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| PfWB tun (Bd. 2, Sp. 610) | PfWB kreischen (Bd. 4, Sp. 576) | PfWB gellsen (Bd. 3, Sp. 177) | |||||||||||||||||||||||||||||
1. 'machen, ausführen, unternehmen, bewirken', vgl. PfWB machen, dūn, dūn(ə), dū(ə), dūnə, dn, d, dān, dn, daun, dḁun, dau, dḁu, dǫun, dǫun, dǫu; Verbr. s. K. 104; Konjugation s. F. — a. mit allg. Obj. (das, es, etwas, selbiges, solches, viel, was). Des därfsche (darfst du) net du! [RO-Schweisw, verbr.]. Ich will's aach nimmi dun [KU-Frohnf, verbr.]. ![]() [Bd. 2, Sp. 611] gedaun un net wirrer [BZ-Dernb, verbr.]. a. 1293: unde sollent das dun in den nehesten vierzehen nehten [SpeyUrk.]. a. 1511: ab eynicher herr das zu thoin hette sonder (ohne) den anderen [PfWeist. I 212 (PS-Burgalb)]. a. 1560: dethen die von Henne (Höningen) das nit, so ... [ebd. II 557 (NW-Freinsh)]. a. 1592: Welcher daß nit thete (sein gültt außzurichten) [ebd. II 553 (GH-Freckf)]. Es dut mer wirklich läd [Holler 17]. Er dut's um alles in der Welt net [verbr. Don Gal Buch]. Er dut's net um's Verrecke [verbr.]. Hätt ich's doch nit gedun! [ PS-Erfw]. Sprw.: Hätt mar's nit, dät mar's nit 'Gelegenheit macht Diebe' [ NW-Gimmdg, Don-Gottlob]. a. 1325: man due es danne gerne [SpeyUrk. 290]. a. 1492: mag er es nit gethaun, so soll er herausz reuten oder laufen zu den dreien gemeinden [Grimm Weist. V 579 (NW-Haßl)]. Sell muß gedoo sei [Danner Penns 72]. a. 1560: (wer) solchs mit gefar vnnd falsch thete [PfWeist. II 560 (NW-Freinsh)]. SprW.: Mer kann viel dun, awwer noch mehr losse [Hebel 45]. Ich du, was ich kann [NW-Frankeck, verbr.]. Er wääß nimmi, was er dut [KB-Kerzh, verbr.]. SprW.: Was mer gern dut, fallt eem net schwer [verbr. Gal]. Jung gewohnt, alt gedoon [ KU-Schmittw/O]. VR.: Peder, wu steht er? Im Stall. Was dut er? (s. PfWB Peter 2). Gretche, mei Mädche, was duschde? (s. PfWB Margarete). Ich bin meim Herr sein liewer Knecht; was ich dun, is alles recht (s. PfWB Knecht). — b. mit abstraktem Obj., das eine Tätigkeit bezeichnet (in alphab. Reihenfolge). Die kalt Nacht hot 'm Obs (Obst) en starke Abtrach (s. PfWB Abtrag 2) gedaun [ BZ-Dernb]. Hasche (Hast du) das aa schun Aacht (s. PfWB Acht 3) geduu? [Pirmas]. 15. Jh.: so haben wir ... bevelch (s. PfWB Befehl) gethon [Zweibr. I, Fasz. 1025 1/2]. Do du mol Beschääd, beim Zutrinken (s. PfWB Bescheid 1 c) [Kaislt]. a. 1415: die eyde (s. PfWB Eid), die sie ... gethon hetten [PfWeist. II 594 (NW-Friedh)]. a. 1564: der Aydt (Eid), So ein Jeder Inwohner zu Wirschbach dem Gerichtsherrn gethon [SSp., Beschreib. des Dorfes Wörsbach]. Er hot en Fall gedaan 'ist gestürzt' [ LU-Altr]. a. 1484: er hett ein fraug (s. PfWB Frage) an sy ze thon [Friedel 175]. a. 1582: frohndienst zu thun [PfWeist. II 519 (FR-Flomh)]. a. 1568: gebot und verbot zue thon [Grimm Weist. V 567 (LA-Gleisw)]. a. 1553: den beiden hochgerichtsherrn gehorsamb (s. PfWB Gehorsam) zu thun wie von alters [ABlieskst 99]. a. 1628: und wer sie darüber dreibt, der tuet gewalt und kein recht [PfWeist. II 600 (LU-Fußgh)]. a. 1671: vnd thut die 2. klag (s. PfWB Klage) [ebd. II 535 (KU-Föckbg)]. 17. Jh.: daß gemeinen pfarrvolck (soll) alle opera, daß ist alle Handlung, thun [ebd. II 533 (KU-Ulm)]. a. 1737: und alljährlich rechnung thun sollen [ebd. II 578 (NW-Freinsh)]. Er hot e Red (s. PfWB Rede) gedan [ KB-Kriegsf]. a. 1563: deß sie unserm gnädigsten churfürst und herrn eine rayß 'einen Kriegszug' tun [PfWeist. [Bd. 2, Sp. 612] II 515 (FR-Flomh)]. a. 1321: numme keinen schaden ich oder min gesinde zu dune ane alle geverde [OttbgUrkb. 328/29]. a. 1530: schaden, den des spitals sweyn (Schweine) ... gethun [SpeyGg-HospR]. Der Schütz dut sei Schilligkeit (s. PfWB Schuldigkeit) [PfId. 182 (WPf)]. RA.: Is net Sinn (s. PfWB Sünde) gedu?, von Verschwendung und unnötigen Ausgaben [ Gal-Dornf]. a. 1533: die menner, die den vndergang (Begehung und Festsetzung der Grenze) gethan haben [PfWeist. II 544 (KU-Frankb)]. (Do) horrer em Jäb no emol e gut Vermahning (s. PfWB Vermahnung) geduhn [PfId. 184 (Umg. Kus)]. — c. das Obj. bezeichnet das Ergebnis, die Wirkung des Tuns. Er hot sich eppes gedaun 'Er hat sich wehgetan' [ LA-Wollmh]. a. 1671: das thut 4 maß wein [PfWeist. II 535 (KU-Föckbg)]. (Dafür heute: das macht ...). 's dut nix 'schadet nichts' [LA-Impfl]. 's dut nix, wann aa e Stick vun de Zahnlad mitgeht, scherzh. vom Zähneziehen [ RO-Semb]. — d. »tun« mit adv. Bestimmung. Er dut's net annerscht 'will es unbedingt so haben' [ NW-Gimmdg]. Kannscht ääm lääd du [Kaislt, verbr.]. Du duscht der weh [ Gal-Dornf]. Dut das weh! [KL-Reichb, verbr.]. Um e Hoor hätt se sich weh geduu [ GH-Kand]. Der Kuh dut die Milch weh, sie muß gemolk werre [ WD-Niedkch]. Warten numme, 's kummt aach emol an eich, do sehn ehr aach, wie's dut [ NW-Gimmdg]. Jerem, duht eich der 'dieser' proforscht! 'Macht der es großartig!' [Kühn Schnitze II 65]. RA.: Ich han'm defor gedan [KU-Kaulb, verbr.]. SprW.: Es isch'm defor gedon, daß die Bääm net in de Himmel wachse [ ZW-Hornb]. Vgl. auch PfWB feil-, PfWB fort-, glau-, PfWB gut-, PfWB heim-, kundtun. — e. α. mit jemand zu tun haben, wie schd. Er hot's gern mit ehre se due 'Er sucht Umgang mit ihr, ist ihr zugetan, ist verliebt in sie' [ Gal-Dornf]. Sie harre (hatten) merenanner (miteinander) se dun, von Streitigkeiten [ KU-Schmittw/O]. Paß uf, sunscht kriescht's mit meer se du, Drohung [KL-Kindsb, verbr.]. SprW.: Mer lernt die Leit eerscht kenne, wammer mit'ne se du hot [Gal-Brotschk, verbr.]. — β. mit etwas zu tun haben, wie schd. Mit dere Sach hun ich nix se due [NPf, verbr.]. a. 1540: die kirchschaffnerey (soll) nichts mit zugsayl zu thun haben [PfWeist. II 1540 (KU-Ulm)]. Besonders von Beschwerden körperlicher Art: Er hot's mit de Aae (Augen), mit de Nerve ze dun [LU-Opp, verbr.]. — 2. 'arbeiten', vgl. PfWB machen. Er hot nix (viel, noch lang) se dau [GH-O'lustdt, verbr.]. Mer hun die Hänn voll se dun [ KU-Schmittw/O]. RA.: Er hat se due wie die Pann an Fasnacht 'hat viel zu tun' [ RO-Obd]. Duunt e bißche langsam! Grußformel beim Vorübergehen an Arbeitenden [ KU-Körbn]. Der dut kän Strääch (Streich), vom Faulenzer [ KU-A'glan Kaulb Kreimb]. Mach der nix se dun! 'Strenge dich nicht an, denn es wird doch nichts nützen' [Lu'haf, RO-Obd NW-Haßl Spey]. — 3. [Bd. 2, Sp. 613] PfWB tun als Ersatzwort für stellen, setzen, legen usw. Du 's Esse uf de Disch! [PS-Schmalbg, verbr.]. a. 1571: Item 1 lange Kist mit fachen, darin man Kuchen speiß dutt [ZweibrKellR]. Ich muß noch 's Kalb (zum Säugen) an die Kuh dun [NW-Ellstdt, verbr.]. Mer wolle jetzt die Hinkel in de Stall dun 'die Hühner in den Stall einsperren' [ NW-Deidh]. a. 1532: dem schmit geben für das beschlegs, So er ... gethon 'angefertigt' hat [SpeyGgHospR]. a. 1507: der soll dem carstfaut zwo scherferdt thun 'Fronfuhren stellen' [Pf-Weist. I 26 (RO-Alsbr)]. a. 1530: 2 farren, ist einer auch vff den bentzhoff gethun worden [Spey-GgHospR]. a. 1553: were den kosten tone soll 'die Kosten tragen soll' [ABlieskst 107]. Er hot koo Fuß iwwer die Deerschwell geduu [ Gal-Hanunin]. 's dut nit 'Das Instrument tönt nicht' [LA-Impfl]. — 4. a. einem etwas, nichts tun u. ä. 'Schaden, Böses, Unrecht zufügen', vgl. PfWB machen. Der Hund dut der nix [verbr.]. (1960 wurde »tut« im Wenkersatz 39 — Der braune Hund tut dir nichts — in 70% der Schulorte mit tut, in 30% mit macht wiedergegeben; offenbar herrschte auch hier — vgl. o. 1 a — das Bestreben vor, den Satz wörtlich zu übertragen). Was hawich (habe ich) der dann gedaun? [ LA-Edk]. Ich du der e Ducke (e Duppe, e Bosse) 'Ich spiele dir einen Streich' [verbr.]. Verzeihen Se, ich hab's nit geren 'nicht mit böser Absicht' gedaun [ GH-Zeisk]. Du mer nix, ich du der aa nix [Kaislt, verbr.]. Dore (Tote) dun äim nix [ KU-Schmittw/O]. RA.: Er dut kemm Hinkl eppes, von einem Feigen [ KL-Siegb]. SprW.: Besser Uurecht (Unrecht) leide wie Uurecht du [Penns]. Einen VR. s. bei PfWB Schneider. a. 1480: iedem besonder keinen geferlichen oder freuenlichen schaden zu thun [PfWeist. I 441 (KL-Erlb)]. — b. einem Liebes, Gutes tun u. ä. Er hot mer nore Gudes geduu [ Gal-Dornf, allg.]. Ich du eich aach emol e Gefalle [ KB-Kriegsf, allg.]. — 5. 'sich gebaren, sich verhalten'. Sie hän arg gedun '(am Sarg) sehr geweint, geklagt' [GH-Kand, verbr.]. Wann sei Fraa uf'm Schab geleh hätt, er hätt net vertels so arig gedun (wie beim Verlust der Kuh) [PfId. 176 (WPf)]. Du nor net so! 'Verstelle dich nicht!' [RO-Obd, verbr.]. Er hat so gedue, als härresene (hätten sie ihn) for se Dresche bestellt [ KL-Queidb]. Der dut grad so, als ob er aach was ze saage hätt [Krieger 21]. Vgl. auch PfWB dicktun, PfWB großtun. — 6. in Verb. mit dem Inf. eines Verbs als Mittel der Umschreibung. a. im Indikativ. Se dun heirate [LA-Bornh, verbr.]. Er dut sterwe 'liegt im Sterben' [KL-Landstl, verbr.]. Der dut alles verkuhwedele 'verdirbt alles' [Krieger 11]. Er dut immer 's Maul ufreiße [SP-Harths, verbr.]. Die Määd duhn flink die Latwerj rehre [Kühn Schnitze II 25]. Häufig in der Sprechweise der Kinder: Ich du schreiwe; ich du net lese [verbr.]. In Aufzählungen: Mer dun heit abmache, binne un infahre '(Getreide) mähen, [Bd. 2, Sp. 614] binden und einfahren' [verbr.]. Zur Bildung des Futurs: RA.: Mit meer dun ehr kee Micke fange 'Mit mir werdet ihr (könnt ihr) nicht machen, was ihr wollt' [Kaislt]. — Den VR. Bohne dun mich krone s. bei PfWB Bohne 1 (I 1076, Z. 23ff.). a. 1773: und allen aufgeloffenen unkösten nicht entrichten thut [PfWeist. II 574 (NW-Freinsh)]. — Der subst. Inf. steht im Genit. bei Bezeichnungen von Kinderspielen: Fanges (Fangens 'Fangspiel') dun [ KU-Schmittw/O]. Kneppels (Knöpfelns 'Knopfspiel') dan [ LU-Altr]. Nach dem gleichen Muster auch: Gails (Gäulens 'Pferdchenspiel') dun [ KU-Schmittw/O]; ebenso: Schuls (Schulens) dun 'Schule spielen' [ebd.]. — b. im Konjunktiv. α. zur Bildung der Möglichkeitsform, gew. in Satzverbindungen. Der deet mitmache, wann er kennt [Krieger 9]. Du glaabscht, des dät d'r nix; baß uf, daß du dich net errscht [ KL-Reichb]. Er saat, er deet das nimmi mache [ Gal-Dornf]. Wann ich des gut Brillche nit het, was det ich dann do mache [Holler 12]. Ich meene grad, d'r Kopp det mer verspringe [ KU-Wolfst RO-Lohnsf]. So gern, as ich 's deet, awwer helfe kann ich net [ NW-Frankeck]. Mänschde, wann mer de ganze Dag greine det, det's besser werre? [Holler 10]. RA.: Liewer därisch (täte ich) mer uf's Maul schlaae [ ZW-Marthh]. Die dere sich die Finger denoh lecke [KL-Matzb, verbr.]. Das deet der eraushänge 'Das würde dir so passen' [ KU-Kaulb Kreimb]. Das deet mer net uf de Lippe verbrenne 'Dazu könnte ich nicht schweigen' [ KL-Hirschhn]. Määnsch du, die gebrorene Dauwe deeren d'r ins Maul fliee? [ KL-Stelzbg]. Ich wollt, du dätscht ime verreckte Hund stecke un mischt (müßtest) em verzehn Daa hinneraus belle [ PS-Saalstdt]. Wann ich dich im Aarsch hätt, dät ich dich in de Rhein scheiße [ Gal-Dornf]. BR.: Der Februar saat zum Jänner: Wann ich die Kraft hätt wie du, dät ich 's Kalb verfreere losse in der Kuh [ Gal-Brotschk]. — β. zur Bildung der Wunschform. Ich det was esse [RO-Dielkch, verbr.]. Wann de nore emol dein Maul halle deescht! [RO-Semb, verbr.]. Dedsche liewer de Katz ehr Schwanz ins Maul nemme (statt der Zigarette)! [ KU-Wolfst]. — 7. subst. Unn 's wärd kenn Tun se veel (zuviel) gelobt, wann's aaner recht besieht [Christmann Grummet 33]. Wie er ame Owed werrer so em völlije Dun war met seim Fluche [PfId. 177 (WPf)]. Er es im beschde Dun 'im schönsten Alter' [ KB-Kriegsf, KU-Schmittw/O]. Sein Dun un Treiwe gefällt mer net [ KU-Schmittw/O]. Er hot 's Tun un 's Losse 'Er kann es tun oder lassen' [Don (Steinmetz)]. Des is en Dun 'Das ist einerlei' [RO-Obd, verbr.]. 's es an Dun, wie d'es machscht [ RO-Mannw]; vgl. PfWB Tuns. Rätsel: Die än saat: Ich wollt, 's wär Dag. Die anner saat: Ich wollt, 's wär Nacht. Die dritt saat, Mer is än Dun, ich han Dag un Nacht kän Ruh (Bett, Ofen, Uhr) [Hebel 115]. — Zs. PfWB ab-, PfWB an-, [Bd. 2, Sp. 615] ![]() [Bd. 2, Sp. 616] dīn verbr. im Ostteil der südl. VPf (nördlichster Punkt NW-Geinsh, südlichster GH-Hagb; vgl. hierzu bes. Bertram § 159); dęin in BZ-O'schlettb; dęin in BZ-V'weidth. Sonderform für 2. Pl. dūnd in KU-Körbn. Gal-Dornf Obl haben im Sing. dū, dūd, dūd; im Pl. dūn. Penns im Pl. nach PSA K. 54 dūnə, dūn, dīnə. — Konj. Prät.: im Sing. dēd, dē(d), dēd, im Pl. dēdən u. dēdə (intervokalisch statt -d- oft -r-); in unbetonter Stellung und in lebhafter Rede wird der Vokal fast immer kurz gesprochen. — In Gal-Dornf: dēd, dēd, dēd, dēðən; in Gal-Obl: dēd, dē(d), dēd, dēdən. In Penns nach Wood Schärf. Penns 233: (ich) de:d. — Südhess. I 1821 ff.; RhWB Rhein. VIII 1444ff.; Saarbr. 53; LothWB Lothr. 112; ElsWB Els. II 639; Bad. I 592ff. u. I 667 Eintun.
| 1. bei Menschen. a. 'mit lauter Stimme sprechen, schreien', kreische (graiə) [verbr. (außer lothr. SWPf), auch Penns Don Gal Buch Rußl (NPf VPf vereinzelt -ž-)], kraaische (grāiə) [Karch Bockh/Kallstdt 89, 90], kroische (grǫiə) [mancherorts mittl. VPf (Bertram § 292) KL-Mölschb Stelzbg W'lein BZ-Wernbg], kreiche (graiχə) [ KU-Bosb Diedk WD-Niedkch IB-Habkch ZW-Bechhf RO-Schiersf KL-Lind Siegb LU-Altr Gronau NW-Seeb BZ-Rinnth] krische (griə) [verbr. lothr. SWPf], kresche [ Don-Biled]; vgl. F. Zs.: ab-1, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB ver-, PfWB voll-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB hinauskreischen. Syn.: PfWB billern2 2, PfWB plädieren, PfWB plärren, PfWB brüllen 1 a, PfWB fest (hart, laut) PfWB plaudern (sprechen), PfWB gälpsen, galstern, PfWB gärren 2 b, PfWB gauzen 2 a, PfWB gellen, PfWB gellern, PfWB gellsen, PfWB krakeelen, PfWB Kreisch PfWB tun, PfWB schreien; weitere Syn. s. PfWB lärmen; sich de Hals wund k. [ KU-Diedk]; äim eppes in die Ohre k. [ KU-Schmittw/O]. Kreisch nit so (arich)! 'Sprich nicht so (arg) laut!' [ BZ-Eußth, verbr]. Er kreischt, daß mer's iwwer drei Haiser enaus heert [ KU-Schmittw/O]. Die kreische, daß mer mäint, 's ganz Haus wär däib (taub) [ebd.]. Kreisch's jo enaus, daß es alle heere!, sagt man, wenn jemand laut über eine Angelegenheit spricht, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll [ KL-Reichb]. Jo, kannschde k.!, sagt man zu einem, der außer lautstarkem Gehabe nichts zuwege bringt [ebd.]. Mit em Maul kammer (kann man) k., dass. [Frankth]. So, du Griwwelbisser, kreischt se, du Massik ... [NPfGV Nr. 8, Aug. 1934]. Do han die Baure »Hoch« gekrisch / Un ufgebollert uf de Disch [Münch Weltgesch. 138]. Mir Pälzer duhn - es isch was dran - / Mehr als Gebühr isch - kreische! [Croissant 59]. Peifedeckel, wann die mitnanner kreische, sin se sich änich [Krieger 45]. RA.: Borjerhilf k. 'um Hilfe rufen' [Kühn Palz 125]; sein Däil k. 'kräftig mitschreien' [ KU-Schmittw/O]; vor Schmerz, Ärger in die Wolke (de Himmel) k. [KL-Wörsb, verbr. Don Gal Buch]. Do kennt ma Feier k. (vor Verwunderung, Schmerz) [Zweibr (Wilms Alph. 18), mancherorts]. Die sin zum K. 'zum Totlachen' [Krieger 33, verbr.]. [Bd. 4, Sp. 577] Wer laut, durchdringend schreit, kreischt wie e Buchmardl (Buchmarder) [ KU-Kaulb, mancherorts]. Er kreischt wie e Leeb (Löwe) [SOPf (Heeger Nachl.)], wie e Bär [Heeger Tiere I 27], wie e Derk (Türke) [Don-Bulkes Gert Tscherwk verbr. Gal Buch-A'frat]. Er dut k., wie wann er am Spiß stecke deet [ KL-Hirschhn, verbr]. Er hot Zeder un Mordjo gekrische [ LU-Opp]. Er hot gekresch iwer Licht un iwer Laut [ KU-Diedk]. Der kreischt nimmi (nicht mehr), von einem, der gestorben ist [KL-Lind (Höh 161)]. SprW.: Wer am ärgschde kreischt, lääft am eerschde fort [ BZ-Dierb]. Die, wo am mehrschde kreische, dene soll mer die kalt Schulter zeiche [Krieger 30]. Was voll es, kreischt net [ KB-Bischh]. BR.: Gewitter im Mai, kreicht de Bauer »Juhai« [ LU-Alsh]. VR.: Heinerle, Heinerle hot Knoddle im Hemb, geht die Houlgaß nunner, kreischt quick, quack, quack [ LA-Hainf]. Neckreim auf den Schneider: Schneiderbockgäß, mach d' Supp so hääß, schlupp unner de Disch, kreisch Kehrwisch! [ GH-Kand]. Einen weiteren VR. s. PfWB Decke. — b. 'schelten, schimpfen' [verbr., Kühn Hamet 120]. Syn. s. PfWB schelten. Er hot mit mer gekresche [SOPf (Heeger Nachl.)]. Der kreischt de ganze Daa (Tag) [ ZW-Battw]. Kreisch mich net so an! [Pirmas]. Awer wann se emol e Brodegoll mae wille, dann kreischt gleich Alles 'Aber wenn sie einmal ein Protokoll machen wollen, dann schimpfen alle' [PfId. 181]. — c. 'weinen', bes. von kleinen Kindern; Zs.: PfWB bei-, PfWB verkreischen. Syn. s. PfWB greinen 1 a. 's Kind kreischt [NW-Freinsh, verbr.]. Wer kreischt 'n do so?, sagt man zum weinenden Kinde [ LU-Böhl]. Wammer nit immer bei'm isch (beim Kind), fangt's grad an se k. [ PS-Erfw]. Nemm's un trag's (das Kind) e bissel rum, daß's ufheert se k. [ LA-Gommh]. Bese Kinner greische, brille, / Hen so graad ihr eegner Wille [Birmelin Penns Gezw. 133]. RA.: Wann dem sei Dummheit weh du dät, mißt 'r Daa un Nacht k. [Kaislt, mancherorts, Gal-Dornf]. Der hat 's Lache un Kreische in eem Sack, von einem, der schnell aufeinander lachen und weinen kann [ Don-Gottlob St. Andreas]. SprW.: Wammer de Kinner de Wille dut, kreische se net [ Don-Gertianosch Gottlob]. BR.: Wann die Kenn (Kinder) kreische, gebt's am annere Dag Räin (Regen) [ WD-Niedkch]. Volksgl.: Mer soll en Kind net im Leeb (Sternbild des Löwen) abgewehne, schunscht kreischt's wiischt [Fogel Beliefs Penns Nr. 126]. Volksmed.: Fenele (Fenchel) git mer 'm Biwele (Büblein), not hert 's uff se k. [BZ-Rohrb (Wilde 58)]. — 2. bei Tieren. a. 'Lautäußerung des Rindviehs'; vgl. PfWB brüllen. Die Kuh kreischt [verbr.]. 's Veeh (Vieh) kreischt vor Hunger [ KU-Schmittw/O]. SprW.: D' Kuh, wu am erschde noch 'm Kalb kreischt, vergißt's am erschde [ BZ-Dierb]. — b. 'Wiehern des Pferdes' [mancherorts]. Volksgl.: Wenn die Gail kreische an 're Leicht 'Beerdigung', sterbt glei widder eens [Fogel Beliefs Penns Nr. [Bd. 4, Sp. 578] 547]. — c. 'Quieken, Schreien der Schweine, bes. wenn sie nach Futter verlangen'. Die Sau (Sai) kreische [ KB-Kerzh, mancherorts]. RA.: Heit gebt's noch Reen (Regen), daß die Sai kreische [verbr. Gal Buch-Satulmare St. Onufry Rußl-Worms]. Volksgl.: Wammer die junge Sai im Leeb 'Sternbild des Löwen' vun der Loos 'Muttersau' dut, kreische sie wiischt [Pennsylv. Dutch Cook Book 41]. — d. 'Blöken des Schafes' [ RO-Als KL-Reichb LA-Gommh]; vgl. PfWB plärren 1 b. RA.: Der kreischt »mäh« wie e Schoof [ KL-Reichb]. — e. 'Miauen, Schreien der Katze'; vgl. jaunzen. Die Katz kreischt [verbr.]. — f. 'Lautäußerung von Hausgeflügel und anderen Vögeln'. Das Hinkel kreischt [KU-Gumbsw, verbr.]. Der Hohn kreischt [KU-Odb, verbr.]. Die Gäns kreische [Frankth, verbr.]. Wie ich dehäm aus meim Schublädel des Angelzeig raushol, kreischt mein Bebgei (Papagei): »Petri Heil« [Pfälzer Art und Sinn 1. 12. 1933]. RA.: Der heert de Guckuck nimmi kreische, wenn ein Kranker das nächste Frühjahr nicht mehr erlebt [ LA-Gommh, BZ-Dernb]. BR.: Wann de Poo (Pfau) kreicht, gibt's Rege [LU-Alsh, Fogel Beliefs Penns Nr. 1136]. Dieselbe Regel auch vom Schreien der Raben, vgl. PfWB Krapp2 1 a [NW-Geinsh LA-Freimh Fogel Beliefs Penns Nr. 1223], der Dreckraben [Kus], des Dreckfinks [ ZW-L'wied], vom nächtlichen Schreien des Hahns [ KU-Odb], vom Kuckuck: Am 10. April kann er kreische, am 15. muß er k. [ KL-Fischb]. Volksgl.: Man muß mit'm Geld im Sack rappele, wann de Guckuck zum erschdemol kreischt, damit man das ganze Jahr über Geld hat [ NW-Wachh]. Wemmer de Guckuck zum erschdemol heert kreische un hot Geld im Sack, hot mer 's ganz Johr [ GH-Schwegh]. VR. s. PfWB Kappe 2 a, PfWB Klara. — g. Lautäußerung anderer Tiere. Die Krotte 'Frösche' k. [ LU-Friesh, mancherorts]; vgl. PfWB quaken. Im Frihjohr kreischen die Fresch [ Gal-Debolowka]. SprW.: Wammer de Krott uf de Bauch trett, kreischt se 'Wenn man jemandem weh tut, wehrt er sich' [ KU-Schmittw/O]. VR.: Die Freschelcher, die Freschelcher, des es e luschdich Kor, sie sitze in dem Wasser drin un kreische quack, quack, quack [ LU-Limbghf]; Var. s. PfWB Frosch I, PfWB Kor2 1, PfWB Krinoline. — 3. 'Geräusche verursachen'; vgl. PfWB knarren 1 a. Die Deer (Tür), die Sääg un die Feil kreische [ KU-Schmittw/O]. De Waache kreischt [ LU-Opp]. RA.: 's kreischt wie e Pluggerkärchel (Pflugskarren) [ LU-Muttstdt]. Die Speelleit kreische, vom Geräusch in den Gedärmen [ KU-Albess]; vgl. PfWB Därmekreischen. Schuh as kreische, sin noch net bezahlt [Fogel Beliefs Penns Nr. 2053]. — 4. 'in grellem Kontrast stehen'. Die Forwe (Farben) kreische [ KU-Schmittw/O]. »Alles Auffallende der äußeren Erscheinung 'kreischt' dem Pfälzer in die Augen« [Schandein Bav. IV,2 265]. — F.: Präs. Ind. Sg. 1. grai, 2. graid, 3. graid, Pl. 1. [Bd. 4, Sp. 579] graiə(n), 2. graid, graiə(n), 3. graiə(n); zur Verbr. der Pl.-Endung vgl. DSA, K. 7a; dgl. mit Stammvokal -ǫi-, grǫi usw. u. -i- s. Inf. bei 1 a. Part. Perf. gəˈgreə [PS-Erfw LA-Herxh Ilbh Nd'hochstdt Wollmh BZ-Dierb Bertram § 79 Heeger Südostpf. § 8], gəˈgriə [NW-Wachh LU-Friesh Opp Land GH-Kand Buffington-Barba Penns 152 Lambert Penns 70], gəˈgre [KU-Bedb Diedk Kaulb Kreimb Schmittw/O WD-Niedkch RO-Dielkch KB-Kriegsf Henn Mda.-Int. 98, 207], gəˈgri [KU-Brück Don (Steinmetz)], gre [Mang 98, 196]. Imp. Sg. grai, Pl. graid, graiən (-ǫi-, -i-). — Südhess. III 1804; RhWB Rhein. IV 1455; LothWB Lothr. 314; ElsWB Els. I 525.
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