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 PfWB ver- (Bd. 2, Sp. 1121)   PfWB ver-derben (Bd. 2, Sp. 1142) 
  ver-: steht auch für zer- (vgl. z. B. verbeißen, verbrechen, verdrücken, verkauen) und in vielen Wörtern für er- (vgl. z. B. verfrieren, verkälten, versaufen, versäufen, verschrecken, versticken, verwischen, verzählen, verzürnen). Aussprache sehr häufig fə-; seltener r-, fÄr-, fÄ-; Heeger setzt für SOPf fər-, Keiper für lothr. SWPf fr-, Lambert für Penns ver-; für Gal (und wohl auch für Don Buch Rußl) gelten fər-, seltener fǫr-. Die Gewährspersonen aller Gebiete schreiben zumeist ver-.

 

   ver-derben st.:
1. trans.
a. etwas v., wie schd., ve(r)derwe (-därwə, -dǟrwə, s. F.) [allg.]; die Uhr v. (durch Überdrehen) [allg.]. Am Werg kammer net veel v., weil das Werg an sich schon minderwertig ist [ KU-Schmittw/O]. Nix vedorwe!, Scherz des Keglers, wenn er kein Loch geworfen hat [Krieger 41]. Syn. s. PfWB ver-

[Bd. 2, Sp. 1143]
PfWB pfuschen. Du verderbscht der die Auwe (durch Lesen bei schlechtem Licht) [Kus, allg.]; de Maache (Magen) v. [ LU-Altr, allg.], vgl. PfWB vergeiern, PfWB verstauchen 2 a; 's Maul v. 'den Geschmack v.' [ GH-Westh]; die Zähn (durch Süßigkeiten) v. [ KU-Diedk, allg.]; verdorwene Aache, e verdorwener Maache, verdorwene Zähn [ NW-Hamb, allg.]; sich (auch: äim) de Appetit v. [ KU-Schmittw/O, allg.]; de gure Name v. [KB-Kriegsf, verbr.]. Er will sich's net mit'm v. 'sich nicht seinen Unwillen zuziehen' [Kaislt, verbr.]. RA.: Du duscht 's Werrer v., wenn sich jemand zu warm anzieht [ PS-Hintwdth, KU-Schmittw/O]. Bei dem is Leib un Seel verdorwe [ LU-Opp]. SprW.: Veel Kech verderwe die Sopp [ KU-Kaulb], ... de Brei [PS-Gersb, verbr.]. Luschdich gelebt un selich g'storwe, is'm Deiwel die Rechnung verdorwe [LU-Opp, verbr.]; vgl. PfWB versalzen 2 a. Zu wennich un zuviel verderbt jedes Spiel [KU-Diedk, verbr., auch Don Gal Buch]. a. 1485: were es auch sach, daß ein becker iemandt sein brott verdörbt, so soll er ime seinen schaden kehren [PfWeist. I 223 (NW-Dackh)]. a. 1614: zusehen müssen, daß mein Armütlein an Hausrat undt etlichem Viehe verbrannt, verloren undt verderbt worden [Groh Wörschw 120]. —
b. einen v. (auch von Tieren), sich v.; de Gaul ('s Peerd) v., durch schlechte Behandlung [verbr.]; verdorwene Kinn (Kinder) [KU-Schmittw/O, verbr.]; e verdorwener Kerl, e Verdorwener [NW-Kallstdt, verbr.]; sich v. 'sich ein Unwohlsein, eine Krankheit (bes. Geschlechtskrankheit) zuziehen' [KU-Kaulb Kreimb PS-Erfw verbr. SOPf (Nachlaß Heeger)]. An dere do is nix mehr se v., von einem verdorbenen Mädchen [KL-Kindsb, verbr.]. SprW.: Ään grindich Schoof (Schaf) vederbt die ganz Herd [KL-Enkb, verbr.]. —
2. intrans.
a. von Dingen; vgl. PfWB vergammeln 1 b, PfWB vergrauzen, PfWB verkommen 2, PfWB vermorschen, PfWB verriechen 2, PfWB versauen 2, PfWB verzundern. 's Haai is (durch Nässe) verdorb [ KL-Weilb, allg.]. Des Flääsch do kammer nit esse, 's isch verdorwe [ BZ-Dierb]. Das es e vedarwenes Aai 'ein faules Ei' [KU-Kaulb, verbr.]. Er hot verdorwe Blut, von einem Blutkranken [LU-Böhl, verbr.]. SprW.: Unkraut verdirbt nit [Wilde 289]. BR.: Verderbt mein Haai (durch viel Regen im Juli), gerät mein Hawwer (dessen Wachstum durch Juliregen gefördert wird) [ HB-Alth, KU-Schmittw/O]. Wann's am Gehannsdag (24. Juni) reent, vederwen die Niss [FR-Bockh, verbr. Gal]. —
b. vom Menschen. Er is verdorb 'hat Bankerott gemacht' [KU-Albb (ältere Gener. 1930)]. Er is gestorb un verdorb [ KU-Schmittw/O]. a. 1675: Durch währenden diesen Temporalbestand ist diese Wittib auch verdorben und gestorben [Eyselein 102]. SprW.: Hätte mer net die Kerwe, mißte mer

[Bd. 2, Sp. 1144]
im Dreck verderwe, vom Großreinemachen vor der Kirbe [Schandein Bav. IV/2, 384]. Besser schnell g'storwe wie langsam verdorwe [NW-Kallstdt, verbr.]. Weitere SprW. s. PfWB allein (I 165 Z. 17), Erbe1, PfWB Federvieh. o. D.: Wer es, das ein gottshaußman 'Klosterangehöriger' verdurbe inn bidderberkeit (wohl 'in aller Ehrbarkeit, d. h. ohne eigenes Verschulden'), den soll ein apt zu Limpurg zu ime nemen vnnd ime narung gebenn sein lebtagen [PfWeist. I 300 (NW-Dürkh)]. — F.: Zumeist fə-, fərrwə, -däÄwə; mittl. VPf (vgl. Bertram § 70) und NWPf vielerorts -dǟrwə. Part. Perf. fədǫrb/-dǫr bzw. -drb/-drwə, vgl. K. 1 (Linie gebroch/gebroche); mancherorts NWPf Don Schowe Gal Hohenb: -darb. Präs. Sing.: -derb, -derbsch(t), -derbt; Pl. -derwen/-derwə, vgl. PfWB brauchen, PfWB sitzen u. DSA K. 7a. — Südhess. II 462; RhWB Rhein. I 1324/25; LothWB Lothr. 139; ElsWB Els. II 711; Bad. II 51.