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 PfWB tragen (Bd. 2, Sp. 394)   PfWB schwanger (Bd. 5, Sp. 1546)   PfWB klein (Bd. 4, Sp. 296) 
   tragen st.:
I. einen, etwas t., traan, traan, traa(e), traache, trage, s. F.
1. 'von einem Ort zum andern t.'; 's Däschche in de Hand, 's Kind uf'm Aarm (uf'm Buckel) traa(e) [NPf, allg.]. Sie tragt ehr Kind uf'm Buckel wie die Hääre (Heiden 'Zigeuner') [ BZ-Dernb]. Er traacht de Sack Hawwer uf de Schilder [LA-Gommh, verbr.]. Die kann e Korb voll Aajer uf'm Kopp traa [ Gal-Dornf]. Ich muß gleich 's Mettagesse in die Fawerik (Fabrik) traache [ PS-Erfw]. Mer missen heit Mischt in de Wingert traae [NW-Frankeck, verbr.]. Der kann Läscht (Lasten) troon wie e Besembinner [ KU-Schmittw/O]. Der Mihlknecht

[Bd. 2, Sp. 395]
muß schwer traache [LA-Gommh, verbr.]. De Aarem (Arm) dut mer weh vum Traae [Gal-Dornf, verbr.]. Do kammer sich bucklich traa, von einer schweren Last [RO-Münstapp]. Er hot sich en Bruch getrage, sich durch Tragen einen Bruch zugezogen [BZ-Dernb, verbr.]. Kumm, ich helf der trage! [ SP-Mechth]. RA.: E Judd hot's uf der Stang getraa, Scherzwort, wenn jemand etwas vergeblich sucht [ Gal-Dornf]. Des traat 's Wasser hoch, von einem hochbeinigen Mädchen [ Don-Schowe Torscha]. Er traat sei Tornischder uf'm Buckel noh, von einem Buckligen [ KL-Reichb]. Einen Sommersprossigen neckt man: Gell, du hoscht Puhl (Jauche) mit'm Korb getraa? [ KL-Bann]. SprW.: Die (verschwenderische) Frää tracht im Schorz mehn aus'm Haus, als der Mann mit'm Wache (Wagen) neinfahrt [BZ-Dernb, verbr., auch Don Gal Buch]. Volksgl.: Wammer 'n jung Kind tragt un hot selwert kens, erbt's 'wird man selbst bald eins haben' [Fogel Beliefs Penns Nr. 171]. VR.: Hannes, Trawannes, traa Wasser ins Haus; die Millich lääft iwwer un 's Feier geht aus [Trifels 24. 12. 1933, ähnlich Gal]. Traa mich, traa mich, traa mich net weit; traa mich noh Mackebach, wo's so scheen geit (geigt; Mackenbach ist als Musikantendorf weithin bekannt) [ KU-H'einöd]. Wenn einem Kind etwas heimlich angehängt wurde, rufen die anderen: De Esel träät, de Esel träät; er träät e Sack voll Kleie un wääß net, wo se leie [ KU-Bedb]. Ein Fingerspiel s. bei PfWB Bach (I 502, Z. 16). a. 1514: Item 4 sch. 11 pf. vor 8 tage myscht in die wingert zu berghußn zu dragen [GgHospR]. a. 1518: haben sanct philipsen geert mit eim silber Kyndelin, dregt (hält) ein silber appel yn die linker hant [Lehmann, Dipl. Gesch. des Stifts zu Zell]. Ein Zitat von a. 1539 s. bei PfWB Teig 1. a. 1571: Item 2 Lagell (s. PfWB Logel) darin man wasser dregt [ZweibrKellR]. Zs. PfWB ab-, PfWB ane-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB tot-, durch-, PfWB ein-, PfWB fort-, PfWB heim-, PfWB heraus-, PfWB herbei-, PfWB herein-, PfWB her-, PfWB herum-, PfWB hinab-, PfWB hinauf-, PfWB hinaus-, PfWB hinein-, PfWB hin-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB hoch-, PfWB nach-, PfWB voran-, PfWB vor-, PfWB zusammentragen. — Insbes.
a. gegenst.
α. de Aarem in de Schlink (Schlinge) traache [ LA-Gomm, allg.]; dass. auch kurz: 's Kind dut sein Ääremche traan [KU-Brück, verbr.]. —
β. 'n Bruchband trage [NW-Elmst, verbr.]; e Benn (Binde) traan, dass. [WD-Niedkch, verbr.]. —
γ. Kläärer (Kleider) traache, wie schd. [Land, verbr.]. De Mantel krieht e neier Krage, do kannscht'ne noch drei Johr trage [Krieger 37]. Was ich ammer (an mir) traa, muß echt sein [ FR-Bockh]. So Fetze, wie sie heit traaen, dät ich kene um de Leib, Ausspruch einer alten Frau [ ZW-Gr'bundb]. SprW.: Wer lebt vun Fische un Jage, muß verissene Kleeder drage [Penns]. —
δ. e Brill t., wie schd. [allg.]. Ich glaab, ich muß e Brill

[Bd. 2, Sp. 396]
naun traae; ich geh noch heit zum Obdiguss [Kühn Schnitze II 37]. —
ε. De Hund traat de Schwanz scheen, wenn er ihn leicht herabhängend und gebogen hält [ PS-Schmalbg]. Die Kuh trägt de Schwanz iwwer'm Loch, zum Zeichen, daß sie nicht trächtig ist [ SP-Harths]. —
ζ. Die Been traan mich nimmi (vor Müdigkeit) [ Gal-Dornf]. Er geht fort, so weit'n die Bäin troon [ KU-Schmittw/O]. —
η. 's Eis traacht 'ist schon so fest, daß es einen sicher trägt' [BZ- Albw, verbr.]. Der Balke tragt net 'ist zu schwach für die vorgesehene Belastung' [ BZ-Dernb]. —
θ. Das Gewehr traat weit 'hat eine große Schußweite' [KB-Biedh, verbr.]. —
b. übertr., s. auch Zs. PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB bei-, PfWB be-, PfWB davon-, durch-, PfWB ein-, PfWB er-, PfWB herum-, PfWB nach-, PfWB über-, PfWB ver-, PfWB vor-, zer-, PfWB zutragen. —
α. Des Geschäft tragt nix 'bringt keinen Gewinn' [BZ-Dernb, verbr.]. —
β. die Koschde (Kosten) t., wie schd. [verbr.]. —
γ. sein Los, sein Schicksal t., wie schd. Sie tragt ehr hart Los geduldig [ BZ-Dernb]. Sie trägt ehr Leide mit Geduld [ NW-Frankeck]. Er träät schwer dron 'macht sich viel Sorgen und Kummer um etwas oder um jemand' [ KU-Schmittw/O, KB-Bubh]. —
δ. a. 1314: der sol von der getat duen und dragen zwivaltige pene 'die doppelte Strafgebühr entrichten' [SpeyUrk. 222]. —
ε. 'Abbruch tun', mit Dat. a. 1507: Zum letzten spricht man zu recht, daß wasser vnd weydt der gemein sey, darin soll ir niemandt tragen [PfWeist. I 551 (LA-Frankw)]. —
2. Weitere RA. u. SprW. zu I 1: Er traat Wasser uf zwee Schuldere 'handelt zweideutig' [KU-Trahw, verbr., auch Penns]. Die dun Holz zum Feier traache 'schüren den Streit' [LA-Impfl]; Stafette traae 'tratschen' [ RO-Duchr]; die Kerch ums Dorf traae 'am Wesentlichen vorbeireden' [RO-Dielkch, verbr.]. Der traat awwer sei Nas hoch 'ist eingebildet' [Kus, verbr.]; uf de Hänn traae 'mit liebevoller Sorgfalt umhegen' [KU-Kaulb, verbr.]. Er hot net schwer se troon, weil er dumm und beschränkt ist [ KU-Schmittw/O]. Was der hergibt, is gut traae, von einem Geizhals [ KU-Schmittw/O]. Das is ken Schäfche, wie' s Woll träät 'ist nicht so, wie es nach außen hin scheint' [ KU-Bedb]. Das hebt un träät net 'ist nichts Rechtes' [ KU-Adb, Kaislt]. Die RA. Brief t. s. bei PfWB Brief 2 c. SprW.: 's hot jerer sein Päckche (auch: Bindelche) 'sein Schicksal' se traan [ KU-Hundh]. Des Knächelche, wo em beschert is, traat em ken Hund fort, dass. [NPfGV Nr. 8/1934]. An dem, was m'r gelehrt (gelernt) hat, traat m'r nit schwer [ PS-Schindhd, KU-Schmittw/O BZ-Dierb]. Wer bringt, traat aach 'Wer Neuigkeiten über andere bringt, trägt auch Neuigkeiten weiter', Warnung vor Zuträgern [ Don-Gottlob]. —
3. Frucht t., s. die Zs. PfWB austragen 3 a. —
a. von Tier und Mensch.
α. vom Tier. Die Kuh (de Gaul, die Stut, die Loos 'Mutterschwein') traat

[Bd. 2, Sp. 397]
'ist trächtig' [verbr. mittl. u. südl. WPf, allg.]; dass. häufiger in der Verneinung: traat net, träät nimmi usw. Die Kuh is net ans Trage se bringe [ KL-Rodb]. Die Kuh is tragend [ HB-Kirrbg BZ-Hermbghf]. Scherzrede: En Gaul un en Has tragen en Johr (die Stute 48 Wochen, der Hase 4) [ BZ-Dernb]. Volksgl.: Fieder e Kuh, as net tragend bleibt, Dulibuhneblädder (Tulpenblätter) [Fogel Beliefs Penns Nr. 796]. Vgl. die Zs. groß-, PfWB hochtragend u. die Syn. bei trächtig.
β. selten vom Menschen; unner'm Herz troon, wie schd. [ KU-Schmittw/O, BZ-Dernb]. —
b. von der Pflanzenwelt. De Acker hot noch nie soviel getrage wie desjohr [GH-Kand, verbr.]. Das klääne Bäämel do tragt schun [ BZ-Dernb]. Volksgl.: Uf der Äppeldag (25. März) eb (vor) Sunneufgang schittelt mer die Äppelbääm; noh trage sie immer gut [Fogel Beliefs Penns Nr. 1058]. —
4. 's Geld traat Zinse, wie schd., [KU-Kaulb, verbr.]. —
II. refl.
1. 'sich kleiden'. Er träät sich iwwer seine (!) Stand 'zu aufwendig' [ WD-Niedkch]. Sie tragt sich modern [ BZ-Dernb]. —
2. vom kleidsamen Stoff, vom passenden Kleidungsstück. Der Stoff (auch: der Aanzug) träät sich gut (auch: träät sich net gut, träät sich schlecht) [ KU-Schmittw/O, allg.]. —
3. sich mit einem Gedanken, mit Plänen t., wie schd. Er tragt sich mit dem Gedanke auszewannere [ BZ-Dernb]. Er tragt sich mit grouße Plän (mit houche Stange) [ebd.]. — F.: Inf.: drān/drn RO-O'hs Durchr Lettw Westteil der mittl. WPf (bis zur Linie KU-Hachb—KU-Krottb) SWPf (bis zur Linie KU-Kübbg—ZW-Mauschb), dazu eine Insel um KL-O'mohr; drān/drn ostwärts anschließend bis zur Linie RO-Ebbg—KL-Mackb—KL-Hauptstl; drāə/drə noch weiter ostwärts anschließend bis zur Linie FR-Bobh—NW-Leistdt— NW-Weidth—PS-Glashtt, dazu GH-Neubg; drāgə/drgə u. drāxə/drxə im Hauptteil der VPf einschl. Ost-PS ab der Linie PS-Hintwdth— PS-Bundth (nördl. des Speyerbaches -x- u. -g-, südl. davon fast allg. -x-, selten -g-) — Präs. Sing. 1.: drān/drn westl. NPf u. MPf bis zur Linie RO-Wintbn—RO-Nd'mosch—KL-Rodb — KL-Miesb—ZW-Battw—HB-Brenschb; drā(ə)/dr(ə) anschl. bis zur Linie FR-Bockh—NW-Weish/S— NW-Weidth—PS-Petbch mit Einzelorten ostwärts der Linie; drāg/drg vorn. (FR u. LU); drāx/ drx u. selteneres trāg/trg mittl. VPf; drx südl. VPf mit Ost-PS ab der Linie PS-Hintwdth— PS-Fischb; 2./3.: drād/drd bzw. drād/drd mittl. u. südl. WPf nördl. VPf bis zur Linie FR-Höning—FR-Bockh; drd/drēd bzw. drd/ drēd NPf bis zur Linie KU-Blaub—KU-Kaulb— KB-Bubh, dazu IB-Reinh Bebh WD-Niedkch (drd in KU-Hundh RO-Odh Duchr Als Ebbg); drāg(d)/drg(d) und drāx(d)/drx(d) bzw. drāgd/drgd und drāxd/drxd südl. VPf bis zur Linie LA-Wey—GH-Westh mit Ost-PS ab der

[Bd. 2, Sp. 398]
Linie PS-Schönau—PS-Dahn—PS-Haust; drg(d) drēg(d) bzw. drgd/drēgd vorn. nördl. VPf, seltener mittl. VPf; drχ(d)/drēχ(d) bzw. drχd/ drēχd mittl. VPf, seltener nördl. VPf. — Präs. Pl. (für alle 3 Pers.): drā(ə)n/dr(ə)n NPf u. WPf (zweisilbig bes. im Ostteil der NPf); drāxən/drxən, seltener drāgən/drgən Westteil der VPf bis zur Linie FR-Lambsh—BZ-V'weidth (bez. -g- u. -x- s. Angaben beim Inf.); drāxə/ drxə ostwärts anschließend (südl. der Linie NW-Duttw—Spey im mittl. Teil neben der Endung auch -ən). — Imp.: drā/dr WPf ohne Ost-PS NPf mit nördl. VPf bis zur Linie FR-Bockh—FR-Gr'karlb—NW-Hardbg, dazu GH-Neubg; drāg/drg und drāx/drx VPf (-g hauptsächlich im N, -x- im S einschl. Ost-PS ab der Linie PS-Hintwdth—PS-Fischb). — Part. Perf.: gədrā(ə)/gədr(ə) WPf u. NPf etwa entsprechend der F. gebroch auf K. 1; gədrāgə/gədrgə und gədrāxə/gədrxə VPf (-g- vorw. nördl. u. teilweise mittl. VPf, -x- vorw. südl. u. z. T. mittl. VPf sowie Ost-PS). — Dunkle Qualität des -a- vorn. SOPf, NWPf und z. T. Süd- HB u. Süd-IB. — Intervokalisch erscheint der Velarreibelaut im nördl. Teil der mittl. VPf häufig nicht als -x-, sondern als -γ-. Daneben ist nach Bertram 120 noch eine Lautstufe zu hören, die zwischen γ und g steht, aber doch noch Reibelaut ist. — Auslandspfälzer: Formen aus Penns: draje, gedrāje Lambert Penns 43; drāge Horne Penns 238; drgd, seltener dreχd PSA K. 60; dr‧e., Wood Schärf. Penns 237. Formen aus Gal: dr(ə), selten drā(e); entspr. die konjugierten Formen: dr, dr(d), drd, drn (seltener drə), gədr. Rußl-Spey hat im Inf. drāxə. Südhess. I 1625 ff.; RhWB Rhein. VIII 1268 ff.; Saarbr. 210; LothWB Lothr. 99; ElsWB Els. II 743/44; Bad. I 522ff.

 

   schwanger Adj.: 'ein Kind im Mutterleib tragend', schwanger (waŋər, wḁŋər) [mancherorts, Lambert Penns 147 Krämer Gal 194]; in der Mundart neu; Syn.: PfWB pattersch, PfWB dick1 I 2 c α, PfWB glücklich 1 c, PfWB hopps 1; meist jedoch Umschreibung in Wend. wie: aufgebündelt sein (s. PfWB aufbündeln 2); gebündelt haben (s. PfWB bündeln 3); wieder daraufhaben (s. PfWB daraufhaben 2 b); die Täsche voll haben (s. PfWB Täsche 2 b ε); Kirbe halten müssen (s. PfWB Kirbe 2 b); unter dem Herz tragen (s. PfWB tragen I 3 a β); vorgebaut haben (s. PfWB vorbauen 2); etwas zu hoffen haben (s. PfWB hoffen); in Hoffnung sein (s. PfWB Hoffnung); mit einem Kind gehen, ein Kind kriegen, ein Kind ist unterwegs (s. PfWB Kind 1 a α); etwas Kleines kriegen (s. PfWB klein 1 c); geladen sein (s. PfWB laden1 1 d); die Nase angestoßen haben (s. PfWB Nase 1); den Ranzen voll haben, einen dicken Ranzen haben (s. PfWB Ranzen 2); den Sack voll haben (s. PfWB Sack 4 c); Mutterfreuden erwarten (s. PfWB Mutterfreuden);

[Bd. 5, Sp. 1547]
bald niederkommen (s. PfWB niederkommen); schnäkig sein (s. PfWB schnäkig 1 d); in einem anderen Stand sein (Stand 4); in (anderen, besonderen) Umständen sein (s. PfWB Umstand) u. a. Die es sch. [ KL-Gimsb]. Die is vun dem sch. [ RO-Dielkch]. Ich glaab, sie iss sch. [Damm Nachtdischlamp 17]. RA.: Der hot Laune wie e schwangeri Fraa [ Gal-Dornf]. Das is e schwanger Edechs, von einem, der wenig vertragen kann [ KU-Diedk]. Die verfehrt e Gang wie e schwangeri Omenzel (Ameise), von sonderbarer Gehweise [ Gal-Dornf]. Volksgl. (Meldungen aus dem Jahr 1932): Schwangere sollen keine Schnur und keine Kette um den Hals tragen, damit es keine Nabelschnurverwicklung um den Hals des Kindes gibt [ LA-Gommh]; auch sollen sie aus diesem Grunde unter keiner Schnur, keinem Wäscheseil, keinem Wagen, keiner Deichsel, keiner Stange oder durch enge Öffnungen durchschlüpfen [ KB-Kriegsf mancherorts]. Schläft die Schwangere mit hochgehobenen Händen, so kann sich die Nabelschnur des Kindes verwickeln [ IB-Aßw]; ebenso, wenn sich die Schwangere in einem engen Raum umdreht [ ZW-Bechhf], sich schnell umdreht [ RO-Feilbg], tanzt [ KB-Kriegsf, mancherorts], in gebückter Stellung rückwärts geht [ BZ-Bindb, vereinzelt], hüpft [ RO-Kalkof, mancherorts], Fenster putzt [ IB-Biesing], Wäsche aufhängt [ FR-Hertlhs, mancherorts], strickt [ NW-Dürkh], Wolle aufwickelt [ LU-Fußgh NW-Ungst SP-Ottstdt], etwas schnürt [ LU-Iggh GH-Hagb], die Kaffeemühle dreht [ KL-Samb]. Besteigt eine Schwangere eine Leiter, so soll sie zur Vermeidung von Nabelschnurverschlingungen diese wieder hinabsteigen, ohne sich in der Zwischenzeit um ihre eigene Achse gedreht zu haben [ SP-Dudhf]. Für einen guten Verlauf der Schwangerschaft oder zur Erleichterung der Geburt soll die Schwangere (zehn mal) einen Schurz voll Steine den Berg hinauftragen und diese wieder herunterrollen lassen [Ingb ZW-Bechhf Knopp/Lab Wattw PS-L'mühl], Steine auf den Speicher tragen [ IB-Ensh], Steine auflesen und forttragen [ PS-H'eischw]. Damit das Kind schön wird, soll die Schwangere Äpfel essen und Schnaps trinken [ SP-Dudhf, ZW-Nd'aub]. Fällt der Schwangeren ein Besen die Stiege hinunter, soll sie ihn noch einmal hochholen und hinunterwerfen [ KB-Biedh]. Wenn eine Schwangere nach außergewöhnlichen, häßlichen, aufregenden oder schrecklichen Dingen (z. B. wüste, wilde Tiere, schlimme Verletzungen, Mißbildungen, Entstellungen, Tote, Erhängte, Wasserleichen usw.) schaut (vgl. PfWB vergucken 2, PfWB versehen 2 a), kann das Kind ein entsprechendes Mal bekommen oder es kann sonstige Mißbildungen erleiden [ NW-Kallstdt, mancherorts]. Wenn eine Schwangere vor etwas erschrickt, (z. B. einer Maus, Ratte, einem Frosch usw.), kann das Kind ein

[Bd. 5, Sp. 1548]
Muttermal bekommen [ KL-Alsbn, mancherorts]. Schaut eine Schwangere wilde Tiere an, so kann das Kind eine Hasenscharte bekommen [ LA-Insh]. Erschrickt eine Schwangere, so darf sie sich nicht sofort in das Gesicht greifen, sonst bekommt das Kind an dieser Stelle ein Mal [ PS-Dahn, vereinzelt]. Hat sich eine Schwangere gestoßen oder sich sonst wehgetan, so soll sie diese Stelle nicht sofort berühren, damit das Kind an dieser Stelle kein Mal bekommt [ KU-Dittw, vereinzelt]. Verbrennt sich eine Schwangere beim Kochen, so kann das Kind an der Stelle, an der sich die Mutter verbrannte, ein Mal bekommen [ BZ-Dernb, mancherorts]. Die Schwangere soll nicht in das Feuer schauen, sonst bekommt das Kind ein Mal in das Gesicht [ BZ-Nd'horb]. Eine schwangere Frau darf kein Holz über das Knie brechen [ HB-Schwarzack]. Schwangere dürfen in fremden Gärten beliebig viele Früchte essen [ LU-Opp]. Die Schwangere soll sich nicht von der Hexe beschrauen (s. PfWB beschrauen 1) lassen, sonst wird das Kind behext oder lahm oder es schreit zur Geisterstunde oder bekommt die Gichtern (s. PfWB Gichtern 1) [LA-Insh (um 1890)]. »Wenn eine schwangere Frau ein Kind aus der Taufe hebt, so muß entweder das ihrige, oder das aus der Taufe gehobene Kind sterben« [Journ. 7/1790, 8. Stück S. 142-144]; vgl. auch Heeger Vhk. 70/71. Südhess. V 868; RhWB Rhein. VII 2001.

 

   klein Adj.:
1. 'in Ausdehnung oder Umfang (räumlich, zeitlich) unter dem Durchschnitt', klään (gln) [weit verbr.], klaan (glān) [verbr. NPf nördl. SWPf PS-Schönau Hirschth Busbg LU-Altr], (gln) [vereinzelt östl. NPf], kloon (gln) [ KB-Zell FR-Hettldh], kleen (glēn) [mancherorts WPf nördl. VPf], kläin (glęin) [ KU-Schmittw/O], klaain (glāin) [ GH-Neubg], klään (gln) [vereinzelt, bes. westl. WPf], kläin (glęin) [ WD-Niedkch], klaan (gln) [ KB-Rams]; Kompar. u. Superl.: klenner (glęnər), klennscht (glęnd) [verbr.], klääner (glnər) u. kläänscht (glnd) [ KU-W'mohr NW-Kallstdt], kleener u. kleenscht (glēnər, glēnd) [ ZW-Gr'bundb], klinner u. klinscht (glinər, glind) [ KU-A'glan Diedk Körbn], klaaner u. klaanscht (glānər, glānd) [ PS-Busbg]. Auslandspfälzer: klenner u. klennscht [Lambert Penns 66 verbr. Don u. Gal].
a. von Dingen.
α. e klään Haus

[Bd. 4, Sp. 297]
[verbr.]; die k. Stubb 'die Wohnstube' [ PS-Erfw, mancherorts, auch Gal]; e. k. Gut 'ein kleines Bauernanwesen' [ LU-Oggh]; die k. Bord 'die kleine Empore in der Kirche' [ KU-Bedb]; die k. Schul 'die unteren Klassen' [NW-Kallstdt, verbr., auch Gal]. Das Gras is arich k. [ HB-Höch, mancherorts]. Der macht so klenne Schritt [ LA-Gommh]. Wer nicht recht kauen oder schlucken kann, muß lauder klänne Breckelcher esse [ RO-Semb]. Er hot klaane Äägelcher [FR-Kindh, verbr.], e klää Bärtche [ ZW-Bechhf], e klääner Kopp, auch: e klään Keppche [ KU-A'glan], e klään Keppl [ LA-Herxh], e klaan Maul [ LU-Altr]. Das Kind hot e klään lieb Mailche [ RO-Lohnsf]. Mit seine kleene Ohre heert er alles [Kus, verbr.]. Die klään Zeh dut mer weh [ KL-Matzb]. RA.: Der macht klaane 'verschlafene' Äälcher [ FR-Bockh]. Wer einem sehr anhänglich ist, kann mer um de kleene Finger wickele [ BZ-Stein]. Geb ihm der klee Finger un er will die ganz Hand hawe [Miller Penns]; Var. s. PfWB Teufel 3. Wer sehr hungrig ist, dem hängt de Maache am kleene Zeh [ LU-Neuhf]. SprW.: E kleener Zuwwer hot aa Reef [PennsDeitschEck 27. 2. 1954]. Weitere SprW. s. PfWB Brunnen 2, PfWB Tüpfen 1 a, PfWB Kirbe 1 a. Volksgl.: Grumbiere im Steebock geplanzt, gewwe nix wie kleene [Fogel Beliefs Penns Nr. 997]. Weitere Beispiele s. PfWB Näherin, PfWB Wagner. Neckreim: Äks, äks ausgelacht mit'm klääne Fingerle, mit der grouße Hand; pfui, esch das e Schand! [ GH-Leimh]. Fingerspiele s. Pflaumen 1, PfWB Daumen. Rätsel s. PfWB einholen 2a, PfWB herausziehen 1a. a. 1466: Item wyset der scheffen vnßer lieber frauwen zu Wadegassen alle zenden, groß vnd cleyn, alleyn zu [PfWeist. I 207 (PS-Burgalb)]. —
β. häufiges Attr. für FlN, z. B. die Klään Kalmit, ein Berg bei LA-Wollmh, Großer und Kleiner Mörsch (Sumpf) [Spey]; Gewannennamen: amtl. Die große und kleine Dreispitz [ PS-Lembg], Am kleinen Berg [ HB-Höch]. —
b. von Tieren; e klaaner Hund [FR-Bockh, verbr.]; e klaan Hindche [ KB-Kriegsf]; klääne Iminze 'Ameisen' [ LU-Friesh]. Lockruf für Rindvieh: Kumm, Klennes! [NW-Dürkh, mancherorts VPf PS-Glashtt]. SprW.: 'm klänschte Hund hengt mer de greschte Sprenkel an [Kühn Palz 133]. Weitere SprW. s. PfWB Fisch 1, PfWB Gift 1a. —
c. vom Menschen.
α. Mensch von kleinem Wuchs: e kleener Mann, e kleeni Fraa, e kleen(es) Kind u. ä. [verbr.]; scherzh.: e klääner Ries [ KL-Lind]. Syn. s. PfWB Zwerg. Drohung: Ich mach dich en Kopp klääner [ KU-W'mohr, mancherorts]. Dankesformel einem Kind gegenüber: Sollscht groß wachse! [verbr.]; mit dem scherzhaften Zusatz: un kloo bleiwe! [ Gal-Josbg]. Von einem Kleingewachsenen, der zum Scherzen aufgelegt ist: Klee, klee, awwer luschdich! [ Gal-Dornf]. SprW.: Kleen un wacker zackert aa e Acker [Hebel 44 Wilde 289 Klein Wag. 120];

[Bd. 4, Sp. 298]
vgl. auch PfWB Dreck 1a. Klaa un schmart (engl. smart 'klug, gewandt, tüchtig') is au wos wart [Horne Penns 103]. Fingerspiel: Der esch ins Wasser gfalle, der hod'n rausgezoche, der hod'n heemgetrache, der hod'n ins Bett gelegt un der klään Stumbernickel hod'n zugedeckt [ GH-Leimh]; Var. s. PfWB abtrocknen, PfWB heimtragen. —
β. 'jung, nicht erwachsen'; des Klään, Klaan, Kleen usw. 'das Kleinkind' [verbr.]; Pl.: die Klenne, Klääne usw.; 's klään Volk 'die Kinder' [ ZW-Battw, mancherorts]. Er hot ehr 'n Klännes gemacht 'hat sie geschwängert' [ LA-Gommh, mancherorts]. Sie kriet eppes Kleenes 'Sie ist schwanger' [KU-Bedb, verbr.]. Sie hun e kläin Kind kriet [ KU-Schmittw/O]. Der Storch brengt die kläine Kenn aus'm Wannepuhl [ WD-Niedkch]. Mein Kleeni 'meine Tochter' [LA-Wollmh, verbr.]; unser Klääner 'unser Sohn' [ LU-Friesh]; 'm Anna sein Klenner [ KL-Bann]. Denne ehr Klennes kreischt awwer [ LA-Gommh]. 's Lißje is unser klanscht Kind [ KB-Kriegsf]. Hosche 'm Klääne eppes metbrocht (aus der Stadt)? [ HB-Schwarzack]. Du kleeni Krott! [KU-Diedk, verbr.]. Ein herzhafter Bub is e kleener Garibaldi [Keiper in ZfdMa. 1910, 126 ff.], e Wussel, e kleener [vereinzelt VPf]. Wie ich noch klään war 'in jungen Jahren' [KU-Hundh, verbr.]. Er hat's vun klennem uf gelernt 'von Kindheit an' [ KL-Stelzbg]. SprW.: Kläine Kinn, kläiner Lascht - große Kinn, großer Lascht [ KU-Schmittw/O, mancherorts]; Var.: ... kleenes Kreiz - großes Kreiz [ Don-Gottlob], kleene Sorje - große Sorje [Gal-Reichb, verbr. Gal]. VR.: E aldi Fraa, e kleener Bu, die gehen uf Sankt Jockel zu [Schandein Sprachsch. 24]; Var. s. PfWB Frau 2a, PfWB Jakob 1b. Weitere Beispiele s. PfWB König, PfWB Max. —
γ. Pl. die Klenne, Klääne, Klaane u. ä. 'die Schüler der Unterklasse', bes. 'die Schulanfänger' [verbr.]; de Klenne ehr Lehrer [ NW-Kallstdt]. Im Gefolge davon: de klää Herr Lehre [ RO-Duchr, Gal-Dornf]; de kleen Lehrer [ KB-Dreis]; de klenn Schullehrer [ ZW-Bottb]; vgl. PfWB Kleinschullehrer, PfWB Großlehrer. —
d. von kleiner, kleinerer zeitlicher Ausdehnung: die klää Paus 'die kleine Pause (in der Schule)' [KB-Kerzh, verbr.], e klääni Stunn 'weniger als eine Stunde' [ebd.]. Das dauert jo e kläin Ewichkeit [WD-Niedkch, verbr.]. Waart e klään bissl! [NW-Freinsh, verbr.]. —
2. 'in geringem Grade, in kleinerem Maße'; en klenne Hunger [BZ-Albw, verbr.]. Er hat e Klenne 'einen kleinen Rausch' [ KU-Bedb]. So e kleeni Wund dät ich net achte [ KL-Reichb]. Ich hun käin kläin Geld [ KU-Schmittw/O]. 's is nor e klaan Rechnung [ KB-Kriegsf]. Mer mache e klenni Hochzich 'eine Hochzeit mit wenig Gästen' [ LA-Gommh]. Ich hätt e klaan Anlajes 'ein kleines Anliegen' [ KU-Bedb], e klenni Bitt [BZ-Annw, verbr.]. Er seet (sagt) allweil emmer sou kläin (so leise) Gemorje (guten Morgen) 'Er ist

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verärgert, gekränkt' [ WD-Niedkch]. Das is for mich was Klennes 'eine Kleinigkeit' [Pirmas, ältere Gener. (Otterstetter 233)]. RA.: Es isch e groß Getrumm un e klään Gemaschier gewest, von großem Getue [Wasgau-Bote 1934, Nr. 11]. —
3. 'sozial unbedeutend'; e klääner Bauer [LU-Oggh, verbr.], e klaan Baierche [ KB-Kriegsf], klääne Bauerschleit [ NW-Freinsh]. Er es aaner vun de Klaane [ KB-Kriegsf]. SprW.: Die Kleene henkt mer uf, die Große loßt mer laafe [Lu'haf]. —
4.
a. 'bis ins kleinste, haargenau'; vgl. PfWB haarklein, haarundklein. Er hot alles bis ins klennschde verzählt [verbr.]. —
b. s. kurz-und-klein, -kleinchen, PfWB kurzenkrümeln-, kurzheilighimmel-, kurzhimmel-, kurzhimmelheilig-, kurz-und-krümchenklein. —
5. 'kleinlaut, gefügig'. Wie er jetz so kleenche is 'klein beigibt' [ NW-Kallstdt]. Der (Eingebildete, Angeber) es awwer klaanche warr! [ KU-Kaulb, mancherorts]. — Südhess. III 1402 ff.; RhWB Rhein. IV 692 ff.; LothWB Lothr. 291; ElsWB Els. I 493; Bad. III 159/60.