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 PfWB Tute (Bd. 2, Sp. 698)   PfWB Krämer (Bd. 4, Sp. 533)   PfWB Schuhenbändel-händler (Bd. 5, Sp. 1478) 
   Tute1, Tüte f.:
1. 'Papiertüte', früher trichterförmig gerollt, jetzt meist rechteckig geklebt, Tutt (tud), Tut (tūd), Tout (toud), Dutt (dud), Ditt (did), Dott (dod), Dut (dūd) [zur Verbr. s. K. 110]; Auslandspfälzer: Tutt [ Don-Schowe Torscha Gal-Josbg Dornf], Tutt u. Dutt [Penns, Lambert Penns 46 PSA K. 35]. Zs. PfWB Feder-, Gutsel-, Mehl-, PfWB Zuckertute. Bring mer e Tutt voll Zuckerbohne 'Bonbons' [verbr. Gal]. RA.: Er muß Tutte mache 'im Gefängnis Tüten kleben' [KL-Wörsb, verbr.]. Mach d'r Tutte an die Ohre, damit du besser hörst [ KU-Diedk]. Er war so voll wie e Dutt 'besoffen' [LA-Nd'hochstdt,

[Bd. 2, Sp. 699]
verbr.]; vgl. PfWB betrinken. Er macht Mailer (Mäuler) for Tutte, vom Müßiggänger [Hebel 25]. Die hän angebb wie e Tutt voll Micke [Sunndag Nr. 34/1965, Bassler 30]. Er is so hell uf der Platt 'im Kopf' wie e Tutt voll Ruß, von einem Dummen [ RO-Winnw]. SprW.: For Geld un gute Worte kriecht mer Zucker un aach e Dutt 'Mit Geld und guten Worten erreicht man viel' [LA-Gommh, verbr.]. In der letschte Dutt findt sich alles, Trost beim Suchen [FR-Bobh, verbr., auch

Don-Alexanderhs Gal-Josbg Kaisersd Königsbg Buch-St-Onufry]; auch: 'Einmal kommt alles ans Tageslicht' [PfMHk. 1925 S. 173], 'Ende gut, alles gut' [Krieger 43], 'Beim Erben zerstreiten sich die Verwandten' [Pirmas]. VR.: Proscht Neijohr! E Bretzel wie e Scheierdor, un e Dutt voll Fläich (Flöhe), do huppse mer all in d'Häich (Höhe) [ LA-Edk]; Var. s. bei PfWB Brezel, PfWB prosit. Das Kinderfangspiel Tutt is leer hat folgenden Verlauf: Von zwei Parteien (Bayern und Preußen) versteckt sich die eine, die andere sucht. Von der Suchpartei bleibt einer bei der Kaute, um die Gefundenen laut anzusagen. Sobald sich alle versteckt haben, ruft einer »Tutt is leer!« Gelingt es denen, die sich versteckt haben, einen von den Suchenden zu fangen, dann gewinnen sie einen Punkt. Mit drei Punkten entscheiden sie das Spiel für sich, d. h. sie dürfen sich wieder verstecken. Andernfalls müssen sie das nächste Mal suchen. [ KU-Hachb]. —
2. 'Tütenförmiges'.
a. bei Mensch und Tier.
α. 'Nase', scherzh. [ RO-Duchr GH-Büchbg]. Zs. PfWB Kupfertute. Syn. s. PfWB Nase. —
β. 'Kopf', scherzh. RA.: Er hot's in de Dutt 'ist betrunken' [Neustdt NW-Haardt]. —
γ.

[Bd. 2, Sp. 700]
'Geschlechtsteil der Kuh' [KU-Obw/Tiefb IB-Eschring]; 'Geschlechtsteil der Stute' [ ZW-L'wied], vgl. PfWB Butte2, Futt; 'Gebärmutter', vulgär [ KB-Kriegsf]. —
δ. 'Haarknoten' [Zweibr]. —
b. bei Pflanzen.
α. 'Blüte der Winde' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Tutenblume 2. —
β. 'Herbstzeitlose', Pl. Dutte [BZ-Pleisw (Wilde 103)]. —
γ. andere Pflanzennamen in Pfaffen-, Kaffeetute. —
c. an Geräten.
α. 'Brause an der Gießkanne', Tud [ IB-Rohrb Aßw], Tittche [ Gal-Brig]. Syn. s. PfWB Zotte. —
β. 'tütenförmiger Verschluß der Wagenachse' [KL-Fischb Klein Wag 109]. —
γ. 'Blechhütchen (mit Spalt), das über die Lichtflamme der Petroleumlampe gedeckt wird', Duttche [ Gal-Josbg Dornf]. Zs. Lampentutchen. —
δ. 'mit dem Schäleisen abgeschältes Stück Eichenrinde' [Feierowend Nr. 19/1955]. —
3. Berufs- und andere Bezeichnungen für Menschen.
a. 'Kaufmann', Tutt [ PS-Winz]; vgl. PfWB Pfeffertütchen. —
b. scherzh. für 'Spengler', s. PfWB Rußtute. —
c. e langi Tutt 'großes Frauenzimmer' [ ZW-Ixh]; e alti T., verächtlich für 'ältere Person' [Zweibr]; e dummi Dutt 'ungeschicktes Frauenzimmer' [ BZ-Dernb]; vgl. auch Lumpentute. — Südhess. I 1920/21; RhWB Rhein. VIII 1495 ff.; LothWB Lothr. 115; ElsWB Els. II 727; Bad. I 618/19.

 

   Krämer m.:
1.
a. 'Kolonialwarenhändler, Inhaber eines kleinen Ladengeschäftes', scherzh.-spöttisch vom Kaufmann überhaupt, Krämer (grēmər) [verbr.], (grēmÄ) [ LA-Göckling], Kramer (grāmÄ) [ PS-Fischb], Kräimer (gręimÄr) [verbr. südl. VPf], Krimer (grīmər) [ RO-Als KL-Stelzbg PS-Erfw Bruchw Bundth], (grīmÄ) [ HB-Webh]; vgl. PfWB Händler 1 a. Zur meist spöttischen Nebenbedeutung vgl. folgende Syn.: PfWB Bankerott(s)- 2, PfWB Bettelkrämer, PfWB Pfefferknecht, -krämer, -sack, -tütchen, Pfennig(s)fuchser, PfWB Profit 2 a, PfWB Profitkasten, -krämer, PfWB Thekenhuppser, -rütscher, -schieber, PfWB Tintenbube 2, PfWB Dreibatzenkrämer, PfWB Tüpfengucker 2, PfWB Tüte 3 a, PfWB Ellenhuppser, -reiter, PfWB Essigseicher, PfWB Fuggerer 2, PfWB Grieß- 1, PfWB Harzkrämer 1 bα, Hering(s)bändiger, -drücker, -krämer, PfWB -seele 2a, -tiroler, PfWB Kaffeebohnenspalter, PfWB Käsehändler, -krämer, Kattunschisser, PfWB Kaufmannsschwung, PfWB Kaufmich, PfWB Krämerseele, PfWB Krempel-, PfWB Krüge-, PfWB Kuckuckskrämer, PfWB Ladenhengst, -huppser, -pritsche, -schwengel, PfWB Linsenspalter, PfWB Nähtskrämer, PfWB Rollmopsvetter, PfWB Salzkrämer, PfWB Schamas, PfWB Schamashändler, -krämer, Schubladkratzer, -schieber, Schuhbändelhändler, PfWB Spitzbubenkrämer, PfWB Spitzbubereihändler, -krämer, PfWB Spitzelkrämer, PfWB Spitzenbickel, -krämer, PfWB Zottelkrämer, Zukkerbübel. VR.: Muß schnell bei de Krämer laafe / für ein Pfennig Zucker kaafe, / Für ein Pfennig gibt's nicht viel, / Wulle, wulle, wutzi! [J. Sprissler Kinder- u. Volksreime aus der Pfalz. In: »Der Trifels« 24. 12. 1933]. a. 1595: Wagenschmier soll ein jeder Hecker oder Krehmer macht haben feil zu halten [StArch. Ratsprot. Bl. 53 (Kaislt)]. —
b. 'Hausierer', Krämer [Lambert Penns 69]; vgl. krämern.
2. 'Mensch mit negativen Eigenschaften verschiedener Art'; vgl. PfWB Anschläge-, PfWB Bankerott(s)- 3, PfWB Potten-, Poussier-, PfWB Prozeß-, PfWB Disputier-, PfWB Kleinigkeits-, Leidstells-, PfWB Lumpen-, PfWB Schikanen-, PfWB Schmus-, PfWB Schnurr-, PfWB Sudel-, PfWB Umstands-, Wagenschmierkrämer. Südhess. III 1741; RhWB Rhein. IV 1356; LothWB Lothr. 311; ElsWB Els. I 518.

 

   Schuhenbändel-händler m.: 'Kaufmann', scherzh., Schuckebennelhänneler [ KL-Weilb]; Syn. s. PfWB Krämer 1 a.