Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 PfWB Fahne (Bd. 2, Sp. 1011)   PfWB Sack-tuch (Bd. 5, Sp. 700)   RhWB Sacktuch (Bd. 7, Sp. 679) 
   Fahne f., Fahnen m.:
1.
a. 'an einer Stange befestigtes Tuch mit Symbolcharakter', die Fahn (fn) [WD-Niedkch KL-Landstl ZW-Lambsbn], der Fahne (fnə, seltener fānə) [fast allg., auch Beam Penns 30], der Fohne (fnə) [ KU-Adb Schmittw/O PS-Bobth], die Fohn (fōn) [ Gal-Obl]. Pl.: Fahne, Fohne; in KU-Rothsbg PS-Bundth BZ-Schweighf GH-Sondh: Fähne. Dim.: Fähnche, Fähnel. Zs. PfWB Vereins-, PfWB Kirchen-, Regiments-, Schwenk-, Sommertagsfahne(n); Papier-, PfWB Kinderfähnchen. Sie losse die Fahne eraushänge [ ZW-Battw, allg.], flatsche [ NW-Frankeck]; d' F. neindun [GH-Kand, verbr.]. Er därf de F. trage [ BZ-Dernb]. Die Buwe lääfen hin un her un dun ehr Fähnle schwenke [Keiler 141]. Erus, erus, de Bischof kimmt met Kritz (Kreuz) un F.! [ IB-Ensh]. RA.: Er loßt de F. 'den Mut' nit sinke [ LU-Opp]. Er hängt de F. ('s Fähnel) noh'm Wind [NW-Freinsh, verbr.]. Er traat de große F., wann die Arweit begrab gett, von einem Faulen [ Don-Gert]. a. 1501: voran mit iren cruzen und fanen in der procession [Grimm Weist. V 587 (SP-Schiffstdt)]. a. 1601/29: daß er allen Marktag einen darzu sonderlichen fahnen außsteckt [DirmstA Weist.]. —
b. s. Wetter-, PfWB Windfahne(n). —
2.
a. 'Mähne des Pferdes', der Fahne [KU-Hundh Hefw WD-Niedkch IB-Blieskst (PfId. 43) KL-Weilb PS-Schmalbg KB-Kriegsf Heeger Tiere I 14], die Fahne (Pl.) [ KU-Bedb Gal-Moosbg Ottenhs Wiesenbg Hartf Sap Falkenstein Kranzbg Kaisersd Buch-A'Fratautz Arbora Tereblestie Illisch], die Fohne (Pl.) [Don-Schowe Torscha Liebling verbr. Gal]. —
b. 'Stirnhaare des Pferdes' [ RO-Dielkch KB-Biedh FR-Albsh]. —
c. 'einzelne, unordentlich herabhängende Haarsträhne beim Menschen'. Dir hänge widder e paar Fahne erunner [ LU-Opp, Gal-Lindf]. —
3.
a. 'dünnes Kleid von geringer Qualität', Fähnche, Fähnel, seltener Fahne [verbr.]; vgl. Fatzen, PfWB Flitte, PfWB Flügel, PfWB Zottel. Die hot emol e Fähnel (e Fahne) an! [LU-Böhl, verbr.]. —
b. scherzh. 'Taschentuch', der Fahne [ KB-Kriegsf]; vgl.

[Bd. 2, Sp. 1012]
PfWB Sacktuch. Zs. Rotzfahne(n). —
4. Pflanzen u. Pflanzenteile.
a. = PfWB Eisenhut 1, die Fähnelcher [ NW-Rödh]. —
b. 'Maisblüte', Fahn [ Buch Illisch]. —
c. 'Schilfblüte' s. PfWB Rohrfahne. —
5. 'liederliches Frauenzimmer, das sich herumtreibt', der Fahne [KL-Fischb (Kleeberger 117)]. —
6. 'Atemgeruch nach Alkoholgenuß', umgspr. Der hot awwer e Fahne [BZ-Rinnth, verbr.]; vgl. PfWB betrinken. — Unter schriftspr. Einfluß setzt sich mehr und mehr die Fahn, mancherorts (bes. SWPf) sogar die Fahne (Sing.) durch. — Südhess. II 324/25; RhWB Rhein. II 235/36; LothWB Lothr. 131; ElsWB Els. I 117; Bad. II 4/5.

 

   Sack-tuch n.: 'Taschentuch', -duch (-dūx, -dux), s. K. 103 [verbr. WPf NWPf mancherorts übrige Pf Don-Lenauheim Tscherwk Gal-Sap], -douch [ IB-Habkch], vereinzelt nur im Dim.: -dichl [ GH-Bellh]; vgl. Nas(en)-, PfWB Schnupftuch; Zs.: Pussier-, PfWB Renommiersacktuch, -tüchlein; s rotgedippelt S. [Feierowend 34/1950 2]. Nemm dein S. un butz dein Nons! [ KU-Schmittw/O]. S'kommt häm un dut so hejle. / Es S. isch ganz naß [Kraus Sellemols 28]. RA.: 's S. hängt'm hinne raus, wenn der Hemdzipfel (infolge zerrissener Hosen) hinten heraushängt [ KU-Schmittw/O]. Drohung: Do kannschde dei Knoche im S. häämtrache! [Land]. a. 1867: Die aufgenommenen Schüler der Lehrerbildungsanstalt haben laut Einberufungsschreiben u. a. Sacktücher mitzubringen [Kaislt]. Südhess. V 23/24; RhWB Rhein. VII 679/80; ElsWB Els. II 650.

 

  PfWB  ElsWB Sack-tuch (s. S.) Verbr. nach Wk. VII 12 Nahe (u. sęgəl, Saar, Hunsr südl. der kurtrier. Grenze meist sęgəl-), Mos, Eif [im ganzen Geb. auch daneben zaktiχ; akədō:x in der Kinderspr. Koch-Laub], Westerw, Siegld, Rip, im Berg in Waldbr, Gummb, Wippf-Olpe, Sol, Düss, Mettm-Haan Wülfr, Elbf, in Eup, im SNfrk in Erk, Grevbr, Neuss, MGladb, sonst vereinzelt Geilk-Randerath, Heinsb-Millen Wassenbg, Kemp-Hüls, Kref-Linn Willich, Mörs-Alpen Birten Neuk, in Geld-Issum Sevelen Stdt Winnekendonk, Klev, verbr. (25 Orte), in Rees (6 Orte) [saduk Ellen], Dinsl-Eppinghv Bucholtwelmen, an der Ruhr verbr.; das Wort, ziemlich allg., geht also weit über das Gebiet von Sack ‘Tasche’ hinaus n.: 1. Sackleinentuch, grobes L. zu Säcken, Schrupptüchern, Packleinen Allg.; en salzsacke Schörz aus Salzsackstoff Trier. — 2.a. Taschentuch (ohne verächtl. Nebensinn); das nhd. Täschentuch dringt allmählich vor, da S. doch allmählich als zu derb empfunden wird; s. auch Nastuch, Naskleid, Schnickkleid, Täschenplack. RA.: S. brennt! wird gesagt, wenn der Sucher im Verstecksp. in die Nähe des Versteckten

[Bd. 7, Sp. 680]
kommt Kreuzn-Seibersb. De micht e Gesicht wie e Forz an (in) enem S. ein verdutztes Gesicht Trier-Welschbillig. Ich hauen dich, dats de ding Knöuchelcher em S. hemdrage kanns! Rip, Allg. Ene Knodde (Knoten) en et S. mache Rip, Allg. — Der Priester, der die Trauung vollzieht, erhielt von den Brautleuten ein S., in der Regel ein weiss-leinenes; die Mädchen, die vor der Hochzeit den Burschen Sträusse auf die Hüte spengelten, erhielten von diesen je ein S. Eif. — b. übertr. dat fönfzippelige S. scherzh. die fünf Finger, mit denen die Männer die Nase schnäuzen Eusk. Bore S. Köln-Stdt; Kessenicher S. Bo-Stdt Berkum; Pletscheder (Prüm-Plütschd) S. Prüm-Waxw. Hen schafft noch mat dem Geichler (Geichlinger) S. Bitb-Seimerich.