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 PfWB ver-braten (Bd. 2, Sp. 1133)   PfWB ver-brennen (Bd. 2, Sp. 1135)   PfWB Palmen (Bd. 1, Sp. 540) 
   ver-braten st.:
1. 'zu lange braten, so daß das Fleisch den Saft verliert oder anbrennt',

[Bd. 2, Sp. 1134]
ve(r) broode, -broore, -broole, s. PfWB braten [verbr.]; vgl. PfWB verbrutzeln. —
2. von Hautreizungen durch zu starke Sonnenbestrahlung. Heit kammer in de Sunn v. [ KU-Kaulb]; vgl. PfWB verbrennen II 3. — Südhess. II 449/50; RhWB Rhein. I 919; ElsWB Els. II 201.

 

   ver-brennen schw., intrans. histor. st.:
I. intrans.
1. wie schd., ve(r)brenne, -branne, s. PfWB brennen[allg.]. Die ganz Frucht 'die ganze Getreideernte' is (bei dem Brand) vebrennt [ KL-Kindsb]. RA.: 's vebrennt ehr nix uf de Zung (uf de Lippe) 'Sie spricht alles rücksichtslos aus' [ KL-Hirschhn]. Mei Herz un mei Seel soll im Leib verbrenne!, Beteuerung [Don (Steinmetz)]. Die Zeit vergeht, es Licht verbrennt, un de Hannickel sterbt doch net [ WD-Niedkch]; statt Hannickel dass. mit de Hans [ Don-Gertianosch], die Alt [ KU-Diedk], die Großmotter [verbr. NPf Don-Schowe], 's Kind [verbr. Gal]. SprW.: Keem is noch de Bettelstab verbrennt 'Keiner ist sicher vor Armut' [ Don-Gottlob]. Rätsel: 's brennt Daa un Nacht un verbrennt net (die Brennessel) [Hebel 120 Wilde 33]. VR.: Rab, Rab, dein Nescht brennt; siwwe Junge sin vebrennt; der ganze Reim bei Rabe [ HB-Kirrbg]. a. 1569: Dem Nikel Karcher sollen die Faßdauben, die er durch Spitalarbeiter im Walde habe machen lassen unnd verbrunnen sind, nicht verrechnet werden [Küchler 34]. —
2. 'unter der Sonnenglut verdorren'. 's Gras verbrennt in der Sunn [Kus, verbr.]. Die Wisse sein ganz vebrennt [ KU-Kaulb]. Syn. s. PfWB vertrückeln 1. —
3. von

[Bd. 2, Sp. 1136]
Kleeseide befallene ringförmige Stellen sind vebrennte Plätz [ KL-Reichb]; vgl. PfWB Placken 3 b, Fehl-, Kleeseidenplatz.
4. bei hohem Fieber ist das Blut verbrennt [Heeger Vhk. 6]; vgl. PfWB versitzen 2. —
II. trans.
1.
a. 'durch Feuer vernichten'.
α. etwas v.; 's Grumbeerekraut uf'm Feld v. [KU-Schmittw/O, verbr.]. Volksgl.: Der Kärfreidag kehrt mer all die Stuwwe aus un verbrennt seller Dreck, noh hot mer Glick [Fogel Beliefs Penns Nr. 1300]; andere Beispiele s. PfWB Haar, PfWB Katze, PfWB Kleid, PfWB Schuh. VR.: Dort unne, dort owwe, wu 's Wasser zammerennt, dort hot de alt Hornung sei Pelzkapp verbrennt [ Gal-Neuhf]; s. den VR. bei Arsch (I 337 Z. 33 ff.). Vgl. auch Kirbe-, PfWB Winterverbrennen. a. 1615: die Bilder gestürmbt, darauß geworffen und verbröndt [Vogel 29 (GH-Zeisk)]. —
β. einen Menschen v. Syn. s. PfWB töten 1. a. 1535: Auch sollen die von Ormesheim, wan es vonnöten ist, ein zu verbrennen, den steill stellen sambt dem holz darzu [ABlieskst 97]. RA.: So Leit hot mer friher verbrennt, scherzh. angewandt z. B. auf jemand, der im Kartenspiel einen dummen Fehler gemacht hat [Kühn Palz 137]. Brauchtum: de Judas v., von der Scheitholzweihe auf der Kirchentreppe am Karsamstag; vgl. PfWB Palmen (I 541 Z. 47). Mehr hierzu s. PfWB Judas. Verbrennen von Tieren in RA.: Der Bettelarme sagt: Eich han kei Geld for Stroh, darreich (daß ich) mei Lais verbrenne kennt [ WD-Niedkch, RO-Dielkch]. Er macht e Gesicht wie e verbrennt Wanz [ LU-Oggh]. Modern: sich v. lassen, von der Feuerbestattung. Er will sich v. losse [KB-Kerzh, verbr.]. —
b. 'verheizen', von Brennstoffen. In sellem kalde Winder hammer viel Kohle verbrennt [Kaislt, verbr.]. —
2. 'durch Brennen beschädigen'.
a. gegenst.; sich de Aarm, die Hand, de Finger v. [ KB-Kriegsf, allg.]; vgl. PfWB verbrühen 1, PfWB versengen 1. Er hot sich am Fuß verbrennt [ LA-Gommh, allg.]. Verbrenn der net 's Herz im Leib!, Warnung vor zu heißen Speisen [ Gal-Dornf]. RA.: Er hot 's Hern verbrennt, wer unüberlegt handelt [ PS-Burgalb]; vgl. PfWB hirnverbrannt. SprW.: Wer sich 's Maul verbrennt, bloost uf's Kalde [ Gal-Sap]; auch: Wer sich am Heeße v., bloost ... [verbr. Don Gal Buch]. Besser die Supp gebloos, wie 's Maul vebrennt [Pirmas]. VR.: Kathrinche vun Bach hot laurer schään Sach, hot Äppel gedämpt un de Finger vebrennt [ KU-Reiffb]; Var. s. PfWB Bach (I 502 Z. 8 ff.). Scherzhafter Hochzeitsbrauch: Die Kechin hot die Hand verbrennt, weswegen unter den Hochzeitsgästen Geld für sie gesammelt wird [SP-Schiffstdt, verbr. Gal]. —
b. übertr.
α. RA.: Er hot sich die Finger vebrennt 'ist hereingefallen' [ KB-Bennhs, allg.]. Er hot sich 's Maul (auch: die Zung) v. 'hat sich durch unüberlegtes Reden Unannehmlichkeiten gemacht'

[Bd. 2, Sp. 1137]
[RO-Alsbr, verbr.]. Er kummt doher, mer mänt, er hätt die Fieß im Schnee v., von einem Betrunkenen [KL-Siegb, verbr.]. —
β. Er hot'n sich v., auch: Er hot sich de Schwanz v. 'hat sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen' [LA-Impfl, verbr.]. Wolf 6044. —
3. von der durch Sonnenstrahlen bewirkten Bräune; vgl. PfWB verbraten 2. Die Sunn hat'n verbrennt [KU-Herschw/Petth, verbr.]. Wie der verbrennt esch! [ GH-Zeisk]. Sie is vun der Sunn ganz braun v. [PS-Burgalb, verbr.], ganz schwarz v. [ LA-Herxh]; vgl. PfWB sonnverbrannt. Er hot e vebrennt G'sicht [GH-Westh, verbr.]. Er is ganz verbrennt im Gesicht [ PS-Burgalb]. — Südhess. II 451/52; RhWB Rhein. I 968/69; LothWB Lothr. 139; ElsWB Els. II 190/91; Bad. II 48.

 

   Palmen, Pälmenm.:
1. 'der Palmenstrauß, der am Palmsonntag in katholischen Kirchen geweiht wird', Palme, [fast allg.], Pälme [IB südl. HB]. Der P. ist gewöhnlich so groß, daß ein Kind ihn gut in der Hand tragen kann. Er besteht aus Buchszweigen, Palmkätzchen, Stechlaub, Zypressenzweigen, Zweigen des Lebensbaumes, aus Rosmarin, Wacholder, dürrem Eichenlaub, Haselnußkätzchen (Palmbusche in NW-Deidh), aus Kätzchenzweigen und Buchs (Palme in LU-Friesh), aus Weidenkätzchen und Buchs (Palme in LU-Opp), aus Wacholder, Eichenlaub, Haselstöckchen, Holunder, Weidenkätzchen, Wintergrün u. a. (Palme in PS-Erfw), aus Eichenlaub, Buchs, Salweidenkätzchen oder

[Bd. 1, Sp. 541]
dem Stachellaub der Stechpalmen (Palme in BZ-Annw), aus Buchs (Palme in Orten der nördl. WPf u. NPf). In der südl. VPf, wo der Palmen meist die Bezeichnung Palmewisch hat, werden vielerorts drei Kreuze aus Haselstecken oder Holunder, die die drei göttlichen Personen symbolisieren sollen, in den P. gesteckt. In GH-Rh'zab haben die beiden äußeren Kreuze zwei Querbalken, das innere Kreuz steht etwas erhöht. Für BZ-Dernb wird folgende Beschreibung gegeben: »In einem richtigen Palmwische müssen zusammengebunden sein: Je drei Zweige von Palmen, d. h. von immergrünem Buchs, der bei uns 'Palme' heißt; ferner drei Zweige der blühenden Palmweide oder Salweide mit dicken, gelben Kätzchen; drei Zweige der grünen Stechpalme; drei lange, blühende Haselzweige mit gelben Würstchen; drei Zweige vom Thuja oder vom Sevenbaum und drei Eichenzweige mit dürren, vorigsjährigen Blättern. ... Die drei langen, blühenden Haselruten, die unten und oben herausragen, dienen ... unten als Stiel und Handhabe. Oben werden sie oft geschlitzt und mit kurzen Querstäbchen von Hasel durchzogen, so daß sie wie Kreuze oder Doppelhämmer den Palmwisch überragen« (Grünenwald 'Volkstum u. Kirchenjahr 75). Der Edesheimer Palmwisch hat diese drei Kreuze außer Stechpalme, Immergrün, Eichenlaub, Weidenkätzchen, Hasel, Buchs, Wacholderzweigen, Stachelbeerzweigen. — Volksglaube: Der geweihte P. schützt das Gebäude, in welchem er aufbewahrt wird, vor Feuer, bes. vor Blitzschlag. In KU-Diedk wird er während des Gewitters zur Abwehr gegen Blitzschlag verbrannt. Der P. bewahrt Mensch und Tier vor Krankheit und Behexung, wenn er am Kruzifix, hinter dem Spiegel, im Hausgang, im Stall über der Tür oder unter dem Dach angebracht wird. Er verhilft dem Kranken zur Gesundheit, wenn sein Lager mit dem Palmwisch mit Weihwasser besprengt wird [ KU-Roßb]. »Werden am Palmsonntage die geweihten Palmen in die Weizen- und Kornäcker gesteckt, so wird die Aernte gesegnet« (Schandein Bav. IV 2, S. 379); so in HB-Peppk noch 1925. In vielen Orten wird der P. am Aschermittwoch, in KU-Lauteck als »Judas« am Karsamstag hinter der kath. Kirche verbrannt. a. 1352: daß der Pfarrer ... am Palmsonntag daselbst die Palmen weihen ... sole [UrkKG. (LA-Edh)]. a. 1443: Weihen der »Palmen, Würtzwisch und Lichter« [ebd. Nr. 634 (Tiefb b. Meisenheim)]. —
2.
a. 'Buchs (Buxus sempervirens)' Palme [westl. NPf, Einzelbelege mittl. u. südl. WPf NW-Ellstdt BZ-Dernb], Pälme [IB südl. HB], Palm m. [ KL-Hauptstl WD-Niedkch Marth], f. [ RO-Nd'mosch], Pälm m.? [ IB-Walshs]. Syn. s. PfWB Buchs. »In der Wolfsteiner Gegend nennt man nur die größeren

[Bd. 1, Sp. 542]
Buchsstöcke 'Palmen', weil nur solche geweiht werden« [Wilde 37]. In der West- u. Nordpfalz bezeichnet P. den meist niedrig gehaltenen, zu Einfassungen benützten Buchs, vgl. PfWB Rabattenbuchs [Wilde 37]. —
b. 'Stechpalme (Ilex aquifolium)', Palme [BZ-Kapswey Nd'ottb u. Umg.]; Sträuße daraus werden am Palmsonntag in die protestantischen Kirchen getragen [Wilde 234]. —
c. 'Blütenkätzchenzweige der Salweide', Palme [ LU-Friesh BZ-Klingmst GH-Leimh]. WR.: Hingt an Weihnachte Eis an de Weire, kannscht du an der Auschdere 'Ostern' Palme schneire [ GH-Leimh]. —
3. 'Palmsonntag'. WR.: Reent's uf de Palme, koscht's em Korn de dritte Halme [ KU-Nerzw]. a. 1324: an deme frytage vor palmen [VeldLUrk. n. 177]. a. 1515: in der woch vor palmen [Spey GgHospR S. 12]. — F.: palmə, pḁlmə, palm, pḁlm; bez. a u. s. bei PfWB all; pęlmə [lothr. SWPf]. Die Bez. 1 wurde mit der Zeit auf 2 übertragen; der männliche Artikel deutet darauf hin, daß P. durch Kürzung aus Palmbusch, Palmenbesen, -strauß, -wisch entstanden ist. — RhWB Rhein. VI 470; Saarbr. 151; LothWB Lothr. 21; ElsWB Els. II 41; Bad. I 111.