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| PfWB Elben-trütsch (Bd. 2, Sp. 868) | PfWB fangen (Bd. 2, Sp. 1035) | PfWB an-binden (Bd. 1, Sp. 212) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
1. a. Fabeltier, gewöhnlich in Vogelgestalt, in LA-Edk auch als Eichhörnchen gedacht. (Vgl. die Zeichnung von Max Slevogt in Becker Vk. 120.) In der ganzen Pfalz narrt man einen Leichtgläubigen, indem man ihn dazu überredet, beim Elbentrütschenfangen mitzumachen. Man beschwatzt ihn, sich abends mit einer Laterne und einem offengehaltenen Sack in einem Hohlweg außerhalb des Ortes aufzustellen, während die Spaßvögel sich entfernen, um ihm angeblich die E. zuzutreiben. Nachdem er lange Zeit vergeblich gewartet hat, merkt er, daß er zum besten gehalten wurde. In KU-A'glan läßt man die Dummen am 1. April E. fangen. In Gal-Biczyce sagte man, wenn der Schnee in großen Flocken fiel: Gehn mer uf Sechskoretz (eine Gewanne) un fangen Elbedritsche. In Gal-Dornfeld stellte man den Einfältigen mit einem großen weitmaschigen Sieb auf dem Kopf unter der geöffneten Dachgaube des Heuspeichers auf, während die »Treiber« auf dem Speicher Scheuchrufe ausstießen und schließlich einen großen Eimer Wasser auf den Ahnungslosen herniederplatschen ließen. In Don-Lowrin legte man faules Obst oder sogar Exkremente unter einen Hut und ließ den Dummen daruntergreifen. — Hauptform des fast allgemein im Pl. erscheinenden Wortes ist (vgl. K. 115) Elwedritsche mit den Nebenformen Elbedritsche, Elwerdritsche. Kleine Gebiete bilden Else-, Elzedritsche in der NWPf und Elfedritsche sowie Elwebritsche in der SPf (in einzelnen Belegen auch in anderen Teilen der Pfalz). Für einzelne Orte sind bezeugt: Elmedritsche [ NW-Herxh/Bg. Haardt Lachen], Eljedritsche [ BZ-Darst], Eldedritsche [ KL-Hauptstl], Elschedritsche [ KL-Katzw], Ilwedritsche [IB-Reinh RO-Sippf LU-Altr Iggh LA-Gommh], Ilbedritsche [ KU-Adb SP-Dudhf], Eiledritsche [ LA-Offb], Elwedrische [ LU-Ruchh], Elbedrische [ LA-Diedf], Elbedritschle [Spey GH-Sondh Hagb], Elwedritche [ HB-Medh Seyw], Elwedrutsche [ LU-Dannstdt Muttstdt Böhl NW-Haßl], Elwedratsche [ KU-Konk], Elwedratche [ WD-Niedkch], Elwedrätcher [ FR-N'lein], Elberbritsche [ ZW-Battw], Elfebritsche [ PS-Salzwg], Eldebritsche [ KL-O'arnb ZW-Maßw Kl'steinhs PS-Kröpp BZ-Nd'horb LA-Queichh], Eldebritche [ HB-Böckw ZW-Bottb], Eldebretche [HB- [Bd. 2, Sp. 869] ![]() [Bd. 2, Sp. 871] N'alth], Elsebritsche [ ZW-Riedbg Rieschw O'aub Käshf Marthh Wintb Walshs], Eilebritsche [ BZ-Völkw Dimb]. Formen der Auslandspfälzer: Elwe-, Elbedritsche [verbr. Penns Don Gal Buch], Elderdritsche u. Elbedritschle [Buffington Penns Var. 228/67], Elfedritschel, -dritschelche, Elefantdritsch, Elderbritsch, -twitsch, Elbegricksel, Elefantgricksel [Beam Penns. 28], Ilbedritsche [ Don-Lowrin], Igelsbritsche [ Don-Kernei]. Andere fiktive Jagdtiere, mit denen Uneingeweihte gefoppt werden: Amselrehhase 2, PfWB Bachhammel, PfWB Biber 2, PfWB Buchelaffe, PfWB Dilpetatschen, PfWB Tratschen, PfWB Entratschen, PfWB Kothahn, PfWB Rasselbock, -männchen, — b. RA.: Mit dem kann mer Elwedritsche fange, von einem Leichtgläubigen [KU-Bedb, verbr.]. Auf die Frage, was man vorhabe oder wohin man gehe, erhält man die ausweichende Antwort: Elmedritsche fange [NW-Haßl, Spey Kühn Palz 130]. — 2. scherzhaftes Schimpfw. für Kinder: Ehr Elbetritsche! [ Don-Schowe], für einen einfältigen Menschen; Elbedritsch [Don (ohne Ortsangabe)], für ein ungeschicktes Mädchen [ Gal-Baginsbg]. — 3. 'Bergfink', Elwedritsch [Zweibr]; vgl. PfWB Böhämmer. — Etym.: Nach HwbAbergl. II 761 ist der Elbentrütsch »der vom Alp Getretene«, nach R. Mulch (»Elbentritschen und Verwandtes« in HessBl-VK., Bd. 51/52, 1960, S. 209 ff.) 'der von den Elben Gequälte', wobei der zweite Wortteil mit südhess. tritschen 'strienzen, quälen' in Verbindung gebracht wird. Die Vielfalt der Formen beider Kompositionsglieder erklärt sich als spielerische Veränderung des etymologisch undurchsichtig gewordenen Wortes. Vgl. hierzu auch Mulch a. a. O. — Zum Genus: Einige Belege geben f. an, andere (durchweg Gal) dagegen m. Die Pluralformen lassen neben m. auch n. zu. — Südhess. II 179/80; RhWB Rhein. II 104; Saarbr. 57; ElsWB Els. II 769 Ilbentrütsch; Bad. I 676/77; DWB DWb. III 402.
| 1. a. ein Tier f., wie schd., fange (faŋə) [weithin herrschend, die südl. VPf ausgenommen], (fḁŋə) [mancherorts WPf NPf u. mittl. VPf, vgl. Höh 46 u. Bertram § 26], (foŋə bis fḁŋə) [südl. VPf, vgl. Heeger Südostpf. § 52, östl. PS]. Konjugation s. F.; Wild (in Schlingen und Fallen) f. [allg.]; Fisch f. [allg.]; de Bieneschwarm f. [verbr.]. Zs.: PfWB aus-, PfWB ein-, PfWB heraus-, hinweg-, PfWB weg-, zusammenfangen. Die Katz fangt Mais [ ZW-Käshf, allg.]. RA.: em (einem) die Fleh (die Lais) f. 'die Meinung sagen' [ PS-Schmalbg], 'einen verhauen' [ IB-Bliesmg/Bolch ZW-Schmitshs]. Do sin alle Spatze gefang 'Da ist nichts mehr zu ändern' [Kaislt]. Do fangt gewiß kän Katz kän Maus mehr, von einem Sack mit Löchern [NW-Neidfels, verbr.], ... fangen hunnert Katze kän Maus [LA-Gommh, verbr., auch Gal]. Er will zwee Rawe an eem Schwanz f. [ Gal-Sap]. Wann de Hund net geschiß hätt, hätt er de Has gefang [KU-Trahw, verbr.]. Mit meer dun ehr kee Micke f. 'Mit mir könnt ihr nicht machen, was ihr wollt' [Kaislt]. Mit einem Dummen kann man de Hätsch 'Eber' f. [ BZ-Dernb], Krotte 'Frösche' f. [ IB-Biesing]. Den Dummen läßt man Krappe 'Raben' f. [ LU-Limbghf], Elmedritsche f. (s. PfWB Elbentrütsch 1 b) [ NW-Gimmdg]. SprW.: Met Speck fängt mer Mais [ KL-Reichb, allg.]. Wann de Himmel erunnerfällt, sein die Spatze allminanner gefang 'ist alles vorbei' [KB-Albish, verbr.]. Volksgl.: [Bd. 2, Sp. 1036] Wammer flucht iwwer'm Fische, fangt mer nix [Penns]. VR.: Nikelaus, fang die Maus, schmeiß die Katz zum Fenschder naus! [ LA-Nußd]; vgl. den KR. bei Bach (I 502 Z. 5 ff.), das Rätsel bei Bank 1 (I 553 Z. 1 ff.). a. 1532: der arm mann habe mit einem fischhammen 'Angelrute' ... ein fisch zu fahen, aber kein legengeschirr zu legen [ABlieskst 86]. a. 1535: einen hasen zu fahen [ebd. 80]. — b. jemand f. α. 'gefangennehmen', vgl. PfWB fassen 1 b, PfWB einfangen 2 a; de Dieb f. [allg.]. Ich war (im Krieg) drei Johr in Rußland gefang [Kaislt]. Auch ohne Obj.: De Letscht 'der Letzte' muß f., beim Fangspiel [ RO-Rehborn]. RA.: Baure f. 'einen Unerfahrenen über's Ohr hauen' [ NW-Frankeck]. Du hoscht de Alde (uf'm Nescht) gefang 'Du hast Glück gehabt', meist iron. von einem Mißerfolg [KB-Bubh, verbr.]; vgl. PfWB alt II 1 f. Ausruf beim Teneeui: Tennee wui, fang de Lui! [ KL-Lauerhf RO-Schönbn]. Kinder ängstigt man beim Dunkelwerden: De Nachtkrapp fängt dich! [ GH-Büchbg]. SprW.: Wann's kalt werd (und die Bauarbeiten deshalb ruhen), kann mer die Maurer mit'me Vertel Schnaps unner'm Sibb (Sieb) f. [ NW-Haßl]. AR.: Dreimol, dreimol, Spitzestang, wer net laaft, der is gefang [ FR-Kindh]. Hutzel, Hutzel, Stange, wer net erausgeht, der muß fange [ KL-Drehthhf]. 16. Jh.: der den hoff inhat, soll auch halten sloße und blecher (s. PfWB Bloch 2), ... das man untetige lute finge ..., das die daryn behylte [PfWeist. I 97 (SP-Berghs)]. — β. übertr. αα. 'durch geschickte Fangfragen überführen'. Ich hab'n g'fange [NW-Wachh, verbr.]. - - ββ. 'überraschen', z. B. durch den Glückwunsch am Geburtstag [ KU-Schmittw/O LA-Edk]; vgl. PfWB abfangen 2 b. — c. 'jemand (durch List) für sich gewinnen'. Sie hot'n (sich) g'fange (durch ihre Schönheit, durch allerlei Künste, bes. durch die Folgen des Geschlechtsverkehrs) [ LA-Wollmh]; entspr.: Er hot se (sich) gefang [WD-Niedkch, verbr.]; vgl. PfWB anbinden 2, PfWB angeln 3, PfWB gewinnen (mit dem Arsch). — 2. a. einen (geworfenen) Gegenstand f. 'auffangen'; de Balle f. [allg.]; vgl. PfWB auffangen 1 a. Ohne Obj.: Die Kuh hot g'fange 'ist trächtig geworden' [GH-Nd'lustdt, verbr.]; dass. abschätzig auch von der Frau [verbr.]. — b. α. de Brunne f. 'mit einer Einfassung versehen' [ LA-Nußd.]; 's Wasser f. 'stauen' [ ZW-Dellf]. — β. Er hat's gefang 'Er glaubt, was man ihm vorgeschwindelt hat' [ WD-Niedkch]. — 3. sich f., vgl. PfWB ver-, PfWB überfangen. a. sich in etwas f., wie schd. Die Mick hot sich im Spinnenetz gefange [NW-Kallstdt, verbr.]. Er hot sich selbscht gefang 'durch eigene Worte verraten' [ KU-Schmittw/O]. De Wind fängt sich (am Windfang, am Kamin, am Türeingang) [FR-Bockh, verbr.]. In unserm Schopp fangt sich als de Wind [ ZW-Gr'bundb]. — b. 'das [Bd. 2, Sp. 1037] Gleichgewicht wieder erlangen'. α. Er is gestolpert, hat sich awwer werrer gefang [KL-Kindsb, verbr.]. — β. übertr. Er werd sich schun wirrer f., bei geschäftlichen Schwierigkeiten und schweren Schicksalsschlägen [KB-Kriegsf, verbr.]. — 4. Feuer f. a. gegenst. 'zu brennen beginnen', Feier f. [verbr.]. — b. übertr. 'sich für etwas begeistern, sich in jemand verlieben'. Sie hot Feier g'fange [BZ-Annw, verbr.]. — 5. 'erhalten'. Er hot enni (eine Ohrfeige) g'fange [LA-Nd'hochstdt, verbr.]. Er hot se (seine Schläge) gefang [ KB-Bubh]. Wann de des noch emol sagscht, fangscht de eeni [Zahn Pläsier 234]. Dem han ich emol die Grebschde gefang 'eine Tracht Prügel gegeben', auch 'gehörig die Meinung gesagt' [KL-Matzb, verbr.]; vgl. PfWB abfangen 1 g, PfWB vor-, PfWB herab-, PfWB herunterfangen. Syn. s. PfWB verhauen. — 6. Zs. PfWB anfangen, PfWB empfangen, PfWB unterfangen. — F.: Präs. Sing.: ich fang(e); du fangsch(t), fängsch(t); er fangt (fängt); Pl. fange, fangen; zur Verbr. der Formen vgl. PfWB tragen. Part. Perf.: gefang/gefange, Grenze entspr. gebroch/gebroche, s. K. 1. — Südhess. II 349 ff.; RhWB Rhein. II 282 ff.; Saarbr. 60; LothWB Lothr. 133; ElsWB Els. I 120; Bad. II 13; DWB DWb. III 1236/37 fahen.
| 1. etwas a. 'durch Binden festmachen'; de Hund aanbinne [allg.]; scherzhaft: Die Staan 'Steine' binne se aan un die Hunn losse se laafe, angeblich der Ausruf eines Hausierers, der die ihn bedrängenden Hunde nicht mit Steinen abwehren konnte, weil sie festgefroren waren [Schandein Bav. IV, 2 S. 269]. De Trauwestock a. 'die Rebenruten mit Weiden oder Strohhalmen an dem Draht oder an dem Rebpfahl befestigen' [allg. im Weinbaugebiet]. a. 1590: ... soll ... keiner ... sein Pferdt ... zur weidt schlagen, Eß sey dhann ... angebunden [Zweibr Urkb. 149]. Scherzhafte Antwort auf die Frage, was los (= was geschehen) sei: Was net aangebunn is [nördl. VPf, allg.]. RA.: Der is Dag un Nacht aangebunn 'an Pflichten gebunden' [allg.]. Der schafft 'arbeitet' wie angebunn, ironisch von einem Faulenzer [Hebel 16, verbr.], wie e angebunner Hund [ KU-Hinzw]. E Kälbche (Kälwel) a. (auch PfWB abbinden) 'aufziehen (nicht verkaufen)' [verbr.]; übertr. 'erbrechen, sich übergeben' [allg.]. Volksgl.: In einem Teil der Westpfalz bestand der Glaube des Anbindens des Kalbes in der Kuh, indem man der Kuh, nachdem diese beim Fasel (Stier) gewesen war, ein Stückchen des Seiles der Rathausglocke zu fressen gab [Schandein Bav. IV, 2, 377]. Einen Bären anbinden 'einem ein Märchen erzählen' [Klein Prov. 36]; gebräuchlicher: einen Bären aufbinden. Dem soll mer die Zung a., von einem Schwätzer [ FR-Bockh]. Scherzhafte Antwort auf die Aufforderung, das Maul zu halten: Gebb mer e Strick for 's aansebinne [ KU-W'mohr]. SprW.: Wammer die Bohne oonbind, werd de [Bd. 1, Sp. 213] Kaffee raulich 'Wenig Bohnen geben keinen guten Kaffee' [ KU-Schmittw/O]. Neckvers: Korz geschor, hot 's Ohr verlor, hat 's widder gefunn, hat 's aangebunn [Kus]. — 2. einen (eine) a. 'der Entschlußfreiheit berauben'. RA.: Er hot's (das Mädchen) aangebunn(e), auch: Sie hot'n (den Burschen) a. 'durch Schwängerung zur Heirat gezwungen' [verbr.]. — 3. mit einem a. 'Streit beginnen', mehr umgspr. [allg.]. — 4. RA.: Der is korz angebunn(e), wer heftig reagiert, insbes. mit barscher Antwort rasch zur Hand ist, genommen vom Bild des bissigen Hundes, den man kurz anbindet [allg.]. — RhWB Rhein. I 699; ElsWB Els. II 59; Bad. I 44.
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