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 PfWB Brust (Bd. 1, Sp. 1296)   PfWB bluten (Bd. 1, Sp. 1042) 
   Brust f.:
1. 'der menschliche Brustkasten'.
a. Bruscht, Broscht, s. F. [allg.]; e starki, brääri, schwachi, schmali B. [allg.]. Er es braat (schmal) iwwer die B. [NPf, allg.]. Die B. geht fortwährend uf un nerrer (nieder), vom schweren Atem des Kranken, Erschöpften [ NW-Frankeck]. Heit

[Bd. 1, Sp. 1297]
nacht hot's mer uf de B. gehockt, vom Alpdrücken [ RO-Schneebghf]. Er hot e B. wie e Maaikäwwer [ RO-Dielkch], wie e Hinkel 'eine schmale B.' [ RO-Schiersf NW-Kallstdt]. Zs. PfWB Hünkels-, PfWB Spatzenbrust. RA.: Er streckt die B. eraus 'sucht sich ein Ansehen zu geben' [NW-Kallstdt, verbr.], macht e B. wie e kranker Hahn 'ist ohne Grund stolz' [KU-Bedb, verbr.]; vgl. PfWB brüsten. Er schmeißt (werft) sich in die B. 'begehrt auf' [verbr.]. Er hat B. 'Er ist Hahn im Korb' [ HB-O'bexb]; dass. in der Bed. 'Er kann sich's leisten' [ IB-Hass]. 's batt (nützt) alles nix, un wann'r noch so arig uf die B. kloppt [NW-Hardbg u. Umg.]. Schlag der an die eigene B.! [ LU-Oggh]. Dem han ich uf die B. geschlaa, daß er hinner de Adam (Wortspiel Atem/Adam) kumm war, wann die Eva net geholf hätt [ KL-Wörsb]. Er redt vun de B. 'frei heraus' [ KL-O'arnb GH-Rh'zab]. Der hot Hoor uf de B. 'ist besonders männlich' [ Don-Gertianosch, PS-Saalstdt Pirmas LU-Friesh]. Des is gewiß en scheeni Reih: Männer, Buwe sin derbei, jeder frisch, mit guter B. [PennsDeitschEck 13. 6. 1936]. —
b. 'Frauenbrust', vgl. PfWB Brustlappen 2 b, PfWB -tuch 2, PfWB -werk. Syn. s. PfWB Ditz. Von der stark entwickelten Büste heißt es: Die hot e Paar Brischt! [ LU-Opp, allg.]; do is was dehäm [ KU-Bedb]; do isch Holz ver de Deer [PS-Erfw, verbr.]; die hot viel Holz vor'm Haus, hot e große Milchwertschaft [ LU-Limbghf]. Vom Gegenteil heißt es: wie zwä Linse uf e Bräät genaalt 'auf ein Brett genagelt' [KU-Bedb, verbr.]; glatt wie zwää Linse [NW-Hardbg u. Umg.]. Von der Ernährung des Säuglings: dem Kind die B. gewwe [allg.]. Stillende Mütter haben zuweilen e gschwollene B. [ BZ-Dernb]. Volksgl.: En Kind muß s'eerschtmol an der Mutter ihre rechte B. trinke, noh werd's net links [Fogel Beliefs Penns Nr. 21]. Wann en Kind sterbt, as noch am Trinke war, soll mer sein Hemm der Mutter an die B. lege; noh kriegt sie ken Druwel (engl. trouble 'Beschwerden') mit der Milch [ebd. Nr. 167]. —
c. 'das Innere des Brustkastens und seine Beschaffenheit'. Der war nie fescht uf de B. [ NW-Freinsh]. Er harre (hat eine) feschdi B. 'starke Stimme' [ PS-Erfw]. Ich hab's uf der B. 'Ich bin brustkrank, lungenleidend' [ LU-Oggh, allg.]. Das Kind hot's uf'm Brischdel, vom Bronchialkatarrh [ LU-Altr, allg.]. Er klagt uf der Bruscht [ LU-Opp]. Er is ing (eng) uf de B. 'hat Asthma' [ RO-Als, allg.]. Ich sein zu uf de B. 'bin verschleimt' [ NW-Frankeck]. Mit Dachsfett und darin weiße Lilienblätter gekocht han ich mei weh B. ganz allää gehäält [Dimel 157]. Das Kind zahnt iwwer (auch: durch) die B. 'bekommt die Zähne recht schwer' [PS-Erfw, verbr.]. Un 's Kalt des setzt sich uf die B., was hän mer in de Roi rum (reihum) g'huscht! [Birmelin Penns Gezw. 74]. —
2. 'Bruststück von geschlachteten

[Bd. 1, Sp. 1298]
Tieren' [verbr.]; vgl. Brustkern, PfWB -spitze, PfWB -stück. Zs. PfWB Gänse-, PfWB Hammels-, PfWB Kalbs-, PfWB Schweinsbrust. —
3. Bekleidungsstück.
a. 'Einsatz am Herrenhemd', früher aus weißer Leinwand und gestärkt, Bruscht, Dim. Brischtche, Brischdel [allg.]. In ganz alten Zeiten war es ein Vorhemd, das über dem eigentlichen Hemd getragen wurde und wie die Manschetten steif gebügelt war; vgl. PfWB Brusthemd 2, PfWB -lappen 1 c. Bei einer Musterung für den Militärdienst wurde ein Gemusterter mit auffallend schmaler Brust gefragt: Kerl, wo haben Sie Ihre B.? Seine Antwort: Drauß uf de Bank [ LU-Limbghf]. Zs. PfWB Papier-, PfWB Hemdenbrust. —
b. 'Mieder'. a. 1670: Die Witwe bekam 1 schwarzes Leibgen weiter gemacht, eine Brust von grauem Tuch mit Fischbein und ein schwarzes Hängekleid [NPfGV 1934, S. 24]. —
4. 'Geräteteil'.
a. 'Verbindungsstück zwischen unterem und oberem Pflugbalken', Bruscht [ PS-Gersb Ruhbk], Bruschdel [ IB-Bliesmg/Bolch], Brischdel [KU-Breitb (Klein Wag. 117)]; vgl. PfWB Brustteil. —
b. a. 1596: Vff führung einer bruest am Offen des Bier Keßels [WerschwSchR, Bl. 263]. a. 1596: Am Zapfen (des Weihers) die Brust Von grundt Im fundament herauß Aufgeworffen [ebd., Bl. 275]. — F.: fast allg. brud; brǫd in KU-Schellw Rothsbg PS-Hintwdth. — Südhess. I 1180/81; RhWB Rhein. I 1053 ff.; Saarbr. 39; LothWB Lothr. 68; ElsWB Els. II 200; Bad. I 349/50.

 

   bluten schw.:
1. gegenst.
a. von Mensch und Tier, blude, bluðe, blure, blule, s. F. [allg.]. Zs. PfWB aus-, PfWB tot-, PfWB verbluten. 's hot e bißl geblut [ NW-Freinsh, allg.], aarich geblut 'stark geblutet' [KB-Kriegsf, verbr.], schään geblut, dass. [NW-Kallstdt, verbr.]. Er blut wie e Sau [ KU-Bedb, allg.].

[Bd. 1, Sp. 1043]
Er blut sich zu Dod [ LU-Friesh]. Es hätt meich einer steche kenne, eich hätt kei Troppe geblutt [ WD-Niedkch]. Die Nans hot em geblut [ FR-Bockh]. Mach kalt Wasser in die Halskaut, dann heert die Nas uf se blure [ KL-Reichb]. Er blut aus Maul un Nas [ Gal-Dornf Obl]. Volksgl.: Gegen Nasenbluten und Bluten der Wöchnerin gab es folgenden Brauchspruch: Es wachsen drei Lilie auf Christus Grab, die erste heißt Blut, die zweite heißt Gut, die dritte heißt Stillstand; im Namen des Vaters usw. [HB-Kirrbg (vor 1930)]. Gegen das Bluten beim Vieh: Die Frau Didiana ging zu der Frau Susanna. Die Frau Susanna ging zu der Frau Mutter Gottes. Die Frau Mutter Gottes ging zu Herr Jesu Christ und spricht: Nimm dem Stück Vieh das Blut zwischen Haut, Fleisch und Gedärmen, mag es sein, wo es ist. Im Namen des Vaters usw. [ebd.]. In PS-Erfw (1925) legen Kinder, die sich eine Handverletzung zugezogen haben, zwei Hölzchen kreuzweise übereinander und lassen das Blut aus der Wunde darauf tropfen, um es auf diese Weise zu stillen. — Ein Kind, das ein Stück Brot oder Kuchen in der Hand hatte, wurde von Erwachsenen damit geneckt, daß sie ihm sagten: Dei Hand blut! Um den vermeintlichen Irrtum des Erwachsenen aufzuklären, streckte das Kind diesem zuerst die leere, dann die volle Hand entgegen [ Gal-Obl Bagbg]. Mer soll 'me Kind gewe vun allem, was mer selber eßt, schunscht macht mer'm sei Herz blute [Fogel Beliefs Penns Nr. 100]. RA.: 's Herz blut em, wann mer so was sieht, wenn z. B. jemand Hab und Gut verpraßt [ LU-Limbghf, allg.]. — Von einem Lungenkranken sagt man kurz: Er blut [ KU-Bedb LU-Böhl]. —
b. von Bäumen und Reben. Die Rewe blude, wenn im Frühjahr der Saft austritt [GH-Kand, verbr. VPf]. —
c. Part. Präs. im Blumennamen 'flammendes Herz (Dicentra spectabilis)', blutend Herz [Germh], blurend H. [ PS-Winz]. Syn. s. PfWB Herzblume. —
2. übertr. Der muß heit blure 'die Zeche bezahlen' [ KB-Kriegsf, allg.]. Der muß schwer b. 'große finanzielle Opfer bringen' [allg.]. — F.: blūdə [LU-Friesh Opp Oggh LA-Gommh Land GH-Kand], blūlə [ KU-Bedb LU-Altr], sonst wohl allg. blūrə; blūðə [ Gal-Dornf]. In WD-Niedkch das Part. Perf. gəblud. Südhess. I 966/67; RhWB Rhein. I 810/11; ElsWB Els. II 172; Bad. I 273.