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| PfWB Daumen (Bd. 2, Sp. 161) | PfWB Wirts-haus (Bd. 6, Sp. 1410) | PfWB Bürste (Bd. 1, Sp. 1379) | |||||||||||||||||||||||||||||
1. 'erster Finger der Hand', Daume (daumə, daunmə) [fast allg. WPf westl. NPf], (dḁumə) [verbr. VPf], Daame (dmə) [ KL-Siegb Kaislt], (dānmə) [KB-Biedh Gauh NW-Freinsh u. Umg. verbr. mittl. VPf], Doume (dǫumə) [ LU-Rh'gönh Altr SP-W'see Ottstdt], Dumme (dumə) [lothr. SWPf]. Ich han mer uf de Daame gekloppt [Kaislt, allg.]. Des is e Daume braat [FR-Bockh, verbr.]. 's Kind lutscht am Daimche [Bd. 2, Sp. 162] [ NW-Kallstdt, allg.]. Er hot'm merrem (mit dem) Daume in die Rippe gestoß, er is negscht umgefall [ KU-Schmittw/O]. RA.: Der kann jetzt am Daume lutsche, von einem, der sein Vermögen verloren hat [ KU-A'glan]. a. 1792: Er kann den Daumen rühren 'Er hat viel Geld' [Klein Prov. 79]. Der hat finf Daume, von einem Ungeschickten [KU-Bedb, verbr.], hat lauder Daume an de Hänn, dass. [Pirmas]; vgl. PfWB Tappes 1 a. Der wiet (wiegt) immer de Daume met, von einem knapp wiegenden Kaufmann [KL-Reichb, verbr.]. Der rechent (rechnet) finf Finger en de Aarsch un de Daume bleibt haus 'weiß seinen Vorteil wahrzunehmen' [ KB-Bischh]. Leg dein Daume druff, do hoscht de Flääsch, wenn jemand trockenes Brot essen muß [Hebel 28]. Sie hat'n unner'm Daume 'beherrscht ihren Mann' [KL-Trippstdt, verbr.]. Daumenspiel: Man streicht kleinen Kindern mit Mittel- und Zeigefinger über die Nase, steckt den Daumen zwischen die beiden Finger und sagt zu dem Kind: Guck, dein Näsche [BZ-Klingmst, verbr.]. Dieses Durchstecken des Daumens deutet auch den Geschlechtsverkehr an [verbr.], ebenso die Ablehnung der Erfüllung eines Wunsches [ Gal-Dornf]. Volksgl.: de Daume halle 'den Daumen drücken zum guten Gelingen' (verbr.), de D. hewe, dass. [südl. VPf]. Hall mer de Daume, daß mein Grand (im Kartenspiel) dorchgeht [Krieger 44]. Schlaa de D. in (ein), dass. [Pirmas Schandein Bav. IV/2, 327]. VR. (gesprochen beim Fingerspiel der Kinder): Des isch de Daume. Der (der Zeigefinger) eßt gern Praume. Der (Mittelfinger) saacht: Wuher nemme? Der (der Goldfinger) saacht: Stehle! Der (der kleine Finger) saacht: Beleib, beleib! Wann 's Großvädderle kummt, werd mer ufg'hängt [ BZ-Steinf]. Varianten s. bei PfWB beileibe, PfWB Pflaume, PfWB Großvater, PfWB heimtragen, PfWB klein, PfWB Muppes, PfWB Mutter, PfWB Schütz, PfWB Spitzbube, PfWB Struppes, Stumpfernickel. Volksmed.: de Daume rausreiße, dem Epileptiker bei einem Krampfanfall den D. aus der verkrampften Faust herausziehen; wenn das rechtzeitig geschieht, löst sich der Krampf alsbald [ LU-Altr]. (Im Gegensatz hierzu soll beim Besprechen des Herzgeblüts (s. d.) der D. eingelegt werden.) a. 1559: Zum dritten Mal soll man dem maynaidigen Zeugen die zween Finger und den Daumen abhauen, so er den Eydt mit geschworen hat, die die Heylige dreyfaltigkeit bedeuten; den Daumen, was bedeutet Gott, den Vater; der Finger bei dem Daumen, der son Jesus Christus; und der lengste Finger bedeut den Heyligen Geist; zu einem Zeichen, das er unrecht geschworen hat und die Heylige Dreyfaltigkeit verletzt [Knapp 50]. — 2. a. 'Handschuhdaumen' [FR Bockh, Gal-Dornf Obl]. — b. kalder Daume 'Stift mit Kopf zum Pfeifestopfen' [ ZW-Gr'bundb]; vgl. PfWB Pfeifenräumer. — c. Gasthausbezeichnung [Bd. 2, Sp. 163] 'zum Daumen'. a. 1528: Hauß zum Daumen genent, an der Weinprucken gelegen [Gg-HospR]. — F.: In dāmə, dmə ist der Stammvokal nicht unmittelbar aus altem -ū- (mhd. dūme) entstanden, sondern als Rückbildung aus dem Diphthong -au- (daumə) anzusehen. Dieser Vorgang vollzog sich parallel zu dem im annähernd gleichen Gebiet unter schriftsprachlichem Einfluß eingetretenen Wandel von mda. au bzw. ou zu ā, ō, z. B. in Aumed, Oumed (mhd. āmat 'Ohmet, Grummet'), Bauhn, bzw. Bouhn (mhd. bōne 'Bohne') zu mda. Ahmet, Ohmet bzw. Bahn, Bohn; vgl. Bertram 82 ff. — Südhess. I 1432/33; RhWB Rhein. I 1289 ff.; LothWB Lothr. 111; ElsWB Els. II 683; Bad. I 441.
| [Bd. 6, Sp. 1411] keens hab, bleib ich draus [Fogel Prov. Penns Nr. 1928]. Volksbr.: Uff Karfreidag sein die Leit net ins W. gang [ KU-Schmittw/O]. Zur Eröffnung der Kirchweihe stellen die Burschen am Samstag Abend Birken vor das W. [ LA-Böbing]. Weiteres Brauchtum s. Becker Vk. 50, 284. KR.: Uf de Heh wachst de Klee / Fudder fer mei Gailche. / Wann mei Vadder ins W. geht, / macht mei Mudder e Mailche. / Wann se awwer Kaffee trinkt, / hupst (peift) se wie en Dischdelfink (Kniereiterreim) [mancherorts, Feierowend 1950 Nr. 2 S. 1]. Herrgottsveelche (Maikäfer) flieh eweg, / dei Modder sitzt im Kihdreck, / dei Vadder hockt im W., / sauft die ganze (leere) Gläser aus [ Gal-Bagbg, HB-Jägbg]. Reits, reits Gäuli, / Alle Stunn e Meili, / Alle Meil e W., / Bring em Daddy en Bretzel raus [Horne Penns 117]. VR.: Vorm Dorf drauß steht e W., wohnt e Fraa drin, die hääßt Kätt (Katharina); horre (hat ein) Bappmaul, horre Schlappmaul, horre Nas wie e Trumbet [KL-Fischb, Var. Donnersberg Jahrbuch 1981 166]. Vadder im W., / Mudder im Bett, / Kinner im Kohlekaschde, / fressen die Brikett [Der Bote vom Trifels 1928 Nr. 27 (BZ-Annw)]. Einen weiteren VR. s. PfWB Gackel. a. 1534: Zum Fünfften sol niemants des Nachts nach dem Nachtessen yn kheins Würtzhausz zeren oder sitzen [Schandein Weist. von LU-Neuhf]. 16. Jh.: Von wurtten vnd wurttsheusern [PfWeist. 668 (LA-Gleisw)]. a. 1615: die entweders in Würtsheußern arrestiert, oder wol gar gethurnt 'in den Turm geworfen' [Vogel 27]. RhWB Rhein. IX 580; Lothr. 544; ElsWB Els. I 384.
| 1. a. 'Haarborste des Schweines und anderer Tiere', Berscht, gew. im Pl. Berschde [fast allg.]; de Sau (beim Schlachten) die Berschde rausroppe 'herausreißen' [ KB-Kriegsf, allg.]. Die Berscht (Bürste) do hot arich (arg, sehr) harte Berschde (Borsten) [verbr.]; vgl. PfWB Borste 1. Zs. PfWB Saubürste. — b. 'struppiges, ungeordnetes Haar des Menschen', verächtlich vom Haar überhaupt, vgl. PfWB Borste 2. Zs. Naupen-, PfWB Widerbürste. Der mit seine rode Berschde! [KU-Wolfst, verbr.]. Du hoscht awwer Berschde in deim Schnorres (Schnurrbart)! [ GH-Zeisk, allg.]. — c. 'kurzes, trockenes Gras'. Die Wiß hat lauder Berschde [KL-Weilb, verbr.]. — 2. 'das aus Borsten hergestellte Reinigungswerkzeug', Berscht, Birscht usw., s. F. [allg.]. Die Art der Verwendung der B. zeigen die Zs. PfWB Auftrags-, PfWB Bart-, PfWB Pferds-, PfWB Einschmier-, PfWB Gauls-, PfWB Glänz-, PfWB Haar-, PfWB Kehr-, PfWB Kleider-, Küh-, PfWB Schlicht-, PfWB Schmier-, PfWB Schmutz-, PfWB Schnurres-, PfWB Schuh-, PfWB Stall-, PfWB Wichsbürste. [Bd. 1, Sp. 1380] Das für die Herstellung der B. verwandte Material s. in den Zs. PfWB Draht-, Reis-, PfWB Wurzelbürste. Die hausierenden Bürstenhändler rufen: Berschte kaaft! Berschte kaaft! [Kühn Schnitze II 56]. — 3. eine Distelart in der Zs. PfWB Gläserbürste. — 4. Gastwirtschaft, deren Schild eine B. zeigte. Wann ich emol widder in die Berscht kumm [Firmenich 15 (Frankth)]. — 5. 'weibliche Scham', Berscht [ GH-Zeisk]. Syn. s. PfWB Bunz. — 6. a. rodi Berscht 'rothaarige Frau' [ Gal-Obl]. — b. 'widerborstiges, zanksüchtiges Weib', Berscht [ GH-Zeisk]; gew. in der Zs. PfWB Kratzbürste. — 7. keine B. 'nichts'. Es geht dich käin Berscht on 'Das geht dich gar nichts an' [ KU-Schmittw/O, FR-Bockh]. Do hocken jo so Drache, wo vum Geschäft keen Berscht verstehe [Müller Butterbärwel 24]. — Aus mhd. burst m. (der Nebenform zu borst, s. PfWB Borste). Die mhd. Pluralform bürste könnte eine Doppelentwicklung durchlaufen haben: 1) Sie wurde als Sammelbegriff zu Bürste f. (Werkzeug); 2) Es wurde aus ihr die feminine Singularform burst (mda. bärd usw., s. F.) gebildet (vgl. auch Südhess. I 1243, RhWB Rhein. I 1145; Bad. I 378). — F.: fast allg. bärd, vielerorts mit teilweiser oder vollständiger Vokalisierung des r-Lautes: bäÄrd u. bäÄd; bäd in KU-Eisb RO-Münstapp Winnw KL-Bann BZ-Hofstätt; bÄrd in KU-Albess Ehw Dennw/Frohnb Herchw Körbn WD-Hoof Marth Saal Niedkch RO-Rehborn Odh KL-Niedkch LA-Venn Nußd GH-Neubg; bad u. bād verbr. NWPf PS-Merzalb LU-Fußgh NW-Deidh; bird u. biÄrd in KU-Rathskch Hefw Seel verbr. HB u. IB KL-U'sulzb verbr. südl. VPf (LA u. BZ) GH-Bellh; bīrd in LA-Leinsw. Im Pl. tritt zu diesen Formen der Murmellaut — ə hinzu. — Südhess. I 1243; RhWB Rhein. I 1145; Saarbr. 28; LothWB Lothr. 45; ElsWB Els. II 91; Bad. I 378.
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