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 PfWB Dusen-brücken (Bd. 2, Sp. 695)   RhWB Tripstrill (Bd. 8, Sp. 1375)   DWB tripstrill (Bd. 22, Sp. 652) 
   Dusen-brücken n.: Zu PS-Nünschw gehörender Ortsteil, sonst als Bezeichnung für einen weit entlegenen Ort gebraucht. Antwort auf die Frage nach dem Wegziel: Nooh Dusebrücke [Hebel 110], oder nach der Lage eines Ortes: Zwische Dusebrigge un Dripsdrill [Feierowend Nr. 24/1953]; vgl. PfWB Bocksbummern, PfWB Buxtehude, PfWB Tripsdrille. Von einem Dummen sagt man: Er is vun D. [ KU-Trahw]; vgl. PfWB Dummbach 1. Sell werre mr schun mache, mir sein jo net vun D. deham! [Kühn Hamet 76]. RA. zur Bezeichnung einer weitläufigen Verwandtschaft: Sie waren emol mitenanner uf de Dusebricker Kerb [ ZW-Battw]. — Der erste Wortteil vielleicht identisch mit Dus, der lothr. Bez. für die Stadt Dieuze; vgl. Christmann SN I2 119.

 

 Tripstrill Rhfrk, Mosfrk dribsdril; Rip, OBerg tripstril, –trel: 1. fingierter Ort, in RA.: He hät ze befelle zo Tr., wo nümmes es Köln-Stdt. Ich will, duə wärsch zo Tr.! Schleid-Dottel. Der es henner Tr. derhäm wo die Welt mit Brettern zugenagelt ist Ottw-Dirming. A.: Wo gehsde hin? B.: No (uf) Tr. Allg., — do kammer de Narre fange, wie mer will Wend-Dörrenb, — wo die Gäns grin scheisse Kreuzn-Münchwald, — wo de G. Horbännel drahn un de Ente Gamasche (Baricke) Nahe, — uf die Tr., Salatsome säe Kreuzn-Waldalgesh. — 2. übertr. (an Trippse

[Bd. 8, Sp. 1376]
»Tropfen« angelehnt) a. m. einfältiger, dämlicher, etwas schüchterner, langsamer, mutloser, untätiger, sich selbst verwahrlosender Mensch Saarbr, Birkf, Simm, Goar, Trier-Trittenh, Prüm-Mürlenb, Koch, Kobl, SMay, Neuw-Datzeroth; f. dummes Weib Bernk-Graach, Trier-Heidenbg. — b. Querkopf Birkf, Bernk-Rhaunen. — c. e kläner Tr. kl. Junge Bernk-Rhaunen. — d. Tr.che n. Zimperliese, naivdummes Mädchen, Kind Ottw, Saarbr. — e. Quälgeist Bo-Stdt. — f. A.: Wer war das? B.: der Trippstrappstrell; gangk nom Tr.! zum Henker; Tr. ein Kindersp. Köln-Stdt. — Abl.:

 

 tripstrill, m., f., n. , mit zahlreichen nebenformen wie dribsdrill, drebstrill, trepsdrell; gelegentlich auch solchen, die lautlich weiter abstehen: triptrille Rother s. u. 1, trixtrill Corydon s. u. 1, trippotill fastn.-sp. s. u. 2, der juncker von strip stril kam zu Hamburg de Memel lustige gesellsch. (1656) 287, dröpsdrölles Christa Trierer wb. 73a. diese tatsache der unfestigkeit in der lautgestalt unterstreicht den lautmalenden charakter des worts, ohne dasz dadurch die herkömmliche erklärung des worts von dem schwäbischen ortsnamen Tripstrill resp. Treffentrill

[Bd. 22, Sp. 653]
oder der weimarischen stadt Triptis, die im volksmunde Tripstrill genannt wird, unmöglich würde; s. Bolte in Herrigs archiv 102, 253. anders Weise zs. f. dt. wortf. 3, 124/8; vgl. Borchardt - Wustmann d. sprichwörtl. raa. im volksm.6 479; dribsdrill, th. 2, 1420.
1) m., bezeichnung für einen menschen, der durch seine ungeschicklichkeit und torheit anstosz erregt, tölpel, dummkopf. während des nhd. zeitraums über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet mit mannigfachen bedeutungsabschattungen, ohne dasz für sie eine bestimmte ausdehnung geographisch fest umrissen werden könnte: dripsdrill, spottname für einen menschen, der sich albern und blöd benimmt Schmeller-Frommann 1, 673/4; tripstrill, tölpel, dummkopf, langsamer, dummer mensch; übereifriger, aber ungeschickter mensch Martin-Lienhart elsäss. 2, 764a; dröpsdrölles, einfältiger, dämlicher mensch Christa Trierer wb. 73a; trepsdrell, tölpel Wegeler Coblenz2 78; trippstrill, gleichgiltiger, langsamer mensch; gern weinende person Kehrein volksspr. in Nassau 410; langsamer einfältiger mensch; schlafmütze; spottname, den man einem unvorsichtigen gibt Bock id. pruss. (1760) 8; Hennig preusz. wb. 53; person, die sich nicht zu finden weisz, einfältig, ungeschickt ist Gutzeit spr. Livlands 201a; als fem.: einfältige person, Schön Saarbrück.2 50b; die trippstrille, zuweilen eine scherzhaft scheltende benennung eines mädchens, einer frauperson Bernd Posen (1820) 322; neckwort: 'du siehst so betrübt aus wie 'ne trippstrill' Lemke volkstüml. i. Ostpr. 1, 185; feminine neben masculiner verwendung bezeugt auch Gutzeit a. a. o. literarisch als schimpfwort vornehmlich in mundartnaher oder reiner mundartdichtung:

... der yngebildt tripsdrill!
maint wyl er rychdum het
Arnold pfingstmontag (Straszb. 1816) 47.

das wort wird geradezu als fester personenname verwendet:

es sind zwar noch bei mir Paris und Schampetasche,
mein beyde söhn wie auch Trixtrill der kleine basche (page).
doch können diese drey mir nicht behülflich seyn
Corydon narrenbossen (1677) e 12a;

denkst du, dasz es mein casus ist, in gelehrten gesellschaften dazusizen wie Dripsdrill? Hermes Sophiens reise 42 (1776) 92; zwei belege im schles. schrifttum aus d. ersten hälfte d. 18. jh. bei Rother schles. sprichw. u. raa. 219b.
2) n., erdichteter ortsname; ähnlich wie Schilda zur kennzeichnung eines ortes, dessen törichte einwohner sich übergescheit glauben und deshalb lauter narreteien und torheiten begehen. wenn auch die literarischen belege für diese verwendung bis ins 15. jh. zurückreichen, so hat sie sich doch wohl erst aus 1 entwickelt. im gegensatz zu 1 ist die verbreitung dieser bedeutung auf das obd. und md. sprachgebiet beschränkt: Hügel Wiener dial. 167; Schmeller-Fr. 1, 673/4; Schöpf tirol. 757; schweiz. id. 4, 190; Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 741; Fischer schwäb. 2, 389; Martin-Lienhart elsäss. 2, 764a; Schön Saarbrücken2 50b; Hönig Kölner ma. 182b; Waldbrühl rhingscher klaaf 213; Kehrein volksspr. i. Nassau 410; Crecelius oberhess. 300; Pasch Altenbg. 101; Müller-Fraureuth 1, 251a; Albrecht Leipziger ma. 224b. in Norddeutschland wird entsprechend Buxtehude gebraucht. gern antwortet man im volksmund auf die naseweise frage: wohin gehst du? woher kommst du? u. ä. mit der schnippischen abfertigung; nach, von Tripstrill; s. d. wbb. nach schwäbischem volksglauben liegt in Tripstrill die altweiber- oder pelzmühle, in der alte weiber wieder jung gemahlen werden, vgl. Mannhardt zs. f. dt. mythologie 2, 196; 3, 116:

zu guter letzt ich melden will:
da bei dem berg liegt auch Tripstrill
wo, wie ihr ohne zweifel wiszt,
die berühmte pelzmühl' ist
Mörike ges. schr. (1905) 1, 198;

so auch titel einer komischen oper Wenzel Müller die windmühl von tripstrill (1807). literarisch verwendet für einen ort voller narren, der im niemandslande liegt:

herr wirt, nun gebt uns euren segen!
hört ir ieman, der nach uns wolt fragen,
den weist zuo uns gen Trippotill! fastnachtsp. 1, 303 Keller;

[Bd. 22, Sp. 654]
ihr, ey könnt ihr mir nicht sagen, wo geht man recht nach Tripstrill nausz? gikes, gakes, ofenloch (um 1620) a 3a; er spricht, er habe keine wort im vorrath, und hat doch beym könige zu Tripstrill sollen complimentirsecretarius werden Chr. Weise drei hauptverderber (1673) 62; der lutherische herrgott hat trotz dem calvinischen seine synagog, welche vor dem jahr 1517 über tausend jahr zu Tripsdrill, drei meilen hinterm kachelofen in der Wetterau, unter der bank gelegen Weislinger frisz vogel oder stirb (1726) 2, 119; du wärst ein kerl, sprach ich, für den ewigen juden, dem es wenig verschlägt, ob er in Tripstrill oder Herrnhut zur kirchweih ankommt Mörike ges. schr. (1905) 2, 14; und wenn ihr auch von Trippstrill (statt von Lauterbach) wäret, ihr wäret doch ein lieber mensch Auerbach dorfgesch. 2, 118; als buchtitel L. Finckh die reise nach Tripstrill (1911). in älterer zeit bei anonymen werken zur charakteristik des inhalts zuweilen als druckort angegeben: sammlung poetischer gesundheiten und gedanken beym trunk. Tripstrille 1750, s. Weller d. falschen u. fingierten druckorte 1, 87; pilgerbuesspredig des schwäbischen pater Abraham. gehalte anno duback. gedruckt z. Trippstrill in der pelzmühle ebda 1, 234; vgl. auch Herrigs archiv 102, 251.
3) m., diarrhoe, durchfall: viel trauben eszen gereutt man etlich mahl, wen man einen braffen tribsdrill bekompt Elisabeth - Charlotte br. 1, 247 Holland; es kamme mir auff einmal ... ein starker tribszdrill ahn — bin in 2 stunden 8 mahl gangen ebda 1, 375; ferner 1, 4; 1, 182. liegt hier ein ganz persönlicher sprachgebrauch vor?