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 PfWB Brezel (Bd. 1, Sp. 1213)   PfWB Ofen-platte (Bd. 5, Sp. 229) 
   Brezel f., selten m., n.:
1. 'Gebäck aus Weißmehlteig in Form verschlungener Arme', Bretzel (brędsəl) [fast allg.], Bretschel [ PS-Fischb Erfw LA-Frankw Siebdg Ilbh GH-Erlb Minderslach], Bratzel [ RO-Rehborn], Bratschel [ PS-Bruchw GH-Neubg], Bretz [ LA-Wollmh]; merb (mürbe) wie e B. [Pirmas]. Besonders bekannt sind die Speyerer Brezeln. Zs. Zweipfennigbrezel. Der is so gelenkig wie e B., von einem Ungelenkigen [ LU-Friesh], stolz wie e B. [Kaislt]. Mer määnt, do deeten Bretzele verdäält werre, z. B. bei großem Zuhörerandrang im Gerichtssaal [Krieger 55]. Auf die Frage des Kindes, was ihm die Mutter aus der Stadt mitbringe, antwortet diese: O Bretzelche mit oom Lechelche, das hängscht der an dei Hälsche [ Buch-Illisch]. VR.: Wann's Brotwerscht reent (regnet) un Bretzle schneit, dann bitte mer de Herrgott, daß es Wetter so bleibt [Krieger 22]. Gud'n Owend, Schätzel, back mer e gudes Bretzel; nit so dinn un nit so dick, da'sch (daß ich) nit verstick (ersticke); nit so dick un nit so dinn, da'sch nit verspring [ LA-Böbing]. Reite, reite Gäuli, alle Stunn e Meili, alle Meil e Wertshaus, bring 'm Daadi en Bretzel raus [Horne Penns 117]. AR.: Enne, wenne, retzel, wer backt Bretzel? Wer backt Kuche? Der muß suche [ Gal-Bagbg]. a. 1590: Item die Becker sollen die Weck, es seyen Luckweck, stahlweck oder Brezeln Anders nit, dhann zu 1 vnd 2 Pfennig werthen [Zweibr-Urkb. 130]. a. 1590: ist durch den Küchenmeister bei Veit Beckern Weißbrot vnd Brezeln geholt worden ... 1 fl 2 alb 4 Pf [HornbSchR]. a. 1688: die Bäcker sollen auch 4 Pf.-Lücken und 4 Pf.-

[Bd. 1, Sp. 1214]
Bretzeln backen [StArch. Zweibr, Stadtkontraktenbuch 1661-1714]. Vgl. auch die Verfügung des Herzogs von Zweibrücken vom 12. 6. 1759 bei Pfetter 1. — Die B. war das hauptsächliche Gebildbrot der Pfalz, vgl. Bertram, Pfälzische Gebildbrote, in: Westm. Abhandlungen, Band 5. Zu PfWB Neujahr wurden Brezeln allenthalben von den Patinnen an die Patenkinder verteilt; in den Kreisen HB, IB u. ZW sowie in KL-Bann erhielten nur die Buben B., die Mädchen hingegen Backwerk in Puppen- oder Kreuzform. Beim Abholen der B. sagten die Kinder den Vers auf: Viel Glick im naue Johr, e B. wie e Scheierdor [ IB-Bliesmg/Bolch], oder: Prosit Neijohr, e B. wie e Scheierdor, e Kuche wie e Oweplatt, do esse mer uns allegare satt [HB-Nd'bexb, verbr.]. Var. s. bei PfWB Bratwurst, PfWB Floh, PfWB Kuchen, PfWB Lebkuchen, PfWB losgehen, PfWB Ofenplatte, PfWB satt, PfWB Scheuertor, PfWB Wagenrad, PfWB Wurst. Neben der länglichen Form gibt es auch eckige Brezeln, so in RO-Kalkof Kirchhbol SP-Ottstdt. In der Länge sind die Neujahrsbrezeln sehr verschieden, in der VPf durchschnittlich 40 cm, in der WPf 50 cm, in PS-Haust u. BZ-Spirkb über 70 cm, in KL-Kottw/Schwand gar 80 cm. Zs. PfWB Pfetter-, PfWB Neujahrsbrezel. — In KU-Eschau Kübbg HB-N'alth werden die B. nicht zum Neujahr, sondern zu Weihnachten gebacken. In GH-Schwegh hängte man B. an den Christbaum. Zs. PfWB Weihnachtsbrezel. Während der Fastenzeit, bes. am Gründonnerstag, gab es B. in Kirchhbol FR-Bobh GH-Kand. Zs. Gründonnerstagbrezel. — Am Sonntag Lätare, dem Sommertag der VPf, mancherorts auch in der NPf u. WPf wird eine kleinere B. am Stabausstecken getragen, so daß dieser geradezu vielfach die Bezeichnung Brezelstecken führt. Zs. PfWB Sommertags-, PfWB Stabausbrezel. Während des Umzugs am Sommertag singen die Kinder: Ri-ra-ro, de Summerdag is do. Stab aus, Stab aus! De Fuchs, der schluppt zum Hihnerhaus un sauft die Eier alle aus. Bretzel drein, Bretzel drein, heit woll'n mer lustig sein [NW-Weidth (Wilde 269)]. Dazu die Var. aus FR-Battbg: Stab aus, 'm Winder geh'n die Aage aus! Die Veilcher un die Blume, de Summer werd ball kumme. Ri-ra-ro, de Summerdag is do! De Fuchs, der steit (steigt) ins Hinkelhaus, holt die Eier all eraus. Mer äns, dir äns, annere Kinner aach äns. 's Schiffelche werd ball klingele, werd mer ebbes bringele. Was dann? Was dann? Ä Schisselche voll kihle Wein, do tunk ich all mein Bretzle nein! In der WPf gehört die B. auch zu den Kuchenarten der Kirbe. Am Kirbemontag wird vielerorts in der westlichen WPf die Brezel »herausgetanzt«. Vgl. hierzu Schandein Bav. IV/2,387: »Man zieht vor das Dorf auf die Wiese; die verzierte Bretzel, an einer Schüttelgabel befestigt, wird von einem Burschen zu

[Bd. 1, Sp. 1215]
Pferde dahin gebracht. Man tanzt um den Reiter herum, ein Tänzer erhält einen Lorbeerstrauß, macht damit einmal die Runde und übergibt ihn dem zweiten; so jeder seinem Nachfolger. Plötzlich fällt ein Schuß, und der augenblickliche Inhaber des Straußes hat die Bretzel gewonnen. Vom Wirthe geliefert wird sie des Abend mit den Tänzerinnen bei Kaffee verzehrt, die Burschen stellen den Wein.« In KU-Krottb bezahlt die Tänzerin den Wein, den ihr Tänzer beim Bretzelaustanzen trinkt [Vogelsgesang 20]. In WD-Ostbr ist die Wendung de (!) Bretzel erausdanze wohl noch erhalten, an die Stelle der B. ist aber ein Kranzkuchen getreten. In IB-Ensh ziehen die Burschen während der Kirbe mit einer Brotschieße umher, an der neben bunten Bändern eine B. befestigt ist. — Auch bei sonstigen Anlässen spielte die B. eine Rolle. In NW-Herxh werden bei Hochzeiten die Kinder mit Brezeln beschenkt. Die bei Pfetter 1 genannte herzogliche Verfügung gegen Mißbräuche besagt: So viel aber die Mahlzeit bey Kindtaufen betrifft, soll nur die Auftischung von Brod, Wecken, Kuchen oder Bretzeln mit einem Glas Wein, denen honorationibus ... erlaubt seyn. In NW-Herxh Wachh Haardt Gimmdg GH-Freisb kannte man die B. als Gebildbrot beim Totenmahl, in NW-Wachh als »Gabe für die Leichenträger« (Bertram a. a. O.). In mehreren Orten reichte man den Kindern beim Schuljahrschluß nach der Prüfung Brezelgeschenke, so in KU-Reipkch Glmünchw RO-Mannw KL-Rodb Alsbn KB-Marnh NW-Gimmdg BZ-Queichhmb GH-Bellh. Um 1930 wurden bei vaterländischen Feiern von den Gemeinden Brezeln an die Kinder verteilt. In FR-Kirchh erhielten noch um 1930 die Kinder am Karlstag Brezeln, wofür ein Bürger namens Karl eine Stiftung angelegt hatte. In NW-Hardbg wurden alljährlich am 28. Dezember große Brezeln verteilt zur Erinnerung an einen gewonnenen Waldprozeß. —
2. übertr.
a. 'Haartracht der Frauen, bei der die Zöpfe in der Form einer B. um den Hinterkopf aufgesteckt werden', Bretzel [(um 1930) Kus ZW-Stamb KL-Fischb LU-Opp]. —
b. 'Gesichtspartie um die Augen'. Er hot'm die Bretzel verschlaa, auch: Die Bie (Bienen) hun'm die B. verstoch [ KB-Bischh, Kaislt]. —
c. 'kleines Blasinstrument', Bretzel, Musikantensprache [ KU-Erdb]. — F.: Das Gen. im nördl. u. mittl. Teil der ganzen Pfalz allg. f., im südl. Teil vorn. n., seltener f.; WD-Niedkch hat m. — Aus ahd. brezitella, dieses aus mittellat. brachiatellum 'Ärmchen', Näheres s. Kluge-Mitzka19. — Südhess. I 1108/09; RhWB Rhein. I 993/94; LothWB Lothr. 63; ElsWB Els. II 208; Bad. I 323.

 

  -platte f.:
1. 'gußeiserne (meist verzierte), senkrecht angebrachte Ofenplatte zur Abstrahlung der Wärme', veraltet, vgl. Abb. 72, -platt (-blad) [mancherorts]. —
2. 'waagerechte eiserne Platte über dem Feuer, auf die man die

Töpfe stellt' [verbr.]; vgl. PfWB Herdplatte. Scherzhafter Rat bei Zahnweh: E Maul voll Wasser nemme un solang uf die O. setze, bis es Wasser im Maul kocht [ KL-Fischb]. Neujahrsspruch: E glickseliges Neijohr, / e Bretzel wie e Scheierdor, / e Lebkuche wie e O. / werre mer allminanner satt [ LA-Altd], Var. s. PfWB Brezel 1, PfWB prosit, PfWB Lebkuchen, PfWB Neujahr 1a, PfWB Ofenrohr. —
3. ehem. FlN, a. 1275: item Offeblatten tria iugera [OttbgUrkb. 141]. — Südhess. IV 1068; RhWB Rhein. VI 352; Lothr. 397. —