ich hab mein Messer verlore [ NW-Kallstdt, allg.]. De Gaul hat e Hufeise verlor [ PS-Schmalbg, allg.]. Zuruf an den Hund, erlegtes Wild zu bringen: Such, verlore! [ BZ-Gossw, KU-Schmittw/O]. Die Bewohner von RO-Rehborn neckt man: Eich hun die Struhsaal (die Strohseile) velur. RA.: Er is geloffe, daß er ball die Absätz verlore hätt [BZ-Albw, verbr.]. Er hatt ball die Stiwwel verlor, so gelaufen ist er [ ZW-Bechhf]. Ich jach dich, daß de die Socke verleerscht [ KU-Schellw]. Er kommt in die Hitz, wie e Kihbauer, der 's Joch verlor hat [ KU-W'mohr]. Den hot de Esel im Galopp verlor, von einem unehelich Geborenen [Don-Ulmb verbr. Gal Buch]. Er dut finne, wo nix velor war 'Er stiehlt' [ RO-Callb]. Er dät noch de Aarsch veliere, wann er nit angewachse wär [ LA-Nußd]. SprW.: Wann de Beddelmann nix hun soll, verleert er 's Brot aus'm Sack [ Gal-Brotschk]. Wer nix hot, der verliert nix (der hot nix se veliere) [PS-Haust, verbr.]. Besser der Hut verlore as der Kopp [PennsDeitschEck 5. 10. 1935]. 's Haus veleert nix 'Ist etwas im Haus verlorengegangen, muß es sich wiederfinden, es sei denn, es ist hinausgeschleppt worden' [FR-Albsh, verbr., auch Don Gal Buch Rußl]; dass. mit dem Zusatz: saat selli Fraa, do hot se e Kinnerschickelche im Sauerkraut funn [ KU-Bedb]; Var. s. PfWB Eck 1. VR.: Es rechet (regnet) uf die Bricke, die Bricke isch so naß; mir hawwe was verlore, un wisse net recht, was [ NW-Geinsh]. —
b. 'einbüßen'.
α. Die Hinkel verlieren die Feddere [ NW-Deidh, allg.]. Er hat im Krieg de recht Aarem velor [ KL-Reichb]. Sie hot bei der Operation viel Blut verlore [LU-Böhl, verbr.]. 's Kind veliert die Milchzähn [LU-Neuhf, verbr.]. Du hoscht jo ganz die Farb velor! [ RO-Semb]. Er hot de Mut (die Kurasch) verlore [FR-Mörsch, verbr.]. RA.: Wann der e Aarm (e Finger) veliert, hat er e Sprachfehler, von einem, der beim Sprechen viel gestikuliert [Kaislt]. SprW.: E alder Wolf verliert wohl die Hoor, awwer nit die Nube (Naupen 'Launen') [IB-Bliesmg/Bolch, verbr. Gal]; Var. s. PfWB Fuchs. Wo nix is, do hot aach de Kaiser sein Recht verlore [LU-Opp, verbr. Don Gal Buch]. Volksgl.: Dein beschder Freind sterbt, wannde traamscht, du hättscht en Zahn verlore [Fogel Beliefs Penns Nr. 270]. Wann en Kuh der Idrich verlore hot 'nicht wiederkauen kann', soll mer erjeds (irgend) hingeh un en Stick Brot

[Bd. 2, Sp. 1216]
stehle un es der Kuh fiedre [ebd. Nr. 726]. VR.: Korz geschor, hat 's Ohr verlor; hat 's widderfunn, hat's angebunn [Kus]. o. D.: da der Glan in die Naa fluzzet und sinen namen verluset [Grimm Weist. V]. o. D.: ein stein in dem Rothwaltlin, derselb ist da verlohren worden, vnd ist ein ander stein da gefürth worden [PfWeist. I 15 (KL-Alsbn)]. a. 1581: Welcher hirtt eim nachpfarn (Nachbarn) ein vih verliert vnd nicht redlich vrsachen ahnzeigen kan, wie es gestorben oder woh es hinkomen sey, der soll das vih bezallen [ebd. I 47 (KU-A'glan)]. —
β. übertr. RA.: Er hot die Schneid 'den Mut' velore [LA-Frankw, verbr.]. Velier doch net gleich de Kopp! [LA-Knöring, verbr.]. Er hot en Schraub (en Mutter) verlore 'ist verrückt' [ LU-Fußgh]. Sie hot ehr Herz verlore 'ist verliebt' [ GH-Freckf]. Du hoscht de Foorem (Faden) verlor 'kennst den Zusammenhang nicht mehr' [ KU-Schmittw/O]. Der Gaul do hot sein Taafschein aach schun lang verlor, von einer alten Mähre [KL-Gimsb u. Umg.]. An dem hot unser Herrgott 's Mooß verlor, von einem großgewachsenen Menschen [verbr. Gal]. —
c. 'nicht gewinnen, verspielen'. Er hot de Prozeß (die Partie) verlore [FR-Bockh, verbr.]. 's Spiel is noch net velor 'Unsere Lage ist nicht aussichtslos' [Kaislt, verbr.]. —
2. intrans., wie schd. Er hat im Spiel velor [KL-Hoheck, verbr.]. SprW.: Un wammer gewinnt, hot mer doch verlore [ LA-Nd'hochstdt]. Wooe 'das Wagen' gewinnt, Wooe veleert awwer aa [ KL-Reichb KU-Schmittw/O]. 's is besser mit'm Gescheide se verleere, wie mit'm Dumme se gewinne [ Gal-Brotschk]. —
3. refl. Im Wald kammer sich leicht verleere [KB-Bischh, verbr.]. Er verliert sich in de Kläärer [ PS-Hintwdth, HB-Kirrbg LU-Alsh]. Die Sunn verliert sich (hinter den Wolken) [PS-Windsbg, verbr.]. SprW.: 's Esse sell mer niemand vewehre, das dut sich vun selwert veleere 'Man soll sich über den guten Appetit eines Menschen freuen' [ KU-Kaulb]. Volksgl.: Wammer sich im Busch verlore hot, soll mer der Rock rumdrehe [Fogel Beliefs Penns Nr. 2074]. Du sollscht dich doch verleere!, Verwünschung [Kühn Schnitze II 204]. —
4. adj. Part. Perf., wie schd.
a.
α. präd. Do is jedes Wort verlore 'vergeblich' [NW-Hardbg, verbr.]. Mit Haut un Hoor verlor [ RO-Dielkch LU-Opp Friesh]. Was so e armer Wittmann is, der is velor, der is beschiss [Kieffer Bilderb. 50]. An dem is Hoppe un Malz velore, von einem Unbelehrbaren [NW-Freinsh Wachh Klein Prov. 202]. Wann denne unser Herrgott net besser kennt, is er verlor [ IB-Bliesmg/Bolch]. Scherzh. Antwort auf die Frage, wo jemand sei: Im Hemm (Hemd) un zwische de Ohre; wann er dort net is, is er velore [ LU-Alsh]. SprW.: 's sein (in der Erziehung) käin Schlää verlor, als wie die, wo newenaus gihn [ KU-Schmittw/O]. Schwarz geboreesch Wische un Wäsche velore 'Gegen Erbanlagen ist jede

[Bd. 2, Sp. 1217]
Erziehung machtlos' [ BZ-Dierb]. —
β. attr. Durch Überreife ausfallende Körner sind verlorene Kirner [ GH-O'lustdt]. Eine Gewanne bei Hombg heißt 's verlorene Feld. SprW.: Frih uf un spät nirrer (nieder), bringt velore Gut wirrer [ RO-Als LU-Opp]. —
b. adv. 'allmählich, kaum merkbar'. De Weg zieht sich so ganz verlore enuf [ KU-Kaulb Kreimb Roßb WD-Niedkch RO-Kalkof KL-Hirschhn O'mohr]. 's geht verlore enuf [ KU-Schmittw/O]. —
5. s. PfWB verlorengehen. — Südhess. II 555/56; RhWB Rhein. V 467/68; LothWB Lothr. 147; ElsWB Els. I 607; Bad. II 81/82.