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 PfWB Vater (Bd. 2, Sp. 1066)   PfWB Meister (Bd. 4, Sp. 1285)   PfWB Esel (Bd. 2, Sp. 967) 
   Vater m.:
1. wie schd., Vadder, Vatter (fadər, r) [verbr.], (fadÄ) [HB-Kirrbg RO-Schweisw Obd Lu'haf (Krell 43)], (fadə) [NW-Gimmdg LA-Edk SOPf (Nachlaß Heeger)], (fḁdər, r -Ä) [ KU-Kaulb Rothsbg KL-Lind BZ-Nd'horb Billh], Varre (farə) [Land]; Pl.: Vädder, Vätter [VPf KL-Lind (Jahrgänge 1914 u. jünger)], Vaddere, Vattere [WPf NPf]; Dim.: Vadderche, Vatterche [ KU-Schmittw/O WD-Niedkch FR-Bockh], Vädderle [ BZ-Dernb]. Auslandspfälzer: Vadder, Vatter, Vattere, Vatterche.
a. 'leiblicher Vater', vgl. PfWB Papa, PfWB Dade 1. Zs. PfWB Braut-, PfWB Buben-, PfWB Familien-, PfWB Haus-, PfWB Hochzeits-, PfWB Kinds-, PfWB Rabenvater. Er kennt ihr V. sin, vom großen Altersunterschied bei Eheleuten [Pirmas, verbr.]. Er hat kän V. g'hatt, von einem unehelichen Kind [PS-Erfw, verbr.]. Sein V. is uf'm Nußbäim versoff, dass. [ KU-Schmittw/O]. Er is seim V. aus'm Gesicht geschnitt, von großer Ähnlichkeit [Krieger 35]. Er kummt noh seim V., dass. [verbr. Don Gal Buch]. Er kummt uf sei V. raus [ Don-Gottlob]. Er sieht wie sei V. [ Gal-Reichb Buch-Illisch]. Des is soin V., wie er leibt un lebt [ LU-Opp]. Des is sei zwetter V., sei ausgestoppter V., sei ausgeschluppter V. [Kaislt]. RA.: Mei V. un mei Mudder solle morje sterwe, wann's wohr is, scherzh. Beteuerung [Krieger 33]. Ich kenn de Dreck, mei V.

[Bd. 2, Sp. 1067]
war Hawener (Häfner) [ KB-Niefh]. Des wär so was for meim V. sein Sohn [ NW-Hardbg]. Ehr Kinner, bede! De V. fahrt Reitschul 'ist verrückt geworden' [Krieger 36]. Das steckt bei dem im Blut, soin V. war grad so e Kerl [ LU-Opp]. Wann das soin V. wißt, der dät sich im Grab rumdrehe [ LU-Oggh]. Er hängt seim V. am Rock, von einem Unselbständigen [ KL-Nanzdzw]. Die Buwe bringe ehrem V. 's Geld aus'm Sack [ KU-Schmittw/O]. Er steckt (stellt, streckt) d' Fieß unner seim V. sei Disch [LA-Wollmh, verbr.]. Geh mer aus de Sunn (aus'm Licht, aus'm Helle), dein V. war kään Glaser! [KU-Diedk, verbr., auch Gal]. SprW.: Een V. kann zehn Kinner ernähre, awwer zehn Kinner keen V. [Krieger 36, verbr., auch Don Gal Buch]. 'm V. sei Lieb, die geht nore bis ans Knie [ Gal-Neuhf]. E jeder Bankert verrot sei V. [verbr. Don Gal Buch]. Volksgl.: Wammer 'n Kind seim V. oder Mutter nohnamt 'nach den Eltern nennt', lebt's net lang [Fogel Beliefs Penns Nr. 36]. Rätsel: Der V. is noch net gut do, do steit der Sohn schun uf's Dach (Feuer, Rauch) [verbr. Don Gal Buch]. VR.: Mein V. is Metzger, un e Metzger bin ich; mein V. stecht die Kälwer, die Rinder stech ich [Feierowend Nr. 5/1950]. Mei V. is Schuster, sei Sohn bin ich; er kloppt die Sohle, awwer mehner uf mich [ Gal-Brunnd]. De V. is im Zuchthaus, un die Mudder hot g'stohle; mein Schweschder hot Stadtverweis, un mich werren se ball hole [ NW-Hardbg]. V. im Wirtshaus, Mudder im Bett, Kinner im Kohlekaschde, fressen die Brikett [Der Bote vom Trifels Nr. 27/1928]. Maikäfer, flieh fort! Dei V. hockt im Wertshaus, sauft die leere Gläser aus [ HB-Jägbg]; Var. s. PfWB Pommerland, PfWB Herrgottsvogel. Weitere VR. s. PfWB Amerika, PfWB aufsteigen (I 403 Z. 22 ff.), Bändel (I 549 Z. 58 ff.), patschen 2, PfWB Peitsche (I 681 Z. 56 ff.), Pflanze 1, PfWB Bruder (I 1272, Z. 15 ff.), Bube (I 1308 Z. 47 ff.), Distelfink (II 304 Z. 54 ff.), Ei (II 739 Z. 49 ff.), lernen, schlafen. Frage- und Antwortspiel: Wo is'n dei V.? Dabei wird der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger durchgesteckt [ZW-Stamb]. Vgl. Wilde 30, 105. — a. 1311: nach mins vader seligen briefen [Ottbg. Urkb. 305]. a. 1571: unserm Herrn Vatter Pfaltzgrave Wolfgangen [ZweibrUrkb. 125]. —
b. 'Großvater, Vorfahr', bes. wenn der leibliche V. Papa oder Dade genannt wird. Zs.: PfWB Alt-, PfWB Groß-, PfWB Stammvater. —
c. 'Ehemann', gelegentlich im Munde der Ehefrau, bes. in der Anrede. —
d. 'Dienstherr' in der Anrede des Gesindes [verbr. (1930)]. —
e. 'Gott' in der Verb. unser Vadder im Himmel [verbr.]. Zs.: PfWB Himmelvater. —
f. Zs.: PfWB Gegen-, PfWB Mit-, PfWB Schwieger-, PfWB Stiefvater; PfWB Pflege-, PfWB Herbergs-, PfWB Spiel-, PfWB Waisen-, PfWB Ziehvater; PfWB Beicht-, PfWB Kirchenvater; PfWB Bienen-, PfWB Tauben-, PfWB Geißen-, Ha-

[Bd. 2, Sp. 1068]
sen-, PfWB Hunds-, PfWB Hünkels-, PfWB Immen-, PfWB Katzenvater; PfWB Heiden-, PfWB Huren-, PfWB Korn-, PfWB Schlappen-, Störchen-, PfWB Zigeunervater.
2.
a. Sohn vor dem V. 'Herbstzeitlose', weil die Frucht im Frühjahr, die Blüte im Herbst erscheint [Wilde 103]. Syn. s. PfWB Nackarsch 3 a. —
b. Söhnche vor dem V. 'Leberblümchen', weil die Blüten vor den Blättern kommen [Wilde 158]; vgl. PfWB Tochter 2. —
c. Beim Rebenschnitt gilt die Regel Immer de V. uf de Sohn 'die (lange) Rute über den (kurzen) Stift' [ KB-Zell]. —
d. 'der in die Verschlußöse hineingreifende Haken' [ GH-Kuhdt]; vgl. PfWB Männchen. —
e. Vadder Filp 'Gefängnis'. Er kimmt bei de V. F. [ KL-Wörsb]. Syn. s. PfWB Kittchen. — Südhess. II 374 ff.; RhWB Rhein. IX 90 ff.; Saarbr. 216/17; LothWB Lothr. 135; ElsWB Els. I 155; Bad. II 23.

 

   Meister m.:
1.
a. 'Handwerksmeister', Määschder (mdər, r, -Ä) [verbr. VPf SWPf mancherorts WPf NPf, Otterstetter 68], Meeschder [Lambert Penns 103 Krämer Gal 148], Määnschder (mndər) [verbr. nördl. WPf mancherorts mittl. u. westl. WPf vereinzelt VPf, Bertram § 170, 261 Heeger Südostpf. 12/13 Henn Mda.-Int. 268 Müller Dietschw 50 Schneckenburger 49 PfId. 94], Määnschder (mndər) [KU-Hachb Reiffb HB-Brenschb ZW-A'hornb Gr'bundb RO-Gaugrw Höring KL-Erzhs Katzw Mehlb Neukch Schrollb Weilb PS-Bobth Bundth Erfw Erlb Fehrb Geisbg V'weidth KB-Gauh Göllh Rams NW-Bobh Deidh LU-Limbghf LA-Walsh BZ-Rechtb Schweig GH-Schaidt], Maaschder (mādər, mdər) [mancherorts NPf KU-Breitb PS-Hirschth Schönau BZ-Dimb], Maanschder (māndər, mndər) [mancherorts NPf LU-Altr Christmann Kaulb 24, 88 Mang 132 PfId. 92], Maanschder (māndər, mndər) [KU-Kreimb WD-Hoof RO-Obd PS-Bruchw KB-Boland Göllh Standbl BZ-Dörrb], Meischder (maidər) [vereinzelt (nach dem Schd.)], Maaischder [ GH-Neubg]; Pl. wie Sg., mancherorts auch -schd(e)re; zur Nasalierung s. F; Zs.: PfWB Büchsen-, PfWB Lehr-, Maurer-, PfWB Schmiede-, PfWB Schneider-, PfWB Zunftmeister. Gun Dach (Gut Morge), M.! Anrede und Gruß der Lehrlinge und Gesellen an den Meister [ BZ-Annw, mancherorts].

[Bd. 4, Sp. 1286]
Frau M.! Anrede der Frau des Meisters [ KU-Hinzw, mancherorts]; vgl. PfWB Meisterin. Gruß des wandernden Schmiedegesellen beim Betreten der Werkstatt: Zum Gunscht fir M. un Gesell! Ein fremder Schmied spricht um Arbeit zu [ GH-Kand]. SprW.: 's esch noch keen M. vum Himmel g'falle [LA-Roschb, verbr., auch Don Gal Buch]. Wer on de Weg baut, hot veel Määnschter [ KU-Schmittw/O]. 14. Jh.?: do soll der meinster gut for sin, ob der knecht das gelt abdete oder hinwecklieffe [PfWeist. 236 (NW-Deidh)]. a. 1425: meinster decker [LeinArch. (Löhne)]. a. 1425: eyme meinster ein dag 1 β den [ebd.]. a. 1514: geritten zu meinster Sonnenschyn [GgHospR]. a. 1514: Item 1 βδ hans zwick vor blattißgen (s. Blatteise) hat man by im geholt do der meinster gefangen warde [ebd.]. a. 1515: meinster Hans gryff ... meinster lorentzen von Danstatt [ebd.]. a. 1534: sol niemants des Nachts noch dem Nachtessen yn kheins Würtzhaus ... vnd die dienstknecht yn yr Meynsters heüser bleiben [MHVPf VII 53 (Weistum LU-Neuhf)]. a. 1539: Mainster Jorgen steinmetzen [GgHospR]. —
b. 'Mensch, der in seinem Fach hervorragendes leistet; Könner' [mancherorts]; Zs.: PfWB Hexenmeister. Wer 's bescht gekennt hot, war M. [Rockhs]. —
c. 'Herr, Vorgesetzter, Aufseher, Leiter' [verbr.]; Zs.: PfWB Bach-, PfWB Bau-, PfWB Post-, PfWB Brand-, PfWB Pritschen-, PfWB Bürger-, PfWB Drill-, PfWB Eich-, Flöz-, PfWB Forst-, PfWB Fron-, PfWB Gerichts-, PfWB Haus-, PfWB Hof-, PfWB Kirchen-, PfWB Kupier-, PfWB Markt-, PfWB Rent-, PfWB Ritt-, PfWB Rott-, PfWB Schacht-, PfWB Schul-, PfWB Sprach-, PfWB Spreng-, PfWB Stuben-, Stuter-, Waage-, PfWB Wacht-, PfWB Wald-, Wiegmeister. a. 1314: und mogent die mestere und die nachgebure dar zu gen mit wafene oder ane wafen [SpeyUrk. 223]. a. 1341: vmme vir schillinge penninge zur winachten zu geben deme meister in irme hove zu Obernheimbach [OttbgUrkb. 419]. Im Bes.
α. 'Aufseher der Arbeitsleute' [verbr.]; vgl. PfWB Kommandiermeister. —
β. Anrede des Herrn durch das Gesinde [mancherorts]; vgl. PfWB Pfetter 4, PfWB Vater 1 d, PfWB Vetter 2 b γ, PfWB Herr 2 a α, Schef.
d. 'Scharfrichter'. a. 1661: wurde er vor den Meister gestellt [Knapp 57 (KL-Ottbg Samb)]. —
e. 'Schinder' in den Zs. PfWB Klee-, Wasenmeister. —
2.
a. Meinschter Lambe 'Hase' [ KU-Schmittw/O]; Meischter Lambel [ KL-Schneckhs]. —
b. vgl. die Zs. PfWB Waldmeister. — F.: Nasaleinschub findet sich schon in den hist. Belegen des Pfälzischen (s. o.) und im Mhd.: meinster ( Lexer Lexer I 2085). In den heutigen pfälzischen Mundarten ist Nasaleinschub oder Nasalierung (sekundäre Nasalierung) besonders vor -s und -f (vgl. PfWB Deichsel, PfWB Esel, PfWB Husten, PfWB Haufen, PfWB Meise, PfWB Meißel, PfWB Maulvoll u. a.) in der Nord- und mittleren Westpfalz zu beobachten, während in der VPf nur noch in einzelnen Fällen kleinere Inseln

[Bd. 4, Sp. 1287]
mit sekundärer Nasalierung bestehen geblieben sind (vgl. Bertram § 170). — Südhess. IV 619/20; RhWB Rhein. V 1056 ff.; Lothr. 355/56; ElsWB Els. I 732.

 

   Esel m.:
1. 'das Tier Esel', Esel (ēsəl) [verbr. WPf Neustdt Lambert Penns 52 Don-Werb verbr. Gal], Ess(e)l (es(ə)l) [verbr. VPf einschl. PS-Ost], Ensel [ KU-Schmittw/O], Insel (īnsəl, īsəl) [ KU-Kaulb Rothsbg RO-Rehborn Duchroth], Äis(e)l (ęis(ə)l) [um Land]. Zs. PfWB Maulesel. Vergleiche u. RA.: groo wie e Essel, von einem ergrauten Menschen [ LU-Neuhf Alsh]; dumm wie e Ensel [ KU-Schmittw/O, allg.]. Er schleppt wie e E. [ KU-Schmittw/O]. Er nickt wie e Essel 'Er sagt zu allem Ja, hat keine eigene Meinung' [ LU-Alsh]. Er kaut wie'n Essl, wann er Dääg ( Teig) hot [ LU-Friesh]. Er is voll Witz wie de Essl voll Färz [ Don-Schowe Torscha]. Er macht e Maul wie e E., wann er uf de Schleifsteen spauzt [Hebel 14]. So alt is kä E. im Odewald, scherzh. Kennzeichnung eines hohen Alters [ KL-Einsdhf KU-Lauteck]. So alt esch kän E. ze Marten (LA-Mart), dass. [ BZ-Dernb]. So alt hot de Gienanth kaan E. uf de Alsenz [ RO-Würzw]. Dem kommt schun de E. raus, wenn sich bei einem die grauen Haare zeigen [Zweibr, verbr.]. Mein Ohre un dein Verstand gewwen en schääne E. [ KB-Albish]. Du machscht en E. wild (auch: Du kannscht en E. wild mache), wer einem auf die Nerven geht [ KB-Bischh]. Was Menschehänn net alles mache könne, saat die Fraa, do hat se e E. gesiehn [Hebel 49, Don-Schowe Torscha Gottlob]. Der E. hot sich gestreckt, un die Haut is'm geplatzt, zu einem, der sich gereckt hat [Gal-Stanislau]. Er is grad uf'm E., wenn einer erregt und heftig ist [ PS-Ruhbk]. Den wolle mer mol uf de E. schaffe 'necken' [ ZW-Bechhf]; vgl. unten 2 b α. Den hot de E. aus de Wand geschlaa 'Sein leiblicher Vater ist unbekannt' [Hebel 21, verbr. Gal Buch]. Der E. hot'ne im Galopp verlor, dass. [Don-Ulmb verbr. Gal Buch]. Do kann mer vum Gaul uf de Essel kumme 'verarmen' [ FR-Bockh, KU-Schmittw/O]. Wammer dene (den schlechten Wein) eme Insel ins Ohr schitt, laaft er drei Daae Kalopp

[Bd. 2, Sp. 968]
[ KU-Kaulb]. SprW.: In die Bach kammer de Essel zwinge, awwer net zum Saufe [PfMHk. 1925, S. 177]. E fauler E. laadt sich alles uf emol uf [Krieger 40]. E fauler E. traat sich eher dot wie e fleißicher, weil er, um Wege zu sparen, sich auf einmal zuviel auflädt [KU-Trahw Horne Penns 101]. Der faul E. schleppt sich uf eemol dot [verbr. Penns Don Gal Buch]. Wann's em E. zu wuhl is, geht er uf's Eis danze 'Wohlergehen macht übermütig' [verbr. Don Gal Buch]. Wann's em Äisl sou wuhl esch, geht er uf's Eis un brecht 's Been, dass. [BZ-Albw, verbr., auch Don Gal Buch]. Wammer de E. nennt, kummt er gerennt, beim Erscheinen einer Person, von der gerade die Rede war [KU-Trahw, verbr., auch Penns Don Gal Buch]. Wammer de E. nennt, kummt de Ochs gerennt, dass. [ LU-Friesh]. Ee E. schännt (schelt) de annere Langohr [verbr. Don Gal Buch Rußl]. Uf de Sack kloppt mer, un de E. maant mer, wenn jemand »durch die Blume« redet [NPf, verbr.]. Wenn de E. uf de Markt geht, leest de Krämer Geld [ Buch-St. Onufry]. E goldbeladener E. kommt iwwer jeri Feschtungsmauer [ KL-Reichb]. Am erschte Mai schickt mer de E. ins Heu [ Don-Gottlob]. Wann zwee Leit minanner eppes sage 'gleichzeitig dasselbe Wort aussprechen', kummt noch en E. [Fogel Beliefs Penns Nr. 381]. Vgl. die SprW. bei agieren 1 b, PfWB Bettelmann (I 756 Z. 44). VR.: Un guck ich äine Ensel an, do denk ich an mein Krischtian [ KU-Schmittw/O]. AR.: Ich oder du oder Müllers Bu oder Müllers E., der bescht du! [ BZ-Billh]; vgl. PfWB Bäcker (I 517 Z. 15). Brauchtum: Wenn am Weihnachtsabend die Kinder das Christkind auf der Straße schellen hören, rufen sie: Krischkinnel, kumm in unser Haus, leer dein goldnes Säckel aus, stell dein Essel uf de Mescht, daß er Heu un Uhmit 'Grummet' frißt [PS-Erfw, verbr.]. Var.: Kreschkinnel, kumm in unser Haus, leer dein goldich Säckl aus, stell de Kreschbääm uf de Disch, daß mer sieht, daß Weihnacht esch; stell de Äisl uf de Mischt, daß er Hää un Hawwre (Hafer) frißt [ LA-Kl'fischl]. Weitere Var. s. PfWB ausleeren 1, PfWB Kristkind; vgl. auch Wilde 83. Zs. PfWB Pfingst-, PfWB Stutzesel. Kinderspiele: Einem Knaben werden die Augen zugehalten, ein anderer setzt sich ihm auf den Rücken. Es wird gefragt: Eselche, wer reit dich? Wenn er den Namen des Reiters errät, dann muß dieser die Rolle des Esels übernehmen [J. Hoffmann, Chronik von Kriegsfeld (1897), S. 70]. Kinder erzeugen mit dem Finger an der Fensterscheibe einen Brummton; das nennt man de Esel schrubbe [ KU-Diedk]. Alter Strafvollzug: Streitsüchtige Männer wurden verkehrt auf einen E. gesetzt und im Dorf herumgeführt [Knapp 55]. a. 1512: soll ihm (dem das Mahlkorn abholenden Müller) der arm man vier heller gebenn, daß er seinem esell hauw (Heu)

[Bd. 2, Sp. 969]
darumb kauffe [PfWeist. I 61 (FR-A'lein)]. a. 1628: ein weg ..., daß ein esel möge gehen mit zweien ketz 'Tragkörben' (s. PfWB Köze) darein [ebd. II 600 (LU-Fußgh)]. —
2. übertr.
a.
α. 'dummer, einfältiger Mensch' [verbr.]. Am erschte April schickt mer de E., wuhie mer will [ Buch-A'fratautz N'Pasua St. Andreas]. Zs. PfWB Klassen-, PfWB Schafs-, PfWB Strahlesel. Syn. s. PfWB Tappes 1 a. —
β. alter E., bes. von einem alten Junggesellen [verbr.]. —
γ. Neckname für die Bewohner von IB-Gersh PS-Dahn BZ-Dörrb W'hamb LA-Eschb NW-Deidh LU-Schauh FR-Saush Buch-Badeutz. In diesen Ortschaften darf man nicht den Zipfel des Taschentuches heraushängen lassen, weil das als Anspielung auf das Eselsohr angesehen wird. In FR-Saush kam man zu dem Uznamen angeblich darum, weil einst der Dorfschulze einen vom Feldhüter auf fremdem Feld angetroffenen E. für 24 Stunden ins Gefängnis einsperren ließ. Von FR-Saush sagt man auch: Dort mache die Bäre un die Wölf die Musik uf die Kerwe, un die Essel danze (Bär und Wolf hießen die Inhaber der Gastwirtschaften) [ FR-Albsh]; vgl. PfWB Eselsohr 2, -treiber. In LU-Schauh geht der Uzname wahrscheinlich darauf zurück, weil der E. früher allgemein als Lastenträger verwendet wurde [Feierowend Nr. 38/ 1954]. Zs. PfWB Hofesel. —
b.
α. der hölzerne E., ein altes Strafinstrument. a. 1751: sollen zu deren (Gesinde oder erwachsene Kinder) Züchtigung eine Trille (s. PfWB Drille 1 a) oder ein Höltzerner Esel ... verfertigt werden [Zweibr. I, Dorfordnung von HB-Altstdt]. —
β. Teil des Webstuhls: das kurze Holz, das das Garn festhält [ KU-Herchw]. —
c. 'mittlere Furche im vierzeiligen Wingert', Äisl [ LA-Nd'hochstdt Altd Gr'fischl]. — —

 


Aus den Nachträgen

2.
d. 'Cello', westpf. Musikantensprache, Esel [Schneider 78].

Südhess. II 276 ff.; RhWB Rhein. II 177 ff., IX 1153; Saarbr. 58; LothWB Lothr. 128; ElsWB Els. I 73/74; Bad. I 713/14.