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 PfWB ver-graben (Bd. 2, Sp. 1167)   PfWB Kirbe (Bd. 4, Sp. 220)   PfWB Buch-stabe(n) (Bd. 1, Sp. 1321) 
   ver-graben st., schw.:
1. wie schd., ve(r)grawe (Part. Perf. -grab, -grawe) [verbr.], (Part. Perf. -grabt) [SOPf (Nachlaß Heeger)]; die Kerb v., alter Brauch, s. PfWB Kirbe [verbr.]. Volksgl.: Reib die Warz mit're Speckschwart im Abnemmede 'im abnehmenden Mond' un vergrab sie unner der Dachtrapp (Dachtraufe) [Fogel Beliefs Penns Nr. 1722]. —
2. 'beerdigen', abwertend [ GH-Kand]; dafür gew. begraben. Südhess. II 496; RhWB Rhein. II 1335/36; ElsWB Els. I 267; Bad. II 62.

 

   Kirbe f.:
1.
a. ursprünglich das Erinnerungsfest der Einweihung der örtlichen Kirche, seit langem aber ein rein weltliches Fest, dem im dörflichen Leben besondere Bedeutung zukommt; in der WPf u. NPf fast allg. die Kerb (kärb), in der VPf sowie im Raum um Kaislt u. O-PS die Kerwe (kärwə), in der lothr. SWPf sowie um Hombg die Kirb (kirb) genannt (vgl. K. 235); seltenere F.: Keerb (kērb) [ PS-Windsbg HB-Einöd], Kerw (kärw) (!) [ KU-Altkch Dennw], Ka(r)b (karb, kab) [ KU-Adb RO-Rehbn], Karw (karw) (!) [ ZW-Battw RO-Rehbn], Karwe (karwə) [RO-Duchr (nach Bertram § 89) mittl. VPf von Norden her bis LU-Oggh Schauh Rh'gönh Böhl Hochd NW-Rödh Niedkch SP-Schiffstdt Dudhf Hanhf], Käärwe (krwə) [nach Bertram § 89 LU-Altr SP-Ottstdt Berghs NW-Iggb LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh Nd'lustdt], Kirwe (kirwə) [ GH-Neubg]. Auslandspfälzer, bei denen das Fest seine ursprünglich einfachere Form und Anklänge kirchlicher Art bewahrt hat (vgl. Enders 10/11), erscheint zumeist Kerb (kärb), selten (Schwarzmeerpfälzer durchweg) Kerwe (kärwə); als erstes Glied des Kompositums allg. Kerwe-. Man geht, fahrt, kummt uf die K. [ NW-Frankeck, allg.]. Ruf der Kirbebuben (-burschen): Wem is die K.? Unser! [Zweibr, verbr.]. Die Kirbedevise: Heit gilt's, heit isch K.! [ LU-Böhl]. Ein Rausch zur K. wird nicht übelgenommen: Dofor is K.! [ LU-Opp]. Antwort des Schuljungen auf die Frage nach den drei höchsten Feiertagen im Kirchenjahr: Fassenacht, K. un Metzelsupp [Feierowend 1954, Nr. 33]. RA.: Eine scherzhaft in Aussicht gestellte Belohnung: An de K. danze mer aa metnanner [Kaislt]. Auch: Bis K. kriegscht e Silwernixel un e goldich Wadeweilche (Wart-ein-weilchen) [ LA-Gommh]. Wenn man gerade kein Geld hat, tröstet man sich: Besser wie an de K. nix! [ GH-Kand]. Er hot'n uf d' K. gelare 'hat ihm den Götzgruß entboten' [LA-Nd'hochstdt, verbr., auch Gal]. Umschreibung für 'Streit haben': Es halle zwää K. metnanner [ KL-Wörsb]. Androhung von Schlägen: Dein Ärschje hat gleich K.! [ IB-Herbh]. Scherzhafte Bez. weitläufiger Verwandtschaft: Sie warn emol mitenanner uf de Dusebricker K. [ ZW-Battw]. SprW.: 's is ke Derfel so kleen, so is doch 's Johrs eemol K. drin [ LU-Muttstdt]. Mer blaurert sou lang vun de K., bis se do esch [ LA-Nd'hochstdt]. 's isch nor eemol K. im Johr, also darf man sich zur K. was gönnen [ LA-Mörzh, mancherorts, auch Gal Buch]. Wann bei de Jure wär käin Oschtere un bei de Krischte wär käin K., mischte

[Bd. 4, Sp. 221]

mer im Dreck vederwe [ KU-Schmittw/O]. BR.: An de Gerschemer K. (3. Sonntag nach Michaelstag) reent's gern [ IB-Gersh]. Volksgl.: Die Raupen vertreibt man durch Abkehren mit einem neuen Besen und mit den Worten: Gehn fort uf die K.! [Schandein Bav. IV/2, 380]. VR.: Heit isch K., morje isch K., bis de Dienschtag Owend; wann ich zu meim Schätzel kumm, sag ich gude Owend [LU-Böhl, verbr., auch Gal]. Vielerorts mit Ergänzungen wie: Hibsch gen Owend, Rummelgreet, zeig mer, wo dein Bettche steht! Hinnerm Owe uf de Bank, hinnerm grine Vorhangk [ KU-Bedb]. Oder: Gure Owend, Schätzl, back mer a en Bretzl! Geschtert sin die Russe kumme un hän mei Schätzl mitgenumme [ BZ-Hofstätt]. Das Fest

[Bd. 4, Sp. 222]
wird in der festlosen Hälfte des Kirchenjahres abgehalten. Örtliche Benennungen der K. nach der Zeit ihrer Abhaltung: Apfelschmier-, Backenbirnen-, Pfefferminz-, Bremers-, Brombeeren-, Butzel-, Erbsen-, Gänse-, Heidstorren-, Johannis-, Kästen-, Kirschen-, Kuckucks-, Mai-, Quetschenkuchen-, Rehbocks-, Rüben-, Spelzen-, Strauben-, Waffelnkirbe. Brauchtum: Die Straußbuben (Kirbeburschen) holen mehrere Tage vor dem Fest einen jungen Baum aus dem Wald und fahren ihn unter Musikgeleit durch das Dorf. In einer Scheune wird der Strauß von Burschen und Mädchen mit Bändern geschmückt. Wenige

[Bd. 4, Sp. 223]
Tage vor dem Fest vergraben die Burschen insgeheim außerhalb des Dorfes eine Flasche Wein, das Sinnbild der K. Am Kirbesamstag ziehen sie mit Musik unter Vorantragung des Kirbestraußes an diesen Ort, graben die Flasche aus, binden sie an den Kirbestrauß und bringen sie ins Dorf zurück. Man nennt diesen Vorgang: die Kerb (Kerwe) abhole bzw. hole. Mancherorts wird dem Ortsbürgermeister unterwegs ein Ständchen gebracht und ein kleiner Umtrunk mit ihm gehalten. Der Zug bewegt sich dann zum Tanzlokal, wo der Kirbestrauß (-baum) aufgesteckt und — mancherorts — mit Wein gedaaft (begossen) wird. Der führende Kirbebursche hält nun die Kirberede, mancherorts auch PfWB Kirbepredigt genannt, in der er in launiger Weise alle Verkehrtheiten, die sich im Laufe des Jahres im Dorf ereignet haben, verulkt. Damit ist das bunte Treiben eröffnet. Die Musikanten spielen im Tanzsaal zunächst einen Tanz für »die Abwesenden oder den Saal« (Becker Vk. 335). Die darauf folgenden erschte Drei sind für die Straußbuben bestimmt. Von nun an darf jeder sich am Tanz beteiligen. Mancherorts, bes. in der VPf, wird ein bebänderter Kranz mit einer Weinflasche an die Decke des Tanzsaales gehängt. Es heißt dann: Do hängt die K. Der Tanz dauert mit Unterbrechungen bis Dienstagmorgen. Es wird dann die K. ausgedanzt, d. h. die in der Mitte des Saales hängende Weinflasche gehört dem Paar, das zum Zeitpunkt des Weckerrasselns gerade an der Flasche vorbeitanzt. Das Paar muß dafür für alle ein Faß Bier bezahlen. So werd die K. versoff. Am Kirbedienstag, mancherorts am Kirbemittwoch wird die K. begrab. Klagende Rufe ausstoßend, ziehen die Straußbuben vor das Dorf und vergraben da eine (meist leere) Weinflasche und mancherlei Überreste der K. (Kuchenreste, Knochen u. dgl.). Dabei spielt die Musik auf und einer der Burschen hält eine launige Abschiedsrede auf die vergangene K. Mancherorts wird die K. in Gestalt einer Strohpuppe oder eines Strohbündels verbrennt. Auch in Gal-Walddorf wurde die K. »begraben«. »Die Musigande sin voraus un hun e trauriche Marsch gespielt, un 's junge Volk is hinnenoh. In em Körbche hun se e Flasch Schnaps getraa. Vor de Kerch unnich de Linnebäm (Lindenbäumen) hot mer e Loch gegrabt, dort is 's Körbche mit de Flasch ninnkomm. Alle hun gejomert un sich verschnipst 'verweint', un am ärichschte war's, wie zugeschaufelt is wor« [Rech, Pfälzer im Osten S. 50]. — Manche der beschriebenen Bräuche sind in mehreren Orten schon in den dreißiger Jahren nicht mehr geübt worden. Weitere Angaben enthalten die nachfolgenden Stichwörter. Vgl. auch Becker Vk. 331 ff. u. Stoll 66 ff. — a. 1444: in dem ampt zu Zweinbrucken sal man off

[Bd. 4, Sp. 224]
diesen ... kirwihen win schencken [ZweibrLuRb. Nr. 541]. a. 1451: of unser Capellen Kirchwihe Dag, das ist nemelich of des helgen Cruczes Dag in dem Maie [NUrkKG 342 (KL-Erlb)]. a. 1529: wehr in diesem gericht wein zu schencken habe zu der kirben [PfWeist. I 113 (IB-Bierb)]. a. 1565: Zu Belheim hats jerlich ein kirben vff sontag nach Bartholomej (24. Aug.) [PfWeist. I 95 (GH-Bellh)]. a. 1596: Von 3½ Ohm Wein ... zur Kirben verzöpfft [WerschwSchR 34]. —
b.
α. Zs. PfWB Nachkirbe. —
β. Zs.: PfWB Bauern-, PfWB Dorf-, PfWB Freß-, PfWB Sau-, PfWB Scheißkirbe. —
2.
a. 'Menstruation'; die Kerb [ KU-Rothsbg LU-Limbghf Muttstdt]. —
b. 'das Ausbleiben der Menstruation, Schwangerschaft'. Se muß Kerb halle 'ist schwanger' [ WD-Niedkch]. — Südhess. III 1317 ff.; RhWB Rhein. IV 514 ff.; LothWB Lothr. 287; ElsWB Els. I 433 Kilb(i), II 805/06 Kirchweihe.

 

   Buch-stabe(n) m.:
1. wie schd., Buschdawe (budāwə, -dwə) [fast allg.], Buchstawe [Kaislt], Buchstab [ KU-Brück KL-Reichb]. a. 1534: der Buchstab M [StArch. Deidesheim, Waldgrenzbegehung]. Er kann käin Bustawe lese [ KU-Schmittw/O, allg.]. RA.: Redt, deit orrer scheiß Bustaawe!, Aufforderung an einen, der hartnäckig schweigt [ KL-Hirschhn]. Volksgl.: Schäl en Appel so, as die Schal ganz bleibt, un schmeiß selli Schal noh iwwer die links Schulter. Der Bustawe, wu's macht, fangt em seim Boo sei Name an (mit dem aus den geworfenen Schalen gebildeten Buchstaben beginnt der Name der Person, die man heiraten wird) [Fogel Beliefs Penns Nr. 200]. —
2. übertr.
a. die vier (fünf) Buchstaben, scherzh. für 'Gesäß'. Hock dich emol uff dei vier Bustawe! [GH-Schwegh, verbr.]; seltener ist ... finf B. [ PS-Erfw, Pirmas RO-Dielkch]. Ich treff der die vier Buchstawe [ PS-W'fischb]. —
b. kein B. 'nichts'. Dodevun vesteh ich kein Buchstawe [LA-Wollmh, verbr.] —
c. grober B. 'schwere Sache, Aufgabe'. RA.: Des is ken growwer Bustawe [ KU-Bedb]. —
d. nach dem B. 'genau nach Vorschrift'. Der geht noh'm B. [KU-Bedb, verbr.]. — Zum Schwund von -chvor dem Konsonantenanlaut des Grundw. vgl. die Kompos. PfWB Buchfink, PfWB Kirbe (aus Kirchweih), Nachmittag, Rauchfang. Südhess. I 1195; RhWB Rhein. I 1071/72; Bad. I 358.